Rezensionen zu Kinderbüchern

Der kleine Mann und die kleine Miss“ von Erich Kästner, Atrium Verlag (2019)

 

Dieses Buch ist die Fortsetzung des Kinderbuches „Der kleine Mann“ von Erich Kästner.

Dem Autor ist eine wunderbare Verknüpfung zum ersten Teil der Geschichte gelungen. In der Ich-Perspektive beschreibt Kästner sein Gespräch mit dem Nachbarsjungen über das neue Buch. Er erklärt ihm, wie er die Brücke zur neuen Geschichte schlägt und somit für den Leser einen sanften Einstieg ins Geschehen ermöglicht: Kästner illustriert einfach die wichtigsten Handlungsteilnehmer des ersten Buches und beschreibt deren Rollen und Taten. Sehr charmant gelöst!

Teil zwei handelt von dem nur fünf Zentimeter große Protagonisten Mäxchen Pichelsteiner, der bei seinem Ziehvater Professor Jokus Pokus aufwächst und Star eines Wanderzirkus` ist. Seinen Wohnwagen teilt er sich mit dem Professor und dessen Freundin Rosa Marzipan, der Artistin der Truppe.

Die unglaubliche Lebensgeschichte des kleinen Jungen soll nun verfilmt werden. Dazu reist der amerikanische Mr. Drinkwater an. In nur drei Monaten soll der Film, mit Mäxchen in der Hauptrolle, fertig sein. Unterdessen versuchen zwei Schurken den Ministar zu kidnappen, um ihn dem bösen, mexikanischen Senor Sanchez für sein „Menschenmuseum“ auszuhändigen. Als der Film fertig ist und weltweit gesendet wird, tritt plötzlich die kleine Miss in das Leben Mäxchens. Sie hat den Film gesehen, und etwas Besonderes verbindet die beiden....

Mit seinem locker leichten und sehr sympathischen Schreibstil erreichte der Autor im Laufe der Jahre weltweiten Erfolg.

Mit dem Buch „Der kleine Mann und die kleine Miss“ schließt sich leider das Kapitel der Kinderbücher von Erich Kästner. Denn das 1967 erschienene Buch soll für ihn das letzte seiner Art sein. Der Atrium Verlag hat nun diese kurzweilige und hübsche Geschichte neu aufgelegt.

Danke für die Erinnerung!

Anja Kuypers

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Der kleine Mann und die kleine Miss

Erich Kästner

Atrium Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 208 Seiten

Altersempfehlung ab 6 Jahren

ISBN 978-3855356331

ca. Preis 20 €

Spring! Vor allem über Deinen Schatten“ von Mina Teichert, Planet! Thienemann Esslinger Verlag (2019)

 

Corinne, alias Coco und Penelope, alias Pebbles. Zwei Mädchen, irgendwo zwischen zwölf und dreizehn Jahren – also „drölf“ -, die unterschiedlicher nicht sein können.

Coco ist die Schnelle, die Freche, die Macherin. Pebbles hingegen ist die Langsame, die Zurückhaltende, die Abwartende. Gegensätze, die sich bekanntlich anziehen. Und so werden die beiden schnell zu besten Freundinnen.

Als die verträumte Pebbles auf dem Weg zur Schule ist, klingelt seltsamerweise das Telefon in der schon lange außer Betrieb gesetzten, uralten Telefonzelle. Kurzerhand nimmt sie den Hörer ab und spricht mit Coco, die fortan das Leben der Außenseiterin ziemlich auf den Kopf stellt.

Pebbles kann sich nicht lange konzentrieren, sie hat ADS. Sie verliert sich in Tagträumen und Lautstärke ist ihr zuwider. In der Schule wird sie deshalb permanent gemobbt. Da kommt die ständig fluchende Coco gerade richtig. Sie hilft der in sich gekehrten Peppbles beim Sortieren der herum wirbelnden Gedanken. Aber ist Coco wirklich die starke Persönlichkeit, die sie darzustellen versucht? Immer wieder demonstriert sie ihrer neuen Freundin, wie wichtig „Mutausbrüche“ sind. Und nicht nur Pebbles profitiert im Laufe der Geschichte davon....

Auf anregende Art nimmt die Autorin jede*n Leser*in - egal welchen Alters - mit auf eine Reise, die sich thematisch zwischen Freundschaftswerten und Lebensmut befindet. Längere Zeit fragt man sich, ob Coco tatsächlich real ist.....

Das Buch hat so einiges parat. Hier wird „anständiges Fluchen“ zum neuen Schulfach.

„Spring! Und vor allem über Deinen Schatten“ - Egal ob „drölf“ oder schon erwachsen.

 

Anja Kuypers

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Spring! Vor allem über deinen Schatten

Mina Teichert

Planet! Thienemann Esslinger Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 228 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978-3522506328

ca. Preis 11 €

Kinderland – Eine Kindheit im Schatten der Mauer“ von Mawil, Reprodukt Verlag (2019)

 

Mirco wächst jenseits der Mauer in Ostberlin auf. Er ist relativ klein für einen Siebtklässler und liest gerne. Scheinbar genügend Gründe für seine Mitschüler, ihn permanent aufzuziehen.

Im grauen Dasein der DDR schlägt Mirco sich zwischen Kindheit und Pubertät durch den Familienalltag. Dieser ist bestimmt durch jede Menge Tischtennis, eine leidliche Schule mit wenig Kameraden, seine kleine Schwester und die Eltern, die abends mit Freunden Fluchtgedanken spinnen. Der Leser nimmt Teil am Leben der Bewohner Ostberlins in den Endachtzigern.

In klar getrennten panels verwendet der Autor und Illustrator Mawil immer wieder Markantes aus der: FKK, Sandmännchen, Safttüten, Plattenbau, Pionierarmbinde. Portrait Honneckers......

Erst durch „den Neuen“ in der Klasse, der Mircos Probleme erkennt und ihm hilft, schöpft er wieder Mut und gewinnt an Selbstbewusstsein.

Der Leser erlebt gemeinsam mit dem Protagonisten die Öffnung der Mauer und darf teilhaben an den ersten Berührungen mit Kaugummiautomaten, der Bildzeitung oder einer Tafel Schokolade im Westen.

Trotz der vorherrschenden Mauer-Thematik bietet das Buch mehr als nur Ost-West Vergleiche. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt und Miteinander.

Die Doppeldeutigkeit, versteckt im Motiv „über Grenzen gehen“, verleiht der Geschichte ein Krönchen und macht den Comic sehr lesenswert für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren.

 

Anja Kuypers

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Kinderland – Eine Kindheit im Schatten der Mauer

Mawil

Reprodukt Verlag (2019)

Kindercomic

Taschenbuch, 296 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978-3956401763

ca. Preis 9,95 €

Der kleine Major Tom – Im Bann des Jupiters“ von Bernd Flessner, Tessloff Verlag (2019)

 

Die neue und erfolgreiche Reihe des Tessloff Verlages für geübte Erstleser begeistert nun mit einem Abenteuer über den Planeten Jupiter. In Band 9, der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt begleiteten Bücher, müssen sich der kleine Major Tom, seine Freundin und wissenschaftliche Kollegin Stella sowie die Roboterkatze Plutinchen einer gefährlichen Mission stellen. Von der Bodenstation erhalten die Kinder, die alleine auf einer Raumstation leben und dort Experimente vornehmen, folgenden Funkspruch: „Wir haben jetzt ein Wurmloch beim Jupiter, durch das wir schon ein paar Sonden geschickt haben. Wir würden gerne testen, ob diese Reise auch mit einem Raumschiff möglich ist.“

Selbstredend, dass sich die drei dieser Aufgabe stellen und prompt auf den Weg machen. Kaum haben sie das Wurmloch passiert und den Jupiter in all seiner Pracht gesichtet, schließt sich das Tor und sie werden vom Planeten angezogen. Wie soll es nur weitergehen? Die Heimreise ist vorerst nicht möglich...

Auch dieser Band enthält, wie alle anderen, ein neues, spannendes Wissensabenteuer, welches unabhängig von allen anderen gelesen werden kann.

Mit kurzen Kapiteln und einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Fließtext und wörtlicher Rede, sorgt das Kreativteam, bestehend aus dem Autor Bernd Flessner, dem Illustrator Stefan Lohr und dem Ideengeber Peter Schilling, erneut für ein galaktisches Ereignis. Den Machern ist mit „Der kleine Major Tom“ eine kosmische Wissensreihe gelungen, die mit ihren Geschichten Mädchen und Jungen gleichermaßen anspricht. Um es mit Tom`s Worten zu sagen: „Einfach orbital!“

 

Anja Kuypers

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Der kleine Major Tom – Im Bann des Jupiters

Dirk Flessner

Tessloff Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 72 Seiten

Altersempfehlung ab 7 Jahren

ISBN 978-3788640095

ca. Preis 8,95 €

Enola Holmes – Der Fall des verschwundenen Lords“ von Nancy Springer, Knesebeck Verlag (2019)

 

In der Nacht vor Enolas 14. Geburtstag verschwindet ihre Mutter spurlos. Der Vater ist schon lange tot und ihre beiden, deutlich älteren Brüder Sherlock und Mycroft hatten bereits vor zehn Jahren die Familie verlassen und machen nun als Detektiv und Unternehmer im fernen London Karriere.

Für die damaligen Verhältnisse – die Geschichte spielt Ende des 19. Jahrhunderts – ist Enola ein untypisches Mädchen: mutig, abenteuerlustig, freiheitsliebend.

So macht sie sich des nachts selbst auf die Suche nach ihrer Mutter, die gerne Rätselaufgaben stellt und löst. Auch ihrer Tochter hat sie versteckte Botschaften hinterlassen. Kann Enola das Verschwinden ihrer Mutter anhand der Rätsel erklären und sie am Ende finden? Ihre Brüder möchten Enola, da sie jetzt elternlos ist, in ein Internat schicken und in speziell angefertigte Schulkleider stecken. Ein weiterer Grund wegzulaufen. Fernab von figurformenden Korsetts führt sie ihr Weg ins entfernte London. Unterwegs trägt sie noch ansatzweise zur Klärung eines mysteriösen Entführungsfalles bei und kommt mit so manch obskuren Gestalten in Kontakt. Mit dem Legen falscher Fährten verwischt sie ihre Spuren immer wieder gekonnt und entkommt so den spießigen Zwängen ihrer Brüder. Und dabei ist sie nicht alleine.....

Die Geschichte ist sehr unterhaltend, spannend und gut geschrieben. Ein kurzweiliges Lesevergnügen als Band eins einer Reihe rund um Enola Holmes, der Schwester des berühmten Sherlock. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte weitergeht....

Anja Kuypers

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Enola Holmes – Der Fall des verschwundenen Lords

Nancy Springer

Knesebeck Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 200 Seiten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

ISBN 978-3957282606

ca. Preis 15 €

Hilja und der Sommer im grünen Haus“ von Heidi Viherjuuri, Woow Books (2019)

 

Hilja ist sieben Jahre alt und hat zwei Schwestern: die ältere Aino, die einen anderen Papa hat und ihre jüngere Schwester Taimi, die sehr klug ist. Aus der Ich-Perspektive Hiljas erzählt die Geschichte von Patchworkfamilien, Nachbarschaft und Familienproblemen in grünen Häusern, die noch nicht einmal fertig renoviert sind.

Nur gut, dass die Erdbeer-Oma immer etwas Süßes für Hilja und ihre Freunde parat hat, was so manches problembehaftete Kinderherz ruhig stellen kann.

Hilja hat es nicht leicht in der Familie. Als quirliges „Sandwichkind“ muss sie einiges meistern und häufig zurückstecken. Dabei sind weder ihre Mutter, die sehr viel im eigenen Frisörsalon arbeitet, noch ihr Vater, der als Musiker häufig auf Reisen ist, eine große Hilfe.

Die Geschichte aus dem Finnischen wird durch einen wunderbaren Illustrationenmix aus ganzseitigen und kleinformatigen Bildern unterbrochen.

Eine Art finnisches Bullerbü rund um Hilja und deren zusammen gewürfelter Familie, die ihrer Namensbedeutung (Hilja = ruhig, still) so gar nicht gerecht wird.

Anja Kuypers

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Hilja und der Sommer im grünen Haus

Heidi Viherjuuri

Woow Books (2019)

Kinderbuch

gebunden, 96 Seiten

Altersempfehlung ab 6 Jahren

ISBN 978-3961770403

ca. Preis 10 €

Oskar und die Enführer“ von Frauke Nahrgang, Knesebeck Verlag (2019)

 

Oskar ist ein Hund und Klara ein Mädchen. Gemeinsam sind sie ein Team und geben gut auf einander acht.

Eines Tages wartet Oskar unangeleint – er ist ja wohlerzogen – vor einem Geschäft auf Klara, die dort für die Familie einkauft. Angelockt vom Duft frischer Würstchen, der plötzlich an seiner Nase vorbei zieht, verlässt Oskar seinen Platz und folgt einem fremden Mann zu seinem Auto. Schnell wird deutlich, dass dies kein Zufall war. Denn nach wenigen Sekunden befindet sich der Hund im geschlossenen Kofferraum, in dem ein weiterer Hund sowie eine Katze gefangen sind.

Die leicht unterbelichteten Gangster wollen für die Tiere Lösegeld erpressen, haben die Rechnung aber ohne Oskar und sein tierisches Team gemacht, die bereits einen Fluchtplan schmieden. Oskar entkommt als einziger und muss nun für die weitere Hilfe sorgen.

Durch ansprechende Zeichnungen besticht der Text mit überschaubarer Kapitellänge für pfiffige Erstleser und sorgt für kurzweiliges Vergnügen.

 

Anja Kuypers

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Oskar und die Enführer

Frauke Nahrgang

Knesebeck Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 100 Seiten

Altersempfehlung ab 5 Jahren

ISBN 978-3957281838

ca. Preis 13 €

Der verhexte Besen“ von Mary Stewart, Atrium Verlag (2019)

 

Mary Smith ist ein durchschnittlich aussehendes Mädchen und eine Durchschnittsschülerin. Ganz im Gegenteil zu ihren älteren Geschwistern, die immer wieder durch Besonderes glänzen und auffallen. So sind sie es auch, die bei einer netten befreundeten Familie bleiben dürfen, als die Eltern dienstlich für einen Monat nach Amerika reisen müssen. Mary hingegen muss zu einer, ihr unbekannten, älteren Großtante, die mit Gleichgesinnten in einem riesigen Herrenhaus fernab ihrer Heimatstadt in England lebt.

Aus der anfänglichen Wut über diese Ungerechtigkeit wird schnell ein zauberhaftes Abenteuer, von dem Mary so schnell nicht loskommen wird.

Dabei spielen der Fund einer magischen Blume und die Bekanntschaft einer schwarzen Katze nur anfängliche Rollen auf ihrem Weg zur Ausbildung einer fliegenden Hexe. Welche Rolle die Großtante dabei spielt und ob das Zauberinternat wirklich lückenlos fantastisch ist, bleibt abzuwarten.

Die Geschichte, die bereits im Jahr 1971 verfasst wurde und schon einem japanischen Zeichentrick als Vorlage diente, wird hier neu aufgelegt.

Die Autorin Mary Stewart (Jahrgang 1916) versteht es mit ihrer blumigen Art die Leser zu den vielen sprachlichen Bildern einzuladen. Dieses Buch will genossen werden.

Also nehme man sich Zeit zum Lesen und lasse sich verzaubern.

 

Anja Kuypers

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Der verhexte Besen

Mary Stewart

Atrium Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 192 Seiten

Altersempfehlung ab 9 Jahren

ISBN 978-3855356263

ca. Preis 14 €

„Stadtbär“ von Katja Gehrmann, Moritz Verlag (2019)

 

Das wunderbare Buch mit Fabelcharacter beschreibt die Geschichte eines Bären, der eines Tages wach wird und sich wundert, wo seine ganzen Freunde, die anderen Waldbewohner nur geblieben sind. Der Habicht weiß es und verrät deren Umzug in die Stadt.

Fortan macht sich der Bär auf den Weg, das Geheimnis der sagenumwobenen, viel versprechenden Stadt zu lösen und seine Freunde zu finden. Um nicht aufzufallen, passt sich das große Pelztier an und kleidet sich vornehm mit Hut und Brille.

Seine Freunde hingegen erkennen ihn sofort. Es kommt allerdings zu keiner Kontaktaufnahme. Immer kommt etwas dazwischen. Situationen, in denen die Freunde den Bären in letzter Sekunde retten und vor Unheil bewahren. Und dies ohne, dass er es bemerkt. Immer wieder entwischt der Bär den Waldfreunden und wundert sich, was an der Stadt so besonders sein soll.

Am Ende wendet sich das Blatt und diesmal tritt der Bär als Retter in der letzten Sekunde auf. Wieder einmal ohne sich dessen bewusst zu sein. Der gutmütige, zuweilen naive Bär.

Geldscheine fliegen durch die Luft, die eh niemand braucht. Außer einem mittellosen Saxophonspieler, der sein Glück nicht fassen kann.

Ist Geld und Macht wirklich so wichtig? Gehen Träume nur an Orten in Erfüllung, von denen alle sprechen? Oder sind es nicht manchmal die überschaubaren, gern geliebten Plätze, die ich mit meinen Freunden teilen und das Leben so sinnhaft gestalten kann?

Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich die bekannte Autorin auf übergeordnete Weise, und heraus kommt erneut ein tolles Buch!

Anja Kuypers

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Stadtbär

Katja Gehrmann

Moritz Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 96 Seiten

Altersempfehlung ab 6 Jahren

ISBN 978-3895653766

ca. Preis 10,95 €

„Heraus aus der Finsternis“ von Christopher Tauber, Zwerchfell Verlag (2019)

 

Frankfurt im Jahre 1918. Die Frauen haben zu Kriegszeiten so manche Fabrik am Leben erhalten und die Familien vielschichtig durch schlechte Zeiten manövriert. Doch kaum ist der Krieg zu Ende und der Kaiser im Exil, müssen sie den heimkehrenden Männern die Jobs überlassen und fristen ihr Dasein in der Betreuung der Kinder und des Haushaltes.

Das ist der Moment, in dem vielen Frauen klar wird, dass es Zeit für einen Umbruch ist.

Die Geschichte handelt von vier unterschiedlichen Mädchen, die sich in dieser aufwühlenden Zeit kennenlernen und gemeinsam etwas ändern wollen. Ähnlich wie ihre Mütter es tun und sich in der Gesellschaft neu behaupten müssen.

Es beginnt mit der Revolte gegen die vielen Jugendbanden im Großraum Frankfurt, die den Mädchen das Leben erschweren. „Wir gründen einfach unsere eigene Bande.“ Eine Gruppe junger Macherinnen, die am Ende ohne Gewaltanwendung, sondern nur durch Kommunikationsfähigkeit überzeugen kann.

Das Buch vermittelt eine feinfühlige Aufbruchstimmung. Eine neue Ära mit durchdachten Plänen und inspirierender Stimmung.

Die anschauliche Comicgeschichte wurde vom Jungen Museum Frankfurt herausgegeben und ist perfekt für die geschichtliche und politische Heranführung junger Menschen ab acht Jahren.

 

Anja Kuypers

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Heraus aus der Finsternis

Christopher Tauber

Zwerchfell Verlag (2019)

Kinderbuch

gebunden, 47 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahren

ISBN 978-3943547412

ca. Preis 12 €

„Jakobs Muschel“ von Jens Sparschuh, Gerstenberg (2019)

 

Dieses Buch braucht nicht mehr, als ein leeres Klettergerüst auf einem verwaisten Spielplatz inmitten der Sommerferien, zwei Jungen im gleichen Alter, deren Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten und eine Muschel, als Souvenir des letzten Nordseeurlaubes.

Diese Zutaten reichen aus, um daraus ein wirklich gelungenes Buch machen zu können.

Die Muschel wird hierbei zur stillen Protagonistin. Sie trägt Sorge dafür, dass sich der dünne, schüchterne Jakob und der gemeine, fiese Jonas im Laufe der Geschichte annähern.

Beiden Kindern ist bis dahin nicht bewusst, welch fantastische Begabung sie haben: die Gabe des Geschichtenerzählens, die Dämme brechen kann....

Die Geschichte über Mut und Freundschaft wird durch wunderbare, großflächige Illustrationen unterstützt, die allesamt gute Erzählanlässe schaffen.

Dieses Kinderbuch ist sowohl zum Vorlesen als auch zum Selbstlesen für Kinder der zweiten/dritten Grundschulklasse bestens geeignet und gehört in jede Bibliothek oder direkt ins heimische Bücherregal.

Anja Kuypers

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Jakobs Muschel

Jens Sparschuh

Illustrationen Julia Dürr

Gerstenberg (2019)

Kinderbuch

gebunden, 59 Seiten

Altersempfehlung ab 7 Jahren

ISBN 978-3836956482

ca. Preis 13,95 €

Rosa und Louis - Geisterdetektive“ von Ferdinand Lutz, Reprodukt Verlag (2018)

 

Rosa und Louis kämpfen mit den Nöten des Alltags. Da ist Louis, der unsterblich in eine Klassenkameradin verliebt ist und sich unbeachtet fühlt. Da ist Rosa, die mit ihrer Hündin Elli als Gespensterdetektivin auftritt und versucht den noch so schwersten Fall zu lösen. Häufig erhält sie dabei Unterstützung von ihrem Bruder. Allerdings nie ohne Mitarbeit einer Geisterschar, die in dem großen Schloss der Großmutter leben und nur von den Kindern oder älteren Menschen gesehen werden können. Die Gespenster sind gutmütige, stets hilfsbereite Wesen, die in jeder Kurzgeschichte eine Rolle spielen.

Das Buch enthält viele kleine Comicgeschichten, die teilweise aufeinander aufbauen. Seit 2016 werden die Abenteuer von Rosa und Louis in der Kinderausgabe des Spiegels „Dein Spiegel“ regelmäßig veröffentlicht. Nun gibt es sie endlich als Buch im Kleinformat zum Selberlesen. In leicht verständlicher Sprache erfahren die Leser wie es ist, mit Geistern unter einem Dach zu leben.

 

Anja Kuypers

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Rosa und Louis - Geisterdetektive

Ferdinand Lutz

Reprodukt Verlag (2018)

Bilderbuch

gebunden, 64 Seiten

Altersempfehlung ab 6 Jahre

ISBN 978-3956401572

ca. Preis 12 €

 

Zipfelmaus – und der wunderbare Weihnachtsplan“ von Uwe Becker, Südpol Verlag (2018)

 

Zipfelmaus ist ein guter Freund! Sofort trommelt er alle Waldbewohner zusammen, um dem Igel zu helfen. Denn dieser hat seit einer Kopfverletzung vergessen, wie man einen Winterschlaf hält. Und der ist doch gerade jetzt, wo schon der erste Schnee fällt, so unglaublich wichtig. Igel kann sich lediglich noch daran erinnern, dass er zuletzt an einem wunderbaren Weihnachtsfest teilgenommen hatte und danach unglaublich müde wurde.

Die Waldfreunde erkundigen sich danach, was Weihnachten überhaupt ist und scheuen keine Mühe, dem Igel eine tolle Weihnachtsüberraschung zu bereiten. Verbunden mit der Hoffnung, dass er nach dem Fest so müde ist und einen gesunden Winterschlaf halten kann.

Der Autor gibt glücklicherweise nicht jedem der vielen Handlungsteilnehmern Eigennamen. So gibt es auch die „Dickespinne“ oder „Schwarzekatze“. Ob die Fledermaus, als enge Vertraute von Zipfelmaus, nun „Shakira“ heißen muss, sei dahingestellt.

In der Geschichte, die primär vom Helfen unter Freunden erzählt, bedient sich der Autor des Öfteren der lautmalerischen Ausdrucksweisen, wie beispielsweise „HUSCH“ oder „ZACK“ .

Ein weiteres Buch aus der Reihe rund um die zauberhafte Zipfelmaus, aus der Feder von Uwe Becker. Wie immer sehr ansprechend illustriert und kurzweilig geschrieben.

Das Thema Weihnachten wird hier über Umwege angegangen. Wer also auf der Suche nach einer alternativen Weihnachtsgeschichte ist, sollte hier zugreifen.

Anja Kuypers

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Zipfelmaus – und der wunderbare Weihnachtsplan

Uwe Becker

Südpol Verlag (2018)

gebunden, 80 Seiten

Altersempfehlung ab 7 Jahren

ISBN 978 - 3943086751

ca. Preis 12 €

Snuffi Hartenstein“ von Paul Maar, Oetinger (2018)

 

Snuffi Hartenstein, ein weiß-braun gefleckter Hund mit Hängeohren, kann es nicht fassen. Sein langjähriger, menschlicher Wegbegleiter Nico lässt ihn einfach im Stich. Auf einmal ist er nur noch Luft für ihn. Das Snuffi von jeher nur imaginär war, ahnt er selbst gar nicht. Zusammen mit Nico ist immer alles bunt, alles scheint real zu sein. Wenn allerdings andere Menschen dabei sind, ist Snuffi nur ein Schatten, eine Wolke mit den Umrissen eines Hundes. Nico wird älter, und der imaginäre Snuffi verliert an Wert für ihn.

Snuffi ist nicht der einzige, der im Laufe der Jahre die Rolle des wichtigsten Freund des Menschen einbüßt. Auch Mops Mucki muss erfahre wie es ist, ohne Menschenfreund auszukommen.

Beide irrealen Hunde verstehen die Welt nicht mehr und erinnern sich gemeinsam an die schönen, bunten Zeiten. Bis zu dem Tag, an dem vielleicht doch noch alles anders werden kann...

Paul Maar trifft mit diesem wunderbaren Buch für Leseanfänger das Herz vieler, die womöglich genau wie Nico in jungen Jahren einen imaginären Freund brauchten, um sich über schwere Zeiten hinweg zu trösten.

Die Verwendung von Sprechblasen macht das Unterscheiden in die unterschiedlichen Redner einfacher und vermittelt Comiccharacter. Es überwiegen kurze, einfache Sätze. Der Text ist in sinnhafte Abschnitte unterteilt und regt zum Selbstlesen an.

Snuffi Hartenstein und sein neuer Freund Mops Mucki sind zwei nette Gesellen, die unter Beweis stellen, dass wahre Freunde gar nicht echt sein müssen.

Anja Kuypers

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Snuffi Hartenstein

Paul Maar

Oetinger (2018)

Kinderbuch

gebunden, 80 Seiten

Altersempfehlung ab 6 Jahren

ISBN 978 - 3789108174

ca. Preis 10 €

Das Mädchen, das die Bücher retten wollte“ von Klaus Hagerup, woow books (2018)

 

Das Buch lebt von den Illustrationen der zahlreich prämierten norwegischen Künstlerin Lisa Aisato. Deren Bilder sind extrem ausdrucksstark. Jede einzelne Zeichnung eignet sich als wunderbare Wandzierde.

Die verhältnismäßig große Textmenge hätte es gar nicht gebraucht. Manches nimmt den Raum für die eigene Fantasie und Kreativität.

Der Leser wird in die Geschichte um die kleine Anna gesogen, die Angst vor dem Älterwerden hat. Im zarten Alter von knapp zehn Jahren eine beängstigende Tatsache.

Anna liest zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie leiht die Bücher in der Bibliothek aus. Dort kennt man sie bereits sehr gut. Da gibt es die Mitarbeiterin Frau Monsen und den Lageristen Milton Berg, dessen momentaner Arbeitsauftrag darin besteht, Bücher, die keiner mehr liest, zu vernichten.

Frau Monsen bittet Anna um Hilfe, und Anna liest von Stund an noch mehr Bücher. Eines Tages wird Anna gebeten ein weiteres, besonders Buch zu lesen. Was ist das? Das Ende der Geschichte steht nicht im Buch. Anna begibt sich auf die Suche nach dem Schlussteil und wendet sich währenddessen an ihre Freunde, die ganze Schule und am Ende sogar an die komplette Stadt. Kann Anna das Buch beenden? Schafft sie es, die Bücher vor der Vernichtung zu retten.

Die Moral über die Eigenverantwortlichkeit des eigenen Lebens, die Hagerup am Ende des Buches hervorkehrt, geht im eigentlichen Plot ein wenig unter.

In Summe ist es ein durchaus gelungenes Buch, welches sich seinen Weg in die Bücherregale der Kinderzimmer, Buchhandlungen und Büchereien verdient hat.

 

Anja Kuypers

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Das Mädchen, das die Bücher retten wollte

Klaus Hagerup

Illustrationen von Lisa Aisato

woow books (2018)

Bilderbuch

gebunden, 64 Seiten

Altersempfehlung ab 7 Jahren

ISBN 978 – 3961770229

ca. Preis 14 €

Niki und Flo sind nicht zu stoppen“ von Nana Rausch, Woow Books (2018)

 

Niki und Flo sind beste Freundinnen. In den Sommerferien möchte Niki einen besonderen Comic zeichnen, um damit ihre ärgste Konkurrentin in einem Wettbewerb besiegen zu können.

Auf der Suche nach einem Thema für ihre Geschichte sitzt sie alleine im elterlichen Wohnzimmer, während in die Wohnung eingebrochen wird. Niki beobachtet, vom Dieb unbemerkt, das Entwenden eines Gemäldes des Malers Otto Löwe, welches sie am Tag zuvor von ihrer Oma geschenkt bekommen hat. Den Schock verdaut, startet eine detailreiche Recherchearbeit mit ihrer besten Freundin Flo. Gemeinsam gehen sie auf Verbrecherjagd und erleben manche Namensverwechslung in der Nachbarschaft, Vertrauensbrüche unter Erwachsenen und begegnen gefährlichen Kriminellen. Am Ende gelingt die Überführung des Täters sowie seiner Komplizen.

Der Leser wird auf eine rasante Spurenjagd quer durch Berlin, unter Nennung konkreter Straßenzüge, Schauplätze oder Nachbarortschaften, mitgenommen.

Zuweilen sind manche Abschnitte sehr detailliert beschrieben und spielen für den Handlungsverlauf keine sonderliche Rolle. Vergeblich vermutet man irgendeinen Zusammenhang zur Geschichte.

Wenn man von mancher Produktplatzierung wie „Fanta“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ absieht, kann das Buch durchaus Mädchen im Alter ab acht Jahren ansprechen.

Die überschaubare Gesamttextlänge sowie die kurzen Kapitel werden durch Comiczeichnungen in reinem tintenblau unterbrochen.

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive, verpackt in viele Kurzsätze, aus der Sicht Nikis erzählt.

Ein kurzweiliges Buch für den Sommer, was ohne großen Anspruch auskommt.

 

Anja Kuypers

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Niki und Flo sind nicht zu stoppen

Nana Rausch

Wow Books (2018)

Kinderbuch

gebunden, 192 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahren

ISBN 978 – 3961770199

ca. Preis 13 €

„Esthers Tagebücher – Mein Leben als Elfjährige“ von Riad Sattouf, Reprodukt (2018)

 

Esther besucht nun mittlerweile die fünfte Klasse, und ihre Vorlieben, Ängste, Wünsche und Themen haben sich ihrem jetzigen Alter angepasst. So wird erstmalig Politik angesprochen und die Attentate rund um Paris und in Frankreich thematisiert.

Die dem Leser aus Band 1 bereits bekannten Handlungsteilnehmer tauchen in der einen oder anderen Geschichte wieder auf und sind in ihren Ansichten ebenfalls mitgewachsen.

Esther bekommt in diesem Band einen kleinen Bruder, um den sie sich gut und gerne kümmert. Wie gerne wäre sie selbst Mutter. Die Pubertät in all ihren Ausprägungen ist sehr präsent.

Esther beginnt, sich über vieles Gedanken zu machen. „Wer ist Gott? Und ist er wirklich so gut, wie immer alle behaupten“. Mit einer Kristallkugel nimmt sie sich den tragenden Themen dieser Welt an.

Dieses Buch begleitet Esther auf ihrem Weg zur interessierten Jugendlichen.

Weiterhin kann der Leser die Comicgeschichten, verfasst in der Ich-Perspektive Esthers, als abgeschlossene Kurzgeschichten genießen. Jede Geschichte hat eine andere Hintergrundfarbe.

Auch optisch wurden Esther und ihre Mitspieler ihrem Alter angepasst.

Man darf auf weitere Bände der Ester-Reihe gespannt sein und sich auf die Welt durch Kinderaugen des Frankreichs in der Jetztzeit freuen.

 

Anja Kuypers

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Esthers Tagebücher – Mein Leben als Elfjährige

Riad Sattouf

Reprodukt (2018)

gebunden, 56 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978 – 3956401466

ca. Preis 20,00 €

Esthers Tagebücher - Mein Leben als Zehnjährige“ von Riad Sattouf, Reprodukt (2017)

 

Esther ist neun Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris und besucht eine Privatschule. Ihr Vater meint, dass sei das Beste für sie. Der Vater sorgt sich sehr um seine Tochter und ist ziemlich bemüht, dass es ihr gut geht. Im Gegensatz zu Esthers Bruder, der pubertär des Öfteren mit seinem Vater aneckt und seine Schwester pausenlos ärgert. Eine Mutter gibt es zu dieser Familie durchaus, aber sie spielt in den meisten Geschichten eine eher untergeordnete Rolle.

 

In dem Buch werden Momente aus Esthers Leben geschildert. Es sind abgeschlossene Kurzgeschichten, die vom Autor Riad Sattouf als Comic in der Ich-Perspektive Esthers dargestellt werden. Die Geschichten hat sich der Autor nicht ausgedacht, sondern es sind Berichte der Tochter von Bekannten, im ähnlichen Alter wie Esther. Der Alltag einer Vorpubertären eben, mitten aus dem Leben.

Es ist die ungeschminkte Wahrheit über die Probleme oder Fragen, die sich ein Mädchen in dem Alter stellt. Von der hässlichen Lehrerin, über den dringenden Wunsch ein aktuelles I-Phone haben zu müssen bis zu den Themen: nervige Familie, Zickenkrieg unter Freundinnen und Schule im Allgemeinen.

 

Die Kurzgeschichten erschienen als Comicstrip in einer französischen Zeitung und zeigen ehrlich und unzensiert kindliche Weisheiten und Erkenntnisse.

Esthers Wünsche und Träume sorgen beim Leser für Schmunzeln, Kopfschütteln oder regen zum Nachdenken an.

Ihre Naivität ist grenzenlos: so fragt sich Esther beim Einkaufen im Supermarkt kurz vor Weihnachten: „Warum kaufen die Menschen das, wenn es der Weihnachtsmann eh bringt?“.

Im Laufe des Buches wird Esther zur Vertrauten. Man möchte erfahren, wie es mit ihr weitergeht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es mittlerweile einen zweiten Band gibt....

 

Anja Kuypers

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Esthers Tagebücher – Mein Leben als 10-jährige

Riad Sattouf

Reprodukt (2017)

gebunden, 56 Seiten

Altersempfehlung ab 10 Jahren

ISBN 978 – 3956401183

ca. Preis 20,00 €

„Das Verschwinden des Prinzen Oleomargarine“ von Mark Twain und Philip Stead, Knesebeck (2018)

 

Welch ein Glück, dass Wissenschaftler des Mark-Twain-Institutes der Universität Berkeley den renommierten Autor Philip Stead baten, die kürzlich entdeckten Notizzettel Twains (1835-1910) zu sichten, zu einer Geschichte zu bündeln und dem Ganzen ein Ende hinzuzufügen.

Dies tat er in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Illustratorin Erin Stead.

Das Ergebnis ist die Geschichte des kleinen, armen Johnny, der als Vollwaise bei seinem verbitterten, teils aggressiven Großvater aufwächst. Nach dem Tod des Alten begibt sich Johnny auf eine Reise, das Glück zu suchen und schließt dabei nicht aus, den Tod zu finden. Er ist ein sympathischer Junge, der sich schnell seine Mitmenschen zu Freunden macht. So erhält er von einer ihm unbekannten Frau Pflanzensamen, die ihn nie mehr Hungerleiden lassen sollen. Das diese Samen aber noch andere Kräfte beherbergen, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So kommt es, dass er fortan mit Tieren reden kann. Johnny verhilft ihnen zu besseren Lebensumständen und erfährt am Ende ebenfalls das Gefühl, endlich glücklich zu sein.

 

Stead unterbricht den Geschichtenverlauf in unregelmäßigen Abständen durch die Ausführungen von Zwiegesprächen zwischen ihm und Mark Twain. Unter Zuhilfenahme der Ich-Perspektive vermittelt er den Eindruck, als säßen die beiden Autoren zusammen, um die Buchinhalte deren Co-Produktion zu besprechen. Dies ist selbstverständlich unmöglich, da Twain bereits gestorben ist, und somit verfügt das Buch über zwei, rein fiktive Handlungsstränge.

Stead erschafft auf diese Weise seinen, aber auch für den Leser ganz persönlichen Zugang zur Geschichte.

 

Feine, einfühlsame Bleistiftzeichnungen runden die Geschichte nicht nur ab, sondern verleihen dem Text, trotz der inhaltlichen Tragik, etwas Zartes, Zerbrechliches.

Zuweilen ist auf einer Doppelseite nur eine kleine, sanfte Zeichnung zu finden. Nicht mehr. Und dennoch fühlt sich der Leser nicht gelangweilt, sondern in seiner Fantasie beflügelt.

 

Das Buch im A4-Format ähnelt einer Schmuckausgabe. Und hinter dem Schutzumschlag befindet sich noch eine kleine Überraschung für den aufmerksamen Leser.... Na, wer findet ihn?

 

Anja Kuypers

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Das Verschwinden des Prinzen Oleomargarine

Mark Twain und Philip Stead

Knesebeck (2018)

Kinderbuch

gebunden, 160 Seiten

aus dem Englischen von Sophie Zeitz Ventura

Altersempfehlung ab 6 Jahren

ISBN 978 – 3957281579

ca. Preis 25,00 €

„Königliche Kaninchen – Flucht aus dem Turm“ von Santa Montefiore und Simon Sebag Montefiore , woow books (2018)

 

Shylo, das kleinste aller königlichen Kaninchen, beweist auch im zweiten Teil des Autorenduos „Königliche Kaninchen – Flucht aus dem Turm“ jede Menge Mut und Gerissenheit, um einer gefährlichen Situation zu entkommen und zeitgleich nicht nur seine Kolleg*innen zu retten, sondern auch Länderfreundschaften zu festigen.

Die Garde der königlichen Kaninchen muss in diesem Band einen Angriff der Ratten auf den amerikanischen Präsidenten vereiteln. Dieser hat furchtbare Angst vor Ratten. Der Eklat über seine heftige Reaktion, wenn er eine Horde Ratten sieht, soll ihn öffentlich bloßstellen und die Welt infolgedessen „aus den Angeln heben“. Ob dieser teuflische Plan der Ratten, unter der Leitung von Papa Ratzi aufgeht, wird natürlich nicht verraten.

Unterstützung bei dem Kampf gegen die Ratten erhalten die königlichen Kaninchen von den mitgereisten, amerikanischen Artverwandten, den „Jacks“. Sie reisen mit dem Präsidenten in der Airforce One an – seine persönlichen Leibwächter.

Die anfänglichen Rangkämpfe zwischen den englischen und amerikanischen Nagern sind spätestens mit der Befreiung Shylos aus den Händen der Ratten at acta gelegt.

Das Buch mit der tierischen Abenteuergeschichte liest sich locker, leicht und ist unterhaltsam.

Es bedarf nicht der Kenntnisse der Inhalte des ersten Buches „Die königlichen Kaninchen von London“. In den ersten zwei Kapiteln dieser Ausgabe fasst ein grober Abriss den Weg Shylos zu der Eliteeinheit der „Königlichen Kaninchen“ zusammen und gibt den Weg frei für eine neue spannende Geschichte.

Das Cover ist ungemein ansprechend gestaltet, so auch die Illustrationen zwischen den Zeilen. Das Buchformat fällt mit seinen Maßen aus dem herkömmlichen Rahmen und wirkt anziehend.

Wie so häufig bietet sich dieses Kinderbuch nicht nur für sehr geübte Erstleser an, sondern kann auch gut vorgelesen werden. Die Kapitellänge bietet Anlass für ein abendliches Ritual.

Kinder erhalten durch die Verwendung von Tieren als Leibwächter der Königin von England einen anderen, einen einfacheren Zugang zum Königshaus an sich und einer Regierungsbildung im Allgemeinen. So wird grundlegendes Wissen zu den Ländern England, USA und der Stadt London gut und lesenswert verpackt.

Allerdings dürfte der erwachsene Leser eine geraume Zeit auf den Moment warten, in dem der amerikanische Präsident durch eine besondere Handlung auffällt. So spielt die Handlung doch im Jetzt, und die Eigenarten des derzeitigen Präsidenten sind allseits bekannt. Vergeblich! Außer das er Angst vor Ratten hat.

Eine wunderschöne Mut-Mach-Geschichte. Man darf auf Folgebände gespannt sein.

Anja Kuypers

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Königliche Kaninchen – Flucht aus dem Turm

Santa Montefiore, Simon Sebag Montefiore

woow books (2018)

Kinderbuch

gebunden, 160 Seiten

Altersempfehlung ab 7 Jahre

ISBN 978-3961770083

ca. Preis 18,00 €

„Die Mumpitze – der verschwundene Kompass“ von Mascha Matysiak, Südpol Verlag (2017)

 

Die Mumpitze sind ein liebenswertes Völkchen von Stofftieren. Vom Puppenmacher Mr. Paddock kreiert, leben sie versteckt unterhalb eines stillgelegten Flughafens. Nur der Createur selbst und die Kinder Pipp und Lene wissen, wie das Portal, dass den Weg zu den Mumpitzen freigibt, geöffnet werden kann. Zur Aktivierung des Portals wird ein Kompass benötigt, der sich im Haus vom Bürgermeister der Mumpitze befindet. Und genau dieser kommt in Band zwei „Der verschwundene Kompass“ abhanden. Es beginnt eine Jagd nach dem Dieb des Kompass`, in die nicht nur die Mumpitze selbst, sondern auch die menschlichen Freunde Mr. Paddock und die Kinder involviert sind. Allerdings nimmt mit jedem Eintritt in die Welt der Mumpitze und wieder zurück in die Menschenwelt die Energie des Kompass` ab. Es bleibt abzuwarten, ob Pipp und Lene rechtzeitig zurück in die Menschenwelt gelangen können. Oder ob sie zeitlebens in der Welt der Stofftiere gefangen bleiben.

Alle, die für den Bürgermeister arbeiten stehen unter Verdacht, den Kompass gestohlen zu haben. Da sind unter anderem die journalistisch ambitionierte Katze Fritzi, der tiefenentspannte Yogi Luz Klong, der Hase Rasmus, Der Ratten-Chefkoch Paolo oder die gesamte Familie Huhn.

Zahlreiche Hinweise nehmen den Leser im Verlauf des Buches mit auf teils falsche und manchmal wegweisende Fährten.

 

Der zweite Band aus der Reihe „Die Mumpitze“ lässt sich losgelöst von den Inhalten des ersten Bandes lesen und verstehen.

Ansprechende schwarz-weiß Zeichnungen lockern das für Erstleser konzipierte Schriftbild attraktiv auf. Durch so manche, nur von Erwachsenen zu verstehende Anspielung eignet sich das Buch auch hervorragend zum Vorlesen. Groß und Klein können gemeinsam auf die Suche nach dem Dieb gehen und die aufgeführten Indizien selbstständig interpretieren.

 

Ein charmantes Buch, welches so manches Kind auf seinem literarischen Weg begleiten sollte.

 

Anja Kuypers

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Die Mumpitze – Der verschwundene Kompass

Mascha Matysiak

Illustrationen von Angela Kommoß

Südpol Verlag (2017)

Kinderbuch

gebunden, 171 Seiten

Altersempfehlung ab 7 Jahre

ISBN 978-3-943086-46-1

ca. Preis 12,90 €

 

„Die abenteuerliche Reise der Ballerinus“ von Arienne Bolt, Gerstenberg (2018)

 

Der kleine Ravi lebt nach dem Tod seiner Mutter alleine in einem Wohnwagen unweit der niederländischen Küste. Lediglich seine Tante Lena kümmert sich ab und an um ihn. Anlässlich seines Geburtstages schenkt sie ihm eine Jahreskarte für einen Zoo im Ort, von dem bislang kein Bewohner etwas gehört hat. Auf dem Weg zum Zoo lernt Ravi zufällig den Schiffskapitän Sepp kennen. Sie freunden sich an, und Ravi ist immer öfter zu Gast auf dem Schiff mit Namen „Ballerinus“.

Der mysteriöse Zoo entpuppt sich als Auffanglager älterer, müder Zirkustiere. Ravi muss mitanhören, wie der gemeine Zoo- und Zirkusdirektor Benno die Tiere an den ortsansässigen Metzger verkaufen will. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt. Kurzerhand entführen Kapitän Sepp und Ravi die Tiere, um sie vor der Schlachtbank zu bewahren und sie in ihre Heimatländer zurückzubringen.

Es beginnt ein waghalsiges Seeabenteuer an Bord der Ballerinus rund um den Erdball. Sie müssen sich gegen Piraten durchsetzen, die Tiere vor skurrilen Schleusenwärtern beschützen und kämpfen im Verlauf des Buches öfter gegen den Metzger, der die Verfolgung zu Lande und zu Wasser aufnimmt.

Das Buch enthält viele Bündel an Emotionen: so erlebt Ravi zum zweiten Mal in seinem Leben, was es bedeutet, Abschied nehmen zu müssen. Wann immer die Tiere in ihren Bestimmungsländern von Bord gehen. In Sepp hat er einen wahren Freund gefunden, auf den Verlass ist und der eine Art Großvaterfigur für Ravi einnimmt.

Dank des Schiffspapageis John, der jede Sprache der Tiere beherrscht, können sie mühelos mit allen Vierbeinern kommunizieren. Zuweilen erinnert es an die Geschichte von „Doktor Doolittle“, was dem Buch allerdings keineswegs schadet. Ganz im Gegenteil.

Nachdem es sogar tierischen Nachwuchs auf dem Schiff gibt, stranden sie in Australien, und dort trennen sich ihre Wege. Sepp wird sesshaft und Ravi erliegt seiner Leidenschaft für die Seefahrt und heuert, gemeinsam mit den letzten an Bord befindlichen Tieren auf einem anderen Segelschiff an.

 

Den Leser erwartet eine spannende, lustige und gehaltvolle Geschichte, die immer wieder Wissenswertes zu den einzelnen Ländern, die Bestandteil der Abenteuerreise sind, kindgerecht vermittelt.

Die Kapitellänge ist für leseaffine Kinder ab 9 Jahren gut gewählt und durchaus machbar.

 

Wunderschöne Illustrationen lockern das Schriftbild auf und bebildern das Kopfkino um zusätzliche Eindrücke, die sich beim Lesen zwangsläufig ergeben.

 

Anja Kuypers

 

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Die abenteuerliche Reise der Ballerinus

Arienne Bolt

Gerstenberg (2018)

Kinderbuch

gebunden, 335 Seiten

Illustrationen von Linde Faas

aus dem Niederländischen von Verena Kiefer

Altersempfehlung 9 - 11 Jahre

ISBN 978 - 3836959919

ca. Preis 18 €

„Tausend Tipps für Feiglinge“ von Eva Susso, Gerstenberg (2018)

 

Das Buch für Erstleser erzählt die Geschichte von Robert Cossu, der mit seinen wohlhabenden Eltern, einer Schwester und einem Hund in einem herrschaftlichen Haus inmitten von Paris lebt. Die Familie besteht aus weiteren, zahlreichen Familienmitgliedern, die gleich zu Beginn des Buches im Hause der Familie Cossu eintreffen. Robert fühlt sich ständig genötigt, sich im Kreise der Familie behaupten zu müssen. Das nervt ihn gewaltig. Zumal er die Zeit viel lieber mit dem Beobachten seiner Angebeteten Ofelia verbringen würde. Zum ersten Mal ist Robert verliebt – in die Tochter des Gemüsehändlers um die Ecke. Bislang fehlte ihm der Mut sie anzusprechen. Ob der Ratgeber „1.000 Tipps für Feiglinge“ ihm dabei helfen kann? Immer wieder läuft er am Gemüseladen vorbei, verbunden mit der Hoffnung, auf Ofelia zu treffen. Auf einem seiner Spaziergänge gerät er zufällig in einen Kriminalfall, in den auch der Vater von Ofelia involviert ist.

Dies ist Roberts Chance, seinen Mut und sein Heldendasein unter Beweis zu stellen.

 

Die auktoriale Erzählweise ist verpackt in kurze Sätze und überschaubare Kapitellängen, die das Lesen für Anfänger attraktiv macht. Eine üppige Schrift und die großen Zeilenabstände erleichtern das Lesen für die vornehmlich angesprochene Zielgruppe. Allerdings findet der Einstieg in die Geschichte über eine Galerie mit Portraits aller im Buch vorkommenden Personen statt. Nicht nur die Anzahl sondern auch die für Kinder teils unaussprechlichen französischen Namen irritieren. Der Leser erhält auf den ersten Seiten den Eindruck, als spiele die Handlung im frühen 20. Jahrhundert. Erst nach einem Drittel des Buches wird deutlich, dass es in der Jetztzeit spielt. Die Wortwahl sowie die zum Ende zunehmende Verwendung französischer Straßen- und Gebäudenamen erschwert das Verständnis. Der junge Leser dürfte zuweilen Schwierigkeiten mit der Identifikation des Protagonisten haben. Glücklicherweise ist auf der letzten Umschlagseite eine Karte von Paris abgebildet, welche die wichtigsten Knotenpunkte der Verfolgungsjagd graphisch darstellt. Außerdem werden manche Passagen, die für den Verlauf der Handlung keine sonderliche Rolle spielen, umfangreich geschildert, wie das Pokerspiel der leicht verwirrten Großmutter.

Das Ende der Handlung kommt abrupt und man fragt sich, inwieweit Robert die Tipps aus dem Buch für Feiglinge genutzt hat.

Die Illustrationen lockern das Geschriebene zwar ansprechend auf, und das Cover dürfte so manchen Interessenten locken. Aber ob dieser im Verlauf der Handlung überzeugt wird, bleibt abzuwarten....

Anja Kuypers

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Roberts Handbuch Nr. 1

Tausend Tipps für Feiglinge

Eva Susso

Illustrationen Benjamin Chaud

aus dem Schwedischen Maike Dörries

Gerstenberg (2018)

Kinderbuch

gebunden, 107 Seiten

Altersempfehlung 7 Jahre

ISBN 978-3836956437

ca. Preis 9,95 €

„Und plötzlich war Frau Honig da“ von Sabine Bohlmann, Planet-Verlag (2017)

 

Seit dem Tod seiner Frau lebt Julius Sommerfeld mit seinen vier Kindern alleine. Als erfolgreicher Architekt UND alleinerziehender Vater ist er maßlos überfordert.

Wie verdutzt schaut er drein, als plötzlich Frau Honig vor der Tür steht und sich als neues Kindermädchen vorstellt. Wohl bemerkt, als Kindermädchen, dass Herr Sommerfeld nie bestellt hat...

Frau Honig bringt im Verlauf des Buches wieder Ordnung ist das Leben in der Familie. Mit ihrer zauberhaften, unverwechselbaren Art „knackt“ sie auch den härtesten Kandidaten. Nicht zuletzt wegen des vielfachen Einsatzes ihrer Geheimwaffe: dem Honig! Dieser wird als Getränk verabreicht, in die Haare geschmiert oder im Gesicht verteilt. Die passenden Rezepte gibt es im Anschluss an die Geschichte. Der Leser erfährt zusätzlich jede Menge Wissenswertes über das Leben und die Verhaltensweisen der Bienen.

 

Durch zahlreiche Parallelen, wie das Versinken in Bildern, Springen in Pfützen und die grundsätzlich magisch veranlagte Frau Honig, erinnert das Buch an eine moderne Adaption von „Mary Poppins“. Der Autorin scheint der Vergleich recht zu sein, so macht sie kein Geheimnis daraus, dass die beiden Kindermädchen einiges gemein haben.

 

Der Leser könnte zuweilen den Eindruck gewinnen, es ist ein wenig zu viel der heilen Welt beschrieben und es fehlt der ausgefeilte Spannungsbogen. Nun, diesen aufmerksamen Zeitgenossen sei mitgeteilt, dass es auch mal ganz schön sein kann, sich auf den locker, flockigen, luftig, leichten Schwingen mitnehmen zu lassen. Abschalten und genießen.

 

Das Gute-Laune-Buch enthält versteckte Hinweise zum reibungslosen Umgang mit „problembehafteten“ Kindern und Jugendlichen. Patentrezepte, die eine Heilung bei Langeweile, Computersucht, Schusseligkeit und Liebeskummer versprechen.

 

Bei Regen, schlechter Laune oder hektischem Alltag kann das Buch bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen für eine willkommene, vielleicht sogar nachhaltige Ablenkung sorgen.

 

Anja Kuypers

 

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Und plötzlich war Frau Honig da

Sabine Bohlmann

Illustrationen Joelle Tournolias

Planet Verlag (2017)

Kinderbuch

gebunden, 224 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahre

ISBN 978-3522505451

ca. Preis 12,99 €

„Pauline und Onkel Rotzbert“ von Andrea Tholl, Südpol Verlag (2017)

 

Als Paulines Eltern ohne sie zu einem Wochenendausflug starten, soll ihr Monsteronkel Rotzbert auf sie aufpassen. Direkt am ersten Tag bekommt Pauline eine fürchterliche Erkältung. Gerade dann, wenn die Geburtstagsfeier von Paulines bester Freundin Lina stattfinden soll. Onkel Rotzbert mobilisiert seine Monsterfreunde und deren unglaubliche Rezepte für eine schnelle Genesung. Leider läuft bei der Spontanheilung einiges schief: ihre Erkältung ist zwar sofort verschwunden, aber leider sind ihr als Nebenwirkung Tentakelarme gewachsen. Damit kann sie unmöglich zur Party ihrer Freundin erscheinen. Kurzerhand lädt Onkel Rotzbert die gesamte Geburtstagsgesellschaft zu Pauline nach Hause ein und macht damit wieder so einiges gut. Und am Ende lassen die Nebenwirkungen zum Glück auch nach.

 

Das Buch ist äußerst lustig geschrieben und eignet sich hervorragend für Erstleser. Auch wenn es ein wenig Lesesicherheit und den geschulten Umgang mit Wörtern erfordert. Denn Onkel Rotzbert`s Sprache ist geprägt durch Alliterationen, Anaphern und seltsamen Wortkreationen. Zuweilen eine Herausforderung.

In Ansätzen erinnert es an die Olchis und deren fragliche Lebensumstände. Spätestens dann, wenn Onkel Rotzbert in Verzückung über Paulines Nasenschleim gerät.

Beim Vorlesen dürfte dem Erwachsenen so mancher Schmunzler widerfahren, wenn zum Beispiel von „Florian Hübschmann, dem blondgelockten Schlagerheini“ die Rede ist.

Dies ist bereits der dritte Band aus der „Pauline und Onkel Rotzbert“-Reihe. Jedes Buch lässt sich solitär lesen und verstehen – gleichermaßen von Mädchen und Jungen.

Denn hinter dem pinklastigen Cover verbirgt sich eine Geschichte, die alles andere als mädchenaffin ist.

 

Wer also den Kindern ein kurzweiliges Buch mit jede Menge Spaßfaktor und somit Lust am Lesen bereiten möchte, sollte zur megalich-monsterigen Prinzessinnenparty erscheinen.

 

Anja Kuypers

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Pauline und Onkel Rotzbert

- Die megalich-monsterige Prinzessinnenparty -

Andrea Tholl

Illustrationen Sabine Legien

Südpol Verlag (2017)

Kinderbuch

gebunden, 92 Seiten

Altersempfehlung 6 Jahre

ISBN 978-3943086430

ca. Preis 8,99 €

„Die Wunderkiste“ von Gina Mayer, Woow Books (2018)

 

Nach dem Tod ihres Vaters lebt Oda mit ihrer Mutter alleine in einem Haus. Bis zu dem Tag, an dem ihre Tante Trudi, die Schwester der Mutter, nebst Sohn Willi bei ihnen einzieht und ordentliches Chaos verbreitet. Cousin Willi ist gar nicht nach Odas Geschmack. Und dann kommt er sogar noch in ihre Klasse.

Oda sehnt den Tag herbei, an dem die beiden wieder ausziehen und sie ihre Mutter und das Haus wieder für sich alleine hat.

Hilfe, um diesen Tag schneller herbeizuführen, erfährt sie von Herrn Wirsing, der einen magischen Spielzeugladen betreibt, den „Wunderkasten“. Eine verzauberte Glückskatze soll dafür sorgen, dass Tante Trudi sich zügig in einen Mann verliebt, wo sie und Willi dann wohnen können.

Leider läuft bei der Heiratsvermittlung so einiges schief. Zwischenzeitlich hat Oda sich sogar an die Situation zu Hause und an ihren Cousin Willi gewöhnt. Diesem hat sie ihren kleinen Fauxpas gebeichtet, und gemeinsam versuchen sie nun die Situation zu entschärfen. Es kommt der Tag, an dem Oda gar nicht mehr möchte, dass Tante Trudi und Willi wieder gehen...

 

Die Geschichte ist nett erzählt und in sich schlüssig. Zuweilen erinnert der Plot an den ersten Teil des „Magischen Blumenladen“. Ein Zauber geht schief und muss von den Protagonisten gerade gerückt werden.

Die Idee des magischen Spielzeugladens ist schön, aber nicht neu und spielt im Handlungsverlauf leider eine nicht allzu große Rolle. Von daher ist es verwirrend den Namen des Ladens als Buchtitel zu verwenden, da es einen verkehrten inhaltlichen Schwerpunkt vermittelt.

 

Die Kapitellänge ist gerade richtig - dürfte nicht umfangreicher sein. Unterbrochen wird der Text durch einige sehr schöne Illustrationen.

 

Kinder werden diese Geschichte mögen und Gina Mayer findet wie immer einen einen guten, ansprechenden und kurzweiligen Schreibstil.

 

Anja Kuypers

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Die Wunderkiste

Gina Mayer

Illustrationen Anemone Kloos

Woow Books (2018)

Kinderbuch

gebunden, 122 Seiten

Altersempfehlung ab 8 Jahre

ISBN 978-3961770090

ca. Preis 14,00 €

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© Anja Kuypers