Bilderbücher

Der Mumpel“ von Jan Kaiser, 360 Grad Verlag (2022)

 

Gleich vier Seiten reserviert sich der Autor zu Beginn des Buches, um den Ort zu erläutern, an dem der sagenumwobene Mumpel lebt.

„Gleich hinter dem Mischuggischen Meer […] , am Fuße des Geburrgebirges, […], tief im Wormwald, […] am Fridolinschen Fluss.“

Der Mumpel ist ein Geheimtier. […]“.

Bislang wurde das freundliche Wesen einfach noch nicht entdeckt.

Dabei hat es solch wunderbare Fähigkeiten. Es kann „pusten“, „stampfen“, sich verstecken. Lediglich die Suche nach „Mumpel-Kumpeln“ scheiterte bislang kläglich.

Ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Mumpel wurden einfach noch nie von anderen gesehen. Aber ist es wirklich so schlimm, unsichtbar zu sein?

Im Verborgenen lassen sich doch manch witzige, hilfreiche oder vielleicht auch gemeine Dinge anstellen. Und man wird dabei nicht erkannt....

Mumpel zu sein, ist also doch nicht so schlimm, wie ursprünglich vermutet.

Sie sind kleine, haarige Wesen, Kartoffelähnlich mit zwei Augen und einer langen Nase. Stets freundlich und schelmig.

Der Autor teilt mit den LeserInnen das Geheimnis über die Existenz der Mumpel.

Und ganz am Ende stellen wir fest, warum es immer gut ist, einen Mumpel im Haus zu haben.

Dieses Buch kann Kindern Mut machen, die vielleicht nicht immer die angesagtesten Freunde haben oder selten im Rampenlicht stehen.

Sehr hübsche Illustrationen ergänzen den wortgewandten Text.

Entweder werden die Illustrationen oder der dazugehörige Text als Sprechblasen dargestellt. Ein schönes Spiel. Das Buch spricht eben jeden an...

Und alle LeserInnen werden in das Geheimnis über Mumpel einbezogen.

Der Autor geht mit den LeserInnen einen Geheimpakt ein.

 

Anja Kuypers

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Der Mumpel

Jan Kaiser

Illustrationen von Henning Löhlein

360 Grad Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3961855582

15 €

Welcher Po passt auf dieses Klo?“ von Nele Moost, Esslinger Verlag (2022)

 

Auch Tiere müssen ihren Darm entleeren, aber wie? Welche Toiletten nutzen sie?

Dieses Klipp-Klapp-Buch aus dicker Pappe gibt entsprechende Hinweise.

Zunächst werden die Klo-Gewohnheiten von Elefant, Pinguin, Schwein, Schlange, Bär und weiteren Tieren gezeigt.

Der Pinguin verrichtet sein Geschäft auf dem Eisblock, der Frosch auf dem Wasserklo und die Schlange auf dem Baumstammklo.

Auf der linken Buchseite ist ein jeweils passender Text in Großbuchstaben zum Tier als Paarreim abgebildet.

So heißt es: „Der Elefant mit Riesenpo macht Krach auf seinem Trommelklo.“

Die Illustrationen auf der rechten Seite hingegen sind klappbar, und somit sind die wildesten Kombinationen möglich.

Man sieht immer nur die Rückseite des jeweiligen Tieres, und die Klappe befindet sich unterhalb des Pos. Welcher Po passt auf dieses Klo?

Hinweise verraten die jeweiligen Farben, Fellarten oder Schwanzarten der Tiere. Was passt zusammen? Oder welche Tierkombi macht am meisten Spaß...

In diesem Buch ist alles möglich. Da kann die Kuh auch schon mal auf dem Eisblock sitzen oder die Maus auf dem Klo ein Bienenlied summen.

Phantastische Toilettengeschichten für die Kleinsten, die das Nutzen von Toilette, Klo und Co. erst noch üben müssen.

Ein tierischer Spaß mit den Tier-Toiletten-Paaren.

Und am Ende steht fest: Jeder muss irgendwann mal zur Toilette. Die einen so, die anderen so...

Anja Kuypers

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Welcher Po passt auf dieses Klo?

Nele Moost

Illustrationen von Michael Schober

Thienemann Verlag (2022)

Dickpappe Bilderbuch

gebunden, 24 Seiten

ISBN 978-3480237555

10 €

Such!“ von Saskia Halmouw, Esslinger Verlag (2022)

 

Ein tierischer Wimmelbuchspaß für alle Hundefreunde und Suchliebhaber.

Ein erneutes Buch-Highlight der 1968 in Den Haag geborenen Künstlerin Saskia Halmouw.

Die Protagonisten in diesem textlosen Suchbuch sind ein brauner Hund mit gelb/rot kariertem Leibchen und ein weißer Hund mit einem schwarzem Punkt im Fellrücken.

Gleich zu Beginn sieht man, wie die zwei jeweils einen Knochen in einem tiefen Loch im Park verbuddeln. Kurze Zeit später treibt der Appetit nach knöchernen Gebeinen die beiden Vierbeiner wieder zum Versteck. Aber, oh schreck... Die Knochen sind weg und das Loch ist leer!

Im Park herrscht derzeit lebhaftes Treiben. Jede Menge Hunde spazieren mit ihren Herrchen und Frauchen umher, tollen auf den Wiesen. Es macht einfach nur Spaß zuzusehen. Und mittendrin die enttäuschen Fellgesichter über den Verlust des Essens.

Prompt ziehen sie los, auf der Suche nach ihren Häppchen. Und wer genau hinsieht, wird feststellen, dass sich von einer Seite zur nächsten immer mehr Vierbeiner der Suche anschließen. Gemeinsam trotten sie durch die Stadt, vorbei an Marktplätzen, Geschäften, Wohnhäusern und Co..

Die Schlange der Schnüffelexperten wird immer länger. Die Nasen stets am Boden. Wo können die Knochen nur sein?

In der im Buch skizzierten Stadt leben Mensch und Hund friedlich miteinander und haben jede Menge Spaß. Sie können sich einfach „gut riechen“.

Ein Such-Bilderbuch mit vielen, warmherzigen Details zum Ansehen und Entdecken.

Gespräche rund um die Frage Wohin sind die Knochen verschwunden? und darüber hinaus sind vorprogrammiert.

 

Anja Kuypers

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Such!

Saskia Halmouw

Esslinger Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3480237210

14 €

Das große Schimpfen“ von Michael Escoffier, Mixtvision Verlag (2022)

 

Im Ort Schimpfhausen findet die beliebte Veranstaltung „Das große Schimpfen“ auf dem Marktplatz des Ortes statt.

Die Gänse Gustav und Gitta moderieren das Event, in der tierische ProtagonistInnen um die Gunst des Publikums ringen und ihre außergewöhnlichsten Schimpfwörter zum Besten geben dürfen.

Alles ist erlaubt: Witzige und skurrile Wörter oder ausgefallene Mehrwortsätze. Hauptsache originell.

Aber auf keinen Fall dürfen die Schimpfereien gemein, fies oder beleidigend sein!

Der Gewinner erhält einen großen Pokal und erringt die Ehre des ganzen Dorfes.

Das dreijährige Tapirjunge darf beginnen und begeistert mit seinem Schimpfwort „Puddingpups“ sofort alle Anwesenden. Die Menge tobt.

Der Vorjahressieger Hirsch ist als nächster dran und „schreitet siegessicher zur Bühne“.

„Er stolpert, fängt sich wieder, Achtung!“ und schimpft! Und zwar richtig gemein, fies und beleidigend. Das gefällt allen Anwesenden so gar nicht, und er muss die Konsequenzen für seinen verbalen Wutausbruch tragen.

Aber wer hat denn nun die kreativsten Schimpfwörter im Gepäck und gewinnt „Das große Schimpfen“?

Die Geschichte ist als Live-Sendung konzipiert. Und dazu gehört selbstverständlich auch eine Werbepause, die in dem Buch nicht ausgespart wird. Sehr schön umgesetzt!

Hier wird auf eine wunderbar leichte Art dargestellt, dass Mobbing und Gemeinheiten in der Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.

Die wichtigen Themen werden hier mit Schmunzelmomenten versehen und haben viele kreative Anregungen im Gepäck.

Ein gern empfohlenes Buch mit Wirkkraft.

 

Anja Kuypers

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Das große Schimpfen

Michael Escoffier

Illustrationen von Kris Di Giacomo

Mixtvision Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 38 Seiten

ISBN 978-3958541870

15 €

Wann gehen die wieder?“ von Ute Krause, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Das Bilderbuch erschien bereits 2010 und 2013 in anderen Verlagshäusern und wurde nun erneut im Hause Gerstenberg verlegt.

Eine Geschichte mit schrägen Figuren und einem kindlichen Ich-Erzähler. Dieser berichtet von seinem und dem Leben seiner sechs Geschwister nach der Trennung der gemeinsamen Eltern.

Es beginnt mit einer Rückblende, und wie der Streit zwischen Mutter und Vater nach und nach zunahm.

Schlussendlich war ein Ende der Beziehung unumgänglich, und die Kinder pendeln seitdem mit Köfferchen zwischen den Elternteilen hin und her. Alles gar nicht so schlimm.

Bis der Vater eines Tages eine neue Freundin hat und mit ihren vielen Kindern ins Haus einzieht.

Der Ich-Erzähler und seine Geschwister sabotieren die neue Zweisamkeit auf ziemlich gemeine Art. Die Geliebte und deren Nachwuchs nehmen Reißaus und verschwinden.

Da der Vater unter dem Verlust arg leidet, kommen die Kinder zur Besinnung und machen sich auf die Suche nach den „Vermissten“....

Ein sehr gelungenes Buch über die Gefühlsirritationen in Trennungssituationen aus Kindersicht. Aber es zeigt auch auf, wie eine große Patchworkfamilie am Ende eines beschwerlichen Weges doch noch funktionieren kann.

Es geht um die Nuancen zwischen Trauer und Wut, zwischen Enttäuschung und Verlust, bevor zum Schluss Zusammenhalt und Familiengefühl wieder wachsen können.

Eine wunderbare Darstellung eines immer aktuellen Themas mittels illustrierter Figuren, die allesamt Märchenfiguren gleichen und sich selbst als Prinzen und Prinzessinnen bezeichnen.

 

Anja Kuypers

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Wann gehen die wieder?

Ute Krause

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3836961554

13 €

Die Geschichte von Mo“ von Dorothee Schwab und Stefan Karch, Tyrolia Verlag (2022)

 

Das Mädchen mit Namen Mo lebt in einer Hütte und begibt sich täglich barfuß, mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidet auf den Weg ins Dorf.

„Jeden Tag, wenn die Sonne hinter dem Hügel hervorblitzt, geht Mo los.“

„Sie kennt den Weg genau.“ Die Mauern, die Pflanzen und das Gefühl an einem, an ihrem Ort zu sein.

Doch es kommt der Tag, an dem alles anders ist.... Denn Mo geht nicht nur stur ihres Weges, sondern schaut auf den Boden und sieht dort eine Muschel liegen. Diese lockt die Sehnsucht in ihr nach einem Besuch am Meer. Schon immer wollte sie die salzige Luft riechen und schmecken.

Also verlässt sie den ihr so wohl vertrauten Weg und geht neue Pfade, die manche besondere Begegnung für sie bereithalten.

Welchen Weg nimmst du jeden Tag, und was ist das Besondere daran?

Dieses sehr sinnliche und emotional sensible Buch lädt zum Philosophieren mit Kindern ein.

In der Geschichte sieht man Mo tatsächlich am Meer ankommen.

Aber gelangt sie wirklich dorthin oder träumt sie sich nur aus ihrem Alltag heraus?

Manchmal braucht es Kleinigkeiten, wie die Muschel auf dem Weg, um auszubrechen und die Richtung zu ändern.

Schau` genau hin, lautet die Botschaft und trau` dich! Und bleibe immer neugierig.

Mo ist die alleinige Protagonistin in diesem Buch, und erst zum Ende teilt sie sich einem anderen Menschen mit.

Das Autoren- und Illustratorenduo arbeitet mit unterschiedlichen Materialien: Buntstifte und Aquarell- oder Kreidezeichnungen. Durch die zusätzliche Verwendung von Naturmaterialien, wie Reis- und Linsenkörner sowie Äste, sind naturnahe Collagen entstanden, die einander nie gleichen.

Jedes Bild ein eigenes Werk.

 

Anja Kuypers

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Die Geschichte von Mo

Dorothee Schwab und Stefan Karch

Tyrolia Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3702240455

16,95 €

Jule und die Zahnfee“ von Alina Bindrim, Marta press Verlag (2022)

 

Der seit 2013 bestehende Hamburger Verlag Marta Press hat im vergangenen Jahr mit der inklusiven Kinderbuchreihe Alle dabei! einen neuen Meilenstein gesetzt.

Die Autorinnen und Autoren sind junge Menschen mit und ohne Behinderung und schreiben Geschichten in leichter Sprache.

Alle Bücher, die in dieser Reihe erscheinen, werden zusätzlich in Gebärdensprache verfilmt.

Jule und die Zahnfee ist eines der vielen, herzerwärmenden Bücher des Netzwerkes.

In der Geschichte erfährt die fünfjährige Jule von ihrer besten Freundin Luisa alles über Wackelzähne. Luisa, die bereits in der ersten Klasse ist, berichtet stolz von ihrem neuesten, instabilen Beißerchen und der wunderbaren Annehmlichkeit, dass die Zahnfee jeden ausgefallenen Zahn auf ihre besondere Art honoriert.

Jule wünscht sich fortan nichts sehnlicher, als einen Wackelzahn und den Besuch der Zahnfee, die ihr einen besonderen Wunsch erfüllen soll.

Ihre Mutter erklärt ihr, dass sie noch ein wenig warten muss. Denn bekanntlich haben Kinder ihren ersten Wackelzahn rund um die Einschulung. Auch der Zahnarzt, zu dem sie am selben Nachmittag zur Kontrolle muss, bestätigt die Aussage der Mutter.

Dabei ist Jules Wunsch doch so wichtig.....

Später, im Verlauf der Geschichte wird deutlich, welchen ganz speziellen Wunsch Jule hat.

Mit vielen Wort-Wiederholungen, einfachen Satzkonstruktionen und großen Zeilenabständen entspricht dieses Buch den Kriterien von Geschichten in einfacher Sprache.

Zum Ende des Buches finden die LeserInnen ergänzende, zur Geschichte passende Rätsel sowie die Darstellung einiger Wörter in Gebärdensprache.

Tolle Buch-Ergebnisse einer wunderbar engagierten Gruppe von Alle dabei.

 

Anja Kuypers

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Jule und die Zahnfee

Alina Bindrim

Illustrationen von Ann-Kathrin Nikolov

Marta press Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3968370132

22 €

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Das Pfannkuchenbuch“ von Eric Carle, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Der erst kürzlich verstorbene Eric Carle weiß, wovon Kinder träumen: Pfannkuchen zum Frühstück! Sie gehören einfach auf jeden kindgerechten Speiseplan. Nicht unbedingt am Morgen, aber immer wieder mal...

In der Geschichte wacht der junge Felix eines Morgens auf und bittet seine Mutter um einen schönen, goldgelben Pfannkuchen. Die Mutter würde ihm den Wunsch gerne erfüllen, benötigt aber noch einige Zutaten. So muss Felix zunächst selbstständig den Weizen ernten, diesen dreschen und die Körner vom Müller zu Mehl mahlen lassen. Danach ist er auf das eierlegende Wohlwollen der hofeigenen Hühner angewiesen und wartet geduldig auf das Oval. Nachdem er auch noch die bunte Kuh gemolken und die Milch vom Rahm getrennt hat, darf er noch Butter stampfen.

Erst jetzt kann Felix` Mutter den Pfannkuchen backen und mit einem süßen Belag garnieren.

Obwohl die Geschichte in einer längst vergangenen Zeit spielt, in der die Industrialisierung noch nicht Einzug gehalten hat, ist das Thema so aktuell wie nie. Wo kommt eigentlich mein Essen her? Und wie bereite ich meine Speisen zu?

Carle überzeugt mit seiner einzigartigen Darstellung und trifft auch hier wieder den besonderen Ton. Dieses Buch macht Appetit!

 

Anja Kuypers

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Das Pfannkuchenbuch

Eric Carle

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 36 Seiten

ISBN 978-3836961301

10 €

Das kleine Echo“ von Al Rodin, NordSüd Verlag (2022)

 

„Hast schon mal ein Echo gehört? Gut möglich. Sie leben in Seen und Tunneln und Höhlen. Aber hast schon mal ein Echo gesehen?“

Mit diesen Worten begrüßt der aus London stammende Künstler und Autor Al Rodin seine kleinen und großen LeserInnen gleich zu Beginn des farbgewaltigen Bilderbuches.

Dies ist sein erstes Kinderbuch, nachdem er seine Kunst aus Acryl- und Wasserfarben bereits international erfolgreich ausgestellt hat.

In der Geschichte erhält das kleine Echo erstmals eine Stimme und ein Gesicht. Im Text wird für das Echo das weibliche Pronomen verwendet, und illustratorisch wird sie mausähnlich mit riesigen, gelben Ohren dargestellt. Eine sympathische Figur, die „den ganzen Tag nach Tönen sucht“ und dessen kräftiges Gelb sich gut vom Dunkel der Höhle, in der es lebt, abhebt.

Echos Aufgabe ist es, unerkannt zu bleiben, aus dem Dunklen zu wirken. Sie muss die gefundenen Töne in Teilen zurück zu werfen, darf oder kann aber nie selbst sprechen.

Bis zu dem Tag, an dem es den Jungen Max in Echos Höhle verschlägt. Er hält eine Schatzkarte in Händen und sucht akribisch nach dem versteckten Juwel.

Konzentriert beschäftigt bemerkt er deshalb das Ankommen eines gefährlichen Bären in der Höhle nicht. Echo beobachtet Max und traut sich in dem Gefahrenmoment erstmalig ihre Stimme zu nutzen.

Sie warnt den kleinen Jungen und nimmt ihn in einen sicheren Teil des Baus zu sich. In der sich anschließenden, gemeinsamen Suche nach dem Schatz, freunden sich die beiden an. Für Echo eine neue Erfahrung, einfach nur Reden und Zuhören zu dürfen, ohne auf Töne-Jagd gehen zu müssen. Das sonst unsichtbare Echo wird hier personalisiert und greifbar dargestellt.

Im Rahmen gewaltiger Farben und prächtiger Illustrationen präsentiert sich der Text kurzweilig und unterhaltsam.

Ein hübsches, freundliches Buch.... ch...h.....

 

Anja Kuypers

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Das kleine Echo

Al Rodin

Nord Süd Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105982

16 €

Gaudi – Architekt der Fantasie“ von Susan B. Kratz, NordSüd Verlag (2022)

 

Gaudi – ein Künstler, bei dem sich die Professoren uneins waren, ob die bestandene Abschlussprüfung ein Fluch oder ein Segen für die Bewohner Barcelonas darstellen sollte. Denn Gaudi veränderte durch seine ausgefallenen, künstlerischen Mosaiken das einfache Erscheinungsbild der Stadt extrem. Allerdings sorgte er in Folge für viele neugierige Touristen, die diese einzigartigen Neu- und Umbauten in der Stadt sehen wollten und in Scharen anreisten.

Auffällige Illustrationen säumen den kurzweiligen, informativen Text über das Leben von Antoni Gaudi. Einem Jungen, der wegen einer Bewegungseinschränkung in den Beinen zunächst der Schule verwiesen wurde.

Die gewonnene Zeit verbrachte er in der freien Natur rund um den Hof seiner Eltern auf dem spanischen Festland. Schnell entdeckte er seine Liebe zur Umwelt, mit all ihren runden, ganz und gar nicht geometrischen Formen und Figuren.

Später, im Kunst- und Architekturstudium konnte er sein Können unter Beweis stellen und ließ die ihm lieb gewonnenen, kreisförmigen Formen in seine Arbeiten einfließen.

Und dank seiner finanziellen Gönner entstanden so zahlreiche Bauten, die noch immer zu den wichtigsten Denkmälern unserer Zeit gehören.

Das Leben und Werken Gaudis wird hier wunderbar bebildert und textreich dargestellt.

Ein Buch, dass sich zum literaturpädagogischen Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen hervorragend eignet.

 

Anja Kuypers

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Gaudi – Architekt der Fantasie

Susan B. Kratz

Illustrationen von Linda Schwalbe

Nord Süd Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105982

16 €

Marina“ von Nikolaus Heidelbach, Beltz und Gelberg Verlag (2022)

 

Der namenlose Ich-Erzähler und sein Bruder finden ein dunkelhäutiges Mädchen am Strand. Regungslos sitzt sie gedankenverloren dort, trägt ein Kleid, nur eine Sandale und eine dicke Daunenweste, die vielmehr nach einer Rettungsweste aussieht. Ihr emotionsloser Gesichtsausdruck verheißt nichts Gutes.

Die beiden Kinder nehmen das Mädchen mit nach Hause, wo sie sofort herzlich aufgenommen wird und sich zunächst einmal erholen darf.

Sie geben ihr den Namen Marina. In der ersten Zeit spricht sie noch nicht, isst aber liebend gerne Fischgerichte.

Die Brüder geben sich jede erdenkliche Mühe um ihr das Ankommen im neuen Leben zu erleichtern. So nehmen sie Marina mit zum Spielplatz und machen leider direkt eine schlimme Erfahrung.

„Als ich mit ihr auf dem Spielplatz war, sagte ein Vater zu mir: „Zu lang im Ofen deine Freundin. [] Das hat Marina verstanden. Sie biss dem Mann in den Oberschenkel. Da mussten wir schnell abhauen.“

Eines Tages beginnt Marina mit dem Sprechen und berichtet von ihren Eltern, einem Königspaar, dass tief im Meer lebt.

Plötzlich verändern sich die Illustrationen: sie zeigen sich rahmenlos und viel farbiger, als bisher. Marina blüht auf und erzählt alles von ihrem Zuhause, ihrem tatsächlichen Leben unter Wasser.

Aber ist Marina wirklich ein Meer-Mädchen? Der Bruder des Ich-Erzählers hat da so seine Zweifel...

Die vordere Umschlagseite zeigt eine große Welle, die auf der hinteren Umschlagseite bereits abgeebbt ist. Am Ende bleibt Marina zurück, das Mädchen, dessen Existenz Rätsel aufgibt.

Ein Bilderbuch, das seine LeserInnen zu anschließenden Gesprächen einlädt. Sind es die Themen Flucht und Fremdenfeindlichkeit, die den roten Faden mitbestimmen? Oder ist es doch das Phantastische, was das Buch ausmacht?

Am Ende ist es immer gut, wenn über Bücher gesprochen wird. Allerdings braucht es in diesem Kontext eine elterliche Begleitung und ein angeleitetes Gespräch.

 

Anja Kuypers

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Marina

Nikolaus Heidelbach

Beltz und Gelberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3407756329

15 €

Das Riesen-Wimmel-Ei“ von Barbara Korthues, Esslinger Verlag (2021)

 

Ein toller Ansatz, wenn sich die Form des Buches der Thematik anpasst.

Die LeserInnen erwartet ein sehr großformatiges Buch in Form eines Ei`s. Das perfekte, textlose Wimmel-Ereignis für alle Osterhasen-Fans und die, die es noch werden wollen.

Sie erfahren, wie sich der herkömmliche Osterhase für das Fest fit hält.

Und woher kommen die Eier eigentlich? Kann man Fische auch mit Eiern als Köder fangen?

Da, wo selbst die Straßenlaternen die Form von Eiern haben, leben die ProtagonistInnen dieses Buches. Die Hasen, ein buntes, freundliches Völkchen, das jede Menge Spaß und Freude im Berufsleben hat.

Sie stellen Schokoladenlutscher her, färben Eier und naschen gerne selber am liebsten.

In diesem wunderschönen, farbenprächtig illustrierten Wimmelbuch erfahren wir mehr über das Leben der possierlichen Nager. Hasen-News noch und nöcher...

Es gibt jede Menge zu entdecken, und darüber darf und soll gesprochen werden.

Manch häsische Ausnahmetalente werden auf der Buchrückseite in ausgewählten Szenen vorgestellt, die ebenfalls auf den Wimmelseiten gefunden werden wollen.

Weitere Suchaufträge sind dringend erwünscht.

Ein dickpappiges Wimmelbuch vom Allerfeinsten. Nicht nur zur Osterzeit....

Denn Wimmeln geht immer und eignet sich hervorragend für die kurzweilige, spielerische Sprachförderung.

 

Anja Kuypers

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Das Riesen-Wimmel-Ei

Barbara Korthues

Esslinger Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 16 Seiten

ISBN 978-3480236688

19 €

Eine Geschichte macht Geschichten“ von Tor Fretheim, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Was macht ein Schriftsteller, wenn er keine Schreib-Idee hat?

Er denkt und schaut und schaut und denkt. Und wenn ihm nach Tagen des Denkens und Schauens immer noch nichts Brauchbares einfällt, verlässt er sein Haus und spaziert in seiner Stadt umher.

„Er brauchte frische Luft!“ Nicht die schlechteste Idee, denn plötzlich lässt sich der namenlose Protagonist des Buches von den Leben seiner Mitmenschen inspirieren.

Von der mürrischen Frau, die einfach nur täglich am offenen Fenster steht und hinaus sieht. Von einer umher streunenden Katze und von einem Jungen, der hoch oben in den Baumkronen der Bäume im Park hockt. Oder von einem Mädchen, dem es auf dem Spielplatz wunderbarerweise gelingt, alleine zu wippen.

Plötzlich hat der Schriftsteller so viele Einfälle, dass er nach Hause läuft und dringend eine Geschichte schreiben muss. Seine anfänglichen Schreibversuche verwirft er, knüllt das Papier zusammen, beginnt von vorne.

Am Ende aber freut er sich über die finale Fassung.

„Er öffnete das Fenster.“ Und der Wind wirbelte alle Seiten durcheinander und „nahm alle Blätter mit.“.

Nun geht seine Geschichte auf Reisen und trifft alle vorherigen HandlungsteilnehmerInnen wieder...

Wie werden sie reagieren? Ob der Junge die Baumkrone verlässt und die Frau am Fenster plötzlich freundlich wird?

Das Leben schreibt seine Geschichten, wie es ihm gefällt. Meistens kommt es anders, als man denkt.

Mit versteckten Botschaften und treffenden Aussagen kratzt das Buch zwar nur an der Oberfläche, lässt sie aber im Nachgang tief wirken.

Dezent poetisch und hintergründig tiefsinnig, verläuft die Geschichte ruhig und klar.

Die fein gezeichneten Illustrationen passen sich dem zartfühlenden Grundton des Buches an.

 

Anja Kuypers

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Eine Geschichte macht Geschichten

Tor Freitheim

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3836961172

13 €

Die Erdmännchen sind los“ von Stefanie Jeschke, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Ein wunderbares, dickpappiges Wimmelbuch über einen Ausflug in den Zoo für die Kleinsten.

Je Doppelseite müssen 10 Erdmännchen gesucht werden, die aus ihrem Gehege ausgebüxt sind und es sich nun in den Unterkünften ihrer tierischen Mitbewohner bequem gemacht haben.

Da kann es schon mal passieren, dass ein Erdmännchen unter dem mit Wasser gefüllten Rüssel eines Elefanten steht und duscht. Oder dass es Auge in Auge einem Schaf gegenüber steht.

Manche Artgenossen reiten auch im Wild-Western-Stil auf einem Strauß durch den Zoo und schwingen das Lasso. Viele Schmunzelmomente sind garantiert.

Der Zoo ist nach Kontinenten und deren jeweiligen Tieren eingeteilt.

Eine wunderbar ansprechende Aufmachung und zugleich illustratorische Umsetzung.

Einzig wäre eine Karte von allen Gehegen des Zoos schön gewesen, um den Überblick zu behalten und die Einzelansichten mit der Übersicht vergleichen und besprechen zu können.

Zum Ende des Buches gibt es noch gezielte Suchaufträge für die jungen BetrachterInnen.

Einzelne, mit Namen versehene Tiere wollen auf den Seiten gefunden werden: von Gisela Giraffe, über Philipp Pinguin bis zu Fritti Frosch.

Dank der alliterarischen Wortwahl wird aus dem bis dahin anonymen Tier ein greifbarer Freund.

Dieses Buch bietet einen wunderbaren Einstieg in die bunte Welt der Wimmelbücher, die für die Sprachförderung und Lesemotivation unerlässlich sind.

Mit den Erdmännchen als Sympathieträger und Alleinunterhalter wird die Lust auf das Buch und einen anschließenden Zoobesuch geschürt.

 

Anja Kuypers

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Die Erdmännchen sind los

Stefanie Jeschke

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 12 Seiten

ISBN 978-3836957915

18 €

Morgen Tiere, wird`s was geben!“ von Gerlis Zillgens, Esslinger Verlag (2021)

 

Dieses Buch enthält eine herzliche, lustige und sehr unterhaltsame Adaption der Weihnachtsgeschichte als tierisches Krippenspiel.

Mit den ersten, kühlen Dezembertagen hält auch die Langeweile im beschaulichen, fernab gelegenen und kaum bekannten Ort Tierlingen Einzug.

Esel, Katze, Gans, Ziege und Co. wissen einfach nichts mit sich und dieser ruhigen Zeit anzufangen. Das Wetter lädt auch noch kaum zum Spielen an der frischen Luft ein.

Nur gut, dass die Dorfchefin, Elefantendame Elfriede, eine Idee hat: sie erinnert sich an ihre Zeit im Zoo. Regelmäßig in der Winterzeit haben die Menschen dort „Krippe gespielt“. Das war stets ein kurzweiliges Vergnügen.

Elfriede schafft es, alle Tiere zu begeistern. Sie wollen nun auch unbedingt „Krippe spielen“.

Die Elefantendame mutiert kurzerhand zur Regisseurin und Theaterdirektorin.

Sehr zum Missfallen von der Kuh Nigunde, die ebenfalls gerne Verantwortung übernehmen würde.

Aber was braucht es eigentlich zum „Spielen von Krippen“?,

Auf jeden Fall drei „eilige Könige“. Und da diese im Morgengrauen, also zur Frühstückszeit an der Krippe erschienen sind, müssen sie natürlich die zum Essen Leberwurst, Äpfel und Heu mitbringen.

Tierisch interpretiert....

Es kommt der Tag, an dem Elfriede mächtig improvisieren muss, denn so richtig erinnert sie sich dann doch nicht mehr an den genauen Ablauf vom „Krippe spielen“.

Dies kommt Kuh Nigunde gerade recht. Von Beginn an hat sie Elfriedes Wissen infrage gestellt und nutzt nun die Gunst der Stunde, um sie vor allen anderen Tieren bloß zu stellen.

Trotz dieser kurzen Fehde zwischen den Tieren, erheitert diese Geschichte ungemein.

Mit einer äußerst passenden Portion Zusammenhalt und Freundschaft sowie Vertrauen ist weihnachtliche Unterhaltung garantiert. Sehr gerne empfohlen.

 

Anja Kuypers

 

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Morgen Tiere, wird`s was geben!

Gerlis Zillgens

Illustrationen von Katja Jäger

Esslinger Verlag, 2021

Kinderbuch

gebunden, 96 Seiten

ISBN 978-3480236732

12 €

Das Weihnachtskind“ von Rose Lagercrantz, Moritz Verlag (2015)

 

In diesem sehr wertig gestalteten Buch wird der Versuch unternommen, die Geschichte Jesus` neutral zu erzählen. So ist lediglich die Rede von „dem Kind“. Nur ab und an schleichen sich religiöse Details in die Erzählung.

Besonders gelungen ist die Darstellung aller Zusammenhänge der biblischen Geschichte.

Von Herodes, der Flucht nach Ägypten bis zur Ankunft des Kindes und sein Weg zum erwachsenen Mann.

Am Ende geht es vielmehr um den Frieden auf Erden. Frieden, der genau in der Nacht, als das Kind geboren wurde herrschte.

“Als das Kind eingeschlafen war, legte sie es in die Krippe des Ochsen. Und alles wurde ruhig und friedlich.“ Ein alternatives Buch zum Vorlesen in der Weihnachtszeit.

Doch so neutral die Ansätze im Buch auch sind, ein Hauch Christentum schwingt trotzdem mit.

Geschrieben und illustriert von den zurecht mehrfach prämierten Künstlerinnen Lagercrantz und Bauer.

Der Text, in Form von sehr präsenten, fett dargestellten Druckbuchstaben geht Seite an Seite mit den wunderbaren, dezenten Illustrationen.

Die Buchumschlagseiten bilden den harmonischen Umgang vieler verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ab. Es könnte doch so einfach sein... Zusammenhalt lautet das Stichwort.

 

Anja Kuypers

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Das Weihnachtskind

Rose Lagercrantz

Illustrationen von Jutta Bauer

Moritz Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3895653094

13,95 €

Doktor Popow“ von Dorothée de Monfreid, Reprodukt Verlag (2021)

 

Ein neuer Band aus der Reihe der sympathischen Hundebande aus der Feder der beliebten und kreativen Autorin und Illustratorin.

Dieses Mal verkleidet sich der größte Hund der Bande als Doktor. Ausgestattet mit Stethoskop sowie Arztkoffer und gekleidet in einen weißen Arztkittel überrascht er die Bande, die sich zu dem Zeitpunkt viel lieber in Ruhe einen Film ansehen möchte.

„Sei leise!“ oder „He, wir schauen hier einen Film an“ ist in Folge zu lesen...

Doch Popow stellt Ferndiagnosen und ist sich sicher, dass einer, dem der spannende Film „zu Kopf gestiegen ist“ bestimmt Fieber habe. „So ein Quatsch!“ kommentiert dieser.

Alle anderen, denen der „Arzt“ ein schlechtes Aussehen diagnostiziert, ziehen grimmige Gesichter. Niemand öffnet den Mund und zeigt freiwillig seine Mandeln. Die Bande will einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Nun ist Popow frustriert. Da sich partout keiner der Hunde von ihm untersuchen lassen möchte, sitzt er traurig in der Zimmerecke und genehmigt sich selbst ein Schlückchen seiner „Medizin“, die er in der Tasche seines Arztkittels bei sich trägt. In diesem ,Moment werden seine Freunde auf ihn und sein rotes, scheinbar schmackhaftes, süßes Gebräu aufmerksam. Vielleicht ist das Kranksein doch nicht so schlecht?

Eine wunderbare, neue Geschichte der Bande, die einem im Laufe der Jahre richtig ans Herz gewachsen ist. Erneut gelingt es der Autorin jedem einzelnen Tier einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen.

In diesen Büchern braucht es nicht viel Drumherum. Immer auf den Punkt textet de Monfreid mit pointierten Kommentaren.

So funktionieren Hundegeschichten im Comicstil!

 

Anja Kuypers

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Doktor Popow

Dorothée de Monfreid

Reprodukt Verlag, 2021

Comic

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3956402869

14 €

Amelie und die Entdecker“ von Barbara van den Speulhof, Mixtvision Verlag (2021)

 

Die sympathische, neugierige Amelie ist Pilotin und verreist gerne mit ihren zwei Hühnern in ihrem eigenen Flugzeug, auf dessen Dach sie jede Menge Koffer und Taschen verstaut.

Sie ist eine „Weltentdeckerin“, eine „Allesgenauwissenwollerin“ - stets freundlich und offen zu jedermann.

Ihre Propellermaschine landet sie in diesem Abenteuer auf einer abgelegenen Insel, die zunächst unbewohnt scheint. Dabei wird sie seit ihrer Landung von den dort heimischen Tieren unbemerkt beobachtet. Vertauschte Rollen – denn hier wird der Mensch genau untersucht, während Amelie sich die Natur näher ansieht.

„Dem Elefanten fällt gleich auf, dass sie keinen Rüssel hat.“ und „,Der Tiger findet merkwürdig, dass sie keine Pfoten hat.“ Was ist sie wohl und woher kommt sie?, fragen sich die Tiere. Wer Antworten haben möchte, muss den Kontakt suchen. Also sprechen die Tiere Amelie an.

„Ich komme von irgendwo“, lautet ihre Antwort.

Die Tiere helfen ihr eine Unterkunft zu bauen und beschreiben das Leben auf der Insel ganz genau. Amelie notiert fleißig das Erlernte. Auch sie versucht ihr Leben bestmöglich zu vermitteln. So lernt der Affe zum Beispiel das Zähneputzen.....

Mensch und Tier begegnen sich in diesem Buch sehr friedlich und freundlich, und beide lernen voneinander. Wunderbar! So sollte es immer sein.

Doch trotz allen Glücks muss Amelie irgendwann weiterziehen, denn die Welt hat noch so viel Unerforschtes zu bieten.

An der Seite sehr ansprechender Illustrationen, glänzt der Text mit vielen, wunderbaren Wortneuschöpfungen sowie mit einem Spiel aus Schriftgröße und -format.

Das Buch hat Potential zu einer Fortsetzung und lässt sich vielfältig in der Vermittlung von Kinderliteratur einsetzen.

 

Anja Kuypers

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Amelie und die Entdecker

Barbara van den Speulhof

Illustrationen von Mirjam Zels

Mixtvision Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3958541665

15 €

Die Arche Noah“ von Piotr Wilkon, NordSüd Verlag (2021)

 

Dieses Buch reiht sich zwar in die Menge zahlreicher Adaptionen der Geschichten um die biblische Arche Noah ein und fällt trotzdem durch seine Leichtigkeit auf. Die Version nimmt der Bibelversion die Schwere und mischt eine Prise Humor sowie kindgerechtes Verständnis unter. Religion und Glaube spielen nur am Rande eine Rolle.

Es beginnt mit dem Traum Noahs, in dem er das verheerende Ende der Welt voraussieht. Noah baut daraufhin eine Arche, um sich und seine Familie sowie zahlreiche Tiere vor den potentiellen, furchtbaren Überschwemmungen zu retten.

Als es bereits zu regnen beginnt, tummeln sich diverse Tiere vor dem Bau und bitten Noah um Einlass. Er hingegen mahnt etwas genervt, sich in Geduld zu üben.

Als der Regen stärker wird und das fertige Schiff bereits über die Meere segelt, beschweren sich die Tiere über die Zustände an Bord: es tropft durch die Decke, das Schiff ist viel zu niedrig.

„Ja, die Bedingungen sind wirklich nicht besonders.“

„Wenn es Euch hier nicht gefällt, könnt ihr ja aussteigen. Und zwar alle! Sofort!“, kontert Noah und fordert mehr Dankbarkeit von den Tieren ein.

Was zunächst fruchtet, ebbt nach weiteren Tagen auf See erneut ab, und die Tiere stellen Noahs ursprünglichen Traum in Frage. War alles umsonst?

Als sie aber endlich Land sehen und die Arche ankern kann, verlassen die Tiere das Schiff und verteilen sich auf die angrenzenden Berge und Täler in der neuen Heimat.

Gekonnt werden die Tiere in dieser Ausgabe personalisiert dargestellt, und Noah ist auf einmal nahbar.

Die jungen LeserInnen werden sich angesprochener fühlen und die Moral hinter der Geschichte einfacher verstehen lernen.

 

Anja Kuypers

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Die Arche Noah

Piotr Wilkon

Illustrationen von Jozef Wilkon

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3314105845

15 €

Der Clown sagte Nein“ von Mischa Damjan, NordSüd Verlag (2021)

 

Sei authentisch und gib Dich so, wie Du bist!

Verfolge Deine Träume und lass` Dich nie durch andere verbiegen!

Diese Aussagen bilden den Kern des Buches, das bereits 1961 erstmalig erschien.

Zum 60jährigen Jubiläum des NordSüd Verlages wird das Buch nun in vierter Auflage und Aufmachung verlegt und vom mehrfach, zurecht preisgekrönten Torben Kuhlmann illustriert.

Die Geschichte handelt vom Clown Petronius und verschiedenen Zirkustieren, die den Anordnungen des Zirkusdirektors nicht mehr gehorchen wollen. Eine Art Streik beginnt...

„Ich will nicht mehr lachen und nicht mehr weinen, sagte Petronius ruhig, „es hat mir noch nie Spaß gemacht, den Narren zu spielen.“

Auch das Pony verweigert die Dressur, der Löwe will nach Afrika zurück, die Giraffe will ihren Hals sinnvoll gebrauchen, und der Hund will sich nicht mehr verkleiden müssen.

Entgegen der Erwachsenen, die vielmehr der Meinung sind „Das war schon immer so!“ und die Verweigerung der Auftritte mit Buh-Rufen kommentieren, gefällt den Kindern im Publikum des Zirkus` das rebellische Verhalten, und sie beklatschen den Clown und seine Tiere.

Diese wollen nun viel lieber ihre eigenen Geschichten erzählen und sich nicht mehr dem Zirkusgeschehen unterwerfen müssen.

Sie kündigen ihre Anstellung und ziehen gemeinsam los, auf der Suche nach adäquater Arbeit.

Auch in dieser vierten Auflage der wunderbar illustrierten Geschichte ist die Quintessenz immer noch nicht antiquiert. Irgendwo gibt es immer einen Weg, die eigenen Träume und Wünsche zu verwirklichen. Jedes „Publikum“ der Arbeit spürt den Spaß und die notwendige Authentizität.

Am Ende des Buches bedanken sich die jungen ZuhörerInnen bei der Zirkus-Entourage für die schönen Geschichten.

60 Jahre NordSüd-Verlag – DANKE für die vielen, einzigartigen Bücher!

 

Anja Kuypers

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Der Clown sagte Nein

Mischa Damjan

Illustrationen von Torben Kuhlmann

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN  978-3314105838

15 €

Kleine Schneeflocke“ von Benji Davies, Aladin Verlag (2021)

 

Die feinfühlige Weihnachtsgeschichte beginnt mit einem Vorwort von Sir Francis Bacon:

„Wir haben nur diesen einen Augenblick, strahlend wie ein Stern in unserer Hand und dahinschmelzend wie eine Schneeflocke....“

In auktorialer Erzählweise lässt der Autor die LeserInnen an zwei parallel verlaufenden Geschichten teilhaben, die sich zum Ende des Buches begegnen.

Da gibt es die tanzende, kleine, junge Schneeflocke, die hoch oben in den Wolken wohnt und eigentlich gar nicht zu Boden fallen möchte. Vom Wind getragen, schwebt sie oberhalb einer Stadt und schaut sie sich von oben an.

Dort leben Noelle und ihr Opi, die sich gerade auf einem winterlichen Spaziergang befinden. „Vielleicht wird es heute Abend schneien, dachte sie.“

Das Mädchen liebt die vorweihnachtliche Stimmung und kann das Schmücken des Hauses gar nicht abwarten. So nimmt sie spontan einen Tannenzweig mit nach Hause, der achtlos am Straßenrand liegt. Gemeinsam mit ihrem Opi dekoriert sie den Zweig mit Selbstgebasteltem auf. Doch am Ende fehlt ein Stern auf der Spitze des Zweiges, den sie auf dem äußeren Fensterbrett ihres Zimmers platziert. Währenddessen fällt die Flocke weiter gen Erdboden.....

Das Buch vermittelt eine Vorfreude auf die kalte Jahreszeit, auf ein heimeliges, wohliges Miteinander, wenn es draußen stürmt und der Blick auf die vom Schnee bedeckten Landschaften fällt. Einfach hygge!

Die Geschichte lässt sich in der Literaturpädagogik hervorragend kreativ einsetzen und anwenden.

Winter-Weihnachtszeit - sehr fein und fühlig!

 

Anja Kuypers

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Kleine Schneeflocke

Benji Davies

Aladin Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3848901968

15 €

Elli, die Kleinste von allen“ von Lu Fraser, Thienemann Verlag (2021)

 

Die Geschichte handelt von einem jungen, kleinen Yak-Mädchen namens Elli. Sie ist das kleinste Tier einer Yak-Herde, die mitten in Tibet lebt. Alle Yaks sind sie mit tibetanischen Decken, bunten Mützen und ausladendem Kopfschmuck geschmückt. Ein sehr hübsches Bild!

Elli hat langes, weißes Fell und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich groß zu sein. Aber sie muss sich in Geduld üben..... Die Mutter verspricht ihr, dass der Tag irgendwann kommen wird.

Elli hingegen lässt nichts unversucht, das Wachstum aktiv zu unterstützen: sie treibt sehr viel Sport, isst jede Menge Gemüse und liest sich Wissen zum Erwachsenwerden an.

Inmitten ihrem bislang erfolglosen Bemühen um zügiges Wachstum benötigt die Herde plötzlich dringend ihre Hilfe.

Der kleine Yaki, ein Yak-Junge, ist in Gefahr.

„Schau! Yaki dort oben! Verirrt auf dem Gipfel! Da, wo`s ganz eng ist, am äußersten Zipfel!“

Wird Elli helfen können?

Eine Geschichte über Mut und Selbstvertrauen sowie die wichtige Botschaft, dass jeder eine individuelle Stärke in sich trägt.

An der Seite von hübschen, kindgerechten, seitenumfassenden Illustrationen, tritt der fett gedruckte Text in Versform auf.

Mit den Yaks als Protagonisten wird eine Tierart gewählt, die längst in Vergessenheit geraten ist und der hier, trotz ihrer Größe, eine bestimmte Feinfühligkeit zugeschrieben wird. Sehr gelungen.

 

Anja Kuypers

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Elli, die Kleinste von allen

Lu Fraser

Illustrationen von Kate Hindley

Thienemann Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN  978-3522459624

14 €

Ein Ort für meine Traurigkeit“ von Anne Both, Gabriel Verlag (2021)

 

Auch der dunkelste Wald kann mit Lichtern, bunten Fahnenketten und lustigen Fotos aufgehellt werden. So dargestellt auf der vorderen und hinteren Umschlagseite des prächtigen Bilderbuches.

Ein nicht näher beschriebener Mensch erhält eines Tages „Besuch“ von der Traurigkeit, in Form eines personalisierten „Wollknäuels“ mit Armen und Beinen in kühlen, eisblauen Farben. Es lächelt nie, trägt aber ein kleines, unscheinbares, rotes Herz in sich.

Die Traurigkeit schleicht sich zunächst von hinten an den Menschen heran und bittet um einen Ort, wo es sich niederlassen kann. Der Mensch heißt sie herzlich willkommen und bietet ihr einen Platz zum Wohnen bei sich an. Der Traurigkeit wird also Raum gegeben. Sie darf einfach sein.

Und das ist auch gut so. Vor allem gesund. Für alle.

Die Traurigkeit darf in ihrer Unterkunft selber entscheiden, ob die Vorhänge ihrer Behausung offen oder geschlossen sind. Je nach Stimmung und Lebenslage.

„Die Traurigkeit darf aber auch im Dunkeln sitzen, wenn sie mag. Einfach so, wie ihr gerade zumute ist.“

Die Inspiration für dieses Buch, das im Original aus England stammt, erhielt die Autorin von einer jüdische Niederländerin, die während des zweiten Weltkrieges 1943 im KZ verstarb. Vor ihrem Tod machte sie dneutlich, wie wichtig das Zulassen von Trauer ist. Nur auf diese Weise, kann sie nachhaltig verarbeitet werden.

Ein Buch über die Bedeutsamkeit der Trauerverarbeitung. Trauer gehört zum Leben dazu. Auch wenn sie noch so tragisch und schwer ist....

In der Geschichte wird diese Botschaft mittels vieler Vergleiche und Metaphern anschaulich illustriert und kindgerecht dargestellt.

 

Anja Kuypers

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Ein Ort für meine Traurigkeit

Anne Both

Illustrationen von David Litchfield

Gabriel Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3522305976

15 €

Mach`s gut, Eichhörnchen“ von Cee Neudert, Thienemann Verlag (2021)

 

Es sollte ein schöner, entspannter Waldspaziergang werden....

Die Großmutter und ihre Enkelin „spielen Verstecken und klettern ein bisschen auf die Bäume“.

Bis sie auf ihrem Weg ein totes Eichhörnchen finden.

Behutsam nehmen sich die beiden Zeit und Beobachten den toten Nager ganz genau. Das Tier sieht aus, als schliefe es friedlich. „Ich wundere mich, wie das Eichhörnchen nur so still liegen kann.“

Gemeinsam beschreiben sie die sichtbaren, äußeren Merkmale des Tieres und tauschen sich über die Besonderheiten von Eichhörnchen grundsätzlich aus.

Der doppelseitigen Illustration des toten Nagers folgt eine kleinere Bildserie, die den Verwesungsprozess skizziert. Stets mit Bedacht und ausschließlich biologisch chronologisch.

So wird irgendwann aus den Überresten des Hörnchens neues Leben entstehen.

Ein Buch über Leben und Tod, vom Kreislauf des Lebens.

Natürlich abgeklärt und anschaulich verpackt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des namenlosen Mädchens erzählt. Großmutter und Enkelin werden von der hinterbliebenen Familie des toten Eichhörnchens, die sich in den umliegenden Bäumen versteckt halten, permanent beobachtet. Eine wunderbar lebendige Ergänzung zur eher trüben Thematik.

Die Farbwahl der Illustrationen ist besonders gut gelungen und trifft den Ton der Geschichte ausgezeichnet.

Es sind die Feinheiten in den Bildern und der selbstverständliche Umgang mit dem Tod, die das Buch zu etwas Außergewöhnlichem werden lassen.

 

Anja Kuypers

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Mach`s gut Eichhörnchen

Cee Neudert

Illustrationen von Lena Winkel

Thienemann Verlag (2021)

gebunden, 32 Seiten

ISBN  978-3522459266

14 €

Argos – Die Geschichte von Odysseus` treuem Freund“ von Isabelle Wlodarczyk, Knesebeck Verlag (2021)

 

Durch dieses Buch können besonders jüngere LeserInnen bestens an die interessante, griechische Mythologie herangeführt werden, ohne das es langweilig oder angestaubt wirkt.

Erzählt aus der Ich-Perspektive des Hundes Argos, wird die Geschichte von Odysseus beschrieben und passend illustriert.

Der treue Weggefährte des griechischen, groß gewachsenen Helden lebt zufrieden und glücklich mit seiner Frau Penelopé sowie dem gemeinsamen, jungen Sohn Telemachos auf der Insel Ithala. Odysseus und Argos sind beste Freunde. Das Vertrauen zwischen Mensch und Tier könnte kaum größer sein. Als der Krieg ausbricht, wird Odysseus einberufen. Noch bevor er seine Familie zurücklassen muss, beauftragt er Argos, Telemachos zu beschützen.

Trotz der Sehnsucht nach seinem Herrchen, erfüllt er dessen Wunsch und nimmt sich des kleinen Jungen an. Wie wunderbar wäre es, wenn Odysseus zu seinem Sohn und Hund zurückkehren könnte. Telemachos und Argos sitzen täglich am Strand und schauen erwartungsvoll auf das offene Meer, verbunden mit der Hoffnung, sein Schiff möge am Horizont auftauchen.

Telemachos hält es eines Tages nicht mehr aus und macht sich selber auf die Suche nach seinem Vater. Der Hund bleibt, bereits altersgeschwächt zurück, kümmert sich um Penelopé und hält weiterhin täglich Ausschau nach den Kriegsrückkehrern.

Es rührt zu Tränen, wenn Odysseus nach zahlreichen Irrfahrten und nach über zehn Jahren zu seiner Insel und Familie zurückkehrt. Der alte Hund erwartet ihn und kann nun endlich loslassen...

Diese aufopfernde, grenzenlose Liebe zwischen Mensch und Tier wird hier bestens dargestellt und gekonnt in Szene gesetzt.

Eine geschickte Idee, die Vermittlung von geschichtlichem Wissen mit einer Geschichte, erzählt aus der Sicht eines Tieres zu verknüpfen.

Die verwendeten Illustrationen orientieren sich in weiten Teilen an damaligen Malereien.

Ein gelungenes Buch, das gerne empfohlen wird.

 

Anja Kuypers

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Argos – Die Geschichte von Odysseus` treuem Freund

Isabelle Wlodarczyk

Illustrationen von Alice Beniero

Knesebeck Verlag (2021)

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3957285270

14 €

Aus heiterem Himmel“ von Jon Klassen, NordSüd Verlag (2021)

 

Der zurecht mehrfach prämierte kanadische Autor Klassen brilliert erneut mit diesem neuen Bilderbuch.

Es erzählt die Geschichte von einer Schildkröte mit Hut, die ihren Lieblingsplatz an einer einzigen Blume ohne Blätter, dafür mit roter Blüte gefunden hat. Inmitten einer kargen Landschaft mit Wüstencharakter ist dieses Pflänzchen tatsächlich eine Ausnahme und verleiht der Umgegend etwas Farbe. Es wundert also nicht, dass die Kröte sich diesen Platz ausgesucht hat.

Unweit von ihr hat es sich ein Nager, ebenfalls mit Hut auf dem Kopf, an einem einzelnen Pflanzenstängel bequem gemacht und nennt diesen Platz seinen absoluten Lieblingsort.

Aber welches ist denn nun der bessere Ort? Die beiden tierischen Protagonisten tauschen sich über die Vor- und Nachteile aus und testen abwechselnd die jeweiligen ausgelobten Örtlichkeiten.

Der Nager kommentiert an Schildkrötes Blume: „Ich habe ein ungutes Gefühl, ehrlich gesagt.“

Und zwar zurecht. Denn der aufmerksame Leser ist schlauer, als die HandlungsteilnehmerInnen.

So stellt der Autor direkt zu Beginn der Geschichte den vom Himmel herabstürzenden Felsen dar.....

Eine Schlange mit Käppi ergänzt die Gruppe, und alle drei beginnen über die Zukunft zu philosophieren.

Klassen gelingt – wie immer – eine wunderbar, entspannte Darstellung der Szenerie mit jeder Menge Humor und einer unerwarteten Wendung.

In den fünf Kapiteln des kurzweiligen Bilderbuches sind die Redebeiträge der Handlungsteilnehmer in unterschiedlichen Farben dargestellt – dialogisches Lesen bietet sich an.

Zudem spielt der Autor mit Schriftgrößen und -arten, sodass der jeweilige Erzählton bestens abzulesen ist.

Hier ist der Himmel wirklich heiter!

 

Anja Kuypers

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Aus heiterem Himmel

Jon Klassen

NordSüd Verlag (2021)

gebunden, 96 Seiten

ISBN  978-3314105739

18 €

Der Nächste, bitte!“ von Michael Escoffier, Moritz Verlag (2021)

 

Die Geschichte spielt in einer Tierarztpraxis. Im Wartebereich sitzen Elefant Krokodil, Hase & Co und warten auf ihre Behandlung.

„Der Nächste, bitte!“, ist zu lesen, wenn der Arzt den Kopf durch die Tür steckt und die Patienten nacheinander, zu sich in das Sprechzimmer bittet.

Das Krokodil darf als erstes eintreten. Es klagt über Zahnweh, und prompt entdeckt der Arzt den Stängel eines Lutschers, der sich zwischen den mächtigen Zähnen verankert hat.

Beim Elefanten entfernt er professionell einen Kaugummi, der im Rüssel feststeckt.

Wer genau aufpasst und richtig durchzählt, wird schnell feststellen, dass die Patienten im Wartezimmer immer weniger werden. Obwohl sie noch nicht vom Arzt hereingebeten und untersucht wurden. Warum ist das so?

Als nächstes ist der Wolf dran. Er leidet angeblich unter Halsweh und lässt sich vom Arzt tief in den Mund und Rachen schauen. Viel zu tief......

Bis dahin ist die Geschichte für die Allerkleinsten, in Form eines Dicke-Pappe-Buches, wunderbar kindgerecht und kreativ gestaltet.

Jedem, zu behandelnden Tier, wird eine andere Hintergrundfarbe auf den Seiten gewidmet, und die comicartige Aufmachung des Textes, in Form von Sprechblasen, passt sich den überaus gelungenen Illustrationen bestens an.

Manche abgebildeten Geräuschwörter sowie die kurzen Dialogszenen regen zum Mitmachen, zum Nachahmen an.

Das offene Ende der Geschichte sollte in elterlicher Begleitung aufgefangen und final fortgeführt werden. Vielleicht bieten sich die Ideen weiterer, tierischer Patienten an, die das eigentlich vorhersehbare Ende der Geschichte ein wenig verharmlosen und weniger dramatisch erscheinen lassen. Ein Buch mit Potential.

 

Anja Kuypers

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Der Nächste, bitte!

Michael Escoffier

Illustrationen von Matthieu Maudet

Moritz Verlag (2021)

Dickpappe, 30 Seiten

ISBN 978-3895654039

9,95 €

Auf zum Markt – Eine Wimmelbilder-Geschichten“ von Doro Göbel und Peter Knorr, Beltz und Gelberg Verlag (2021)

 

Das textlose, großformatige Bilderbuch ist mehr als ein klassisches Wimmelbuch.

Es illustriert die Antworten auf Fragen, wie „Welche Stände gibt es auf einem Markt und woher kommen die Waren eigentlich?“

Der Verlauf der Nahrungskette wird am Beispiel der Hofgemeinschaft Wiesengrund dargestellt.

Dort wird so einiges produziert, abgefüllt oder angebaut. Vom Honig bis zum Käse, über die Obst-, Gemüse- und Heuernte sowie dem Einsammeln der Eier der hofeigenen Hühnerschar und die Woll-Manufaktur.

Auf dem Hof herrscht ein buntes Treiben. Da büxt auch schon mal ein Schaf aus, und Hunde laufen zwischen den spielenden Kindern umher, die sich auch mal ein Bad im hofeigenen Teich gönnen. Da möchte man auch Kind sein...

Zwischen den abgebildeten Werkstätten, Gewächshäusern und Feldern gibt es Vieles zum Entdecken.

Gut gelaunte Menschen bestücken die Lastwagen, um sich dann in einer Kolonne auf den Weg zum Markt zu machen. Von Seite zu Seite wächst die Anzahl der Transportmittel und Konsumgüter.

Auf dem Markt wartet bereits die hungrige und neugierige Kundschaft auf die neuen Waren.

Das Buch zeigt einmal mehr auf, wie wichtig gesunde, regionale Kost ist. Essen kann eben doch Spaß machen!

Die sehr ansprechenden Zeichnungen machen Lust auf mehr und bieten eine perfekte Bühne zur spielerischen Sprachförderung mit Kindern.

 

Anja Kuypers

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Auf zum Markt

Doro Göbel und Peter Knorr

Beltz und Gelberg Verlag (2021)

gebunden, 16 Seiten

ISBN 978-3-407-75494-3

14 €

Herr Grau und Frieda Fröhlich“ von Binette Schroeder, NordSüd Verlag (2021)

 

Professor Ernst Grau: stets adrett gekleidet, in feinem Zwirn mit Regenschirm und Ausgehhut.

Der innen und außen sehr aufgeräumt wirkende Mann mit hängendem Schnurrbart macht seinem Namen alle Ehre: er und seine Umgebung sind immer grau dargestellt. Jeder noch so kleine Farbtupfer fehlt. Selbst sein schwarzer Hund Tuffa wedelt nicht mehr mit dem Schwanz. Und der graue Kanarienvogel Pong hat das Singen eingestellt. Herr Grau fällt in seiner eigens geschaffenen Tristesse kaum mehr auf.

Ganz im Gegensatz zu seiner Nachbarin Frieda Fröhlich. Je bunter, desto besser! lautet ihr Motto. Sie liebt das Werkeln im farbenprächtigen Garten, gemeinsam mit ihrem Zwergschwein Rosa. Frieda malt gerne, und sie schafft es, dass ihre farbenfrohen Bilder auf magische Weise lebendig werden.

Bereits auf der zweiten Doppelseite teilt Schroeder den optischen Vergleich mit ihren LeserInnen und skizziert die beiden Häuser und Gärten im direkten Vergleich: deprimierende Grau-Schattierungen neben fröhlicher Farbenpracht.

Als sich eines Tages der von Frieda gemalte kleine, gelbe Vogel von der Leinwand auf den Weg zu Herrn Grau, in den benachbarten Betonbau macht, ändert sich plötzlich alles....

Und als der Professor auch noch in Friedas wunderschöne graublauen Augen blickt, ist es gänzlich um ihn geschehen. Eine innige Freundschaft entsteht, und Farbe hält Einzug in seinem tristen Leben.

Im Text spricht Binette Schroeder die kleinen LeserInnen direkt an und fordert durch geschicktes Fragen stellen zur Ausgestaltung der Geschichte auf.

Gib dem Leben mehr Farbe! So die Botschaft des Buches, dass eine simple Geschichte gut umsetzt und anschaulich gestaltet.

 

Anja Kuypers

 

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Herr Grau und Frieda Fröhlich

Binette Schroeder

NordSüd Verlag (2021)

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3314105715

15 €

Entenblau“ von Lilia, Mixtvision Verlag (2021)

 

Das Buch ist eine wahre Farbverschmelzung von Blau und Weiß.

Es beginnt mit der Darstellung einer Szene, in der ein großes Krokodil eine kleine Ente behutsam im Arm hält, und gemeinsam schauen sie in die Ferne.

„Vor vielen Jahren sind sich die Ente und das Krokodil hier zum ersten Mal begegnet. Der blaue Teich ist ein Ort der Erinnerung.“

In der nun folgenden Rückblende wird die Geschichte vom gemeinsamen Lebensweg der beiden erzählt. Es beginnt vor Jahren, als die Ente das kleine, allein gelassene Krokodil von einem Felsen im blauen Teich rettet. Sie kümmert sich fortan um das Tierbaby und bringt ihm alles bei, was es wissen muss.

Die Zeit vergeht, und beide werden älter. Das Krokodil wächst schnell herein, und die „Erinnerungen der blauen Ente verblassen.“ nach und nach.

Liebevoll kümmert sich nun das Krokodil um sie. Mit einer Selbstverständlichkeit übernimmt nun das Reptil die Pflege des Vogels.

So wie einst die Ente im blauen Teich auf dem Rücken schwimmend das Krokodil auf dem Bauch an das Wasser gewöhnte, trägt nun das Krokodil die Ente sanft durch den Teich und erinnert an vergangene Zeiten.

Ein schönes Bild, dass sich in anderem Kontext wiederholt.

Ein Sinnbild für bedingungslose Liebe und grenzenloses Vertrauen in einer Welt des Vergessens.

Mit ausdrucksstarken Zeichnungen in dieser Zwei-Farben-Welt gelingt der koreanischen Autorin und Illustratorin eine pointierte, liebevolle Hommage an den Verlauf des Lebens.

Sie spielt mit Gegensätzen und schreibt dem blauen Teich eine Verbinder-Rolle zu. Sehr gelungen.

 

 

Anja Kuypers

 

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Entenblau

Lilia

Mixtvision Verlag (2021)

gebunden, 46 Seiten

ISBN  978-3958541788

15 €

Ich bin wie der Fluss“ von Jordan Scott, Aladin Verlag (2021)

 

Flüsse fließen nicht immer ruhig oder gerade daher. Steine im Flussbett, umgeknickte Baumstämme vom Wegesrand oder kleinere Untiefen können die Laufgeschwindigkeit sowie die Fließrichtung beeinflussen.

Dieses wunderbaren Bildes bedient sich der Autor in diesem künstlerisch illustrierten Bilderbuch und thematisiert das Stottern.

Er war und ist selber von der Sprachbeeinträchtigung betroffen, worüber er in in einem persönlichen Wort zum Ende des Buches berichtet.

Die Kreation dieser Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.

In diesem Buch skizziert er einen kleinen Jungen und erzählt in der Ich-Perspektive desselben von den Erlebnissen eines einzigen Tages.

„Wenn ich aufwache, dann höre ich den Klang von Wörtern. Aber ich kann sie nicht sagen.“, Deshalb bleibt er lieber „stumm wie ein Stein“ und verkriecht sich in der Schule aus Angst, er müsse etwas sagen.

Teils poetische Texte begleiten die beeindruckenden Illustrationen und geben ihnen noch mehr Ausdruck. Der Text lebt von Vergleichen und Metaphern sowie Personalisierungen.

Die Sprache steckt in dem Jungen fest. Dabei würde er sie so gerne frei lassen und den Klang der Wörter nicht nur in sich spüren, sondern tatsächlich hören können.

Der einfühlsame Vater des Jungen kennt seinen Sohn ganz genau. Er weiß, wann es wieder Zeit ist, an den Fluss zu fahren. Mit Bedacht und Vorsicht nimmt er seinen Sohn in den Arm und beginnt zu erzählen....

Es ist nicht immer leicht, im Leben den passenden Ton und das richtige Wort zu finden.

Dem Autor gelingt eine äußerst sensible Auseinandersetzung rund um das Stottern und seinen Begleitsymptomen.

Ein Gesamtkunstwerk über Vertrauen und Mut und eine wunderbare Vater-Sohn-Beziehung.

 

Anja Kuypers

 

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Ich bin wie der Fluss

Jordan Scott

Illustrationen von Sydney Smith

Aladin Verlag (2021)

gebunden, 44 Seiten

ISBN 978-3-8489-0197-5

18 €

Balto und Togo – Dramatische Rettung in Eis und Schnee“ von Lena Zeise, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Die Geschichte ist wahr und handelt von einem außergewöhnlichen Hundeschlitten-Rennen, in dem jede Minute zählt.

Die im äußersten Westen Alaskas gelegene Kleinstadt Nome wurde eigens wegen der damaligen Goldgräberflut 1901 gegründet.

„Kaum einer wusste um die harten Bedingungen, die hier im Winter herrschten. Ohne den Goldrausch wäre wohl kein Mensch auf die Idee gekommen, eine Stadt an dieser entlegenen Küstenregion zu bauen. Ein Ort, der mehr als sieben Monate im Jahr vom Eis eingeschlossen war, mit tagelangen Schneestürmen und berechenbaren Gezeiten.“

Jedes Jahr, kurz vor dem Wintereinbruch gibt es „ein letztes Schiff“, das Nome mit wichtigen Waren für die kalte Jahreszeit versorgt. Danach sind die Einwohner bis zum darauffolgenden Frühjahr auf sich alleine gestellt.

Ohne die Schlittenhunde-Gespanne wäre damals ein Überleben vor Ort schier unmöglich gewesen.

„Fast jeder Einwohner der Stadt besaß ein eigenes Hundegespann.“

Anfang des Jahres 1925 bricht in Nome Diphterie aus. Um die Krankheit, die sich pandemieartig ausbreiten kann, in den Griff zu bekommen, braucht es ein Gegengift aus der Großstadt.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, und dort, wo die Technik an ihre Grenzen kommt, setzt man auf die Muskelkraft der Schlittenhunde. Sie vollbringen enorme Leistungen, wenn sie trotz unendlicher Eiswüsten und nicht enden wollender Schneestürme die zugewehte Wegstrecke erschnüffeln.

Dank der legendären Gespanne kann das nötige Gegengift in die entlegene Gegend Alaskas gebracht und somit hunderte Menschenleben gerettet werden.

Besonders eines der Gespanne für die letzte Etappe mit ihrem Leithund Balto machte Furore.

Ein überaus gelungener Ausflug in längst vergangene Zeiten in Form eines Sachbuches mit Romancharakter.

Die LeserInnen erhalten einen sehr guten Eindruck der damaligen Lebensumstände.

Auf den Umschlagseiten wird die zurückgelegte Strecke bis Nome abgebildet, und man gewinnt einen Eindruck von dem enormen Aufwand für Mensch und Tier.

Jede Illustration, sei es farbig oder schwarz/weiß, gleicht einem Kunstwerk und gibt dem Buch noch einmal mehr Wert auf dem Weg zum echten Schatz.

 

Anja Kuypers

 

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Balto und Togo

Lena Zeise

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN  978-3836960700

22 €

 

Drei Herren“ von Helga Bansch, Tyrolia Verlag (2021)

 

Drei Herren in Anzug und Krawatte sowie einem Regenschirm als Spazierstock, flanieren durch einen Park. Die scheinbar gut situierten Männer berichten einander von der letzten Ballonfahrt in Afrika, von der Arbeit des Gärtners im hauseigenen Grün sowie von der Installation einer neuen Alarmanlage in der eigenen Villa.

„Wer rastet, der rostet!“, stellen sie fest, als sie sich zu tieferen Gesprächen auf einer Bank niederlassen.

Durch denselben Park laufen zeitgleich drei weitere Männer. In einfacher Bekleidung und mit Basecaps, tief ins Gesicht gezogen. Auch sie unterhalten sich. Der eine berichtet von den kärglichen Einnahmen seines Jobs als Zeitungsverkäufer, der nächste vom Schlafen im Park und der Dritte von einem Luftballon als Highlight aller Geschenke zum Geburtstag seiner kleinen Tochter.

„Ja, so ist das!“, stellen die drei unisono fest, und es scheint, als ergeben sie sich ihren ärmlichen Umständen.

Die Leben aller Männer könnten nicht unterschiedlicher sein.

Auf einmal beginnt es zu regnen. Zunächst sind die Herren unter ihren Regenschirmen gut geschützt. Doch dann kommt ein Sturm auf, und der Wind weht alle wichtigen Accessoires fort.

Welch eine gelungene Szenerie in diesem Buch, um deutlich zu machen, dass am Ende alle Menschen gleich sind. Unabhängig von der sozialen, religiösen oder kulturellen Herkunft.

Der Autorin gelingt eine gute Gegenüberstellung von Gegensätzen und löst die Situation im Park, als einzigem Handlungsort, geschickt und kritikfrei auf.

Unaufgeregt und pointiert bringt sie die Wahrheit auf den Punkt.

Helga Bansch illustriert selber, und sie findet den passenden Strich zum Text. Sehr gelungen!

 

Anja Kuypers

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Drei Herren

Helga Bansch

Tyrolia Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3702238629

16,95 €

Kein Bett in der Nacht“ von Maria Inés Almeida, Knesebeck Verlag (2021)

 

Der Originaltitel des bereits 2019 erschienenen, portugiesischen Buches „Sem Abrigo“ bedeutet Obdachlose.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Erläuterung, was Obdachlose eigentlich sind:

„Obdachlose sind Menschen, die aus finanziellen und/oder sozialen Gründen keinen festen Wohnsitz haben und deshalb auf der Straße oder in einem improvisierten Unterschlupf leben.“

Gemeinsam mit ihrem Sohn verfasst die Autorin den Text in der Ich-Perspektive eines kleinen Jungen, der erstmalig Menschen ohne ein Zuhause wahrnimmt.

Die Obdachlosen tragen ihr Haus immer mit sich, immer in ihren Herzen.

Die Illustrationen greifen die Gegensätze der Lebensumstände unterschiedlicher Menschen wunderbar auf. Wenn es regnet, ist manch einer geschützt, andere nicht....

Über die Jahre erwächst aus der kindlichen Naivität des Jungen der Drang nach Wissen.

Warum leben die Menschen eigentlich auf der Straße? Nach und nach erfährt er die Gründe manch Betroffener, und es entstehen Beziehungen zu Obdachlosen in seiner Stadt.

Der Junge beginnt sich für die Menschen einzusetzen, spendet Kleidung und ist bemüht, deren Wünsche zu erfüllen. Jeder Mensch sollte ein Zuhause haben.

Die Umschlagseiten des Buches, das fast gänzlich ohne wörtliche Rede auskommt, zieren zahlreiche Abbildungen von Häusern.

Wie kann es sein, dass manche Menschen traurig sind, obwohl sie ein Haus haben?

Sein Unverständnis erdet die LeserInnen und regt zum Nachdenken an.

Ein Buch, das still aufzeigt, wie wertvoll eine Unterkunft sein kann.

ZUFRIEDENHEIT lautet eines der Motive, die das Bilderbuch wunderbar thematisiert.

 

Anja Kuypers

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Kein Bett in der Nacht

Maria Inés Almeida

Illustrationen von Cátia Vidinhas

Knesebeck Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3957284877

14 €

Interview mit einem Tiger und anderen wilden Tieren“ von Andy Seed, Knesebeck Verlag (2021)

 

In der Einleitung erklärt der Autor zunächst, wieso er überhaupt mit Tieren sprechen kann.

Aus diversen Haushaltsgegenständen hat er sich einen Übersetzer gebastelt und interviewt nun Tiere zu deren Lebensgewohnheiten und Wohnräumen.

Er trifft zehn, vornehmlich wilde Tiere. Darunter zum Beispiel ein Wolf, ein Ameisenbär, ein Honigdachs und natürlich ein Tiger.

Jedem Wildtier lässt der Autor in seinen Interviews gewisse Charaktereigenschaften zukommen.

So ist der Wolf sehr überheblich als er dem Reporter unmissverständlich zu verstehen gibt, dass dieser „keine Ahnung“ habe.

Der gechillte Ameisenbär hingegen antwortet auf die Frage, ob er Kinder habe, nur beiläufig und abwinkend: „Vielleicht, wahrscheinlich. Naja, wir Typen sind ziemliche Einzelgänger (…).“

Während dem Faultier bei der Befragung eher nach Scherzen zumute ist, gähnt der Eisbär beim Antworten mehrfach herzhaft, und die LeserInnen erfahren, was sich hinter dem „Fast Food“ eines Gürteltiers verbirgt.

Kein Wunder, dass das Lieblingslied des Tigers „Eye of the tiger“ ist. Außerdem verrät dieser ein paar Tricks zum erfolgreichen Anpirschen auf der Jagd.

Ein Sachbuch mit Erzählcharakter. Spielerisch und kindgerecht widmet der Autor jedem Tier vier Seiten und stellt sie dort auf unnachahmliche Weise vor.

Eine bunte Mischung von interessant bis witzig. Für jeden etwas dabei.

Wunderbar dargestellt und dringend zur Ergänzung eigener Interviews mit weiteren Tieren empfohlen. Die Phantasie kennt hier keine Grenzen...

Zum Ende des Buches werden manche, vom Aussterben bedrohte Tierarten vorgestellt.

Ein Quiz zu den Tieren aus dem Buch rundet das Ganze ab und verspricht in Summe ein abwechslungsreiches Buch.

 

Anja Kuypers

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Interview mit einem Tiger und anderen wilden Tieren

Andy Seed

Illustrationen von Nick East

Knesebeck Verlag (2021)

Kinderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN  978-3957284853

14 €

Armin, der Buchhändler“ von Rotraut Susanne Berner, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Die Kreateurin der Ortschaft Wimmlingen – Autorin und Illustratorin Rotraut Susanne Berner – nimmt die LeserInnen mit in den Buchladen des bekannten Dorfes, in dem es immer etwas zum Entdecken gibt.

Der Buchhändler Armin und kümmert sich mit Leib und Seele um die Kunden und seine Bücher.

„Für alle, die gern Bücher lesen, steht Armin hinter seinem Tresen.“

Groß und Klein erfahren etwas über Armins Arbeit, der gerne Bücher stapelt und sortiert, die Kundschaft berät, Belege kontrolliert und allabendlich das Geschäft aufgeräumt verlässt.

Aber wenn er morgens in seinen Laden zurückkehrt, fragt er sich: „Warum bleibt es nicht ordentlich?“ Die Bücher liegen verstreut am Boden und Regale wurden verrückt.

Nur ein Kind kennt die Antwort: „Nachts werden doch die Bücher wach!“

Dieses Buch ist kein klassisches Wimmelbuch. Es erzählt vielmehr die Geschichte von Armin und seinem Buchladen in Wimmlingen. Mit simplen, in Großbuchstaben abgebildeten Paarreimen erfahren die LeserInnen etwas aus dem beruflichen Alltag eines Buchhändlers.

Auffällig ist die Bandbreite der bekannten Kinderbücher, die in seinem Geschäft zu finden sind.

Die Buchrücken zeitloser Klassiker, wie Peterchens Mondfahrt, Das kleine Gespenst, Der Räuber Hotzenplotz oder Die kleine Raupe Nimmersatt sind auf den ersten Blick erkennbar.

Das sehr nett und liebevoll gemachte Dickpappe-Bilderbuch spricht vor allem jüngere Kinder an. Eine weitere Möglichkeit, sie frühestmöglich mit Büchern und deren HeldInnen vertraut zu machen.

Denn eins haben alle Bücher, gleich welchen Inhalts oder Herkunft, gemeinsam: sie wollen gelesen werden!

 

Anja Kuypers

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Armin der Buchhändler

Rotraut Susanne Berner

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch - Dickpappe

gebunden, 16 Seiten

ISBN 978-3836961455

12 €

Nur ein kleines bisschen“ von Olivier Tallec, Gerstenberg Verlag (2021)

 

„Ein Baum ist superempfindlich, man muss gut auf ihn aufpassen“, erkennt das Eichhörnchen, während es schlafend auf einem Ast liegt und diesen herzlichst umarmt. „Und man muss sich um ihn kümmern, wie um einen Freund.“

Kaum ist das hektische Hörnchen wach, wird es sich selber und seinen Vorsätzen untreu. Zunächst bedient es sich der Zapfen des Baumes, bevor es in Folge die Nadeln verwendet. „... er hat so viele davon....(...). Einen darf ich mir noch nehmen.“

Als nächstes nutzt es die Zweige, die Äste, am Ende sogar den Stamm.

Was sich erst wie eine Anleitung zur optimalen Pflege eines Baumes anliest, entpuppt sich als räuberische Meisterleistung eines Eichhörnchens. Vom Baumretter zum Selbstversorger.

In der Ich-Perspektive des Hörnchens und in direkter Ansprache der LeserInnen, entschuldigt es sich mit Ausreden für sein Tun und beruhigt sich selber, dass alles in Ordnung sei. „... gar kein Problem.“

Mit viel Ironie und einigen Doppeldeutungen im Gepäck, wird hier die Geschichte eines Tieres witzig erzählt, dass zwischen Gut und Böse pendelt.

Das Buch sollte mit den Kindern gemeinsam angesehen und besprochen werden, sodass das Leseverständnis garantiert ist.

Zum Ende der Geschichte findet der tierische Protagonist eine gute Lösung für sich und den Baum. Wären da nur nicht die neugierigen Menschen....

Aber: „Eichhörnchen sind ebenfalls sehr empfindlich, und man muss gut darauf aufpassen!“

 

Anja Kuypers

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Nur ein kleines bisschen

Olivier Tallec

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 36 Seiten

ISBN  978-3836961219

13 €

Die Mondblume“ von Einar Turkowski, Gerstenberg Verlag (2021)

 

„Die Mondblume“ erschien erstmalig bereits im Jahr 2009. Einar Turkowski gewann mit dem Titel bereits den Grand Prix des 45. Golden Pen of Belgrade, erhielt eine Auszeichnung in der Sparte Bilderbuch der Dt. Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. und wurde in die Auswahlliste des Rattenfänger-Literaturpreises aufgenommen.

Der vielfach prämierte Autor und Illustrator brilliert mit seinen schwarz/weiß Bleistiftzeichnungen und seinem besonderen Erzählton.

In diesem Buch schreibt er über Herrn Ribblestone, der auf einer kleinen Insel lebt und seinen Garten mit all seinen Facetten liebt.

„Jede Ecke roch anders. Wurde man im oberen Bereich des Gartens von leicht süßlichem Duft empfangen, empfand man in schattigeren Lagen eher eine herbe Frische.“

Jeder Winkel des Gartens hält etwas Besonderes vor und beherbergt zahlreiche Tiere sowie außergewöhnliche Pflanzen.

„Der Mann war also nie allein.“ Gäste hingegen kommen eher selten, was ihn nicht stört.

Während der täglichen Gartenarbeit entdeckt Ribbelstone einen neuen Sprössling. Der versierte Gärtner kann die Pflanze einfach keiner, ihm bekannten Gattung zuordnen. Aber sie verlangt seine ganze Aufmerksamkeit. Er spricht mit ihr, pflegt sie mühevoll und trinkt seine letzte Tasse Kräutertee vor dem Zubettgehen in ihrem Beisein. Es scheint eine besondere, seltene Pflanze zu sein, deren Blüte sich partout nicht öffnen will.

Bis eines Nachts der Vollmond in all seiner Pracht und Kraft am Himmel erscheint....

Ein Buch für die Sinne. Turkowski schafft es, dass man beim Lesen entspannt.

Die Geschichte strahlt eine außerordentliche Ruhe aus.

„Skizze zur Reinzeichnung“ - im Anhang sind drei Entwürfe abgebildet, aus denen im Laufe des Entstehungsprozesses der Geschichte die finalen Illustrationen wurden.

Das Buch enthält viele Ein- und Ausdrücke, die nicht nur GartenliebhaberInnen gefallen werden.

 

Anja Kuypers

 

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Die Mondblume

Einar Turkowski

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3836960724

15 €

Chick“ von Sebastian Meschenmoser, Thienemann Verlag (2021)

 

In Meschenmosers „beinahe wahrer“ Geschichte erzählt er von sechs Küken, die in einen Stadtgarten einziehen. Allen voran der kleine Chick, der davon träumt in der Schar einmal Bosshahn zu werden.

Gäb es da nicht Henriette, die ständig das Sagen hat und weiß, sich durchzusetzen...

Chick möchte DER Retter, DER Anführer und DER starke, mutige Held unter allen sein.

Tatsächlich ist er aber das kleinste aller Küken, dem viel zu häufig aus Versehen auf dem Kopf herumgetrampelt wird und das essen muss, was übrig bleibt.

Aber Chick lässt sich nicht entmutigen und träumt seine persönliche Helden-Karriere, die Meschenmoser im Buch als kurze Comic-Strips darstellt.

Zum Ende der Geschichte kommt es anders, als vermutet....

Es gilt nicht immer das Offensichtliche, sondern es sind die überraschenden Momente, die das Leben ausmachen. Und irgendwann erhält man doch noch seine große Chance.

Das Buch punktet mit seinen wunderbaren Bleistiftzeichnungen, die den Text über Diversität harmonisch begleiten. Hier werden keine Rollenklischees bedient. Und das ist auch gut so!

Chick - ein flauschiges Küken, das man einfach liebhaben muss.

 

Anja Kuypers

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Chick

Sebastian Meschenmoser

Thienemann Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 64 Seiten

ISBN 978-3522459693

16 €

Es tanzt ein MiMaMonsterchen“ von H. C. Artmann, Tyrolia Verlag (2021)

 

Dieses Pappbilderbuch für Kleinkinder erscheint im Rahmen der Reihe buchstart.at in Österreich und bildet eine Adaption des bekannten Kinderliedes „Es tanzt ein BiBaButzemann“ ab. Das Original stammt vermutlich in seiner Erstfassung von Jacob Grimm, der es Anfang des 19. Jahrhunderts aus seinen Erinnerungen niederschrieb.

H.C. Artmann verpasst diesem eingängigen Lied nun einen moderneren Schliff und lässt den Butzemann zum Monsterchen mutieren, der im Haus ein wenig Chaos veranstaltet.

Die bekannte Illustratorin Linda Wolfsgruber kreiert dazu passende, vorwiegend in blau und orange farbige Bilder.

Bis zum Ende der kurzen Lied-Geschichte ist das Monsterchen gar nicht zu sehen ist. Der Phantasie sind also keine Grenzen gesetzt, und so könnte sich nach dem gemeinsamen Ansehen, Lesen und Singen eine kleine Monster-Malwerkstatt anschließen.

Das Buch verbindet Sprache mit Musik und Bewegung. Fingerfertigkeit und Rhythmusgefühl sind gefragt und wollen spielerisch trainiert werden.

Denn ergänzend zum eigentlichen Liedtext sind im jeweils unteren Seitenbereich dezente Hinweise nachzulesen, wie „Tippe mit dem rechten Finger im Rhythmus auf die orangenen Punkte.“ oder „Fahre mit deinem Finger die Linie nach außen nach.“

Manche Figuren oder Begleithinweise setzen motorische Grundfertigkeiten voraus, so auch die Kenntnis der Farben.

Ein gutes, interaktives Buch, das sich vornehmlich für Kleinkinder ab drei Jahren eignet.

Eine schöne Idee zur Sprachförderung mittels musikalischen Stilmitteln.

 

Anja Kuypers

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Es tanzt ein MiMaMonsterchen

H.C. Artmann

Illustrationen von Linda Wolfsgruber

Tyrolia Verlag (2021)

Bilderbuch

broschiert, 26 Seiten

ISBN 978-3702239138

9,95 €

Der Wassermann hat Zeit“ von Leonie Schlager, Tyrolia Verlag (2021)

 

Der Wassermann hat wirklich viel zu tun. Mal muss er badende Kinder beschützen oder Tiere in den Schlaf singen. Fische ins Wasser weinen oder einen Streit zwischen den Unken schlichten.

Und manchmal „... lässt er sich Bäume auf den Kopf wachsen. Das kann oft Jahre dauern.“.

Nur gut, dass der Wassermann immer am rechten Ort ist und über genügend Zeit verfügt.

Er ist reicht an Zeit.

Welch schöner poetischer Ansatz in einer Welt voller Hektik und Schnelllebigkeit

Im Rahmen eines wundervollen, besonderen Mix` aus schwarz-weiß Zeichnungen, in dem mit bunten Items gespielt wird, lernen die LeserInnen den Wassermann in seinem Element kennen und lieben.

Er sieht genau hin und kann seine Zeit sinnvoll und vor allem priorisiert einsetzen.

Alles könnte so einfach sein. Der Wassermann macht es vor.

Ein kurzes Bilderbuch, das einen zweiten Blick einfordert und viel zu erzählen hat.

 

Anja Kuypers

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Der Wassermann hat Zeit

Text und Illustrationen von Leonie Schlager

Tyrolia Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3702239152

14,95 €

Als die Schweine ins Weltall flogen“ von Susanne Straßer, Mixtvision Verlag (2021)

 

Susanne Straßer ist eine international gefeierte Künstlerin, die mit diesem ungewöhnlichen Buch erneut einen Meilenstein setzt. Ungewöhnlich für ein Bilderbuch teilt sie es in Kapitel ein und lässt die anregend bunten Illustrationen ohne Begleittext für sich wirken.

Die Bedeutsamkeit textlosen Lesens wird im Nachwort durch eine Kinderphilosophin fachmännisch erläutert.

„Welche Geschichten verbergen sich darin?“ Bei Erzählbildern gibt es kein Richtig oder Falsch. Es gibt lediglich die eigene Phantasie und Kreativität, welche die Illustrationen mit Leben füllen sollen.

Straßer nutzt klassische Kapitelbezeichnungen, wie „Auto“ oder „Haus“, aber auch außergewöhnliche wie „Quatsch“ oder „Gänsehaut“.

In „Auto“ kann das Hotdog plötzlich fahren, oder sechs Eier mit Sonnenbrille rollen mit offenem Verdeck im passenden Eierkarton über die Straße.

Und wer hinter dem Kapitel „Baum“ einen simplen Waldausflug vermutet, liegt garantiert verkehrt.

Das Unmögliche wird hier stets mit einer Prise Humor serviert.

Da mäht die Hexe den Rasen im Vorgarten des Lebkuchenhauses noch selber.

Und eine einzelne Nase trägt Badekappe und springt vom 10-Meter-Brett ins tiefe Nass.

Susanne Straßer liebt das Abstruse: Perspektiven werden vermischt, Skurriles wird lebendig.

In jedem Kapitel spielt sie mit einem anderen Farbschwerpunkt und setzt nicht nur Sprichwörter gekonnt in Szene.

Es ist kein klassisches Wimmelbuch, obwohl es jede Menge zu entdecken gibt.

Es ist anders, anders gut.

 

Anja Kuypers

 

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Als die Schweine ins Weltall flogen

Susanne Straßer

Mixtvision Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3958541481

15 €

Die Tode meiner Mutter“ von Carla Haslbauer, NordSüd Verlag (2021)

 

Mit Blick auf den Titel des Buches, verheißt der Inhalt pure Dramatik. Tatsächlich entpuppt sich die Geschichte als harmloser, künstlerischer Spaß. Denn die Mutter der jungen, namenlosen Ich-Erzählerin ist Schauspielerin und Opernsängerin, die auf der Bühne des Öfteren die Sterbende mimen muss.

Auch zu Hause schlüpft die imposante, große Dame zuweilen in Rollen. Mal ist sie die liebe Mutter, die ihren Kindern das Verkleiden im elterlichen Schlafzimmer erlaubt, mal ist die böse Mutter, die auch Verbote ausspricht.

Eine Geschichte aus dem Leben einer Theaterfamilie. Aber wie in jedem anderen Beruf sind auch hier die Grenzen zwischen Beruf und Familie nicht immer klar trennbar, und es bleibt schwierig, beides miteinander zu kombinieren.

Es gibt Tage, an denen der besorgte Nachbar klingelt und wissen will, woher die kreischenden Töne stammen. „Geht es Ihnen gut? Sie haben so geschrien.“ Dabei war es nur die Mutter, die bei einem entspannten Bad die Tonleitern geübt hat.

Das Buch punktet mit einigen Schmunzel-Momenten. Diese hält die Tochter gerne malerisch fest.

Die Kinder dürfen ihren Vater ins Theater begleiten, und die Mutter überzeugt stets in ihren Rollen. “Es sieht auch immer sehr echt aus.“,

In Summe hat die Geschichte mehr zu bieten, als nur die Erzählung über eine Mutter als Opernsängerin aus Sicht ihrer kleinen Tochter. Es ist der Drahtseilakt in der Vereinbarung von Job und Familie. Der aufgeklappte Einband des Buches gibt es illustratorisch sehr gut wieder.

Eine wunderbar bebildertes Buch mit eingearbeiteten Ausflügen in die Comicwelt.

Dramatisch inszenierte Illustrationen, die auf der Folgeseite wieder herrlich normal aussehen können.

Die Tode meiner Mutter, die glücklicherweise gar keine sind, sondern nur gespielt werden.

 

Anja Kuypers

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Die Tode meiner Mutter

Carla Haslbauer

Illustrationen von Carla Haslbauer

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3314105616

15 €

Was wir bauen“ von Oliver Jeffers, NordSüd Verlag (2021)

 

Als eine Art Fortsetzung von „Hier sind wir“ widmet Jeffers dieses Buch nun seiner älteren Tochter und gestaltet mit ihr gemeinsam die Zukunft.

„Was wollen wir bauen, du und ich?“, fragt er sie und bietet seine Hilfe an. Zu sehen sind zwei Paar Hände, die nebeneinander liegen. Die Hand eines Erwachsenen und die eines Kindes.

Der Akt des Bauens ist vielmehr metaphorisch zu sehen: der Vater unterstützt sein Kind dabei, sich seinen Platz im Leben zu erschaffen. Und dabei braucht es mehr, als nur Werkzeug.

Ganz nach Jefferson Art darf man wieder auf wunderbare, großformatige Illustrationen gespannt sein, die untereinander einen Bezug aufbauen. Der rote Faden ist schnell erkennbar: was braucht es eigentlich für ein sorgenfreies Leben?

Nachdem der erste Hausbau abgeschlossen ist, folgt eine Mauer um das Haus. Sie soll vor dem Bösen schützen. Aber braucht es wirklich eine Mauer? Wenn man genau hinschaut, ist das Böse meist gar nicht so schlimm, und es braucht nur ein wenig Mut. Auch diese Botschaften gibt der Autor und Illustrator seinen Leser*innen mit auf den Weg.

Das Buch macht stark und bereitet auf das Leben zu Lande, zu Wasser und in der Luft vor. Sogar bis zum Mond: „Hier ruhen wir uns aus, mein Kind, wenn wir vom Bauen müde sind.“,

Ein schönes Sinnbild vom Bau eines Hauses, das im Laufe des Lebens immer größer wird, bevor es am Ende wieder kleiner endet. Dafür aber mit vielen Schätzen und Bauanleitungen für den Weg durch das Leben.

Das Buch unterliegt einer schönen Struktur. So greifen die Hände, die anfänglich noch brav nebeneinander lagen am Ende ineinander.

Gemeinsam können wir so einiges schaffen und bauen.

Wunderbar, wie Jeffers seine eigenen Kinder in die berufliche Kreativität miteinbezieht.

Das Bauen als Synonym für die Ausgestaltung des eigenen Lebens.

 

Anja Kuypers

 

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Was wir bauen

Oliver Jeffers

Illustrationen von Oliver Jeffers

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3314105630

16 €

Frieden“ von Baptiste und Miranda Paul, NordSüd Verlag (2021)

 

Die Leser*innen empfängt auf der vorderen Umschlagseite ein Baum mit vielen Blättern, und auf jedem einzelnen steht das Wort Frieden in einer anderen Sprache.

Der Wunsch nach Frieden schlummert in allen Menschen – weltweit.

Aber was ist Frieden überhaupt? Wie ist Frieden? Was kann ich tun, damit Frieden herrscht? Und kann ich Frieden anfassen?

Frieden ist mehr als das Ende eines Krieges. Frieden beginnt im Kleinen, im Umgang miteinander, im Einklang mit der Natur. Am Ende ist es zwar nur ein Wort..... Aber eines, das so viel bedeutet.

Diese Botschaft will das Autorenehepaar vermitteln und skizziert auf jeder Doppelseite fröhliche Kinder und Tiere. Das Friedenssymbol schlechthin, die Friedenstaube, findet man ebenfalls auf jeder Seite.

Das Buch überrascht mit zwei Seiten zum Ausklappen zu einem großen Ganzen am Ende der Geschichte, die eigentlich keine ist. Vielmehr eine Sammlung von Ideen zu dem, was Frieden bedeuten kann.

Die großflächigen Illustrationen kommen mit wenig Text aus. Die Paarreime reichen manchmal über zwei Doppelseiten.

Es wird ein großes Fest des Friedens gefeiert, das hin und wieder zu rund, zu plakativ, zu schön ist.

 

Anja Kuypers

 

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Frieden

Baptiste und Miranda Paul

Illustrationen von Carla HaslbauerEsteli Meza

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105654

15 €

Das Plapperküken“ von Janie Bynum, NordSüd Verlag (2021)

 

„Mach, das es aufhört!“, bittet die große Schwester die Eltern und lässt ihren Kopf erschöpft auf die Tischplatte sinken. Ihr Geschwisterchen, das kleine Plapperküken, gibt aber auch wirklich nie Ruhe. Es plappert und plappert und plappert.

In allen Lebenslagen und zu allen Zeiten ist das Küken sehr, sehr mitteilsam.

„Plapperküken hat eine Menge zu erzählen.“

Leider hat die gesamte Familie weder Zeit noch Lust permanent zuzuhören oder das Geplappere zu kommentiere.

Und was macht das gewitzte, kleine, runde, fluffig gelbe Küken dann?

Es spielt einfach mit sich selber und erzählt dabei munter weiter.

Beim Graben mit dem Spaten entdeckt es ein großes, rundes Ei. Da sich niemand anders in unmittelbarer Nähe befindet, nimmt sich das Plapperküken des Ei`s an und kümmert sich fortan liebevoll um das ungeborene Leben. Darüber hinaus erzählt es ihm alles, was es weiß.

Die Überraschung könnte nicht größer sein, als das Ei plötzlich aufbricht....

Alle Handlungsteilnehmer*innen sprechen unsere Sprache. Für das Plapperküken hingegen verwendet der Autor lediglich das Geräuschwort „piep“.

Während des gemeinsamen Lesens dieses Buches können die vielen „piep`s“ also phantasievoll, kreativ ersetzt werden. Was könnte das Plapperküken hier sagen?

In einer gelungenen Mischtechnik aus Wasserfarben und digitaler Bearbeitung, zeichnet die Autorin selbst und gibt ihren Protagonist*innen den passenden Strich.

Dieses Küken muss man einfach liebhaben. Ein witzig, liebevoll gestaltetes Buch.

 

Anja Kuypers

 

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Das Plapperküken

Text und Illustrationen von Janie Bynum

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105135

15 €

Die Fleckenfeder“ von Johanna Ries, NordSüd Verlag (2021)

 

Die Geschichte des Buches beginnt recht nüchtern und hat zu diesem Zeitpunkt eher Sachbuch-Charakter. „In der Savanne leben Elefanten. So groß und grau sind sie, dass man sie schon von Weitem sehen kann. ….“

Im weiteren Verlauf gleicht der kurze Text vielmehr einer Fabel.

So sitzen drei Vögel auf einem Elefanten. Sie heißen Ade, Emem und Nuru. Jeder verkörpert eine andere menschliche Stereotype.

„Ade ist der Schnellste der drei, Emem klettert gerne auf dem Rüssel herum und Nuru findet in den grauen Hautfalten die dicksten Insekten.“

Eigentlich könnte deren Leben perfekt sein. Bis die Fleckenfeder vom Wind herangetragen wird. Sie ist wunderschön und trägt rote sowie blaue Punkte. Jeder der Vögel möchte sie haben und meint sie stünde ihm zu oder er hätte sie verdient.

„Ich bin der schönste Vogel der ganzen Savanne.“

Ein Streit entsteht, Neid greift um sich, und Ruhe und Frieden drohen zu zerbrechen.

Nur gut, dass die Elefanten eine dickere Haut haben und wissen, wie man schlichtet.

Ein simple Geschichte mit einer offensichtlichen, belehrenden Moral am Ende.

Wunderbar gewählte Brauntöne geben die Schlichtheit der Savanne als erdenreiche Klimazone und Ort des Schauspiels bestens wieder.

Fabelgleich imposant erzählt.

 

Anja Kuypers

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Die Fleckenfeder

Text und Illustrationen von Johanna Ries

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105333

15 €

Licht an - losgefahren“ von Martina Leykamm, Esslinger Verlag (2021)

 

Welch kluge Idee: die kleinen Leser*innen pusten auf eine bestimmte Stelle im Buch, und prompt leuchtet eine kleine Lampe auf.

Verschiedene, tierische Protagonist*innen sind auf jeder Doppelseite mit einem anderen Gefährt unterwegs: Fahrrad, Trecker, Bus und Auto. Um im Straßenverkehr besser gesehen zu werden, muss immer das Licht angeschaltet werden. Also los pusten und es leuchtet!

Hübsche Paarreime begleiten die Illustrationen aus dem Alltag der Kinder, wie Zooausflug oder ein Fest und fordern zum Mitmachen auf: Puste und staune! Eine kleine Zauberei!

Kindgerecht lustig bieten die Kurzgeschichten Raum für weitere Erzählmomente.

Spielerisch wird hier die Mundmotorik trainiert, die für die Sprachförderung in dem Alter so ungemein wichtig ist.

Anja Kuypers

 

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Licht an - losgefahren

Martina Leykamm

Esslinger Verlag (2021)

Pappbilderbuch

broschiert, 10 Seiten

ISBN 978-3480236701

13 €

Flaschenpost für Ferdinand“ von Gus Gordon, Knesebeck Verlag (2021)

 

Das Buch beginnt mit einem wunderschönen Zitat von Tennessee Williams zum Thema Einsamkeit und Zweisamkeit.

Schweinchen Alice fühlt sich zuweilen einsam. Auch wenn sie mit ihrer Großmutter gemeinsam in einer Pariser Stadtwohnung lebt. Die alte Dame ist zwar stets um ihre Enkelin bemüht, kommt aber manchmal altersbedingt an ihre Grenzen. Alice liebt ihre Großmutter, ist dankbar und.... „Trotzdem wünschte sie sich manchmal jemanden in ihrer Größe zum Reden.“

Reich an kreativer Ideen schreibt Alice kurzerhand einen Brief, stopft diesen in eine Flasche mit Verschluss und bringt sie als Post auf dem Wasserweg zur Seine.

Tage versetzt und weit entfernt angelt Hund Ferdinand, der mit seinem Vater einen Leuchtturm bewohnt, die Flasche aus dem Meer.

Es beginnt ein reger Briefaustausch zwischen den beiden. „Wer braucht schon eine Schwester oder einen Bruder, wenn man einen Ferdinand hat?“ Sie erzählen sich gegenseitig aus ihrem Leben und lernen einander besser kennen. Die beiden entdecken Ähnlichkeiten und Gegensätzliches.

„So ging es hin und her, quer übers Meer.“

Ein Schicksalsschlag in Alice` Leben verändert alles. Und manchmal braucht es eine gewisse Zeit sowie tatkräftige Unterstützung, um den Weg zurück zu finden.

„Alice hatte ja keine Ahnung gehabt, wie gut Leuchtturmwärter Muffins backen können.“

Die Illustrationen, die sich teils collagenartig zusammensetzen sind detailreich, ohne überladen zu wirken.

In einfachen Sätzen wird eine einfache Geschichte wunderbar erzählt, und trotz aller Einfachheit überzeugt das Gesamtkonzept.

 

Anja Kuypers

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Flaschenpost für Ferdinand

Gus Gordon

Knesebeck Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3957284785

14 €

Julian feiert die Liebe“ von Jessica Love, Knesebeck Verlag (2021)

 

Im vergangenen Jahr feierte die Autorin mit „Julian ist eine Meerjungfrau“ Premiere. Dieses herzerwärmende Bilderbuch über bedingungslose Akzeptanz war ein großer Erfolg.

Mittlerweile ist Julian älter geworden, und wieder ist er mit seiner Großmutter unterwegs.

In diesem Anschlussband sind die beiden zu einer Hochzeit mit zwei Bräuten eingeladen und treffen vor Ort auf Omas Freundin mit ihrer Enkelin Marisol. Die beiden Kinder streuen Blumen auf dem Weg zum Altar und kreieren im Laufe des Tages ihr eigenes „Feenschloss“.

Denn: „Eine Hochzeit ist ein Fest für die Liebe.“

Wieder einmal werden sämtliche Stereotype verworfen. Es gibt keine klassische Rollenverteilung. So tobt Marisol mit Hund Gloria gerne im Matsch, während Julian kreativ ist und sich um die Kleidung für die nachgestellte Hochzeitsszenerie kümmert. Alles ist gut, so wie es ist.

Und wieder einmal sind es die Großmütter, die ihre Enkel so annehmen, wie sie sind. Sie tolerieren ihr Tun und unterstützen sie sogar dabei.

Die ausnahmslos dunkelhäutigen Handlungsteilnehmer*innen sind nur ein Indiz von vielen für die ausgeprägte Vielfalt in diesem Bilderbuch.

Die Umschlagseiten des Buches werden wunderbar in die Geschichte integriert, die sehr bunt und im besten karibischen Style illustriert ist.

Individualität as its best!

 

Anja Kuypers

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Julian feiert die Liebe

Jessica Love

Knesebeck Verlag (2021)

Bilderbuch

broschiert, 32 Seiten

ISBN 978-3957284716

13 €

Seifenblase, flieg!“ von Josef Guggenmos, Beltz und Gelberg Verlag (2021)

 

Der Autor - Josef Guggemos – starb bereits 2003, und nun hat der Verlag das Gedicht gekonnt neu in Szene gesetzt.

„Als ich Seifenblasen blies, ist es mir gelungen: Eine, die ich fliegen ließ, ist mir nicht zersprungen.“

Unter den Augen einer Kioskverkäuferin pustet ein namenloses Mädchen auf einem Hinterhof Seifenblasen.

Die Blasen verschwinden über den rechten Seitenrand hinaus auf die nächste Doppelseite in Richtung des Stadtzentrums. Sie ziehen die Aufmerksamkeit sämtlicher Städter auf sich.

Das Leben steht für einen kurzen Moment still.

Eine Blase zerplatzt nicht, sondern zieht schillernd weiter über die Dächer und angrenzenden Dörfer, bevor es hinaus aufs Land geht. Alle verfolgen die Seifenblase auf ihrem stummen Weg durch die Welt. Trotz ihrer zarten Haut und der damit verbundenen Zerbrechlichkeit, schwebt sie kraftvoll durch die Lüfte. Menschen im Alltag halten inne und schauen, sind für einen Augenblick abgelenkt. Der Paketbote, der seine Arbeit unterbricht. Die Nachbarin, die am offenen Fenster endlich ihren Blick fokussieren kann. Kinder auf dem Spielplatz, die das Schaukeln vergessen. Streitende Menschen, die für einen kurzen Moment ihren Zwist einstellen.

Leise, fast schwerelos still gelingt es, Gedanken ziehen und Dinge sein zu lassen.

Eine Erinnerung daran, dass Pausen wahre Wunder bewirken können.

Tolle, ebenso zierliche Illustrationen begleiten den Reim auf seinem Weg zu einer wichtigen Botschaft.

 

Anja Kuypers

 

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Seifenblase, flieg!

Josef Guggenmos

Illustrationen von Heike Herold

Beltz und Gelberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 30 Seiten

ISBN 978-3407758385

12,95 €

Seesucht“ von Marlies van der Wel, Mixtvision Verlag (2021)

 

Gib niemals auf!

Davon erzählt das neue Buch des kreativen Allroundtalentes Marlies van der Wel mit dem schönen Titel „Seesucht“.

Diese Abwandlung des Wortes Sehnsucht beschreibt Jonas` Wunsch ziemlich genau. Wasser ist sein Element und das möchte er für den Rest seines Lebens mit allen Sinnen erleben dürfen.

Denn als er zweijährig bei einem Strandbesuch mit seiner Mutter das offene, weite Meer vor sich sieht, ist es um ihn geschehen. Neugierig, was ihn unter Wasser erwarten wird, läuft er einfach in die Wellen hinein, wird mitgerissen, taucht ab und kann für kurze Zeit die farbenprächtige Unterwasserwelt wahrnehmen.

Jonas wird glücklicherweise rechtzeitig von ein paar Fischern gerettet.

Das Buch unternimmt nun Zeitsprünge in Jonas` Leben. So hat er mit acht Jahren eine Idee, sich auf dem Wasser fortzubewegen, um die Fische in ihrem Lebensraum beobachten zu können. Leider vergebens....

Sein Erfinderreichtum wächst, und mit 30 Jahren wagt er einen Versuch mit Hilfe einer selbst konstruierten Tauchvorrichtung. Aber auch diesmal scheitert er.

„Du gehörst ans Ufer, nicht ins Meer!“, rufen ihm die Fischer, die seine ewig scheiternden Versuche beobachten, höhnisch lächelnd zu.

Eines Tages entscheidet sich Jonas tatsächlich für die Aufgabe seines Traumes und gibt sich mit dem Sammeln von Treibgut zufrieden. „Er kehrt dem Meer den Rücken zu.“

Aber... was lange währt, wird endlich gut. 50 Jahre später kommt Jonas` großer Moment...

Die geringe Textmenge des herzerwärmenden Bilderbuches ist unauffällig auf den Seiten mit den großformatigen, aussagekräftigen Illustrationen untergebracht.

Das Buch basiert auf dem von der Autorin animierten Kurzfilm „Jonas and the sea“.

Eine schöne Geschichte, ein schöner Kurzfilm – ein gern gegebener Tipp!

 

Anja Kuypers

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Seesucht

Marlies van der Wel

Mixtvision Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 78 Seiten

ISBN 978-3958541641

20 €

Tief im Ozean“ von John Hare, Moritz Verlag (2021)

 

Mit dem wunderbaren, textlosen Buch „Ausflug zum Mond“ hat John Hare bereits im letzten Jahr eine Benchmark gesetzt.

Mit diesem neuen Titel knüpft er, wenn auch bedingt an die erste Geschichte an.

Wieder einmal unternimmt ein engagierter Lehrer mit seiner Schülerschar einen besonderen Ausflug. Statt zum Mond bringt es die Kinder diesmal auf den Boden des Meeres.

Zunächst landet die Gruppe mit dem bekannten Raumgleiter vom Mondausflug auf einer futuristischen Plattform, bevor sie von dort in ein quietschgelbes U-Boot steigen und abtauchen.

Wer genau hinsieht, erkennt beim Einsteigen den Jungen aus der Klasse, der den Ausflug zum Mond unvergesslich gemacht hat. Er trägt wieder seine Malutensilien mit sich.

Die Gruppe ankert und geht auf dem Meeresboden spazieren.

Während die meisten Kinder den begleitenden Worten des Lehrers lauschen, kommt erneut ein Schüler abhanden. Es ist ein kleiner, neugieriger und mit einer Unterwasserkamera ausgestatteter Junge, der auf der Suche nach dem richtigen Motiv ist. Dabei stößt er auf eine geheimnisvolle, versunkene Stadt, die Atlantis nicht ähnlicher sehen könnte und in der er sich verläuft.

Erfolglos versucht er mit einer wasserfesten Taschenlampe Lichtsignale zum Rest der Gruppe zu senden. Vergeblich. Riesenasseln nehmen sich seiner an und kuscheln mit ihm, spenden ihm Trost. Plötzlich wird die tristgrau dargestellte Unterwasserwelt von einem orangefarbenenen Meeresungetüm eingenommen, das am Ende gar nicht ungeheuerlich ist.

Das Abenteuer nimmt seinen Lauf... Ob sich auch in dieser Geschichte der Lehrer an den vermissten Schüler erinnern und ihn wieder einsammeln wird?

Aus den Ähnlichkeiten der beiden Bücher wird kein Geheimnis gemacht. Die Rahmenhandlungen sind durchaus vergleichbar.

Die englischen Titel „Field Trip to the Moon“ (Ausflug zum Mond) und „Field Trip to the ocean deep“ (Tief im Ozean) sind von Beginn konkreter und weisen gezielt darauf hin.

Aber dank der erneut vielen Erzählanlässe zu den wunderbaren Illustrationen des nahezu textlosen Buches, wird es einfach nie langweilig werden.

Es darf gerne mehr Schulausflüge dieser Art geben.

 

Anja Kuypers

 

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Tief im Ozean

John Hare

Moritz Verlag (2021)

Kinderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3895654053

14 €

Die Wette“ von Antje Damm, Moritz Verlag (2021)

 

Lilo liebt Pflanzen und besucht deshalb auch häufig ihren älteren Freund Hein in seinem Gewächshaus. Zwei Generationen fachsimpeln über die bestmöglichen Bedingungen für Pflanzen.

Aber was brauchen sie wirklich zum Wachsen?

„Hauptsache sie kriegen genug Sonne und Wasser!“, meint Hein.

Lilo kontert mit dem Hinweis, dass Liebe und gute Behandlung der Pflanzen mindestens genauso wichtig sind.

Kurzerhand nimmt jeder eine junge Topfpflanze, und die Wette, wessen Pflänzchen innerhalb der vereinbarten Zeit schneller wächst und gedeiht, steht. „Abgemacht!“

Über den Preis für den Gewinner wird gar nicht gesprochen. Dies ist absolute Nebensache.

Es geht nicht ums Gewinnen, sondern um die Ehre.

Welche Art der Aufzucht wird wohl vielversprechender sein?

Behutsam transportiert Lilo ihre Pflanze im Puppenwagen nach Hause und stellt sie am Abend zur Schlafenszeit neben ihr Bett. Tagsüber macht sie sie mit anderen Pflanzen im Haus bekannt und spielt ihr auf der Flöte etwas vor.

„Hein gießt sein Pflänzchen regelmäßig.“

Am Ende ist es viel wichtiger, sich in Geduld zu üben und allen Lebewesen mit Respekt zu begegnen. Gibt es womöglich gar keinen Gewinner?

In typischer Antje Damm Manier werden die Texte im Buch wunderbar illustriert und mit verschiedenen Kartonagen und Papieren kreativ in Szene gesetzt.

Mit jeder Menge Liebe zum Detail.

In ihrer Einfachheit enthält die Geschichte wichtige Botschaften und vermittelt sie auf einzigartige, zurückhaltende Weise.

Diese Geschichten gehören zur Königsklasse lohnenswerter Kinderbücher.

 

Anja Kuypers

 

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Die Wette

Antje Damm

Moritz Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 36 Seiten

ISBN 978-3895654046

12,95 €

Alle zählen“ von Kristin Roskifte, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Ein Buch, über das man spricht.

Mit seinen Wimmelelementen und Zahlenspielen liefert es jede Menge Erzählanlässe und punktet darüber hinaus mit dem Thema Vielfalt.

Von Seite zu Seite tauchen immer mehr bunt gekleidete Menschen auf. Sie sind groß und klein, dick und dünn, scheinen gut oder schlecht gelaunt, tragen langes oder kurzes Haar... Kurzum: viele, individuelle Typen vor skizzenhaften, hellblau gefärbten, unterschiedlichen Alltagsszenen. Das können lustige Ausflüge in den Freizeitpark, traurige Beerdigungen, literarisches Leben in der Bibliothek, der langweilige Vormittag in der Schule oder ein teurer Einkauf im Supermarkt sein.

Die Summe der Menschen einer jeden Seite wird als Zahl im unteren, rechten Seitenrand abgebildet. Des Weiteren gibt es kurze Hinweise zu den einzelnen Szenen. „2 Menschen bei einem Ausflug in den Wald. Einer von ihnen sagt etwas, an das sich der andere für den Rest seines Lebens erinnern wird.“ Nun sind die LeserInnen gefordert, über den Hinweis zu sprechen. Wer erteilt den guten Ratschlag? Welche Tipps gibt er seinem Mitmenschen auf den Weg? Der Phantasie werden keine Grenzen gesetzt.

Das Ende des Buches hält eine Art Auflösung zu den Aussagen der Seiten vor. Dabei hätte es diese gar nicht gebraucht. Ein Richtig oder Falsch gibt es eigentlich nicht...

Mit zunehmender Menschenanzahl werden die Hinweise umfangreicher und das Reden darüber dürfte vermutlich noch interessanter und bunter ausfallen.

Jeder Einzelne trägt zum großen Ganzen bei.

Das Buch überzeugt und gewinnt auf der ganzen Linie. Ein gern empfohlener Titel in der Welt der Bücher zum Thema Vielfalt.

 

Anja Kuypers

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Alle zählen

Kristin Roskifte

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 64 Seiten

ISBN 978-3836960366

18 €

Schnell, schnell, schnell“ von Clotilde Perrin, Gerstenberg Verlag (2021)

 

„Ich war mal wieder nicht schnell genug....“, stellt die kleine Protagonistin fest, die kurz nach dem zügigen Aufstehen durch den Tag hetzt. Dabei springt sie frühmorgens aus dem Bett, flitzt zum Schulbus, eilt durch Landschaften, rast mit einem Ultraschallflugzeug durch die Welt.

Immer höher, immer schneller, immer weiter.

Aus der Ich-Perspektive des kleinen, rothaarigen Mädchens wird die Schnelligkeit, die Kurzatmigkeit mittels eines nicht enden wollenden Satzes im jeweils unteren Bildrand auf jeder Seite dargestellt.

Die Illustrationen zeigen das Mädchen inmitten weiterer Menschen, die allesamt durch die Szenerie hasten.

Clotilde Perrin verwendet viele Synonyme für das Wörtchen „schnell“. In Windeseile und temporeich wird alles im Galopp erlebt.

Nach der Hälfte des Buches nimmt die Autorin plötzlich die Geschwindigkeit heraus, und die Stimmung kippt. Als träte sie auf die Bremse.

Fortan ist das Mädchen nur noch alleine zu sehen. Sie gönnt sich die Zeit, sich auch mal umzusehen, stehen zu bleiben, in Ruhe zu atmen.

Die Anordnung der Schrift verändert sich, löst sich von der Fußzeile und fügt sich in der entspannten Naturszene ein. Sie integriert sich, schwingt mit, formt sich individuell.

Das schmale Buchformat eignet sich hervorragend, um Strecken abzubilden, Wege aufzuzeigen. Es erdet und stellt Fragen: Wo ist die Stille hin? Wo die Muße, auch mal abzuwarten?

Wieder einmal ein Buch, das sich bestens für Groß und Klein eignet. So richtet sich die Autorin zu Beginn des Buches gleich mit zwei Zitaten an die LeserInnen.

Für die Kleineren zitiert sie ihre Tochter: „Sag nicht dauernd, ich soll mich beeilen. Ich bin noch nicht fertig mit Spielen!“

Die Großen erinnert sie an die Wichtigkeit des Innehaltens.

Ein wunderbares für ALLE!

 

Anja Kuypers

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Schnell, schnell, schnell

Clotilde Perrin

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 24 Seiten

ISBN 978-3836961011

12 €

Èmile in Berlin“ von Thilo Krapp, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Die LeserInnen erwartet ein neues Abenteuer mit Émile, dem wissensdurstigen Jungen aus Paris.

Im ersten Band besuchte er 1900 mit seiner Mutter die Weltausstellung in Paris.

Jetzt befinden wir uns im Jahre 1904, und Èmile ist mit seiner Mutter auf dem Weg von Paris nach Berlin, um eine Tante zu besuchen.

Aufgeregt und neugierig auf das, was ihn erwartet, entdecken die beiden Berlin, bevor sich seine Mutter im größten Warenhaus Europas – Warenhaus Wertheim – am Leipziger Platz noch etwas umsehen möchte.

Émile ist alt genug, um alleine auf Stöbertour zu gehen.

„Neugierig wandert er umher. Was gibt es hier alles zu sehen! Glas, Porzellan, Möbel, Kunstgegenstände, sogar ein riesiges Fotoatelier.“

Glücklicherweise trifft er auf eine junge Verkäuferin, die französisch spricht und ihm einiges zu dem gigantisch großen Warenhaus erzählen kann.

In der Tierabteilung verhilft Émile einer kleinen, weißen Maus ungewollt in die Freiheit, und nun verfolgen die beiden den Nager quer durch das Warenhaus.

Auf diese Weise lernen die LeserInnen die Angebotsvielfalt und das Ausmaß des Hauses kennen.

In den prunkvollen, weitläufigen Hallen und Gängen treffen sie sogar auf den Direktor Georg Wertheim, für den der „Kunde immer der König“ ist.

Was als harmloses Sightseeing anfängt, entpuppt sich als ein großes Abenteuer, in dem seine Mutter noch als Heldin auftreten wird.

Schöne, detailreiche und farbenprächtige Illustrationen bieten einen wunderbaren Eindruck von der damalig beginnenden Ära der großen Warenhäuser.

Jede Menge Informationen zu ähnlichen Häusern in Europa findet man am Ende des Buches.

Ein literarischer Ausflug mit einem sympathischen Helden in vergangene Zeiten.

 

Anja Kuypers

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Émile in Berlin

Thilo Krapp

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3836960779

20 €

Fünf Minuten“ von Liz Garton Scanlon und Audrey Vernick, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Was sind schon Fünf Minuten, könnte man meinen...

Dabei können sie - je nach Situation - sehr, sehr lang oder extrem kurz erscheinen.

Es gibt Momente, in denen wünscht man, die Fünf Minuten mögen schnell vergehen oder ewig dauern.

Dieses Buch skizziert und beschreibt die häufig verwendete Redewendung „Nur fünf Minuten“ auf wunderbare, vielfältige Art und Weise.

Es stellt verschiedene Alltagssituationen im Laufe eines Tages aus Sicht eines kleinen, namenlosen Jungen dar. Er hält es beispielsweise für absolute Zeitverschwendung, noch Fünf Minuten länger in der Badewanne sitzen zu müssen, als es die Grundreinigung erfordert. Erwachsene würden ein entspanntes Bad wahrscheinlich begrüßen.

Es ist immer die Perspektive, die die Fünf Minuten so individuell auslegen.

Fünf Minuten, die eine Zahnbehandlung länger dauern soll, dürften aber gerne schneller vergehen. Vermutlich für Groß und Klein.

Aber manche Fünf Minuten sollten nie aufhören. Diese besonderen, richtigen Momente.

Eingerahmt in hübsche Illustrationen verwendet das Autorenduo unterschiedliche Erzählstile. Zuweilen werden die Dialoge des Jungen mit seinen Eltern als Sprechblasen dargestellt. Abwechslungsreich, kurzweilig und humorvoll lernen die LeserInnen die besagten Fünf Minuten in unterschiedlichen Kontexten kennen.

Vielleicht ein Anlass, öfter mal Fünf gerade sein zu lassen und sich mehr Zeit zu gönnen.

Zumindest in Wohlfühlmomenten. Ein anregendes Buch.

 

Und wieder einmal stellt man fest, dass Zeit eben doch relativ ist.....

 

Anja Kuypers

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Fünf Minuten

Liz Garton Scanlon und Audrey Vernick

Illustrationen von Olivier Tallec

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3836961028

13 €

früh los“ von Daniel Fehr, Thienemann Verlag (2021)

 

Inmitten einer alpinen Landschaft wohnt Großvater hoch oben auf einem Berg.

Unweit entfernt steht das Wohnhaus seiner Familie und seines Enkels Jon, der ihn des Öfteren gerne besucht.

Die beiden kommen gut miteinander aus, und es braucht nicht viele Worte, um einander zu verstehen.

„Gehst Du weg?“, ruft Jon, als er den Rucksack im Gang in Großvaters Haus sieht. „Auf den Berg“, antwortet Opa. „Kann ich mit?“ „Kannst Du“, sagt Opa.

Und so wandern die beiden am nächsten, frühen Morgen los, das Gipfelkreuz stets im Blick.

Feine, zurück haltende Zeichnungen begleiten die LeserInnen auf ihrem Weg durch die Geschichte der herzerwärmenden Großvater-Enkel-Geschichte. Manches Detail, wie der Wanderstock mit kleinen Abzeichen, lässt Nostalgiker-Herzen höher schlagen.

Das Buch enthält viel wörtliche Rede, was es lebendig macht und sich hervorragend zum Vorlesen eignet.

Es erzählt von den Unterschieden, Gemeinsamkeiten sowie Abhängigkeiten der Generationen.

In der Geschichte braucht am Ende nicht nur der Großvater eine Pause vom Wandern.

„Pausen sind gut, ohne Pausen geht`s nicht vorwärts“.

Immer wieder spielt der Text mit Doppeldeutigkeiten.

Wenn der Enkel die großen Steine über das Wasser des Alpsees flitzen lassen möchte, kommentiert der Opa: „Die alten springen selten gut.“

Und manches Ziel will eben erst später erobert werden. Nur wichtig, dass man den Blick dafür nicht verliert.

Die Geschichte beginnt mit dem Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang.

Eine gut gewählte Metapher für das Leben, das vielmehr ein Marathon, als ein Sprint ist.

Gerne empfohlen!

 

Anja Kuypers

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Früh los

Daniel Fehr

Illustrationen von Lotte Bräuning

Thienemann Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3522459273

14 €

Der geheimnisvolle Koffer des Herrn Benjamin“ von Pei-Yu Chang, NordSüd Verlag (2017)

 

Benjamin Walter – wer war das noch?

Dieses Bilderbuch erzählt aus dem wahren Leben Benjamins (1892 – 1940), einem deutschen Philosophen und Schriftsteller, der sich mit seinen kreativen und außergewöhnlichen Ideen – auch über das Schreiben hinaus – weltweit einen Namen gemacht hat.

Zu Zeiten des zweiten Weltkrieges war originelles Erfindertum nicht erwünscht, und Benjamin Walter war gezwungen sein Heimatland zu verlassen.

Die Jagd auf mitdenkende, kritisch nachfragende und phantasiebegabte Menschen war auf ihrem Höhepunkt angekommen.

Im Buch versucht Benjamin mit Hilfe von Frau Fittko, die es ebenfalls tatsächlich gegeben hat, eines Nachts über die Grenze ins Nachbarland zu gelangen.

Unauffällige Kleidung und nur die Mitnahme „leichten Gepäcks“ lautet die Vorgabe, an die sich alle Flüchtlinge halten sollen. Walter Benjamin hingegen erscheint nicht nur verspätet, sondern auch bekleidet mit einem riesigen Hut, einem rotem Schal und in Begleitung eines großen, roten Koffers. Die Begeisterung bei Frau Fittko und den Mitreisenden fällt nachvollziehbar verhalten aus.

Aber: „... wenn so ein kluger Mann unbedingt einen schweren Koffer über die Berge schleppen wollte, dann hatte er bestimmt einen guten Grund dafür.“ Aber welchen? Was befindet sich in diesem Koffer, den der sonderliche Mann auf der Flucht mit sich trägt?

„...was in diesem Koffer ist, kann alles verändern.“ so sagt er.

Das großformatige Buch regt an und zeigt auf. Ein Koffer wird zum stummen Protagonisten und hat doch so viel zu sagen.

Dank der collagenartigen Illustrationen, die mit Formelementen sowie vielen Schattendarstellungen spielen, werden die jeweiligen Szenen emotional bestens dargestellt.

Ein wunderbares Bilderbuch, das sich dem Thema Flucht und Ankommen auf alternative Art nähert und Türen öffnet.

 

Anja Kuypers

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Der geheimnisvolle Koffer des Herrn Benjamin

Pei-Yu Chang

NordSüd Verlag (2017)

Bilderbuch

48 Seiten

ISBN 978-3314103827

Preis 18 €

Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf“ von Linda Schwalbe, NordSüd (2020)

 

Dieses Bilderbuch ist Ida Pfeiffer gewidmet, einer Pionierin auf dem Gebiet der Reiseschriftstellerei.

Mit gut 40 Jahren macht sie sich zur Mitte des 19. Jahrhunderts alleine auf den Weg, die Welt zu bereisen. Dieses Unternehmen gleicht für damalige Verhältnisse einem Eklat. Denn sie wagt es, sich gegen das Establishment aufzulehnen.

„Hinterm Kaiserzipf“, einer kleinen Anhöhe in der Nähe Wiens, kommt Ida zur Welt und genießt dort eine glückliche Kindheit. In der Nähe ihrer Brüder kann sie sein, wie sie ist: ungezwungen, wild, spielerisch und neugierig. Schon immer wollte sie wissen, wie die Welt außerhalb Wiens aussieht und sehnt die Ferne herbei.

Ihrer Mutter zuliebe, die sie stets nötigt, eine richtige Dame werden zu müssen, heiratet Ida und bekommt Kinder. Erst als die Ehe in die Brüche geht und ihre Kinder das Haus verlassen, wagt sie den Schritt und erfüllt sich den sehnlichsten aller Wünsche: das Reisen.

Ihre Reisedokumentationen lesen sich gut und werden erfolgreich verlegt. Von den Einnahmen finanziert Pfeiffer ihre weiteren Unternehmungen. Der Kreis schließt sich.

Sehr bunt und sehr farbenprächtig – genau wie das Leben Pfeiffers – erzählen die Illustrationen die Geschichte auf ihre Art.

Ungewöhnlich für ein Bilderbuch, ist der in der Ich-Perspektive verfasste Text in Kapitel eingeteilt, ähnlich ihrer Lebens- und Reiseabschnitte.

Das Buch gewinnt zurecht den „The White Ravens“-Preis 2020.

Ida-Pfeiffer – eine interessante und mutige Frau, die in einem tollen Buch würdig präsentiert wird. Und wieder einmal ist bewiesen, dass es für Aufbrüche und Neuanfänge nie zu spät ist.

 

Anja Kuypers

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Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf

Linda Schwalbe

NordSüd Verlag (2020)

Bilderbuch

64 Seiten

ISBN 978-3314105197

ca. Preis 18 €

Füchslein in der Kiste“ von Antje Damm, Moritz Verlag (2020)

 

Auf ihre unnachahmliche Art formuliert, illustriert und montiert Antje Damm die Geschichte, die von einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen Fuchs und Hase erzählt.

Ein Fuchs reist umher, auf der Suche nach einem letzten Ort, an dem er sich altersbedingt zur Ruhe setzen kann. Er wird fündig, und erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es ein Friedhof mitten im Wald ist. Dessen nicht genug hat er passenderweise einen Sarg mitgebracht, in dem sich Massen von Tomatensuppe in Dosen befindet. Seine Leibspeise.

Neugierig und angezogen von dem seltsamen, neuen und vor allem noch lebendigen Bewohner der üblicherweise letzten Ruhestätte für Tote, nähern sich zahlreiche Kaninchen dem Schauplatz.

Sie überwinden ihre Angst vor dem eigentlichen Erzfeind und kommen vorsichtig auf den Fuchs zu. „Vor mir braucht ihr keine Angst zu haben“, sagt der Fuchs. „Ich bin uralt, habe keine Zähne mehr und mag nur noch Tomatensuppe. Kaninchen sind mir viel zu zäh!“

Nachdem die Gefahrenlage geklärt ist, entsteht eine innige Freundschaft. Fuchs erzählt viele Geschichten aus seinem Leben, sie spielen gemeinsam und haben einfach nur Spaß.

Aber der Abschied naht...

Sehr gekonnt wird in diesem zauberhaften Buch das Thema Tod aufgegriffen und herrlich einfach sowie absolut selbstverständlich und zum Leben dazu gehörend dargestellt.

Das Ende der Geschichte stimmt vielmehr heiter, statt traurig. Denn die Kaninchen singen ihr letztes Lied für den Fuchs, und die Wahl des Songs ist besonders.

Ach könnten der Tod und die endlichen Abschiede doch immer so schwerelos sein... Schön!

 

Anja Kuypers

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Füchslein in der Kiste

Antje Damm

Moritz Verlag (2020)

Bilderbuch

32 Seiten

ISBN 978-3895653995

ca. Preis 12,95 €

Lieber Besucher aus dem All“ von Sophie Blackall, NordSüd Verlag (2020)

 

Was sollte ein Besucher aus dem All über uns Erdenbewohner wissen?

Diese Frage stellt sich ein kleines Kind und notiert sämtliche Ideen auf einer schier unendlich langen Papierbanderole.

Das Kind liegt mit Blick gen Himmel gerichtet gedankenverloren auf einem Bett und denkt nach. Dann beginnt es zu schreiben: „Liebes Wesen aus dem All, das hier musst du wissen, wenn du uns besuchen kommst.“

Am wichtigsten erscheint ihm eine Routenbeschreibung aus dem Weltraum bis zu uns. „Unser Planet ist der grün-blaue.“ Also bitte nicht falsch abbiegen...

Dieses Buch gräbt tiefer als die anderen Bücher seiner Art. Unterschiedliche Themen wie

Menschen, Wetter, Verkehr, Schule, Berufe, Nahrung, Musik und und und werden aus Kindersicht für den unbekannten Besucher erläutert und illustriert.

Sehr schön die Anspielung auf „Hier sind wir“ - Jeffers, Oliver (2018). Erschienen im NordSüd Verlag.

Eines von vielen Highlights sind die alternativen Beschreibungen blinder Menschen für die unterschiedlichen Farben: da heißt ein Schwarzton schon mal „Licht aus“.

Die Papierbanderole scheint nicht enden zu wollen und schlängelt sich weiter bis ins All. Ob sie dort auf anderes Leben treffen wird?

Und welche Fragen würden wir fremden Wesen stellen? „Ist es da, wo du wohnst, immer dunkel?“ oder „Hast du Haustiere?“

Die Geschichte ist eine Einladung an die LeserInnen, die Gedanken weiter zu spinnen und sich eigene Fragen zu überlegen.

Das Buch endet mit einer wunderbar ausführlichen und einfühlsamen Erklärung der Autorin, wie es zu diesem Buch gekommen ist.

Nachdem man diese sehr persönlichen Zeilen gelesen hat, muss man das Buch einfach erneut ansehen und stellt fest, dass die Wahrnehmung nun eine andere ist.

„Lieber Besucher aus dem All“, finde uns bitte, denn dieses Buch hat wirklich viel zu erzählen.

 

Anja Kuypers

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Lieber Besucher aus dem All

Sophie Blackall

NordSüd Verlag (2020)

Bilderbuch

80 Seiten

ISBN 978-3314105418

ca. Preis 18 €

Nichts los im Wald“ von Mireille Messier, Mixtvision Verlag (2020)

 

Vater, Mutter und zwei Kinder bestücken ihr Auto mit Utensilien für eine Übernachtung im Zelt mitten im Wald. Am Abend röstet man Marshmallows am offenen Feuer, fühlt sich wunderbar entspannt und gönnt sich eine Auszeit vom Alltag in der Stadt.

Als die Familie eingekuschelt im geschlossenen Zelt liegt und sich eine Gute Nacht wünscht, stellt der Sohn die Frage aller Fragen: „Papa, was machen die Tiere im Wald, während wir schlafen“

„Die machen nichts Besonderes“, antwortet der Vater vermeintlich wissend. Na, wenn er sich da mal nicht täuscht...

Denn dummerweise hat die Familie zur Nacht einen Rucksack auf dem Campingtisch liegen lassen, und das freut Frosch, Hirsch, Waschbär & Co..

Während die Familie wohlig in ihren Schlafsäcken liegt, entleeren die Tiere den Rucksack und machen sich am Inhalt zu schaffen. Wofür Zahnbürste und Kamm sich sonst noch eignen, finden die Stachelschweine heraus. Und die Waschbären können endlich ihrer Passion, dem Waschen nachkommen. Aber ob man dafür echtes Waschpulver nutzen sollte?

Die Überraschung für die Familie am nächsten Morgen könnte nicht größer sein. Von wegen die Tiere machen nachts nichts Besonderes.....

Das großformatige Bilderbuch startet textlos, bevor es strukturiert weitergeht. Linksseitig sind die Menschen mit ihren Vorbereitungen zur Übernachtung zu sehen, rechtsseitig die Tiere und wie sie die Menschen bereits beobachten. Dabei versuchen sie sich eher schlecht als recht zu verstecken. Witzige Bilder, wenn sie sich hinter dünne Baumstämme quetschen.

Nach und nach verwischt die ursprüngliche Struktur, wenn die Tiere sich in Richtung des Zeltes trauen. Vor dem nachtgrauen, dunklen Hintergrund kommen die Farben der Tiere, wie sie den Rucksack durchwühlen und sich mit den Inhalten beschäftigen, besonders gut zur Geltung.

Als würde ein Spot auf das Geschehen gelenkt werden.

Stets kommentiert durch die Vater-Sohn-Dialoge aus dem Zelt heraus über das Tun oder Nicht-Tun der Tiere bei Nacht.

Ein sehr schönes, lustiges Buch, das jede Menge Spaß macht und über die Wahrheit der Tiere bei Nacht im Wald erzählt.

 

Anja Kuypers

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Nichts los im Wald

Mireille Messier

Mixtvision Verlag (2020)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978-3958541597

Preis 16 €

Wo ist mein Hut“ von Jon Klassen, NordSüd Verlag (2020)

 

Bereits 2013 gewann Jon Klassen mit dem Bilderbuch „Wo ist mein Hut“ den Dt. Kinder- und Jugendliteraturpreis. Nun wird der Klassiker erstmalig für die Kleinsten als Pappbilderbuch im handlichen Format mit sehr robuster Seitenstärke verlegt.

Erzählt wird die Geschichte des Bären, der seinen Hut vermisst und seitdem auf der Suche nach ihm ist. „Er ist rot und spitz!“ „Mein armer Hut. Er fehlt mir so!“

Fuchs, Frosch und Schildkröte werden vom Bären befragt, können aber leider gar nicht weiterhelfen. Dabei sollte der Bär eigentlich schon längst das Kaninchen bemerkt haben, das einen roten, spitzen Hut trägt, den es zuvor noch nie auf dem Kopf hatte.

Man möchte dem Bären zurufen: „Schau` doch mal das Kaninchen an.“ Es kommt wie es kommen muss... Der Bär erinnert sich, das Kaninchen mit einem Hut gesehen zu haben, der seinem sehr ähnelt und läuft zu ihm. Armes Kaninchen...

Das Buch eignet sich hervorragend zum Nacherzählen. Alle Texte sind als wörtliche Rede formuliert. Allerdings verzichtet der Autor auf Satzzeichen und kennzeichnet stattdessen die Redebeiträge der unterschiedlichen Handlungsteilnehmer in verschiedenen Farben.

Die auf das Wesentliche reduzierten Illustrationen sind linksseitig und die dazugehörigen Texte rechtsseitig untergebracht. Ein klare Struktur für eine einfache Geschichte, die intensiv wirkt.

 

Anja Kuypers

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Wo ist mein Hut

Jon Klassen

NordSüd Verlag (2020)

Pappbilderbuch

gebunden, 34 Seiten

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978-3314105470

Preis 12 €

Krokodil, Giraffe und die große Überraschung“ von Daniela Kulot, Thienemann Verlag (2020)

 

Wieder einmal begeistert die Autorin und Illustratorin Daniela Kulot mit einem weiteren Abenteuer der Familie Krokodil-Giraffe. Eine warmherzige Geschichte um das optisch ungleiche Paar und ihren Familienzuwachs.

Eines Tages entdeckt Giraffe in ihrem Haus am Stadtrand eine rote Schnur, die unter der Haustüre hervorguckt.

„Irgendwas ist doch heute....“ versucht Mama Giraffe sich zu erinnern und beginnt zu grübeln. Ihre Kinder Krokira und Raffolo kichern nur und betonen ihre Unwissenheit. Also verfolgt die Familie gemeinsam die Schnur, auf der Suche nach dem anderen Ende.

Unterwegs treffen sie auf eine Ente am Fluss, ein Murmeltier auf dem Berg, eine Amsel in der Luft während ihrer Ballonfahrt, eine Katze auf dem Hausdach, ….. Das Ende der Schnur ist immer noch nicht in Sicht.

Dennoch verfolgen sie sie beharrlich weiter, derweil Giraffe immer noch überlegt, was das Besondere an diesem Tag war.

So einfach die Geschichte ist, so wunderbar ist deren Umsetzung gelungen.

Ein Familienabenteuer, das zum Nachahmen einlädt.

Die illustratorischen Feinheiten geben dem Buch den letzten Schliff. So hat die Hauseingangstüre zurecht vier verschieden hohe Öffnungen, damit auch jedes Familienmitglied ordentlich hindurchsehen kann.

Auf der vorderen und hinteren Umschlagseite wird der Weg der roten Schnur aus der Vogelperspektive abgebildet.

Die LeserInnen wissen also schon vor den ProtagonistInnen wohin der Weg sie führen wird...

Ein hübsches Bilderbuch mit ganz viel Liebe. Gerne empfohlen.

 

 

Anja Kuypers

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Krokodil, Giraffe und die große Überraschung

Daniela Kulot

Thienemann Verlag (2020)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978-3522459433

Preis 14 €

Waldtage!“ von Stefanie Höfler, Beltz & Gelberg Verlag (2020)

 

Eine ganze Woche lang dürfen die Kinder der Igel-Gruppe mit ihren Erzieherinnen Frau Ach und Frau Oha jeden Tag im Wald verbringen. Welch eine Freude!

Die täglichen Waldabenteuer sind bei den Kleinen eine willkommene Abwechslung zum Kita-Alltag. Wie der Wald wohl riecht? Manch einer der sechsköpfigen Gruppe vermutet, es wird glitschig oder sogar langweilig werden. Das kann doch gar nicht sein. Kaum im Wald angekommen, müssen die Kinder feststellen, dass es mehrere Arten von Grün gibt: moosgrün, grashüpfergrün, kanarienvogelgrün ....

Und vor den wilden Tieren muss sich auch niemand fürchten. Oder doch? Warum dürfen sie nicht mit dem Schokokuchen von Önder gefüttert werden? Der schmeckt doch nun wirklich jedem!

Die Kinder lernen viel und entdecken den Wald mit allen Sinnen.

Der Kreativität mit den Dingen, die der Wald parat hält, sind keine Grenzen gesetzt.

Kinderecht und ansprechend gelingt der zurecht mehrfach prämierten Autorin ein wunderbares Bilderbuch, das zum Waldspaziergang einlädt.

Unter Nutzung vieler Adjektive jongliert sie mit den Worten und rahmt alles in die Ich-Perspektive des namenlosen Kita-Kindes.

Ein Buch für alle Tage und für alle Sinne!

 

Anja Kuypers

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Waldtage!

Stefanie Höfler

Beltz & Gelberg Verlag (2020)

Bilderbuch

gebunden, 34 Seiten

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978-3407758101

Preis 12,95 €

Rezension zu „Pssst Ich lese“ von John Kelly, 360 Grad Verlag (2019)

 

Bella ist ein ganz normales Mädchen. Bekleidet mit zwei unterschiedlich farbigen Socken liegt sie an einem verregneten Sonntag gemütlich auf ihrem Bett im wüsten Kinderzimmer und liest.

Im illustrierten Kinderzimmers erkennt man, dass Bella sich in einer altersgerechten Umbruchphase befindet. So zieren auf der einen Seite diverse Poster die Wände und auf der anderen Seite ist immer noch Platz für Puppen und kindgerechtes Spielzeug. Vorne an ein riesiges Piratenschiff, welches auf der Fensterbank thront.

Vertieft in ihr Buch, bemerkt Bella zunächst nicht, dass nach und nach die Spielsachen lebendig werden und sie zum Mitmachen heraus fordern.

Die Piraten möchten mir ihr Abenteuer erleben, die Pinguine gemeinsam musizieren. Dabei möchte das Mädchen einfach nur in Ruhe lesen.

Werden die Spielsachen vernünftig und lassen sie in Ruhe? Werden sie sich alleine beschäftigen können?

Die Antworten zu diesen und weiteren Fragen liefert die Illustratorin des Buches auf besonders gelungene Weise. Das Gewusel, wenn alle versuchen Bella zum Spielen zu animieren, löst sich nach kurzer Zeit auf und die Bilder strukturieren sich emotional neu.

Ansichten erfahren eine optische Einteilung, welche eigentlich gänzlich auf Text verzichten könnte.

Die Geschichte, die sich der Notwendigkeit des Lesens grundsätzlich und in seiner Vorbildfunktion im Allgemeinen annimmt, ist nicht neu.

Aber mit diesem Buch wieder einmal mehr sehr gut umgesetzt und absolut empfehlenswert.

 

Anja Kuypers

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Psst! Ich lese!

John Kelly

360 Grad Verlag (2019)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

Altersempfehlung ab 4 Jahren

ISBN 978-3961855186

Preis 12,90 €

Zitronenkind“ von Nele Brönner, NordSüd Verlag (2020)

 

Was ist ein Zitronenkind?

Ein Zitronenkind ist grün und hängt inmitten seiner goldgelben Geschwister im Zitronenbaum. Aufgrund seiner Andersartigkeit muss sich das Zitronenkind Toni Gemeinheiten gefallen lassen. Sprüche wie „Wer grün ist wie ein Pooopel, bleibt oben, bleibt oben“ oder „Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist gelb“ hört er täglich, während alle an den Ästen baumeln und zappeln.

Toni macht das einzig Richtige: er versucht seine Geschwister zu ignorieren.

Während diese reifen und sich nach und nach vom Baum fallen lassen, bleibt Toni am Baum hängen. Unsicher, was passieren wird.

Denn jeder erwartet gelbe Zitronen, aber doch keine grünen....

Ermutigung erfährt der Kleine von einem Affen, einem Käuzchen und einem Stachelschwein. „Die Welt ist wirklich groß und es gibt viel, wohin Zitronen gehen und was sie werden können“, teilen sie ihm mit und stellen Dinge wie Zitroneneis, Seife oder Bonbons in Aussicht.

Und mit einem „BLOMP“ fällt er eines Tages zu Boden. Was nun? Da liegt er nun alleine im grünen Gras, beäugt vom Gemüse eines benachbarten Beetes.

In diesem Buch haben die Zitronen Gliedmaßen und können reden. Ihre Mimik spricht Bände.

Wunderbar illustriert erzählt die Geschichte vom Wachsen und vom Mut loszulassen.

Ergänzend wird die Andersartigkeit thematisiert und bildhaft in Szene gesetzt.

Inspiriert von den Arten und der Farbprächtigkeit der Zitrusfrüchte, rahmen die Umschlagseiten die Geschichte vom Zitronenkind bestens ein.

Ein sehr schönes Buch!

 

Anja Kuypers

 

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Zitronenkind

Nele Brönner

NordSüd Verlag (2020)

Bilderbuch

32 Seiten

ISBN 978-3314105241

15 €

Endlich Wochenende“ von Saskia Halfmouw, Esslinger Verlag (2020)

 

Immer wieder steht plötzlich, nach fünf Werktagen, das Wochenende vor der Türe. Eine Zeit, in der man entspannen und zur Ruhe kommen soll. Eine Zeit, die für die Familie reserviert ist.

Aber was kann man denn unternehmen? Es gibt doch so viele Wochenenden im Jahr.......

Dieses Buch ist ein Füllhorn an Beispielen, was die Wochenenden alles bieten können.

Anfeuern auf dem Fußballplatz, Einkaufen auf dem Wochen- oder im Supermarkt, Abkühlen im Schwimmbad oder Lesen in der Bücherei oder oder oder .... Vieles mehr wird in diesem bunten Wimmelbuch grob nach Jahreszeiten skizziert.

Entgegen anderer Wimmelbücher werden die LeserInnen nicht aufgefordert, bestimmt Dinge oder Menschen zu suchen. Einfach ansehen, entdecken und darüber sprechen.

Den Aufmerksamen wird auffallen, dass die Autorin Hundeliebhaberin zu sein scheint. Als ständige Begleiter der Menschen tauchen sie immer und überall auf.

Jonglieren mit Orangen im Supermarkt? Ein Spaziergang mit Pinguin? Fußballspielen im Museum? In „Endlich Wochenende“ ist alles möglich.

Ein schönes Buch mit vielen illustratorischen Vorschlägen für ein kurzweiliges Wochenende.

 

 

Anja Kuypers

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Endlich Wochenende

Saskia Halfmouw

Esslinger Verlag (2020)

BIlderbuch

32 Seiten

ISBN 978-3480235728

13 €

Hans Christian Andersen – Die Reise seines Lebens“ von Heinz Janisch, NordSüd (2020)

 

„Das wunderbarste Märchen, ist das Leben selbst.“

Mit diesem Satz des berühmtesten Märchenautors überhaupt, beginnt ein wunderbares Bilderbuch, das seinesgleichen sucht.

In der Geschichte trifft Hans Christian Andersen während einer Kutschfahrt auf eine Mutter und ihre kleine Tochter Elsa. Dem Mädchen ist während der Fahrt langweilig und Andersen macht das, was er am besten kann: er erzählt Geschichten. Und zwar die seines eigenen Lebens. „Ich erzähle dir von einem Jungen der fliegen lernte...“

Er unternimmt eine Reise in seine eigene Vergangenheit, nimmt die kleine Elsa dabei mit und erzählt ihr in der Ich-Perspektive von seiner unbeschwerten, glücklichen Kindheit, von der Zeit während des Krieges und von dem Moment, als sich für ihn alles ändern sollte. Denn bereits mit 13 Jahren entscheidet er sich für ein Leben jenseits der Mauern seiner Heimatstadt Odense in Dänemark und geht auf Reisen, um die Theaterbühnen zu erobern. Auch das Schreiben wird zu seinem ständigen Begleiter. Elsa hört ihm fasziniert zu.

Das Buch beginnt mit ersten Darstellungen im comicähnlichen, teils textlosen, schwarz/weiß Stil, bevor sich die Illustrationen – ab dem Zeitpunkt, an dem er endlich seinen Traum leben und Geschichten spielen, erzählen und schreiben darf - in großformatige, bunte verändern. Allesamt sehr anschaulich und wunderbar gezeichnet.

Das Buch begeistert auf der ganzen Linie. Es macht neugierig mehr über diesen stets jung gebliebenen Schriftsteller erfahren zu wollen.

Phantastisches überall....

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Hans Christian Andersen – Die Reise seines Lebens

Heinz Janisch

NordSüd (2020)

Bilderbuch

32 Seiten

ISBN 978-3314104220

16 €

Im Garten von Oma Apo“ von Tang Wei, Baobab Verlag (2020)

 

Oma Apo ist anders. Sie erscheint ärmlich, kleidet sich nicht wie die meisten Menschen und sammelt das weggeworfene Gemüse vom Boden der Marktstände auf, statt es frisch einzukaufen. Was will sie nur damit? Die umstehenden Leute beäugen sie und schütteln die Köpfe über ihre Andersartigkeit.

Zu Hause angekommen füttert sie ihre Hühner und Enten, die auf dem Dach ihres Wohnhauses leben, mit dem Sammelgemüse. Aha! Ein Mietshaus inmitten einer großen Stadt. Und oben auf jede Menge Federvieh und viele Gemüsepflanzen. Nur die wenigsten wissen, das Oma Apo hoch über den Dächern der Stadt ihr eigenes Kleinod geschaffen hat. Eine grüne Oase inmitten von Wohnblöcken und Straßenlärm. Und nicht nur das: das Gemüse scheint mit der Großmutter zu sprechen:„kch kch.“ Kann man hören. Oder:„Hilfe, die fetten Raupen wollen mich fressen!“ Der Chinakohl macht sich bemerkbar. Oma Apo weiß genau was zu tun ist. Ihre Erntemenge fällt stets so üppig aus, dass sie nicht nur ihre eigene Familie mit frischen Lebensmitteln versorgen kann, sondern auch die anfänglich schräg schauenden Zweifler.

Das Buch ist eine Hommage an vergangene Zeiten, in denen noch selber angepflanzt, geerntet und gekocht wurde. Mit diesem Buch beschreibt die Autorin ihre eigene Großmutter, ihre Kindheit und den Versuch, den Gartengeruch zu konservieren.

Mit sanften Strichen gibt sie der Geschichte ihren illustratorischen Rahmen und es gelingt ein wunderbares Bilderbuch.

Sehr gerne empfohlen!

Es geht also doch: Eigenanbau im größeren Stil in der Stadt. Wie schön wie wichtig.

 

Anja Kuypers

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Im Garten von Oma Apo

Tang Wei

Baobab Verlag (2020)

Bilderbuch

32 Seiten

ISBN 978-3905804997

16,50 €

 

Seepferdchen sind ausverkauft“ von Katja Gehrmann, Moritz Verlag (2020)

 

Ein unterhaltsames Buch!

Sehr erfrischend, dass Geschichten nicht immer mit einer bahnbrechenden Moral punkten müssen.

In diesem Fall erfährt ein Mädchen nicht die Menge Aufmerksamkeit ihres Vaters, die es sich vielleicht gewünscht hätte. Er arbeitet viel im heimischen Büro und hat kaum Zeit, sich um die Belange seiner Tochter zu kümmern. Aus diesem Grund stimmt er ihrem sehnlichsten Wunsch nach einem Haustier ohne Bedenken zu und überlässt ihr – unglücklicherweise- ausreichend Bares, um sich im Zoogeschäft umzuschauen. Dass sie vielerlei unterschiedliche Tiere kauft, die sie fortan in der Familie aufs Herzlichste begrüßt, konnte der Vater nicht ahnen. Dabei spielen die anfängliche Maus und der süße Welpe noch die harmlosesten Rollen. Selbst als ein Pinguin und ein Seehund die lustige Runde ergänzen, bemerkt der Vater noch nichts. So sehr ist er in seine Arbeit vertieft. Das Mädchen aber ist rundum glücklich und erlebt so einiges mit ihren neuen Mitbewohnern.

Erst als der Vater den Computer ausschaltet und die Augen wieder auf seine Tochter richtet, fällt ihm die abstruse Haustierschar auf. Wie wird er reagieren?

Eine wirklich lustige Geschichte, die so bunt ist, auf andere Weise unterhält und wunderschöne Illustrationen beinhaltet.

Sie kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus – macht einfach nur Spaß. Danke.

 

Anja Kuypers

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Seepferdchen sind ausverkauft

Katja Gehrmann

Moritz Verlag (2020)

Bilderbuch

ab 5 Jahren

48 Seiten

ISBN 978-3895653919

ca. Preis 14 €

Julian ist eine Meerjungfrau“ von Jessica Love, Knesebeck Verlag (2020)

 

Julian befindet sich mit seiner Großmutter auf dem Nachhauseweg in einer Bahn. Er blättert in einem Buch. Zunächst wird nicht deutlich, ob er sich in die Geschichte fantasiert oder die drei Meerjungfrauen, die mit ihm in der Bahn sitzen, real sind. Denn: “Julian LIEBT Meerjungfrauen“. So träumt er sich noch während der Fahrt in die Unterwasserwelt und wünscht, er wäre ebenso grazil und wendig mit den Fischen unterwegs.

Zu Hause angekommen lässt die Großmutter Julian für einen Moment alleine. Er nutzt die Chance und verwirklicht seinen Traum. Julian verkleidet sich und schnell mutieren die gepflückten, großformatigen Blätter der Wohnzimmerpflanze zum Kopfschmuck. Der Vorhang wird kurzerhand zum Meerjungfernschwanz. Julian ist glücklich. So wollte er schon immer aussehen.

Die Reaktion der Großmutter ist überwältigend anders als sie zurückkehrt. Statt Julian zurecht zu weisen, weil er sich ungefragt an der Einrichtung bedient hat, geht sie auf ihn ein, ergänzt seine Verkleidung um ein weiteres Accessoire und unternimmt mit ihm einen Ausflug zu einer Parade. Nun wird deutlich, dass Julian in der Bahn nicht fantasiert hat. Denn die ganze Stadt ist auf den Beinen und schaut sich Meerjungfrauen an.

Mit wenig Text und pointierten Illustrationen wird dieses Buch, mit ausnahmslos dunkelhäutigen Figuren, zu etwas Besonderem. Wie viel deutlicher kann Diversität und Toleranz in einem Bilderbuch platziert werden? Vermutlich kaum.....

Die Großmutter – stets mit dem Blick für das Wesentliche und als große Stütze im Leben ihres jungen Enkels. Sie sorgt dafür, dass er seinen Traum verwirklichen kann. Gibt ihm Halt in einer Welt, in der Andersartigkeit immer noch als Handicap gesehen wird.

Mache Deine Träume wahr – egal, was andere sagen.

„Komm, wir gehen mit!“, sagt sie und gemeinsam sind sie Teil der farbenprächtigen Meerjungfrauen-Parade. Vieles könnte so einfach sein! Das Buch bringt es auf den Punkt!

 

Anja Kuypers

 

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Julian ist eine Meerjungfrau

Jessica Love

Knesebeck Verlag (2020)

Bilderbuch

ab 4 Jahren

32 Seiten

ISBN 978-3957283641

ca. Preis 13 €

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© Anja Kuypers