Ein wunderbares Bilderbuch, ein sogenannes "Pappenbuch". 

 

Ich empfehle es sehr gerne und verweise auf die Rezension.

 

Promenade“ von Jungho Lee, Moses (2017)

 

Welch bildnerische Augenweide für buchbegeisterte Menschen!

Eine Hommage, nicht nur an das Lesen, sondern und vor allem an das Buch selbst!

Die sanft, still und weichgezeichneten Bilder lösen sofort Assoziationen und Geschichten aus. Das macht ein gutes Bilderbuch für Erwachsene aus!

Je Doppelseite werden Szenen mit und rund um ein Buch gezeigt. Sie bauen nicht aufeinander auf. Ebenfalls je Doppelseite findet man eine Textzeile, dieser es aber nicht bedurft hätte. So selbstredend und nachhaltig stark sind die Bilder.

Dringende Kaufempfehlung für alle Liebhaber von gedruckten Werken. Lassen Sie sich auf eine poetische Reise mitnehmen und klassisch wertvoll beeindrucken. Toll!

 

Anja Kuypers

„Ein Sommer in Sommerby“ von Kirsten Boie, Oetinger (2018)

 

Eine wunderbare Kindergeschichte, die die Herzen der Astrid-Lindgren-Anhänger höher schlagen lässt. Welch eine Wohltat in der schnelllebigen Zeit, diese sommerleichte Familiengeschichte zu lesen. Gerne empfehle ich dieses Buch Erwachsenen zum Entschleunigen.

 

Die zwölfjährige Martha muss kurzerhand mit ihren beiden jüngeren Brüdern zu der ihnen unbekannten Oma aufs Land reisen. Die Mutter der Kinder hatte einen Unfall in New York, und der Vater muss sofort zu ihr fliegen. Die überraschte, zuweilen kratzbürstige Oma ist anfänglich nicht von dem spontanen Besuch begeistert. Ein vor Jahren entstandener Familienzwist ist der Grund dafür, dass es bislang keinen Kontakt zwischen ihr und ihren Enkeln gab. Nach und nach gewöhnen sich die Kinder an das Landleben, erleben Abenteuer, die sie bislang nur aus Filmen kannten und bringen Licht ins Dunkle der Familienchronik.

 

Der Leser ist von Anfang an Teil einer detailreich geschilderten Reise durch den hohen Norden Deutschlands. Tatsächlich existiert der Ort Sommerby nicht. Aber vermutlich wird sich jeder wünschen, dass es ihn gibt.

 

Das Buch handelt von innigem Familienzusammenhalt, mächtigem Mut und wichtigem Selbstvertrauen ohne kitschig daherzukommen.

Die überschaubare Kapitellänge ermöglicht Kindern ab acht bis zehn Jahren das eigenständige Lesen. Jedoch bietet dieses Buch viele Ansätze des gemeinsamen Lesens oder des kuscheligen Vorlesens am Abend oder zwischendurch.

 

Wer sich in kalten Jahres- oder stressigen Arbeitszeiten mit einem Ausflug in die skandinavisch angehauchte, harmonische Büllerbüwelt ablenken möchte, sollte Sommerby lesen. Ein Muss!

 

Anja Kuypers

 

„Was ist denn hier passiert“ von Julia Neuhaus und Till Penzek, Tulipan (2015)

 

Das Autoren- und Illustratorenduo hat mit diesem Buch wunderbare Erzählanlässe geschaffen.

Ein textloses Bilderbuch mit zwölf einzelnen Geschichten, die im typischen Julia Neuhaus Stil bebildert sind.

Je Doppelseite gilt es ein Bild zu betrachten, welches nicht stimmig ist: Warum hat beispielsweise der Astronaut ein Graffiti auf seinem Anzug? Und warum tragen die Enten im Teich Pilzkopffrisuren? Ist es richtig, dass Krabben durchs Weltall fliegen?

 

Hinter allen fehlenden Antworten steckt die Frage aller Fragen: Was ist denn hier passiert?

Zunächst ist die Fantasie des Lesers gefragt. Welche plausible oder abwegige Story sorgt für die Abbildung.

Zur Auflösung oder zumindest zur Erklärung durch die Autoren, bedarf es eines Smartphones und einer passenden App, die QR-Codes lesen kann. Denn auf jeder Doppelseite ist unten links ein sogenannter Code zu finden. Die Hintergrundgeschichte zum Bild läuft als musikalisch unterlegter Film ab. Mit Anschauen der Geschichte auf dem Smartphone erschließt sich dem Betrachter erstmalig das skurrile Bild.

Welch gelungene Medienkonvergenz, die sowohl Menge als auch Art der Zielgruppe erweitern dürfte.

Sehr empfehlenswert!

 

Anja Kuypers

 

Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore

 

Von William Joyce (erschienen im boje Verlag, 2013)

Bilderbuch, gebunden (56 Seiten)

 

 

 

 

 

Morris Lessmore liest und schreibt für sein Leben gerne Bücher. Er lebt alleine mit seinen Exemplaren, seinen Geschichten und ist glücklich.

Er durchlebt und genießt die Fantasie des Geschriebenen und muss eines Tages erleben, wie die Wendung in einer Geschichte zu einem realen Sturm mutiert, der alles durcheinander wirbelt.

Die meisten seiner Bücher sind zerstört oder weggeweht. Was bleibt, ist eine Welt in schwarz weiß.

Auf seinem ziellosen Weg aus der Verwüstung begegnet er einem freundlichen Buch auf zwei Beinen, welches ihm ein altes Haus zeigt.

Dort leben Bücher, die repariert und gelesen werden wollen.

Mister Lessmore hat eine neue Aufgabe, und die Welt gewinnt wieder an Farbe.

Mit der Zeit inspiriert er weitere Menschen und regt zum Lesen an. Zeitgleich notiert er sein ganzes Tun und Handeln in einem Tagebuch.

Als dieses eines Tages vollgeschrieben ist und Mister Lessmore bereits alt und grau geworden ist,  muss er das alte Haus verlassen. Er hinterlässt traurige Bücher als seine Weg- und Lebensbegleiter.

Erst einige Zeit später nimmt sich ein kleines Mädchen der Aufgabe an und tritt in seine Fußstapfen.......

 

Passend zum Buch gibt es einen sehenswerten, oskarprämierten Kurzfilm!

Dieses offizielle Bilderbuch kann in jeder Altergruppe gelesen werden (0-99).

 

 

Das Streichholzschachteltagebuch

 

 

von Paul Fleischmann (erschienen bei Jacoby Stuart, 2013)

Bilderbuch, gebunden (32 Seiten)

Die Geschichte erzählt von einem alten Mann, der zeitlebens in Amerika gelebt hat. Er erhält Besuch von seiner Urenkelin aus Italien, die er bis dahin gar nicht kannte.

Beim gemeinsamen Stöbern in seinen vielen alten Büchern gerät den beiden sein altes Tagebuch in die Hände. Über viele Jahre hat der alte Mann kleine Gegenstände gesammelt, die ihn an wichtige Ereignisse in seinem Leben erinnern sollen. Diese bewahrt er in Streichholzschachteln auf.

Anhand der Schachtelinhalte erzählt der Uropa der Kleinen eine für ihn bedeutende Geschichte: die Übersiedelung seines Vaters von Italien nach Amerika. Zauberhaft und kindgerecht werden auch die Schwierigkeiten, welche die Familie im neuen Land erfahren mussten, dargestellt.

Das Buch regt zum Austausch miteinander an und zeigt Wege auf, Wichtiges nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

 

Erneut ein Beispiel für Bilderbücher, die Wissenswertes auf liebevolle Art und für jedes Alter vermitteln.

Eine Geschichte der Zitrone

 

 

von Jo Cotterill (erschienen im Königskinder Verlag, 2016)

Kinderbuch auf dem Weg zum Jugendbuch, gebunden (256 Seiten)

 

 

Ein Hymne auf das Lesen und die Freundschaft!

 

Wie gern hätte Calypso eine richtige Freundin! Vielleicht wird es ja Mae, die Neue in der Klasse? Die ist genauso ein Bücherwurm wie sie. Auch wenn für Mae ein Buch nur gut ist, wenn sie am Ende richtig heulen muss.

 

Aber Calypsos Dad findet, man soll sich nicht auf andere einlassen. Er hat ohnehin keine Zeit für so was – er schreibt sein Meisterwerk über die Geschichte der Zitrone. Und scheint darüber oft zu vergessen, dass er eine Tochter hat.

 

Je mehr Zeit Calypso bei Mae und ihrer herzlichen Familie verbringt, desto klarer wird ihr, wie seltsam, staubig und leer ihr eigenes Zuhause ist. Damit sich das endlich ändert, müssen alle zusammenhelfen.

 

Eine warmherzige Geschichte, die zuweilen unter die Haut geht, weil auch schwere Themen angeschnitten werden. Absolut lesenswert!

 

 

Füchse lügen nicht

 

 

von Ulrich Hub (erschienen im Carlsen Verlag, 2014)

Kinderbuch, gebunden (143 Seiten)

 

 
In der Animal Lounge eines Flughafens sind zunächst sechs verschiedene Tierarten "gestrandet": eine Gans, zwei Schafe, ein Tiger, ein Hund, ein Panda, ein Affe.
 
Während des Wartens auf ihren Flug gerät manches außer Kontrolle und jedes Tier offenbart in diesen Krisensituationen die ihm zugeschriebenen Characterzüge auf ganz besondere Weise. So muss der Affe seiner Medikamentensucht nachgehen, und die Gans unterhält die bunt gemischte Truppe durch unaufhörliches Geschnatter. Entgegen vieler Klischees sind die anwesenden Schafe in dieser Geschichte außerordentlich schlau und gebildet.
 
Irgendwann taucht ein Fuchs auf, der für den Leser offensichtlich versucht, den Anwesenden die Reisepässe zu entwenden. Auch hier werden wieder Vorurteile bedient, die sich im Laufe des Buches vielleicht in Luft auflösen??? Denn Füchse lügen ja und sind hinterlistig! Oder vielleicht doch nicht?
 
Das vermeintliche Kinderbuch entpuppt sich als Unterhaltungslektüre für Erwachsene, die sich an der Fabel um Reinecke Fuchs auf gekonnte Art abarbeitet.
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Anja Kuypers