„Tausend Tipps für Feiglinge“ von Eva Susso, Gerstenberg (2018)

 

Das Buch für Erstleser erzählt die Geschichte von Robert Cossu, der mit seinen wohlhabenden Eltern, einer Schwester und einem Hund in einem herrschaftlichen Haus inmitten von Paris lebt. Die Familie besteht aus weiteren, zahlreichen Familienmitgliedern, die gleich zu Beginn des Buches im Hause der Familie Cossu eintreffen. Robert fühlt sich ständig genötigt, sich im Kreise der Familie behaupten zu müssen. Das nervt ihn gewaltig. Zumal er die Zeit viel lieber mit dem Beobachten seiner Angebeteten Ofelia verbringen würde. Zum ersten Mal ist Robert verliebt – in die Tochter des Gemüsehändlers um die Ecke. Bislang fehlte ihm der Mut sie anzusprechen. Ob der Ratgeber „1.000 Tipps für Feiglinge“ ihm dabei helfen kann? Immer wieder läuft er am Gemüseladen vorbei, verbunden mit der Hoffnung, auf Ofelia zu treffen. Auf einem seiner Spaziergänge gerät er zufällig in einen Kriminalfall, in den auch der Vater von Ofelia involviert ist.

Dies ist Roberts Chance, seinen Mut und sein Heldendasein unter Beweis zu stellen.

 

Die auktoriale Erzählweise ist verpackt in kurze Sätze und überschaubare Kapitellängen, die das Lesen für Anfänger attraktiv macht. Eine üppige Schrift und die großen Zeilenabstände erleichtern das Lesen für die vornehmlich angesprochene Zielgruppe. Allerdings findet der Einstieg in die Geschichte über eine Galerie mit Portraits aller im Buch vorkommenden Personen statt. Nicht nur die Anzahl sondern auch die für Kinder teils unaussprechlichen französischen Namen irritieren. Der Leser erhält auf den ersten Seiten den Eindruck, als spiele die Handlung im frühen 20. Jahrhundert. Erst nach einem Drittel des Buches wird deutlich, dass es in der Jetztzeit spielt. Die Wortwahl sowie die zum Ende zunehmende Verwendung französischer Straßen- und Gebäudenamen erschwert das Verständnis. Der junge Leser dürfte zuweilen Schwierigkeiten mit der Identifikation des Protagonisten haben. Glücklicherweise ist auf der letzten Umschlagseite eine Karte von Paris abgebildet, welche die wichtigsten Knotenpunkte der Verfolgungsjagd graphisch darstellt. Außerdem werden manche Passagen, die für den Verlauf der Handlung keine sonderliche Rolle spielen, umfangreich geschildert, wie das Pokerspiel der leicht verwirrten Großmutter.

Das Ende der Handlung kommt abrupt und man fragt sich, inwieweit Robert die Tipps aus dem Buch für Feiglinge genutzt hat.

Die Illustrationen lockern das Geschriebene zwar ansprechend auf, und das Cover dürfte so manchen Interessenten locken. Aber ob dieser im Verlauf der Handlung überzeugt wird, bleibt abzuwarten....

Anja Kuypers

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Roberts Handbuch Nr. 1

Tausend Tipps für Feiglinge

Eva Susso

Illustrationen Benjamin Chaud

aus dem Schwedischen Maike Dörries

Gerstenberg (2018)

Kinderbuch

gebunden, 107 Seiten

Altersempfehlung 7 Jahre

ISBN 978-3836956437

ca. Preis 9,95 €

„Und plötzlich war Frau Honig da“ von Sabine Bohlmann, Planet-Verlag (2017)

 

Seit dem Tod seiner Frau lebt Julius Sommerfeld mit seinen vier Kindern alleine. Als erfolgreicher Architekt UND alleinerziehender Vater ist er maßlos überfordert.

Wie verdutzt schaut er drein, als plötzlich Frau Honig vor der Tür steht und sich als neues Kindermädchen vorstellt. Wohl bemerkt, als Kindermädchen, dass Herr Sommerfeld nie bestellt hat...

Frau Honig bringt im Verlauf des Buches wieder Ordnung ist das Leben in der Familie. Mit ihrer zauberhaften, unverwechselbaren Art „knackt“ sie auch den härtesten Kandidaten. Nicht zuletzt wegen des vielfachen Einsatzes ihrer Geheimwaffe: dem Honig! Dieser wird als Getränk verabreicht, in die Haare geschmiert oder im Gesicht verteilt. Die passenden Rezepte gibt es im Anschluss an die Geschichte. Der Leser erfährt zusätzlich jede Menge Wissenswertes über das Leben und die Verhaltensweisen der Bienen.

 

Durch zahlreiche Parallelen, wie das Versinken in Bildern, Springen in Pfützen und die grundsätzlich magisch veranlagte Frau Honig, erinnert das Buch an eine moderne Adaption von „Mary Poppins“. Der Autorin scheint der Vergleich recht zu sein, so macht sie kein Geheimnis daraus, dass die beiden Kindermädchen einiges gemein haben.

 

Der Leser könnte zuweilen den Eindruck gewinnen, es ist ein wenig zu viel der heilen Welt beschrieben und es fehlt der ausgefeilte Spannungsbogen. Nun, diesen aufmerksamen Zeitgenossen sei mitgeteilt, dass es auch mal ganz schön sein kann, sich auf den locker, flockigen, luftig, leichten Schwingen mitnehmen zu lassen. Abschalten und genießen.

 

Das Gute-Laune-Buch enthält versteckte Hinweise zum reibungslosen Umgang mit „problembehafteten“ Kindern und Jugendlichen. Patentrezepte, die eine Heilung bei Langeweile, Computersucht, Schusseligkeit und Liebeskummer versprechen.

 

Bei Regen, schlechter Laune oder hektischem Alltag kann das Buch bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen für eine willkommene, vielleicht sogar nachhaltige Ablenkung sorgen.

 

Anja Kuypers

 

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Und plötzlich war Frau Honig da

Sabine Bohlmann

Illustrationen Joelle Tournolias

Planet Verlag (2017)

Kinderbuch

gebunden, 224 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahre

ISBN 978-3522505451

ca. Preis 12,99 €

„Pauline und Onkel Rotzbert“ von Andrea Tholl, Südpol Verlag (2017)

 

Als Paulines Eltern ohne sie zu einem Wochenendausflug starten, soll ihr Monsteronkel Rotzbert auf sie aufpassen. Direkt am ersten Tag bekommt Pauline eine fürchterliche Erkältung. Gerade dann, wenn die Geburtstagsfeier von Paulines bester Freundin Lina stattfinden soll. Onkel Rotzbert mobilisiert seine Monsterfreunde und deren unglaubliche Rezepte für eine schnelle Genesung. Leider läuft bei der Spontanheilung einiges schief: ihre Erkältung ist zwar sofort verschwunden, aber leider sind ihr als Nebenwirkung Tentakelarme gewachsen. Damit kann sie unmöglich zur Party ihrer Freundin erscheinen. Kurzerhand lädt Onkel Rotzbert die gesamte Geburtstagsgesellschaft zu Pauline nach Hause ein und macht damit wieder so einiges gut. Und am Ende lassen die Nebenwirkungen zum Glück auch nach.

 

Das Buch ist äußerst lustig geschrieben und eignet sich hervorragend für Erstleser. Auch wenn es ein wenig Lesesicherheit und den geschulten Umgang mit Wörtern erfordert. Denn Onkel Rotzbert`s Sprache ist geprägt durch Alliterationen, Anaphern und seltsamen Wortkreationen. Zuweilen eine Herausforderung.

In Ansätzen erinnert es an die Olchis und deren fragliche Lebensumstände. Spätestens dann, wenn Onkel Rotzbert in Verzückung über Paulines Nasenschleim gerät.

Beim Vorlesen dürfte dem Erwachsenen so mancher Schmunzler widerfahren, wenn zum Beispiel von „Florian Hübschmann, dem blondgelockten Schlagerheini“ die Rede ist.

Dies ist bereits der dritte Band aus der „Pauline und Onkel Rotzbert“-Reihe. Jedes Buch lässt sich solitär lesen und verstehen – gleichermaßen von Mädchen und Jungen.

Denn hinter dem pinklastigen Cover verbirgt sich eine Geschichte, die alles andere als mädchenaffin ist.

 

Wer also den Kindern ein kurzweiliges Buch mit jede Menge Spaßfaktor und somit Lust am Lesen bereiten möchte, sollte zur megalich-monsterigen Prinzessinnenparty erscheinen.

 

Anja Kuypers

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Pauline und Onkel Rotzbert

- Die megalich-monsterige Prinzessinnenparty -

Andrea Tholl

Illustrationen Sabine Legien

Südpol Verlag (2017)

Kinderbuch

gebunden, 92 Seiten

Altersempfehlung 6 Jahre

ISBN 978-3943086430

ca. Preis 8,99 €

„Die Wunderkiste“ von Gina Mayer, Woow Books (2018)

 

Nach dem Tod ihres Vaters lebt Oda mit ihrer Mutter alleine in einem Haus. Bis zu dem Tag, an dem ihre Tante Trudi, die Schwester der Mutter, nebst Sohn Willi bei ihnen einzieht und ordentliches Chaos verbreitet. Cousin Willi ist gar nicht nach Odas Geschmack. Und dann kommt er sogar noch in ihre Klasse.

Oda sehnt den Tag herbei, an dem die beiden wieder ausziehen und sie ihre Mutter und das Haus wieder für sich alleine hat.

Hilfe, um diesen Tag schneller herbeizuführen, erfährt sie von Herrn Wirsing, der einen magischen Spielzeugladen betreibt, den „Wunderkasten“. Eine verzauberte Glückskatze soll dafür sorgen, dass Tante Trudi sich zügig in einen Mann verliebt, wo sie und Willi dann wohnen können.

Leider läuft bei der Heiratsvermittlung so einiges schief. Zwischenzeitlich hat Oda sich sogar an die Situation zu Hause und an ihren Cousin Willi gewöhnt. Diesem hat sie ihren kleinen Fauxpas gebeichtet, und gemeinsam versuchen sie nun die Situation zu entschärfen. Es kommt der Tag, an dem Oda gar nicht mehr möchte, dass Tante Trudi und Willi wieder gehen...

 

Die Geschichte ist nett erzählt und in sich schlüssig. Zuweilen erinnert der Plot an den ersten Teil des „Magischen Blumenladen“. Ein Zauber geht schief und muss von den Protagonisten gerade gerückt werden.

Die Idee des magischen Spielzeugladens ist schön, aber nicht neu und spielt im Handlungsverlauf leider eine nicht allzu große Rolle. Von daher ist es verwirrend den Namen des Ladens als Buchtitel zu verwenden, da es einen verkehrten inhaltlichen Schwerpunkt vermittelt.

 

Die Kapitellänge ist gerade richtig - dürfte nicht umfangreicher sein. Unterbrochen wird der Text durch einige sehr schöne Illustrationen.

 

Kinder werden diese Geschichte mögen und Gina Mayer findet wie immer einen einen guten, ansprechenden und kurzweiligen Schreibstil.

 

Anja Kuypers

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Die Wunderkiste

Gina Mayer

Illustrationen Anemone Kloos

Woow Books (2018)

Kinderbuch

gebunden, 122 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahre

ISBN 978-3961770090

ca. Preis 14,00 €

 

„Zirkusnacht“ von Mattias De Leeuw, Gerstenberg (2018)

 

In dem textlosen Bilderbuch „Zirkusnacht“ ist der Buchtitel Programm. Die offensichtliche Leidenschaft eines kleinen Mädchens für die bunte Zirkuswelt, zeigt sich bereits auf der ersten Seite. Sie übt in ihrem mit Zirkusutensilien dekorierten Zimmer akrobatische Kunststücke. Währenddessen wird sie von einem Hund durch das weit geöffnete Fenster beobachtet. Kurzerhand bittet sie ihn zu sich ins Zimmer. Fortan üben sie gemeinsam den ganzen Tag lang, bevor beide am Abend müde ins Bett fallen. Als das Mädchen am nächsten Morgen erwacht, ist der Hund verschwunden. Enttäuscht versucht sie nun mit ihren zahlreichen Stofftieren zu üben. Der Spaß mit den unlebendigen Tieren bleibt aus. Erschöpft schläft sie ein und beginnt zu träumen. Der Clown von dem Bild über ihrem Bett wird lebendig, stülpt dem Mädchen das Kleid eines Harlekins über und nimmt es mit eine imaginäre Zirkuswelt. Dort trifft sie den Hund wieder, und gemeinsam führen sie die einstudierten Kunststücke auf. Die Zeit in der magischen Zirkuswelt hält an, bis das Mädchen aus ihrem Schlaf erwacht. Das Bild des Clowns ziert nach wie vor die Wand im Kinderzimmer. Und am Fußende ihres Bettes befindet sich das Harlekinkostüm.

Hat sie am Ende wirklich nur alles geträumt?

 

Der Betrachter kommt nicht umhin, sich in die Zirkuswelt entführen zu lassen. Die vorherrschenden Farben Rot und Weiß sind DER Faden im Buch und stehen für das Bunte, die Welt der Magie und des Fantastischen im Zirkus.

De Leeuw erreicht den Betrachter durch einfühlsame Zeichnungen und und nimmt ihn mit in die Traumwelt des Mädchens.

Zu Beginn ist die Geschichte in vielen kleinen, quadratischen Bildern dargestellt. Die Bilder werden großflächiger, wenn der Zirkus zum Schauplatz wird und bieten Raum für eigene Interpretationen.

 

Die Magie des Buches mit der verschlüsselten Botschaft – Lebe Deinen Traum -, besticht auch ohne Worte.

Dringende Kaufempfehlung!

 

Anja Kuypers

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Zirkusnacht

Mattias De Leeuw

Gerstenberg (2018)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

Altersempfehlung 4-6 Jahre

ISBN 978-3836956338

ca. Preis 13,95 €

 

„Die Heimkehr der Farben“ von Drew Daywalt, NordSüd (2018)

 

Lebendige Stifte stellen auch im zweiten Teil des zauberhaften Bilderbuches von dem Erfolgsduo Daywalt und Jeffers die Protagonisten dar.

Es ist nicht zwingend notwendig den ersten Teil „Der Streik der Farben“ zu kennen. Die Botschaft ist so oder so eindeutig – egal wer du bist, wo du herkommst oder wie du aussiehst … du gehörst auf jeden Fall dazu!

Der Autor figuriert hierbei farblich unterschiedliche Wachsmaler als Menschen mit Emotionen. Sie sind beleidigt, traurig, verletzt, weil sie von ihrem Besitzer, dem kleinen Duncan vernachlässigt und liegen gelassen wurden. Diese Erfahrungen teilen sie ihm anhand von Postkarten mit, die allesamt an Duncans Zimmer im 1. Stock adressiert sind.

Die Farbwahl variiert von hellbraun über erbsengrün bis hin zu türkis. Es ist gut, dass für die Darstellung nicht die herkömmlichen Farben gewählt wurden. Jeder Stift verkörpert einen eigenen Characterzug. So ist neonrot sehr verwirrt und verwechselt Länder und Sehenswürdigkeiten. Ein Spaß besonders für die erwachsenen Vor- und Mitleser.

Duncan ist erschüttert über die Berichte seiner abhanden gekommenden Stifte und baut ihnen am Ende ein Zuhause aus Pappkisten, das zum Erholen einlädt.

Auf der linken einer jeden Doppelseite ist die Postkarte mit einer Botschaft an Duncan zu sehen. Die rechte Seite zeigt die charmante, zum Inhalt passende Zeichnung.

Das Buch bietet viele Ansätze, um es mit Kinder egal welchen Alters anzuschauen, zu lesen oder tiefgründiger zu erleben.

Wer Teil eins mag, wird Teil zwei lieben.

Anja Kuypers

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Die Heimkehr der Farben

Drew Daywalt

NordSüd (2018)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

Illustrationen von Oliver Jeffers

aus dem Englischen von Anna Schaub

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978 - 3314104367

ca. Preis 16 €

 

„Alle sehen eine Katze“ von Brendan Wenzel, NordSüd (2018)

 

Dieses bereits jetzt schon zurecht preisgekrönte Bilderbuch wäre auch ohne Text gut ausgekommen. So sprechen die ausdrucksstarken Bilder des Illustrators Brendan Wenzel für sich.

Die Geschichte ist so einfach und schnell erzählt: eine Katze marschiert durch die Welt und trifft auf unterschiedliche Tiere und ein Menschenkind.

Es ist weniger die Tiefe der jeweiligen Begegnungen, sondern lediglich die erste Sicht des anderen auf die Katze. So sieht der Fisch den Stubentiger ziemlich verschwommen durch die Gläser seines Aquariums, und die Biene verpixelt das Ansehen der Katze durch ihre Facettenaugen. Der Autor stellt diese ziemlich spezielle Sicht durch Punkte dar.

Das Spiel mit Farben, um Emotionen auszudrücken, nutzt Wenzel, wenn er den Blick der Maus auf die Katze malt: gefährlich rot!

Der fast schon philosophische Ansatz des Buches gipfelt am Ende, wenn die Katze ihr Spiegelbild im unruhigen Wasser sieht.

Wie die Begegnungen aller enden, bleibt offen. Wie werden die Tiere reagieren? Was wird die Katze machen?

 

Das Buch bietet unglaublich viele Ansätze, um es literaturpädagogisch mit Kindern zu betrachten. Von der Wissenschaft über die Beschaffenheit unterschiedlicher Augentypen, zu denkbaren Schreib- und Erzählwerkstätten der möglichen Wirkungen aufeinander bis zur grammatikalischen Verwendung der verschiedenen Präpositionen.

Dringende Kaufempfehlung!

Anja Kuypers

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Alle sehen eine Katze

Brendan Wenzel (Autor und Illustrator)

NordSüd (2018)

Bilderbuch

gebunden, 44 Seiten

aus dem Englischen von Thomas Bodmer

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978 - 3314104053

ca. Preis 15 €

 

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© Anja Kuypers