Rezensionen zu Jugendbüchern

Beinahe Herbst“ von Marianne Kaurin, Arctis Verlag (2019)

 

Die Geschichte spielt im norwegischen Oslo im Jahre 1942. Die fünfzehnjährige Ilse Stern lebt mit ihren Eltern, ihrer älteren Schwester Sonja und ihrer jüngeren Schwester Miriam in einem Mehrfamilienhaus. Der Vater führt einen Gemischtwarenhandel. Seitdem deutsche Soldaten in Oslo Einzug gehalten haben und die Schulen okkupiert wurden, arbeiten Ilse und Sonja im Ladengeschäft ihres Vaters mit. Obwohl Sonja viel lieber ihr Hobby zum Beruf machen und als professionelle Näherin im Theater arbeiten würde.

Entgegen der besonnenen und ruhigen Sonja, ist Ilse die rebellische Tochter. Sie ist abenteuerlustig, möchte Dinge erleben, die ihrem Leben Sinn verleihen. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, zu der sie ein schwieriges Verhältnis hat. Ilse schleicht sich des Öfteren unbemerkt aus der Wohnung, um ihren unwesentlich älteren Freund Hermann zu treffen, der mit seiner Familie ebenfalls in dem Haus lebt. Das Leben der Bewohner Oslos findet trotz zunehmender Probleme durch den Krieg weiterhin statt. Man hat sich mit den Einschränkungen arrangiert. So auch Ilses Vater Isaak, der das Haus morgens vor seinen Töchtern verlässt, um die Ladenfenster von den Juden verachtenden Schmierereien zu säubern. Stoisch werden die Probleme beiseite gewischt.

Das Leben ändert sich fortan, als Isaak eines Morgens von der Polizei abgeholt wird und die Familie alleine zurückbleibt. Ilses Mutter fällt in eine Depression, und Sonja nimmt die Rolle der Erwachsenen ein. Zum Glück nimmt sich Hermann, der Mitglied einer Untergrundorganisation ist und über geplante Polizeieinsätze Bescheid weiß, rechtzeitig Ilses Wohlbefinden an. Er lockt sie zu einem Ausflug aus dem Haus. Auf diese Weise ist sie in Sicherheit ist, als der Rest der jüdischen Familie abgeholt wird.

Auch die restlichen Hausbewohner sind in den antisemitischen Verwandlungsprozess involviert. Jeder auf seine Art.

Gleich welcher Herkunft, gleich welche Epoche, gleich welches Land, gleich welcher Umstände – die Besonderheiten junger Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsensein sind immer und überall gleich. Das Buch bringt es gekonnt auf den Punkt und ergänzt durch Historisches, verpackt in Prosatext. Eine gut gemachte Geschichte über die Deportation der Juden, kurz vor Kriegsende im skandinavischen Raum. Es beschönt Nichts.

In auktorialer Weise erzählt, fällt das Buch durch die haptische Machart des Covers auf. Rot goldene Herbstfarben wechseln sich ab. Der Herbst, als Sinnbild für Veränderung. Gerne empfohlen.

 

Anja Kuypers

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Beinahe Herbst

Marianne Kaurin

Arctis Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 224 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978-3038800316

ca. Preis 16 €

Wer ist Edward Moon“ von Sarah Crossan, Mixtvision Verlag (2019)

 

In typischer Sarah Crossan Manier, wird die Geschichte im poetischen Schreibstil erzählt. Wunderbar zu lesen, und aufgrund der überschaubaren Textmenge pro Seite ein ansprechender Anlass für Lesemuffel!

Diesmal greift die zurecht mehrfach prämierte Autorin das schwierige Thema Todesstrafe auf und setzt sich in dem Buch damit kontrovers auseinander.

Die Rede ist von Edward „Ed“ Moon, der mit 18 Jahren angeblich einen Mord begangen haben soll. Sein bereits zerrüttetes Verhältnis zur Mutter bricht zu dem Zeitpunkt seiner Verhaftung vollends entzwei. Die Mutter verfällt dem Alkohol und vernachlässigt ihre beiden jüngeren Kinder Joseph „Joe“ und Angela mehr und mehr, bevor sie die Familie eines Nachts verlässt. Fortan kümmert sich die Tante um die Geschwister.

Joe war sieben Jahre alt, als Ed verhaftet wurde. Er hing sehr an seinem Bruder, der ihm stets ein würdiger Vaterersatz war.

Nachdem das Vollstreckungsdatum feststeht, bleiben Ed und Joe nur noch acht Wochen, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Gegenwart zu nutzen. Eine Zukunft wird es für beide zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht geben. Reicht die Zeit aus, um Recht und Gerechtigkeit voneinander trennen zu können? Joe macht sich auf den Weg von der Ostküste nach Texas, wo Ed vor zehn Jahren verhaftet und nun zum Tode verurteilt wurde. Mittlerweile sitzt er im Todestrakt des Gefängnisses, einem Ort, deren Beschreibung Crossan nicht auslässt. Es kommt zu einer Begegnung der Brüder, die nach anfänglichen Schwierigkeiten an alte Gefühle anknüpft und eine gewisse Nähe wieder peu à peu zulässt.

Der Leser wird mit Informationen und Emotionen versehen, die ihn ein eigenes Bild zur tatsächlichen Schuld Ed`s skizzieren lassen.

Jährlich werden mehrere Menschen in den USA zum Tode verurteilt. Wurden wirklich alle Fälle zum Zeitpunkt der Urteilsverkündigung ausreichend untersucht? Der Roman befasst sich mit diesen Umständen und spickt die fiktive Geschichte mit gut recherchierten Erkenntnissen der letzten Jahre.

Welcher Mensch steckt hinter der Fassade von „Ed Moon“? Joe versucht in dem Inhaftierten seinen Bruder wieder zu erkennen. Doch Zeiten und Orte können Menschen verändern.

Zum Glück trifft Joe während seines Aufenthaltes in Texas auf viele Menschen, die ihm gut tun und seine innere Zerrissenheit kompensieren, ohne ihn in seiner Urteilsfindung zu beeinflussen. Nicht zuletzt erfährt er, trotz aller widrigen Umstände, die sein derzeitiges Leben ausmachen, dort seine erste Liebe.

Geschrieben aus der Ich-Perspektive Joe`s wird auch dieser Roman wieder ein Highlight poetischer Prosakunst aus der Feder der wunderbaren Sarah Crossan sein.

Anja Kuypers

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Wer ist Edward Moon

Sarah Crossan

Mixtvision Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 357 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978-3958541405

ca. Preis 17 €

Wer kennt ihn nicht... den Planeten Oneiros. Außer den Onaris, den Bewohnern von Oneiros, besuchen auch die Maschinisten regelmäßig den Planeten und suchen sich geeignete Kandidaten für ihre wichtigen Missionen aus. Durch die Maschinisten sind die Onaris in der Lage, sich in zahlreiche, unterschiedliche Gestalten zu verwandeln, sofern sie den Planeten verlassen. Die Maschinisten sorgen für das Wohl des Planeten Oneiros und der gesamten Galaxie. Eines Tages erfahren sie, dass das Volk der Draconer die Erde angreifen möchte. Sie wollen die Waffen- und Kampffähigkeit der Menschen annektieren. Maschinist Morpheus unterstützt den Onari Zorro Vela bei einer Mission zum Schutz der Erde. Zorro Vela nimmt Kontakt zu dem zehnjährigen Erdenjungen René Reinhard auf und bittet ihn um Hilfe im Kampf gegen die Draconer.

René staunt nicht schlecht, als sich ihm ein Außerirdischer präsentiert, der sich zudem permanent verwandelt.

Wir befinden uns im Jahre 1989. Das fiktive, deutsche Örtchen Marxdorf wird durch die Mauer in Ost und West geteilt. Die Grenzsoldaten, zu denen auch René`s Vater gehört, sichern die Absperrungen.

Der Ost-West-Konflikt ist Thema dieses fantasievollen Romans, in das sich nun sogar Außerirdische einmischen wollen. Aus unterschiedlichen Beweggründen. Und nicht immer von Erfolg gekrönt....

Der Roman ist in der Ich-Form aus Sicht des Onaris Zorro geschrieben.

Bunt und gespickt mit Parallelen aus heiteren Persiflagen der Weltraumprosa, spart der Autor nicht an fantasievollem Schmückwerk.

Im Wort- und Schreibstil chaotisch kreativ, erfährt der Leser in diesem Roman einen alternativen Ansatz zum Verstehen des geteilten Deutschlands. Gelungen!

 

Anja Kuypers

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Zorro Vela

Norbert Zähringer

Thienemann Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 336 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978-3522185301

ca. Preis 15 €

Das Abrakadabra der Fische“ von Simon van der Geest, Thienemann Verlag (2019)

 

Die 12jährige Vonk wird von ihrer Mutter für eine Woche zum fernab gelegenen Hof des Großvaters gebracht. Die Eltern benötigen ein wenig Zeit, um sich über die momentan bröckelnde Zukunft als Paar klarzuwerden. Vonk ist von der Ausquartierung weniger begeistert. Denn natürlich macht sie sich viele Gedanken über ihre eigene kleine Familie, und der Hof vom Opa bietet so gar nichts Interessantes. Oder vielleicht doch? Opa wuchs mit sechs Brüdern auf und hat jede Menge Geschichten parat. „Die Bretter knarren und seufzen. … Dieses Haus hat viel erlebt, das fühlt man ganz deutlich.“

Die Kapitel wechseln sich ab: einmal beschreibt Vonk in der Ich-Perspektive die Jetztzeit, einmal beschreibt der Großvater in der Ich-Perspektive die Erlebnisse rund um das Familiengeheimnis aus vergangenen Zeiten. Der Opa hatte mit seinem Lieblingsbruder „Beule“ sehr viel erlebt. Sie standen sich sehr nahe. Aber was ist passiert, dass der Kontakt komplett zum Erliegen kam? Sukzessive lichtet sich das Dunkel um das ungleiche Brüderpaar und um das Leben der Familie.

Vonk ist ein starkes Mädchen und kommt in Sachen Beharrlichkeit und Sturheit vollends auf ihren Großvater. Und dennoch gibt es Momente, in denen sie sich selbst zu viele Fragen stellt und die mögliche Trennung ihrer Eltern auf sich bezieht.

Ein Buch mit vielen Facetten: Familien- und Freundschaftsverhältnisse, Krankheit und Tod sowie moderne Genderthematik.

In dieser Geschichte „verzaubern“ die Fische so manche Passage mit ihrem „Abrakadabra“ und runden zu einem gelungenen Ganzen ab.

 

Anja Kuypers

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Das Abrakadabra der Fische

Simon van der Geest

Thienemann Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 320 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978-3522184847

ca. Preis 15 €

Der Schatz der Black Swan“ von Guillermo Corral, Reprodukt Verlag (2019)

 

In seiner jahrelangen Tätigkeit als Diplomat, scheint der Autor zu wissen, wovon er schreibt. Intrigen, Machenschaften, Korruption – um nur einige der Schwerpunkte zu nennen, die in dieser Geschichte mit wahrem Kern eine Rolle spielen.

Die amerikanische Organisation Ithaca ist DAS führende Schatzsucherunternehmen der Welt. An ihrer Spitze steht der Millionär Frank Stern, der große Financier der Plünderungen. Denn das Unternehmen ist ausschließlich auf das Auffinden von Schätzen aus und hinterlässt ein Meer der Verwüstung aus historischen Artefakten oder Objekten. Sie zerstören das Kulturerbe. Diese Tatsache ist den Kulturministerien ein Dorn im Auge.

In der Geschichte haben Stern und sein Team vom spanischen Außenministerium das OK für die Suche nach Schätzen in spanischen Gewässern vor der Küste erhalten. Nach der Bekanntmachung eines Sensationsfundes, der umgerechnet rund 500 Mio US-Dollar wert sein soll, wird das Kulturministerium hellhörig und geht der Sache auf den Grund. Die Historiker sind sich einig: es kann sich bei dem Fund nur um ein zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschollenen Schiffes handeln, welches sämtliche Schätze und Gelder Spaniens an Bord hatte, die im Rahmen einer europäischen Fehde seinerzeit aus den USA zurück nach Spanien gebracht werden sollten. Das Schiff sank, nachdem es von einer britischen Flotte attackiert wurde.

Spanien fordert nun die Herausgabe des Schatzes. Es wurde unsachgemäß und verbotenerweise jenseits der erlaubten Zone durch Ithaca gesucht.

Der Kampf um den Schatz, im Rahmen des Geflechtes aus Kulturministerium, spanischer sowie US-Regierung und Geheimdiensten beginnt. Der spanische Jungdiplomat Aljandro Ventura soll vermitteln und gerät dabei selbst in die Machenschaften und wird aus eigenen Regierungskreisen bedroht.

Zu dem realen „Black Swan Project“ gibt es jede Menge Parallelen. Wunderbar greift der Autor hier Fakten als Häppchen heraus und platziert diese gekonnt in der Geschichte. Selbst gelungene, optische Vergleiche mit beteiligten Personen am „Black Swan Project“ werden nicht ausgespart. Die Geschichte öffnet die Tür für weitere Recherchen.

Trotz des eindeutig politischen Schwerpunktes kommt die Liebe nicht zu kurz. Sie entwickelt sich zwischen dem Jungdiplomaten und einer Mitarbeiterin des Kulturministeriums. Beide arbeiten gemeinsam intensiv an dem Fall und kommen sich dabei näher.

 

Die klar voneinander getrennten und überwiegend gleichformatigen panels bringen eine gewisse Ruhe in die von vielen Handlungsteilnehmern gespickte Geschichte. Ansprechend und anschaulich gezeichnet, folgt der Leser der Handlung ähnlich einem roten Faden.

Das Band zwischen Cover und der letzten Seite der Geschichte wurde graphisch wunderbar gelöst.

Schatzsuche auf höchstem Comicniveau! Sehr gerne empfohlen!

 

Anja Kuypers

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Der Schatz der Black Swan

Guillermo Corral

Reprodukt Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 216 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978-3956401947

ca. Preis 24 €

Der Fall der linkshändigen Lady“ von Nancy Springer, Knesebeck Verlag (2019)

 

Dies ist der zweite Fall der resoluten, jüngeren Schwester des berühmten Detektiv- und Ermittlerbrüderpaars Sherlock und Maycroft Holmes - Enola Holmes -.
Die Geschichte beginnt mit einer Rückblende und kurzen Zusammenfassung des ersten Bandes, in der erklärt wird, warum Enola keinen Kontakt mehr zu ihren Brüdern hat und alleine lebt. Perfekt verpackt und als Einstieg zum neuen Abenteuer der mittlerweile 14jährigen Protagonistin im London zur viktorianischen Zeit.

Dank ihrer Mutter, die sie seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hat und mit der sich Enola lediglich via Chiffre-Nachrichten in Zeitungen austauscht, verfügt sie über eine beträchtliche Summe Geld. Damit hat sie sich in Englands Hauptstadt wohnlich eingerichtet und eine Existenz als Perditorin aufgebaut. Einer Tätigkeit zum Aufspüren vermisster Menschen. Um weiterhin unerkannt bleiben zu können, schlüpft sie immer wieder in verschiedene Verkleidungen und Maskeraden. Allen voran ihr Doppelleben als Mrs. Ragostine, der angeblichen Büroangestellten eines neuen, selbstverständlich ebenfalls nicht existenten Vorzeigeermittlers in der Stadt. Alles ist genau durchgeplant. Für eine 14jährige ist Enola extremst pfiffig. Ständig auf der Hut vor ihren Brüdern, die ihre Schwester viel lieber in einem Internat sehen würden, ermittelt sie abgeklärt und nüchtern realistisch. Sogar nachdem sie in ihrer Rolle, als barmherzige Schwester auf den Straßen Londons, eines nachts überfallen und gewürgt wird.

In ihrem neuen Fall beschäftigt sie sich mit dem Aufspüren der jungen Lady Cecily. Die Tochter aus gutem Hause ist verschwunden. Alles sieht nach einem geplanten Weglaufen mit der ersten, großen Liebe aus. Aber Enola kommt den wahren Hintergründen peu à peu auf die Spur. Während sie ihrer Arbeit nachgeht, muss sie weiterhin vor der eigenen Enttarnung auf der Hut sein. Denn nach wie vor versucht Sherlock sie zu stellen.

Geschrieben in der Ich-Perspektive Enolas, kommt der Roman sehr kurzweilig und spannend daher. Vor allem, wenn sie ihrem Bruder auf den Straßen Londons zufällig begegnet. Nur gut, dass sie eine Meisterin der Kostümierung ist.

Enola - resolut und doch sensibel, mädchen- und doch ladylike.

Eine wunderbare Reihe. Man darf gespannt sein auf den nächsten Band....

 

Anja Kuypers

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Der Fall der linkshändigen Lady – Ein Enola Holmes Krimi

Nancy Springer

Knesebeck Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 205 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978-3957282613

ca. Preis 15 €

König Kohle – eine Graphit Novel“ von Max, Avant Verlag (2019)

 

Aus dem Schnee taucht eine weiße Figur auf. Es sind nur die Umrisse erkennbar. „Der Weiße“ steigt auf einen Berg und stürzt sich von ihm hinunter. Zum Glück taucht kurz darauf eine weitere, schwarz gezeichnete Figur auf. Er rettet ihn und nimmt ihn mit in seine Höhle. „Der Weiße“ hat zwar überlebt, will allerdings nichts essen und sitzt nur verschlossen in der Ecke. Redlich bemüht unternimmt „der Schwarze“ so einiges, um „den Weißen“ aufzumuntern und wieder zu Kräften zu bringen.

So malt er beispielsweise die Umrisse des Schattens vom „Weißen“ an die Höhlenwand und ergänzt diese zu weiteren Bildern und gestaltet Lustiges damit. „Der Weiße“ reagiert nicht.

Selbst die gebratenen Dohlen, die „der Schwarze“ mittels einer besonderen Technik fängt und sie seinem Gast serviert, werden nicht gegessen.

Enttäuscht, frustriert, genervt und aggressiv darüber, dass seine Bemühungen keinerlei Regung auslösen, schlägt „der Schwarze“ kurzerhand auf „den Weißen“ ein und wirft ihn einen Berg hinunter.

Das Leben „des Schwarzen“ geht weiter. Der Alltag kehrt zurück. Er fängt weiterhin seine Dohlen. Teils saugt er ganze Schwärme der Vögel mit seiner Pfeife ein.

Das Betrachten der textlosen Graphic Novel irritiert zuweilen. Vielfach interpretierbar lässt es den Leser mit seinen Assoziationen zurück. Gut zu wissen, dass das Buch Bezug auf die „Naturalis Historia“ - eine Enzyklopädie, die von Plinius, dem Älteren im Jahre 77 n.Chr. verfasst wurde - nimmt. In einer der Geschichten aus sämtlichen Lebens- und Fachbereichen beschreibt Plinius das Andenken einer Frau an ihren Mann, der in den Krieg ziehen muss und malt seine Umrisse mit Kohle an eine Wand. Dies könnten die Ursprünge der Malerei bedeuten.

Der spanische Autor von „König Kohle“ hat sich in Teilen dieser Geschichte bedient und hat mit diesem Buch ein Werk geschaffen, welches eine verzerrte Wirklichkeit zeigt. Das Groteske wird vorgeführt und das Leben an sich in Frage gestellt.

Doch am Ende ist alles nur ein Pups.... Die zeichnerische Umsetzung dieser Aussage findet der aufmerksame Leser auf der letzten Umschlagseite.

Ein Buch, dass verwirrt und zeitgleich aufklären möchte. Eine Herausforderung.

 

Anja Kuypers

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König Kohle – eine Graphit Novel

Max

Avant Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 160 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978-3964450128

ca. Preis 25 €

Sumpfland“ von Moki, Reprodukt Verlag (2019)

 

Wie schnell kann alles vorbei sein..... Wer sind wir eigentlich heute? Und wer werden wir morgen sein? Niemand weiß es, aber alle sind neugierig. Im Hamsterrad erleben wir das Leben. Egal wo. Egal wann. Setzt die Besinnung irgendwann ein? Gehen wir bald wieder achtsamer mit uns und den Ressourcen um?

In „Sumpfland“ nehmen sich verschiedenste Kreaturen diesen Themen an und versuchen im Laufe der Geschichte, innerhalb diverser Erzählstränge den Antworten auf die Spur zu kommen. „Lass Dich nicht in Schubladen stecken“ könnte eine ergänzende Aufforderung an jeden Einzelnen sein.

Mit einem Mix aus Handgeschriebenem, Comic panels und weiten, textlosen Bildstrecken führt ein Pfeil, als Motiv zwischen den Geschichten durch das Buch und stellt eine Art Bindeglied der Zeiten dar.

„Nebel kommt auf“ - so die erste Textzeile im Buch, gefolgt von Höhlenmalereien vergangener Zeiten. Ist dies der Anfang allen Lebens? Eine personifizierte Zellteilung ist als nächstes abgebildet. Die Kommunikation der Zellen in moderner Sprache passt nur bedingt zu dem Moment. Aber womöglich soll es genau diese Konträre darstellen...

Wann besinnt sich der Mensch wieder auf das Wesentliche? Und wann endet die Reizüberflutung? „Ich habe Angst, denn in mir bläht sich etwas auf, was ich nicht kenne.“ Eine skizzierte, immer größer werdende Blase ängstigt den Protagonisten und zieht sich fortan durch das Buch.

Der Titel „Sumpfland“ trifft es ziemlich genau: man versinkt im Wust der Angebotsvielfalt. Sowohl der Buchumschlag als auch jede einzelne Seite ist von dem Grün-Braun-Gemisch als beispielhafte Farbe des Sumpfes „befallen“ und begleitet den Leser durch unterschiedliche Welten, Zeiten, vorbei an fantasievollen Kreaturen. Allen voran der menschenähnlichste unter ihnen: Aldi. Er liest ständig, und an seiner Seite ist Puffi, sein tierischer Freund.

Die Geschichte ist sehr verwoben und doch klar in der Botschaft. Es braucht ein paar Anläufe, um die Zurufe der Figuren verstehen zu können. Man muss sich auf das Buch einlassen können. Von der Geschichte tragen lassen. Ein Buch auf mehreren Ebenen. Genaues Ansehen lohnt.

 

Anja Kuypers

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Sumpfland

Moki

Reprodukt Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 164 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978-3956401794

ca. Preis 20 €

Was mir von Dir bleibt“ von Adam Silvera, Arctis Verlag (2019)

 

Der 17jährige Theo wird bei einem Unfall tödlich verletzt. Zu diesem Zeitpunkt studiert er an der Westküste der USA und hinterlässt dort seinen Freund und Partner - den zwei Jahre älteren Jackson. Zurück bleibt auch Griffin, ebenfalls 17 Jahre alt und seine erste Beziehung. Mit ihm entdeckt Theo zu Schulzeiten an der Ostküste erstmals die gleichgeschlechtliche Liebe.

Zur Beerdigung Theos begegnen sich Jackson und Griffin erstmals. Zunächst entsteht eine Art Wettstreit darüber, wer Theo intensiver geliebt hat, besser kannte und wer das Recht hat, mehr zu trauern. Als unsichtbarer Dritter im Bunde steht Theo zwischen den beiden. Mit der Zeit wächst ein gemeinschaftliches Verarbeiten des Verlustes. Sie beginnen, sich gegenseitig von den jeweiligen Beziehungen zu berichten und leisten auf diese Art Trauerarbeit.

Abwechselnd wird in den Kapiteln von der Jetztzeit erzählt und aus der Vergangenheit berichtet. Licht und Schatten wechseln sich ab. So wie Sonne und Mond. Der Leser taucht immer mehr in die Leben der Protagonisten ein. Eifersucht und Neugier reichen sich die Hände. Aber auch grenzenlose Liebe und schmerzhaftes Loslassen.

Geschrieben in der Ich-Perspektive Griffins, erzählt die vielseitige Geschichte von Tod und Trauer. Aber auch von Zusammenhalt und Freundschaft und der Wichtigkeit, den Moment zu genießen sowie im Hier und Jetzt anzukommen.

Ein neues, sehr gelungenes Werk des bekannten Autors Adam Silvera.

 

Anja Kuypers

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Was mir von Dir bleibt

Adam Silvera

Arctis Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 368 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978-3038800224

ca. Preis 18 €

Abgefahren“ von Dirk Pope, Hanser Verlag (2018)

 

Das Buch gleicht einem Füllhorn an sprachlichen Stilmitteln. Allen voran Personifikationen, Vergleiche und Metaphern.

Die Geschichte erzählt von dem schwergewichtigen, knapp volljährigen Viorel, der alleine mit seiner Mutter in Essen lebt und keinen wirklichen Lebensplan hat. Eines Tages findet er seine Mutter tot, mit dem Kopf auf dem Esstisch liegend.

Er kennt ihren Wunsch, in der rumänischen Heimat begraben zu werden und lädt die Leiche daraufhin in den Kofferraum des alten Familienautos und begibt sich auf die 2.500 km lange Reise bis ans schwarze Meer.

Auf dem Weg lernt er verschiedene Menschen kennen, die nicht nur seine Fahrt maßgeblich beeinflussen...

Viorel beginnt sein bisheriges Leben in Frage zu stellen und trifft teils folgenschwere Entscheidungen.

Der Leser erfährt währenddessen einiges über Rumänien und deren Sitten und Gebräuche.

Die Geschichte bildet lediglich 60 Stunden in Viorels Leben ab und ist doch so eng getaktet. Mit viel Sprachwitz und literarischer Geschicklichkeit ist dem Autor ein Roadmovie der besonderen Art gelungen.

Anja Kuypers

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Abgefahren

Dirk Pope

Hanser Verlag (2018)

Jugendbuch

broschiert, 240 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978-3446258754

ca. Preis 15 €

 

„Du doof?!“ von Tom Lehel, 360 Grad Verlag (2018)

 

Der aus den Medien bekannte Musiker und Moderator Tom Lehel hat sich in seiner Berufung als Autor dem Thema Mobbing genähert und verarbeitet in seinem neuesten Buch „Du doof?!“ seine eigenen Erlebnisse als Kind und Jugendlicher.

In den Geschichten mit überschaubarer Kapitellänge beschreibt er seine Erfahrungen „zum Anfassen“ und zielgruppengerecht. So verwendet er vornehmlich einfache Sprache und lockert den Schweregrad der bedrückenden Thematik immer wieder durch humorvolle Einschübe.

In seiner Form als Ich-Erzähler ist er den Lesern sehr nah und bedient sich zuweilen der direkten Ansprache.

Die Aufmachung der Geschichten ähnelt Tagebucheinträgen, die auf Linien geschrieben werden und den Eindruck eines Schulheftes vermitteln. Einzelne Comiczeichnungen unterbrechen den Textfluss. Man könnte von einem Comicroman sprechen.

Der Leser begleitet Lehel auf seiner Schullaufbahn und den Begegnungen mit unterschiedlichsten Wegbegleitern. Manchmal verliert er sich dabei in Szenenbeschreibungen.

Solche Bücher wie dieses sind wichtig! Sie lassen Dämme brechen und regen zu Gesprächen an.

Am Ende des Buches erwarten den Leser viele nützliche und wichtige Angaben zum Thema Mobbing: Adressen, Ansprechpartner, Rufnummern in Deutschland und den angrenzenden, deutschsprachigen Ländern sowie Verhaltensvorschläge.

Denn der Autor liegt vollkommen richtig mit der Aussage „So wie Du bist, bist Du genau richtig!“, die er nicht müde wird, immer wieder zu erwähnen.

Hoffentlich erreicht dieses Buch nicht nur Betroffene, sondern auch Täter, die meist leider einen triftigen Grund für ihr Verhalten haben und entlastet werden wollen.

Anja Kuypers

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Du doof?!

Tom Lehel

360 Grad Verlag (2018)

Jugendbuch

Softcover, 128 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahren

ISBN 978-3961857562

ca. Preis 10 €

„Über die Berge und über das Meer“ von Dirk Reinhardt, Gerstenberg Verlag (2019)

 

Tarek gehört mit seinem Hund Dschamal und seiner Familie zum afghanischen Stamm der Kuchi. Ein Nomadenvolk, dass sich der Schafzucht verschrieben hat und alljährlich ihre Herden im Frühjahr ins Gebirge führt. Allen voran Tarek, der nicht nur ein guter Hirte, sondern auch ein außerordentlicher Fährtenleser ist. Auf dem Weg in die Berge kommt er jedes Mal durch das Dorf, in dem Samir lebt, die siebte Tochter einer Familie des Stammes der Paschtunen. Samir, eigentlich Soraya, wurde als Mädchen geboren, aber als Junge erzogen. Eine sogenannte „bacha posh“. Nur so konnte die Ehre der Familie, die nur Mädchen hervorbrachte, aufrecht erhalten werden. Als Junge genießt Samir das Recht auf Schulbildung und freie Entfaltung.

In diesem Jahr soll es nicht zur Begegnung der beiden heranwachsenden Teenager kommen. Denn Tarek soll für die Taliban, die sich im Land weiter etablieren wollen, als Spurenleser tätig und radikalisiert werden. Und Samir soll nun wieder Soraya heißen und als Mädchen schnellstmöglich verheiratet werden und das Haus nicht mehr verlassen.

Mit Unterstützung beider Familien gelingt den beiden Jugendlichen die Flucht in die Berge, wo sie sich unter anderen Umständen wiedersehen. Mit dem Ziel eines sicheren Landes vor Augen, begeben sie sich zunächst gemeinsam weiter auf die Reise, bevor sie getrennt werden und jeder seiner eigenen Wege geht.

Es beginnt eine Zeit der Verunsicherung, der Entbehrung und Angst um das eigene Leben.

Abwechselnd beschreibt der Autor in der auktorialen Erzählform die Erlebnisse der starken Persönlichkeiten Tarek`s und Soraya`s.

Der Leser wird mit den Einblicken in deren Leben zum Mitreisenden.

Ein kurzweiliger, umfassender, lesenswerter Jugendroman.

Anja Kuypers

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Über die Berge und über das Meer

Dirk Reinhardt

Gerstenberg Verlag (2019)

Jugendbuch

gebunden, 272 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978-3836956765

ca. Preis 14,95 €

„Hans sticht in See“ von Oivind Torseter, Gerstenberg (2019)

 

Zwar fehlt bei diesem Märchencomic der klassische Beginnsatz „Es war einmal“, und auch am Ende steht kein „Und wenn sie nicht gestorben sind...“ und doch enthält die Geschichte viele Märchenelemente. Da ist der ältere und größtenteils namenlose Ich-Erzähler Hans, der in finanzielle Nöte gerät, alles verliert und daraufhin in die Welt zieht, um sein Glück zu suchen.

Er trifft auf eine skurrile, reiche Gestalt mit Elefantenrüssel, die ihn zur Suche nach dem größten Auge der Welt anstiftet. Wenn er dieses findet und der Sammlung des extravaganten Millionärs beifügt, soll seine finanzielle Misere Vergangenheit sein.

Während dieser Reise trifft er unter anderem auf gruselige Monster und auf ein Mädchen, die gerettet werden will. Außerdem beschenkt er frierende Fische mit Wollpullover.

Hans wird am Ende für seine guten Taten belohnt. Nicht zuletzt durch einen Wal, der einen besonders großen Augendurchmesser misst...

Die fantastische Geschichte kommt mit wenig Text aus und ist größtenteils in schwarz weiß gehalten. Farbakzente heben besondere Momente in der Geschichte heraus.

Anja Kuypers

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Hans sticht in See

Oyvind Torseter

Gerstenberg (2019)

Jugendbuch

gebunden, 160 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978-3836956864

ca. Preis 26 €

 

Die lange Reise des Jakob Stern“ von Rainer M. Schröder, Oetinger Verlag (2018)

 

Der weitgereiste Autor Rainer M. Schröder, der schon so Manches erlebt haben dürfte, wovon andere nur träumen, ist für seine gute Recherchearbeit bekannt.

Die lange Reise des Jakob Stern“ profitiert von seinem akribischen Vorgehen und der Kunst, die Erfahrungen in Worte zu fassen.

So wird der Leser zum Begleiter Jakobs, dem Protagonisten des Buches, der sich unfreiwillig auf eine lange Reise, unter dramatischen Bedingungen zu Zeiten des zweiten Weltkrieges, begeben muss. Mit Beginn der Machtübernahme der Nazis in Berlin werden die Lebensumstände für Juden immer gefährlicher. Kurzerhand beschließen seine Eltern, ihn mit einem der letzten Kindertransporte aus der Stadt, über das Meer bis nach England bringen zu lassen. Für Jakob beginnt ein komplett neues Leben. Zu dem Zeitpunkt ist er 15 Jahre alt. Er lernt Gleichaltrige kennen, deren Wege sich auf den menschenunwürdigen Fahrten immer wieder kreuzen werden. Jakob wächst während der vielen Transporte sowie den unterschiedlichen Lageraufenthalten weit über sein Alter hinaus und muss immer wieder Stärke beweisen. So nimmt er sich beispielsweise der Fürsorge des deutlich jüngeren Lukas auf dem Weg nach England an und gibt sich als dessen Halbbruder aus, damit sie fortan nicht mehr getrennt werden. Außerdem lernt er Viktor kennen, den Widersacher und polarisierenden, stillen Mithelden. Und nicht zuletzt Erika, die ihn daran erinnert, dass er letztlich ein normaler Junge in der Pubertät ist, der anfängt die Liebe zu entdecken. Selbst in diesen Zeiten.

Jakob erträgt Verlust und Schmerz, um sich maßlos mutig dem Regime entgegen zu stellen.

Obwohl die Geschichte rein fiktional ist, gelingt es dem Autor sie unglaublich realistisch darzustellen. Mit ein Grund dafür ist der Epilog, welcher den Lebensverlauf der Protagonisten abrundet sowie das Quellenverzeichnis am Ende.

Spannend geschrieben eignet sich das Buch nicht nur für geschichtlich interessierte Jugendliche, sondern für alle.

Anja Kuypers

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Die lange Reise des Jakob Stern

Rainer M. Schröder

Oetinger Verlag (2018)

Taschenbuch, 352 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978 - 3841505620

ca. Preis 9 €

Taurus – Die Erben der Macht“ von Michael Templar, Oetinger Verlag (2018)

 

Nathalie ist 13 Jahre alt und lebt bei ihrem Großvater, einem anerkannten Archäologen und Wissenschaftler. Gemeinsam haben sie bereits viele Reisen unternommen und leben mal hier, mal dort. Während einer Vortragsreise zum sagenumwobenen Orakulum, wird der Großvater entführt. Welches Interesse haben die mit Tiermasken verhüllten Kriminellen an dem Forscher und dem Orakulum, welches die Zukunft voraussagen soll?

Nathalie und ihr Freund Giles gehen diesem Geheimnis nach und begeben sich auf die Spuren der Entführer. Diese Verfolgungsjagd führt sie durch zahlreiche Länder und lässt sie unglaubliche Abenteuer erleben. Währenddessen erfährt Nathalie noch einiges über ihre Eltern und deren geheimnisumwobener Vergangenheit...

Das Buch besticht durch eine interessante und abenteuerliche Geschichte. Dennoch überschatten manche Ungereimtheiten die Handlung. So wird es den Protagonisten immer sehr leicht gemacht, die Spur beizubehalten. Auf jede Frage und vertrackte Situation folgt prompt eine Antwort und eine Lösung. Manches erklärt sich durch die Tatsache, dass Giles ein Millionärssohn ist, der nur in Begleitung seines Leibwächters verreist und somit genügend Gelder und erwachsene Unterstützung vorhanden sind. Aber eben nicht alles...

Die in der Ich-Perspektive Nathalies verfasste Geschichte liest sich kurzweilig und ist leicht verständlich.

Anja Kuypers

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Taurus – Die Erben der Macht

Michael Templar

Oetinger Verlag (2018)

gebunden, 384 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978 - 3789109492

ca. Preis 15 €

Wenn Worte meine Waffe wären“ von Kristina Aamand, Dressler Verlag (2018)

 

Ein sehr kurzweiliges Buch, welches thematisch gleich mehrere Interessenten bedient, ohne überladen oder oberflächlich zu sein. Im Gegenteil: es überrascht mit den inhaltlichen wechselnden Schwerpunkten und bringt sie am Ende doch wieder zusammen. Gut gemacht!

Die Protagonistin Scheherazade, 17jährig, kam vor zehn Jahren mit ihren Eltern aus dem arabischen Raum ins neutrale und liberale Dänemark. Die damalige Flucht vor Krieg und Verbrechen hat insbesondere bei ihrem Vater Schmerz und Narben hinterlassen. Verursacht durch das Trauma des Vaters leidet die Familie sehr, zumal dieser nun mit Herzproblemen im Krankenhaus liegt. Die Rolle des Vaters wird zunächst vornehmlich durch Rückblenden gefüllt, die erläutern, weshalb er heute aggressiv und teils unberechenbar ist. Scheherazade kämpft an vielen Fronten. So möchte sie Autorin werden, Dichterin wie ihr Vater. Aber ihre Mutter sieht in ihr eine Ärztin und unternimmt alles, um ihre Tochter davon zu überzeugen.

Bei den Besuchen des Vaters im Krankenhaus lernt Scheherazade die ebenfalls 17jährigeThea kennen, deren Mutter an einer seltenen Krankheit leidet und in derselben Klinik. Thea ist sehr unkompliziert, aus reichem Haus und stellt das Leben der schönen Araberin fortan auf den Kopf.

Scheherazade bewegt sich zwischen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können. Ihre nach wie vor traditionell gebundene Familie und das freie, weltoffene Dänemark.

Themen, wie die Rolle der Frau, Selbstmord und Homosexualität werde in diesem Buch behandelt. Die Autorin bedient sich dabei vielerlei Darstellungsmethoden: Rückblenden als eine besondere Form der Collagentechnik, sms Einträge im Fettdruck, Gedanken in kursiver Schrift und die eigentliche Geschichte in der Jetztzeit, aus der Ich-Perspektive Scheherazades im Präsens geschrieben.

Der im Text verwendete Toilettenspruch „If you want to achieve greatfulness, stop asking for permission.“ spricht hier Bände und füllt ein sehr gut gelungenes Buch.

Dringende Leseempfehlung!

Anja Kuypers

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Wenn Worte meine Waffe wären

Kristina Aamand

Dressler Verlag (2018)

gebunden, 288 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978 - 3791500980

ca. Preis 16 €

Verloren in Eis und Schnee – die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow“ von Davide Morosinotto, Thienemann-Esslinger Verlag (2018)

 

Ich dachte, dass genau das einen Krieg ausmacht: dass ganz normale Menschen auf einmal schreckliche Dinge tun.“

Diese furchtbare Erkenntnis muss ein Zwillingspärchen im Jahr 1941, während des zweiten Weltkrieges in Russland machen.

Per Kinderlandverschickung sollen sie vor den nahenden feindlichen Soldaten aus der Stadt Leningrad in Sicherheit gebracht werden. Unglücklicherweise landen sie in verschiedenen Zügen, die sie an unterschiedliche Ziele bringen soll. Das war so nicht geplant!

Es beginnt eine unglaubliche Reise der beiden 13-jährigen durch verheerende Kriegsgebiete, auf der Suche zueinander. Der besondere Draht, den Zwillingspärchen untereinander haben, spielt dabei keine unwesentliche Rolle. Die schrecklichen Erfahrungen, um die sie während der sechsmonatigen Wanderungen nicht umhin kommen sowie das wahnsinnige Glück, ohne dieses sie vermutlich nicht überlebt hätten, halten die Zwillinge Nadja und Viktor in Tagebüchern fest.

Nur dumm, dass genau diese Bücher ein Jahr nach Kriegsende in die Hände des Verfassungsschutzes gelangen, welche akribisch auf der Suche nach Vergehen sind.

Der Autor bedient sich in dem Buch realistischer Fakten des Krieges in Russland und fügt diesen die fiktionale Zwillingsgeschichte hinzu. Auf eine spannende Art, sodass der Leser ständig Teil ist und sich wünscht, er könne den Protagonisten Tipps geben, sie warnen oder etwas zurufen.

Das Buch unterliegt einer eingängigen Struktur: es gibt je sechs Tagebücher der Kinder, die in der jeweiligen Ich-Perspektive, farblich unterschiedlich geschrieben sind. In jedem Heft sind Randbemerkungen der Verfassung nachzulesen sowie ein offizielles Schreiben nach jedem Heftwechsel. Die Kinder haben während ihrer Flucht vor dem Tod und auf der Suche zueinander nachweislich gegen viele Vorschriften verstoßen. Wie wird der Staat nach Kriegsende entscheiden?

Dringende Leseempfehlung!

Anja Kuypers

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Verloren in Eis und Schnee

Davide Morosinotto

Thienemann-Essinger Verlag (2018)

gebunden, 496 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978 - 3522202510

ca. Preis 18 €

Livia – ein fantastischer Märchenroman“ von Friedrich Hechelmann , Knesebeck Verlag (2018)

 

Die Bewohner des kleines Landes Samarna sind ein kulturbegeistertes, freundliches Völkchen. Die Geschichte beginnt mit der Schilderung einer bezaubernden Monarchie, die das Schöne liebt und alles für die Zufriedenheit ihrer Untertanen unternimmt.

Mit Einzug einer mysteriösen Gräfin nimmt das Schicksal aber seinen Lauf. Die Königsfamilie entzweit sich, Krankheiten tauchen aus dem Nichts auf, und es gibt Tote. Außerdem werden dem Volk sämtliche liebgewonnene Einrichtungen genommen: „Um Ablenkung und das Totschlagen wertvoller Zeit, das in den letzten Jahren überhandgenommen hat, einzudämmen, sollten wir kleinerer Bibliotheken auflösen und die großen nicht weiter ausbauen.“

Bis zu dem Tag, an dem ein kleines Mädchen als Baby vor dem Palast abgelegt wird. Livia, in Begleitung ihres persönlichen Wächters, ein Pferd, ist der gute Gegenpol zu den bösen Machenschaften der Gräfin. Die Gruppe um das Mädchen, die sich der vernichtenden Macht entgegenstellt, wächst im Laufe der Geschichte um weitere Gestalten, wie einen Zwerg, eine Ziege oder einen Vogel, an.

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Rätsel um die geheimnisvolle Gräfin zu lösen und das Volk zu befreien.

Die Geschichte ist zuweilen sehr langatmig. Daran ändert die Bezeichnung „Märchenroman“ leider auch nichts. Die fantastischen Zeichnungen lockern die große Textmenge gut auf.

Anja Kuypers

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Livia – ein fantastischer Märchenroman

Friedrich Hechelmann

Knesebeck Verlag (2018)

gebunden, 195 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978 - 3957280763

ca. Preis 30 €

Der Bücherdieb“ von Alessandro Tota & Pierre van Hove, Reprodukt (2018)

 

Daniel Brodin, der Protagonist des Autorenduos, war schon immer sehr buchaffin. So lenkte er sich in den Zeiten des zweiten Weltkrieges mit dem Blättern in den Büchern der sehenswerten Bibliothek seines Großvaters ab. Er beginnt das Lesen und Schreiben zu lieben.

Mit 20 Jahren verlässt er die Heimat und zieht zum Jurastudium nach Paris. Seine Leidenschaft für Bücher mutiert zum krankhaften Zwang, Bücher besitzen und sammeln zu müssen. Gepaart mit der Tatsache, diese Bücher zu stehlen, nicht ordnungsgemäß käuflich zu erwerben, wird Daniel Brodin zum Bücherdieb!

Der recht arrogante und selbstgefällige Brodin macht kurz nach seiner Ankunft in Paris mit einem Plagiat in den Literaturkreisen auf sich aufmerksam. Bis auf einen aufmerksamen Zuhörer, bleibt seine gestohlene Poetik unerkannt. Er möchte berühmt werden und scheut keine Delikte auf dem Weg zur Spitze.

Brodin wird Mitglied einer politischen Untergrundorganisation und vertraut den Falschen.

Aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage und ständig auf der Suche nach Inspirationen für sein Schriftgut, begibt er sich in zahlreiche kriminelle Situationen und gerät mit der Justiz in Konflikt.

Seiner Taten bewusst reflektiert er seinen Werdegang und beschließt ein neues Leben zu beginnen. Allerdings holt ihn die Vergangenheit ein und die zwanghafte Suche nach Abenteuern und die Gier nach Gefahr beginnt von vorn.

Die Graphik Novel ist ausschließlich in schwarz-weiß gehalten und besticht durch eindrucksvolle Zeichnungen.

Spürbare Emotionen in der literarischen Gesellschaft Frankreichs in den 50er Jahren.

 

Anja Kuypers

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Der Bücherdieb

Alessandro Tota & Pierre van Hove

Reprodukt (2018)

Taschenbuch, 176 Seiten

Altersempfehlung ab 16 Jahren

ISBN 978 - 3956401565

ca. Preis 20 €

Unendlich mal unendlich mal mehr“ von Ingrid O. Volden, Thienemann (2018)

 

Herrjemeni und Himmel noch eins...

Petra ist zwölf Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter Malin allein. Diese arbeitet viel, um ihre Tochter und sich bestmöglich versorgen zu können. Dadurch entgeht ihr aber, dass Petra arge Zwangsstörungen hat: Schuhe müssen grundsätzlich gerade nebeneinander stehen, ohne sich zu berühren. Außerdem sind nur gerade Zahlen gut und eine gerade Anzahl an Wiederholungen unabdingbar, damit nichts Schlimmes passieren wird. Sie macht nie den Eindruck, als leide sie darunter. Ganz im Gegenteil: mit ihren beiden Freunden, dem stotternden Chris und der aus Afghanistan geflohenen Melika, die ein Vogellachen hat, erlebt sie manch skurrile Situation im Alltag. Ausgelöst durch eine Reaktion Petras in der Schule, soll sie zum Schulpsychologen, der ihr rät, mit dem magischen Denken aufzuhören.

Zunächst kann sie mit den Tipps des Gelehrten nichts anfangen. Erst der 13jährige Thomas scheint etwas bewirken zu können. Der Propellerjunge, wie Petra ihn nennt, steht ihr sehr nah, und auf einmal sind die Ratschläge des Psychologen nicht mehr so unsinnig.

Das Buch spielt wunderbar mit sprachlichen Bildern, wie: Wegen der Stotterei haben die Augen ziemlich gut sprechen gelernt. Oder: Er spricht in Großbuchstaben.

Nicht nur die überschaubare Kapitellängen, sondern und vor allem die sprachliche Gewandtheit der norwegischen Schriftstellerin machen das Buch zu einem kurzweiligen Erlebnis.

Absolut lesenswert!

 

Anja Kuypers

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Unendlich mal unendlich mal mehr

Ingrid O. Volden

Thienemann (2018)

Kinderbuch

gebunden, 112 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978 – 3314104473

ca. Preis 22 €

Was ist, kann nicht verschwinden“ von Amalia Rosenblum, Beltz & Gelberg (2018)

 

Scheidung! Lilly fällt aus allen Wolken, als ihre Eltern ihr aus dem Nichts verkünden, dass sie sich trennen wollen. Die Geschichte der 15jährigen, hochbegabten Tochter einer Künstlerin und eines Bäckers, die sich nur schwer mit der neuen Situation abfinden kann, spielt im heutigen Tel Aviv. Mit dem Lösen von Denksportaufgaben taucht Lilly permanent in mathematische Welten ab, um den Familienstreitereien zu entkommen. Die Liebe zu Naturwissenschaften hat sie von ihrer Großmutter geerbt, zu der sie eine innige Beziehung hatte, bevor diese starb. In zahlreichen Rückblenden wird auch diese Geschichte thematisiert.

In der Ich-Perspektive geschrieben, versucht sie ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie nur zu dritt eine richtige Familie sein können. Ein schwieriger Prozess, der das Mädchen auf dem Weg zur Erwachsenen begleitet.

Spontan entführt Lilly ein Schaf, welches ansonsten geschlachtet worden wäre. Sie klammert sich an den Gedanken, dass dieses Schaf ihre derzeitigen Lebensumstände wieder glätten könnte. Zudem ist Lilly der Meinung, sie könne mit dem Schaf kommunizieren. Fortan versteckt sie das Tier vor ihrer Umwelt und trifft auf diese Weise den unwesentlich älteren Sahir, der im Gegensatz zu ihr in einer sozial schwachen Gegend aufwächst und sich mit zwielichtigen Gestalten abgibt. Trotz gesellschaftlicher Differenzen hilft er ihr, immer wieder neue Verstecke für das Schaf zu finden.

Lilly fängt an ihre Familie zu belügen und verhält sich ansatzweise revolutionär. Dabei möchte sie doch eigentlich nur zurück zur heilen, normalen Welt: Ich möchte mich einfach nur auf jemanden verlassen können.

In dem Buch werden so einige Dinge thematisiert, die in Summe für eine hohe, nicht immer transparente Dichte sorgen: Scheidungsabsicht der Eltern, sich anbahnende neue Familienkonstellationen, dunkle Familiengeheimnisse, sozialen Schichten, skurrile Tierliebe, Homosexualität, erste Liebe, Hochbegabung, …..

Der aufmerksame Leser erinnert sich relativ schnell an die Geschichte des kleinen Prinzen. Die Autorin macht keinen Hehl aus dieser Parallele und spricht den Vergleich im Buch selber an.

Der Plot ist gut, allerdings wartet man vergeblich auf spannende Momente. Das Buch hätte wenigstens mit einem Paukenschlag enden können. Dieser bleibt aber auf den knapp 400 Seiten gänzlich aus. Schade eigentlich…

 

Anja Kuypers

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Was ist, kann nicht verschwinden

Amalia Rosenblum

Beltz & Gelberg (2018)

Jugendbuch

gebunden, 380 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978 – 3407754301

ca. Preis 16,95 €

Das ENDE ist erst der Anfang“ von Chandler Baker, Thienemann (2018)

 

Tag und Nacht verbringt die 17jährige Lake mit ihren beiden Freunden Will und Penny. Nur zu gerne flieht sie vor ihrer eigenen Familie, bestehend aus ihrem querschnittsgelähmten Bruder Matt und ihren Eltern. Seit dem Unfall ihres Bruders gibt es kein funktionierendes Familienleben mehr. Zu Will entwickelt sich im Laufe der Zeit ein partnerschaftliches Verhältnis. Bis zu dem Tag, an dem die drei Freunde von einem Ausflug zurückkehren und in einen dramatischen Autounfall verwickelt sind. Will und Penny sterben, nur Lake überlebt.

Trotzdem die Geschichte in der Jetztzeit spielt, sind Wissenschaftler in der Lage, eine sogenannte Resurrection, die Wiederbelebung eines Toten, durchzuführen. Jeder Mensch hat zu seinem 18. Geburtstag die Möglichkeit, eine Resurrection vornehmen zu lassen.

Für wen soll Lake sich entscheiden? Soll sie ihren Freund Will wiedererwecken lassen, ihre beste Freundin Penny oder gar ihren querschnittsgelähmten Bruder Matt zunächst sterben und dann gesund auferstehen lassen?

Zwischen dem Unfall und dem Datum für die Wiederbelebung, also Lakes 18. Geburtstag, liegen nur knappe vier Wochen. Eine Zeit der Belastungen und Ansprüche, die von verschiedenen Seiten an Lake herangetragen werden, beginnt.

Sie muss sich mit persönlichen, ethischen und moralischen Grundsatzgedanken auseinander setzen.

Unterbrochen wird die Geschichte durch Rückblenden, die ein wenig Licht ins Dunkle der Familiengeheimnisse bringen und am Ende für Aufklärung sorgen. Aber ob diese die Entscheidung für Lake erleichtern?

Die Geschichte, aus der Ich-Perspektive Lakes erzählt, liest sich flüssig und ist kurzweilig geschrieben.

Der Plot ist sehr gut und zu einem Kauf kann nur geraten werden. Und das, obwohl das Ende des Romans leider ein wenig ernüchternd ist und den positiven Gesamteindruck etwas schmälert.

 

Anja Kuypers

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Das ENDE ist erst der Anfang

Chandler Baker

Thienemann (2018)

Jugendbuch

gebunden, 400 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978 – 3522202480

ca. Preis 17,00 €

Tankstellenchips“ von Antonia Michaelis, Oetinger (2018)

 

Der junge Erwachsene Shayan, alias Sean, kommt nach einer haarsträubenden Flucht aus dem Iran in Deutschland an und ist gewillt sich zu integrieren und hier Fuß zu fassen. Leider bringt ihn die Suche nach einem verloren gegangenen Schlüssel in den Abendstunden am Ostseestrand zu einem Haus, in das gerade eingebrochen und der Eigentümer ermordet wird. Sean wird nicht nur Zeuge, sondern gerät durch unglückliche Umstände unter Mordverdacht. Kurzerhand flieht er aus dem Haus ins Nirgendwo. Der achtjährige Davy, der aus einem Kinderheim geflohen war und sich in der Garage des Hauses versteckt hatte, schließt sich ihm spontan an. Davy möchte endlich seinen leiblichen Vater kennenlernen und bittet Sean, ihn auf dem Weg nach München zu begleiten. Die Tour beginnt im Norden Deutschlands und führt die beiden „Flüchtlinge“ quer durch das Land.

Wäre Sean, 100jährig, aus einem Fenster gestiegen und verschwunden, wäre es auch nicht verwunderlich. Denn die beiden geraten in zahlreiche, ähnlich skurrile Situationen wie in dem Erfolgsklassiker, die voller unlogischer Fehler sind und nicht plausibel erscheinen.

Humorvoll und zum Teil nachdenklich stimmend wird der Leser auf eine unglaubliche Reise mitgenommen.

Manchen mag es zunächst verwirren, dass sowohl Davys verzögerte Sprachentwicklung, als auch Seans brüchige Deutschkenntnisse wortwörtlich geschrieben werden.

Diese Tatsache verstärkt den Blick des Iraners auf Deutschland und seine für ihn teils seltsamen Sitten sowie die vielen unterschiedlichen Sprachbedeutungen, die er nur schwerlich versteht, geschweige denn in Folge korrekt anwendet.

Der Leser bekommt einen bunten Strauß an Emotionen und Eindrücken serviert. Manchmal ist die verwendete Blumenpracht etwas zu schillernd und abgehoben. Aber es ist und bleibt eine Augenweide für die Vase auf dem Beistelltisch.

 

Anja Kuypers

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Tankstellenchips

Antonia Michaelis

Oetinger (2018)

Jugendbuch

gebunden, 368 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978 – 3789109188

ca. Preis 18,00 €

Seit gestern ist Frieden“ von Herbert Günther, Gerstenberg Verlag (2018)

 

Die Geschichte spielt im Nachkriegsdeutschland und liefert einen zeitlichen Abriss von 1945 bis zur Gründung der DDR im Jahr 1949.

In der Ich-Perspektive schildert das junge Mädchen Hanne ihre Eindrücke auf dem Bauernhof ihres Onkels in der englischen Besatzungszone, zu dem sie gezogen waren, als ihr Vater den Wehrdienst antreten musste.

Gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und zahlreichen unterschiedlichen Flüchtlingen, die ihre eigene Geschichte mitbringen, wächst sie heran und erlebt jede Menge Entbehrungen, aber auch Aufbrüche und Neuanfänge.

Nach der Rückkehr ihres Vaters aus der Kriegsgefangenschaft, verändert sich das Leben aller.

 

Die Familie erfährt Momente der Machtlosigkeit, wenn die Währungsreform und die Einführung vieler, neuer Gesetze den Alltag bestimmen. Der Krieg hat vieles genommen und offene Wunden hinterlassen. In dieser Zeit des Umbruchs bleibt für die Beteiligten einiges ungeklärt und unverständlich.

Die Schicksale verschiedener Familien, vornehmlich die Hannas, finden in dem kurzweiligen Roman Bedeutung und zeigen realistische Eindrücke aus der Zeit der Einschränkungen und des Umdenkens nach dem Krieg.

 

Am Ende des Buches klärt der Autor mit einem chronologischen Tatsachenabriss sowie einem Glossar zu Fachbegriffen aus der Zeit auf.

Anja Kuypers

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Seit gestern ist Frieden

Herbert Günther

Gerstenberg (2018)

Jugendbuch

gebunden, 192 Seiten

Altersempfehlung ab 15 Jahren

ISBN 978 – 3836956611

ca. Preis 14,95 €

Tatort Eden 1919“ von Maja Nielsen, Gerstenberg Verlag (2018)

 

Der mehrfach prämierten Erfolgsautorin Maja Nielsen ist mit diesem Buch erneut ein gutes Werk gelungen. So verpackt sie historische Tatsachen aus der Zeit nach dem Ende des ersten Weltkrieges in eine Geschichte mit zwei Handlungssträngen.

 

Es beginnt im Jahr 2015 mit dem 17jährigen Biko, dem Sohn einer ghanaischen Familie, der im beschaulichen Sauerland aufwächst und nun ins urbane Berlin reist, um dort eine dreijährige Ausbildung an einer renommierten Artistenschule aufzunehmen. Kaum angekommen, wird er am Bahnhof fälschlicherweise für einen Flüchtling gehalten und erlebt erstmalig hautnah wie nah Anfeindung und Herzlichkeit beieinander liegen können.

An der Schule gerät er über Umwege an einen Brief, der im geheimen Fach eines Requisitenkoffers steckt und erfährt von dem Dozenten und Kofferbesitzer Monsieur Vite Details zum Hintergrund des Schriftstücks.

Daraus ergibt sich der optisch in einer anderen Schriftart gehaltene zweite Handlungsstrang rund um den Protagonisten Pico, der als Kriegsheimkehrer an seine ehemalige Dienststelle im Hotel Eden im Jahr 1918 in Berlin zurückkehrt. Dort trifft er auf seine alte Freundin Donna, die im Untergrund der Novemberaufstände, rund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, nach dem ersten Weltkrieg aktiv ist.

Pico wird ebenfalls Teil des Widerstandes und versorgt, als Maulwurf unter Waldemar Pabst, seine Mitwisser mit Informationen.

 

Im Verlauf des Buches wechselt die Autorin zwischen Tatsachenschilderungen der Vergangenheit und Fiktivem aus der Gegenwart, was aber so stattgefunden haben könnte. Es ergeben sich Parallelen, die am Ende gleichmäßig aufgelöst werden. Genauso hat Geschichte stattgefunden und spiegelt sich in der Jetztzeit.

 

Gerade zu Beginn des Buches kann die Dichte von historischen Ereignissen den Leser zuweilen überfrachten und den Lesegenuss ein wenig dämmen. Durchhalten und Weiterlesen, bis die Inhalte wieder entzerrt werden. Es lohnt sich!

 

Auf den letzten Seiten erwarten den Leser ein zeitlicher Abriss mit genauen Daten und Fakten zur Zeit nach dem ersten Weltkrieg, gepaart mit Hintergrundwissen zu Parteien und Politikern der damaligen Zeit.

Anja Kuypers

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Tatort Eden 1919

Maja Nielsen

Gerstenberg (2018)

Jugendbuch

gebunden, 192 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978 – 3836956819

ca. Preis 9,95 €

„Der grosse schwarze Vogel“ von Stefanie Höfler, Beltz & Gelberg (2018)

 

Der wunderbare, neue Jugendroman von Stefanie Höfler nimmt sich mutig und gekonnt dem Thema Tod an.

Der Roman beginnt mit einem Paukenschlag! Die Mutter stirbt mit nur 45 Jahren an plötzlichem Herzversagen und hinterlässt neben dem Vater den 14-jährigen Ben und seinen sechsjährigen Bruder Karl.

Ungehemmt wird der Leser in die Geschichte gesogen und durch die Ich-Perspektive Bens mit Informationen versorgt. Die Kinder erleben die vergeblichen Rettungsversuche der Sanitäter, das schmucklose Auftreten des Bestatters und den nüchternen Abtransport der Leiche.

Wegen der tiefen Verzweiflung des Vaters nimmt sich die Tante zunächst der Kinder an und versucht, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten.

 

Der Roman beschreibt aus der Sicht von Ben den unterschiedlichen Umgang aller Beteiligten mit dem Schicksalsschlag. Zurückhaltend, aber bestimmt schreibt Höfler eine Geschichte, die genauso stattfinden könnte. Jedes Gefühl, jede Regung nimmt man den Protagonisten sofort ab.

Das Buch enthält einen zeitlichen Abriss einer ganzen Woche nach dem Tod der Mutter. Die Schilderungen der Vorfälle in dem Zeitraum, unterteilt in vor- und nachmittags, werden durch anfängliche Rückblenden unter dem Titel „Davor“ unterbrochen. Zur Mitte der Geschichte wechseln die Blenden in die Jetztzeit, bevor sie zum Ende hin zu Kapiteln „Danach“ werden.

 

Das Buch kommt ohne Spezialeffekte oder Highlights aus. Und dennoch bleibt der Leser gespannt und erwartet fast, dass der Jugendliche Ben der Stärke und seiner neu gewonnenen Verantwortung für seinen jüngeren Bruder nicht standhalten kann und irgendwann einbrechen wird.

Der Roman beschönigt nichts. So fällt der Vater beim Begräbnis dem Pfarrer ins Wort und unterbricht die Rede durch Wahrheiten über seine Frau „Sie war keine Heilige und zuweilen die Pest. Aber grundehrlich!“

Genauso ehrlich zeigt sich der Roman in all seinen Facetten. Schlicht, aber nachhaltig, leise und doch stark.

In seiner Trauer lernt Ben eine neue Mitschülerin kennen und erfährt ihre Erfahrungen mit dem Verlust eines Menschen. Aus dieser Gemeinsamkeit erwächst im Laufe der Zeit eine tiefe Freundschaft.

Die Autorin spart das anschließende Thema einer jungen Liebe aus, um dem Buch keine neue und unpassende Wende zu geben.

Dringende Kaufempfehlung!

 

Anja Kuypers

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Der grosse schwarze Vogel

Stefanie Höfler

Beltz & Gelberg (2018)

Jugendbuch

gebunden, 182 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978 – 3407754332

ca. Preis 13,95 €

 

„Für Niemand“ von Tobias Elsäßer, Fischer Verlag (2014)

 

Drei Jugendliche verabreden sich im Internet für einen gemeinsamen Sprung in den Tod. Sie kennen sich nicht, sind sich noch nie begegnet. Es verbindet sie der Wunsch, das eigene Leben zu beenden. Im regelmäßigen Chat tauschen sie sich, unter Verwendung von nicknames, über die Möglichkeiten, den Zeitpunkt und in Ansätzen über die persönlichen Gründe jedes Einzelnen für den Selbstmord aus., Train, der Deckname desjenigen, der den Chat initiiert hat, hält die Fäden in der Hand und ist tonangebend.

 

Die Buchinhalte wechseln zwischen Ausschnitten des Chatverlaufes und einzelnen, kurzen Erzählkapiteln, über die man Informationen über die Handlungsteilnehmer erfährt. Darunter sind nicht nur die drei Lebensmüden, sondern weitere Personen, die im Laufe der Geschichte eine teiltragende Rolle einnehmen. Das zunächst wirre Fadenknäuel entwickelt sich nach und nach zu einem spannenden Handlungsstrang, der es dem Leser schwer macht, das Buch zur Seite zu legen. Die Geschichte fesselt bis zum Schluss.

 

Die geringe Seitenanzahl sowie die sehr knappen Kapitel und die Stakkato ähnlich abgehackten Kurzsätze machen das Buch für Wenigleser interessant. Allerdings muss man sich des Themas bewusst sein, welches zuweilen ernüchternd dünn daherkommt. Es fehlt der feine Characterzug. Dem Leser wird sehr viel Spielraum für Interpretationen gelassen, und auch am Ende bleiben offene Fragen, die man nur spekulativ selbst beantworten kann und möchte.

 

Der Autor beweist Mut, indem er über Suizid bei Jugendlichen schreibt. Es ist gelungen, lässt aber noch Luft zum Atmen und sollte keineswegs als Ratgeber für Gefährdete gesehen werden. Es ist und bleibt ein Roman.

 

Anja Kuypers

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Für Niemand

Tobias Elsäßer

Fischer (2014)

Jugendbuch

Taschenbuch, 176 Seiten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

ISBN 978 – 3733500030

ca. Preis 7,00 €

 

Rezension „Feuerwerk mit Todesfolge“ von Robin Stevens, Knesebeck (2018)

 

Das mittlerweile vierte Buch aus der Reihe „Wells & Wong“ ist ein weiterer Krimi für Mädchen im besten, vorpubertären Alter. Der Tod, den es aufzuklären gilt, findet in Deepdean, einem Mädcheninternat in den frühen 30iger Jahren statt.

Die Handlung ist eigentlich schnell erzählt: die Schulsprecherin des Internats stirbt, und ein Team von Geheimdetektivinnen klärt den Fall auf.

Klingt nicht spannend, ist es aber. So kommt es auf die Feinheiten an, auf die Details zwischen den Zeilen, um die sich das Detektivbüro, unter der Leitung von Daisy Wells und Hazel Wong, kümmert.

Sie glauben nicht an ein zufälliges Unglück, bei dem die allseits unbeliebte Schulsprecherin Elizabeth Hurst zu Tode kam. Der Kreis der Verdächtigen, die ein Motiv hätten, ist groß.

Sehr viele Handlungsteilnehmer*innen verwirren den Leser auf den ersten Blick. Nur gut, dass alle Beteiligten auf den ersten Seiten nach deren Aufgaben oder Zugehörigkeiten im Schulleben aufgelistet werden. Man fügt sich recht schnell in das umtriebene Internatsleben ein. Die Zusammenhänge, die rein ermittlertechnisch vonnöten sind, sind dank der leichten Schreibweise und immer wiederkehrender Erläuterungen, gut nachvollziehbar.

 

Es ist möglich, diesen bereits vierten Teil aus der Reihe Wells & Wong zu lesen, ohne die vorherigen Bücher zu kennen. Schön, dass es endlich spannende Krimireihen für jüngere Mädchen gibt, die zugleich das Thema Erste Liebe einfließen lassen. So schreibt sich Hazel mit einem Jungen Briefe in Geheimschrift und erörtert mit ihm den Fortschritt der Ermittlungen.

 

Der Leser wird in angemessener Kapitellänge auf eine verdeckte Detektivarbeit mitgenommen und fiebert dem Aufdecken der Tat entgegen.

 

Anja Kuypers

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Feuerwerk mit Todesfolge

Der vierte Fall der Detektivinnen Wells & Wong

Robin Stevens

Knesebeck (2018)

gebunden, 288 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

Aus dem Englischen von Nadine Mannchen

ISBN 978 - 3957280541

ca. Preis 15 €

„Unerschrocken 2“ von Pénélope Bagieu, Reprodukt (2018)

 

In diesem wunderbaren zweiten Band aus der Reihe „Unerschrocken“ werden erneut 15 Frauen portraitiert, die etwas Großes geleistet haben, zu den stillen Persönlichkeiten gehörten oder einfach nur Glück hatten: von der Tierdolmetscherin Temple Grandin über die Banditenkönigin Phoolan Devi bis hin zur Kunstsammlerin Peggy Guggenheim.

Unter Anwendung des einfach zugänglichen, aber nicht minder inhaltlich interessanten Comicstils, nimmt Pénélope Bagieu den Leser mit auf Kennenlernreisen, die man vielleicht ohne dieses Buch nie unternommen hätte.

Je Protagonistin erhält der Leser einen sechs bis achtseitigen Eindruck vom Leben derjenigen und wird ermutigt, mehr in Erfahrung bringen zu wollen.

 

Meine persönliche Vermutung ist, dass Band 2 von „Unerschrocken“ mehr Darstellungen der Neu- und Jetztzeit enthält, was das Lesevergnügen allerdings nicht im Geringsten trübt.

 

Dringende Kauf- und Leseempfehlung. Nicht nur für Frauen....

Es sei denn, Sie haben kein Interesse zu erfahren, welche Geschichte sich hinter Frances Glessner Lee verbirgt, einer Frau, die sich als Puppenstubenforensikerin einen Namen gemacht hat.

 

Anja Kuypers

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Unerschrocken

Pénélope Bagieu

Reprodukt (2018)

gebunden, 168 Seiten

Aus dem Französischen von Heike Sandberg

ISBN 978 - 3956401428

ca. Preis 24 €

„Unerschrocken“ von Pénélope Bagieu, Reprodukt (2017)

 

Sie kennen Annette Kellerman nicht? Und von Agnodike haben Sie auch noch nichts gehört? Dann wird es aber Zeit. Denn die Leben dieser und 13 weiterer mehr oder weniger bekannten Frauen werden in dem fantastischen Buch beschrieben und im Comicstil bebildert.

Leicht und locker lesen sich die wesentlichen Stationen aus dem Leben der jeweiligen Macherinnen. Von einer „anderen“ Illustratorin, über eine „Indianerhäuptin“ bis zur „Dame mit Bart“ werden viele interessante Verläufe geschildert, die alle eines gemein haben: es sind Frauen, die heldinnenhaft einfach mal quergedacht haben. Unerschrocken eben!

 

Jedes Frauenportrait umfasst zwischen sechs und acht Seiten. Der Illustrationsstil spricht gleichermaßen Groß und Klein an. So sind die ergänzenden Textpassagen leicht zu lesen und im Kontext gut zu verstehen. Um die Bedeutung und die Konsequenz der Lebenswege dieser außergewöhnlichen Persönlichkeiten allerdings im vollen Umfang interpretieren zu können, bedarf es einer gewissen Reife.

 

Beim Lesen ist man inspiriert und motiviert, mehr über die Frauen erfahren zu wollen.

`Bin gespannt auf Band 2.....

 

Anja Kuypers

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Unerschrocken

Pénélope Bagieu

Reprodukt (2017)

gebunden, 144 Seiten

ISBN 978 - 3956401299

ca. Preis 24 €

„Sommer, Schwester“ von Jerker Virdborg, Arctis (2018)

 

Der umfangreiche Roman des 1971 in Stockholm geborenen Autors handelt von einer unglaublich intensiven Beziehung zwischen Bruder und Schwester inmitten schwedischer Kriegswirren.

Erik ist 17 Jahre alt und ein Ästhet - ein Sprachkünstler, der sich am wohlsten fühlt, wenn er schreiben kann.

Seine ältere Schwester Anna ist eine ausgebildete Elitesoldatin, die mit solchen Gefühlsduseleien nicht viel anfangen kann.

Während des zweiten Weltkrieges flüchten sie quer durch Schweden, um irgendwann unbemerkt über die Grenze in sicherere Gebiete zu gelangen.

 

Das Buch handelt von der Flucht der beiden und der ausgeprägten Zeit zu zweit. Gemeinsam streichen sie wochenlang durch die teils undurchdringbaren, schwedischen Wälder. Immer auf der Flucht vor dem Feind. Sie haben gelernt, dass sie niemandem vertrauen können. Außer sich selbst.

Dank Annas Spürsinn entkommen sie manch brenzliger Situation.

 

Die ausführlichen Beschreibungen dieses einen Kriegssommers sind unterbrochen von Rückblenden aus derer beider Leben. Durch den Austausch dieser Erinnerungen kommen sich die beiden nah und erkennen nicht nur wie wichtig ein Geschwister sein kann, sondern das sie sich näher sind, als sie es je angenommen haben.

 

Der Roman berührt und geht tief. Allerdings sind die Passagen über die Fluchten durch die Wälder Schwedens zuweilen sehr lang und umfangreich. Im Laufe des Buches ist der Leser geneigt, sich bei einer erneuten Beschreibung des Fluchtweges an den zuletzt erwähnten zu erinnern.

Die sehr gut geschriebene Geschichte wäre meiner Meinung nach auch mit weniger Seiten zurecht gekommen.

 

Anja Kuypers

 

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Sommer, Schwester

Jerker Virdborg

Arctis Verlag (2018)

Jugendbuch

gebunden, 384 Seiten

aus dem Englischen von Wolfgang Butt

Altersempfehlung ab 16 Jahren

ISBN 978 - 3038800125

ca. Preis 20 €

 

„Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“ von Steven Herrick, Thienemann (2018)

 

Der Coming-of-Age Roman beschreibt Auszüge aus dem Leben des Ich-Erzählers Harry, seines jüngeren Bruders Keith und des gemeinsamen Vaters. Die Mutter starb durch einen tragischen Autounfall, als die Brüder sechs und sieben Jahre alt sind.

Sie wachsen im sozialschwachen Umfeld einer tristen Dorfidylle auf. Der Vater ist sehr bemüht, seinen Söhnen das Bestmögliche unter den gegebenen Umständen zu bieten und kümmert sich liebevoll um die beiden.

In dem Buch werden die wichtigsten sieben Meilensteine zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr aus Harrys Leben blumig und bildhaft beschrieben. Jedes Ereignis nimmt für sich einen kleinen Spannungsbogen ein. Der große Wurf für das Gesamtwerk bleibt allerdings aus.

Es werden die für das Alter typischen Themen wie Familie, Verlust, Mut und die erste Liebe glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt. Harry teilt und erlebt fast alle Erfahrungen mit seinem Bruder Keith. Der Vater, dessen Name in dem Buch zu keinem Zeitpunkt genannt wird, nimmt die Rolle des „ruhenden Pols“ ein, der seinen Söhnen vertraut und sie gewähren lässt, ohne den Blick zu verlieren.

 

Jedes der sieben Teile enthält einzelne Kapitel. Sie bauen chronologisch aufeinander auf und ähneln optisch kleinen Gedichten. Obwohl auf die Verwendung von Versen und klassischen Reimformen verzichtet wird, ähnelt die Darstellung lyrischer Schreibweise. Vielleicht könnte man es mit moderner Lyrik beschreiben, die der Prosa nachempfunden ist.

Die Textmenge pro Seite ist überschaubar gering und bietet somit auch Lesefaulen einen einfachen Einstieg in literarisch anspruchsvollere Jugendliteratur.

Mit Gefühl und Sinn für bildreiche Details erfährt der Leser viel über das Innere des Ich-Erzählers, womit er zu den erschwerenden Lebensumständen konterkariert.

 

Der letzte Jugendroman des Autors „Wir beide wussten, es war passiert“ aus dem Jahr 2016 war im Jahr 2017 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Die Machart dieses neuen Werkes ähnelt sehr, sodass erneut mit einer Nominierung zu rechnen ist. Zurecht, wie ich finde.

 

Anja Kuypers

 

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Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen

Steven Herrick

Thienemann (2018)

Jugendbuch

aus dem Australischen von Uwe-Michael Gutzschhahn

gebunden, 240 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahre

ISBN 978-3522202466

ca. Preis 15,00 €

"Pheromon – sie riechen dich“ von Rainer Wekwerth und Thariot , Planet! (2018)

 

Das Buch besteht aus zwei Handlungssträngen, die erst kurz vor Ende des Buches aufeinander treffen. Jeder Strang erzählt seine eigene Geschichte, ohne zu ahnen, dass sie zum Schluss einen Zopf ergeben sollen.

 

Der eine Teil spielt in der Jetztzeit, im Jahr 2018. Der andere Teil im Jahr 2118. In der Erzählung wechseln sich die Geschichten, die mit ähnlich großem Anteil vertreten sind, ab. Der Titel enthält immer die Jahresangabe, sodass der Leser sich gut orientieren kann.

 

Der über 400 Seiten umfassende Jugendroman handelt im Jahr 2018 von einem 17-jährigen Jungen, der mit einem Mal besonders gut riechen, sehen und hören kann. Schnell erkennt er, dass diese sensiblen Fähigkeiten in Zusammenhang mit verschiedenen Jugendlichen aus einem Club des „Human Future Projects“ stehen. Nichts ahnend, dass sich dort besondere, von Bewohnern eines anderen Planeten ferngesteuerte Menschen befinden. Diese sind, ohne sich dessen bewusst zu sein, in der Lage Freunde und Verwandte von sich abhängig zu machen, indem sie Pheromone verteilen.

 

Im zweiten Handlungsstrang ist der Protagonist ein Mediziner, der seine Tochter im betrunkenen Zustand erschlagen hatte. Nach seiner Entlassung versucht er durch Sozialarbeit in einem Krankenhaus seine Schuld zu sühnen. Im Rahmen dieser Ersatzhandlung trifft er auf ein schwangeres Mädchen. Nach wie vor von Schuldgefühlen geplagt, nimmt er sich ihrer besonders an und tritt dabei unfreiwillig in Kontakt mit der, mittlerweile über 100 Jahre alten Jugendorganisation „Human Future Project“.

 

Der Leser wird am Ende mit einer abrupten und ernüchternden Handlung zurück gelassen und fragt sich zurecht, was denn nun passiert, wie es weitergehen wird. Allerdings ersetzt das Entsetzen über den Verlauf des Spannungsbogens die Neugierde auf einen zweiten Teil.

 

Ob die Geschichte bereits in ihrem Gesamtumfang von 14-jährigen gelesen und verstanden werden kann, wage ich zu bezweifeln.

Das große Kino zu Beginn des Buches, endet im Kult-Souvenir-Fernseher „Gucki“, dessen Bildmaterial schnell erschöpft ist und plötzlich, aus dem Nichts ans Ende gelangt.

 

Anja Kuypers

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Pheromon – sie riechen dich

Rainer Wekwerth, Thariot

Planet! (2018)

Jugendbuch

broschiert, 416 Seiten

Altersempfehlung ab 14 - 17 Jahre

ISBN 978-3522505536

ca. Preis 17,00 €

 

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