Bilderbücher

Die Wolke unterm Dach“ von Chris Silber, 360 Grad Verlag (2022)

 

„Lilly liebte das Leben.“ Ein kleines, fröhliches Mädchen mit braunen Wuschelhaaren, die ihrer Mama jeden Morgen, vor dem Kindergarten, ein Bild malt.

„Mama lächelte, aber in ihren Augen war es wolkig.“ Denn Mama hat Krebs...

Dieses Buch nähert sich bildgewaltig und mit treffender, kindgerechter Sprache dem Thema Tod in der Familie. In personeller Erzählweise gelingt die Darstellung der verschiedenen Trauerphasen beim Erwachsenen und beim Kind. So versucht Lilly, die kurz nach dem Tod der Mutter den Verlust noch gar nicht realisiert hat, zunächst ihren Vater zu trösten. Dieser hat ihr versichert, dass Mama nun auf einer Wolke lebt. Und was macht die Tochter? Sie zeichnet jede Menge Möglichkeiten auf, wie sie mit ihrem Papa zur Wolke gelangen kann.

Irgendwann kann auch Lilly den Tod und den Verlust spüren, und nun spendet der Vater Trost.

Zum Ende der Geschichte finden Vater und Tochter eine Lösung, die ihnen ermöglicht, etwas schmerzfreier weiterleben zu können.

Eine sehr einfühlsame Geschichte über den Abschied eines geliebten Menschen, das Trauern und das wichtige Loslassen können, um selber zu überleben.

Das Lesen dieses gerne empfohlenen Buches braucht trotz seiner zugewandt kindlichen Aufmachung immer eine erwachsene Begleitung.

 

Anja Kuypers

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Die Wolke unterm Dach

Chris Silber

Illustrationen von Annabelle von Sperber

360 Grad Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3961855612

16 €

Der kleine Dalmatiner – Muk zählt seine Punkte“ von Mark Haayema, 360 Grad Verlag (2022)

 

Eine kurze, sympathische Geschichte in Reimform für die Kleinsten.

„Hallo, werd wach und steh auf, kleiner Hund. Muk blinzelt nur und schaut müd in die Rund.“

Der kleine Dalmatiner erhält Besuch von einer Fliege, die sich nach der Anzahl seiner Punkte erkundigt. Sie zählt und zählt, aber es bleibt bei neun Punkten.

Sehr ärgerlich, denn über einen zehnten Punkt hätte Muk sich sehr gefreut. Vielleicht kann die schwarz/weiß gefleckte Kuh von der großen Weide nebenan helfen...

Sie hat so viele Flecken und könnte doch einen abgeben, findet der kleine Vierbeiner.

In Begleitung der grünen Fliege macht er sich auf den Weg. Großformatige Zeichnungen, die auf das Wesentliche reduziert sind, begleiten den Text, der viel wörtliche Rede enthält.

Das Buch wirkt dadurch sehr lebendig. Es eignet sich zum Vorlesen. Lesespaß garantiert!

Denn der kleine Dalmatiner erhält am Ende tatsächlich seinen zehnten Punkt. Auf ziemlich ausgefallene Art und Weise, aber immerhin.

Amüsant und kurzweilig vermittelt das Buch die Botschaft: Gib niemals auf.

Keine klassische Zähl-Geschichte, und doch finden die Ziffern 1 -10 ihren Platz.

Der Titel enthält Vieles, was ein gutes Bilderbuch für die Kleinsten braucht

 

Anja Kuypers

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Der kleine Dalmatiner – Muk zählt seine Punkte

Mark Haayema

Illustrationen von Laury Tinnemans und Job van Gelder

360 Grad Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3961855711

14 €

Als der Krieg nach Rondo kam“ von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Als Russland 2014 die Krim annektierte, schrieben und veröffentlichten Romana Romanyschyn und Adrij Lessiw dieses Buch. Für das Künstler-Ehepaar war es damals ein Schock, den sie mit dieser Geschichte verarbeiten wollten.

Dass das Buch 2021 so aktuell wie nie sein sollte, konnten sie damals nicht ahnen. Nun ist der Titel erstmalig auf Deutsch erschienen.

Schauplatz ist die fiktionale Stadt Rondo in der Ukraine. Eine rundum fröhliche, lebendige Stadt mit einem zentral gelegenen Gewächshaus, das als Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen dient.

„Rondo war eine besondere Stadt. Die Luft war frisch und klar, wie aus feinem Licht gesponnen.“

Unter den Bewohnern leben Danko, eine zerbrechliche Lichtgestalt mit leuchtendem Herzen, Hund Fabian mit einem gut ausgeprägtem Geruchssinn und Sirka, ein Vogel, der viel auf Reisen ist.

Anhand der Lebensumstände der drei Protagonisten wird die Geschichte erzählt, die mit dem Einzug des Krieges eine immense Wendung erfährt.

„Der Krieg kommt in die Stadt. […] Er kam wie aus dem Nichts. […] Chaos und Dunkelheit.“

Die Freunde werden verletzt, denn: „Der Krieg verschonte niemanden.“

Mit Einbruch des Bombenhagels in der Stadt verändert sich auch das Farbkonzept im Buch. Eine bedrohliche Dunkelheit zieht auf, und das Böse nimmt den Raum ein.

Aber trotz der inneren sowie äußeren Verletzungen stehen unsere Helden mutig auf und beginnen mit dem Kampf für das Gute. Die Illustrationen spielen im Wechsel mit Hell und Dunkel, bevor am Ende das Licht, „als Symbol für Bildung, Kultur und gute Ideen.“, gewinnt.

Die Gemeinschaft siegt, denn die Bewohner von Rondo lassen sich vom Krieg nicht in die Knie zwingen.

Das Bilderbuch, das weitestgehend ohne wörtliche Rede auskommt, überzeugt vollends.

Und auch wenn es in einer fiktiven Stadt in der Ukraine spielt, so lässt sich die Thematik leider auf aktuelle Geschehnisse im Land ohne Weiteres adaptieren.

Hoffen wir auf reale Heldinnen und Helden, die der Dramatik ein baldiges Ende setzen!

 

Anja Kuypers

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Als der Krieg nach Rondo kam

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3836962032

16 €

Applaus!“ von Dieter Böge, Aladin Verlag (2022)

 

An der Kasse des tierischen Zirkus` nimmt die Katze die Schaulustigen in Empfang.

Treten Sie näher. Lassen Sie sich verzaubern, zerstreuen und verblüffen. Erleben Sie einen atemberaubenden Abend sensationeller Sensationen... […] Vergessen Sie die Welt, die Sie kennen.“ Und dann beginnt die Show der unglaublichen Talente. Die „Luftakrobatenschwestern Lu und Li“, zwei turnende Fledermäuse begeistern das Publikum. Genau so sehr, wie die „Sprachwunderkatze Dora“, die es schafft, die Artisten in allen Sprachen der Welt in die Manege zu bitten.

Das Buch erzählt von einem bunten Wanderzirkus mit vielen verschiedenen, tierischen Akteuren, den sogenannten Bühnentieren, die allesamt über außergewöhnliche Talente verfügen.

Direkt zu Beginn, auf der ersten Umschlagseite, werden alle Handlungteilnehmer kurz namentlich erwähnt.

Im Verlauf, der als Zirkusabend dargestellten Geschichte, wird jeder Artist mit all seinen Fähigkeiten näher beschrieben. So widmet Böge jedem Tier eine Doppelseite, auf der es illustratorisch und mit Worten vorgestellt wird. Und häufig passen die zugewiesenen Talente gar nicht zu den ursprünglichen Eigenarten des jeweiligen Tieres. Hier werden wunderbare Gegensätze kreiert.

So wollte beispielsweise der Hochseilbulle Simon schon als Kalb ins Showgeschäft.

Er hat eine künstlerische Ader“, kommentiert die Mutter seinen Werdegang in der Beschreibung.

Die Tiere werden personalisiert. Demnach wird jeder Auftritt zu einer tierischen Nummer, und es geht ausschließlich um Artistik und besondere Fähigkeiten.

Das Buch gleicht dem Programm eines unterhaltsamen Zirkusabends, und die Leserinnen und Leser mutieren zu Zuschauern.

Wirklich eindrucksvolle Illustrationen geben dem Buch die besondere Note. So verwendet die Illustratorin fast durchgängig einen dunklen Hintergrund und setzt somit die Auftritte, einem Spotlicht gleich, in Szene. Dadurch kommen die bunten Farben sehr gut zur Geltung.

Ein durch und durch gelungenes Buch, das dem Zirkus wieder seinen ursprünglichen Sinn verleiht.

 

Anja Kuypers

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Applaus!

Dieter Böge

Illustrationen von Verena Lichtsinn

Aladin Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3848902149

18 €

In einem Schloss in Schottland lebte einmal ein junges Gespenst“ von Franz Hohler, NordSüd Verlag (2022)

 

Irgendwo in Schottland lebt ein junges Gespenst mit seinen Eltern in einem großen Schloss.

Da die Erwachsenen des Spukens müde geworden sind, muss deren Kind nun lernen, wie man sich als Gespenst richtig verhält. Vor allem muss es lernen, richtig unheimlich zu wirken.

Die Eltern zeigen ihm, wie man durch Gänge schleicht, den Kopf durch eine Wand schiebt, Leute erschreckt oder mit rostigen Ketten rasselt.

Aber wann immer das junge Gespenst es versucht, geht etwas schief. Vom Erschrecken keine Spur.

Selbst die Schlossherren scheinen unbeeindruckt.

„Wir werden dich zum unheimlichsten Gespenst in ganz Schottland in die Lehre schicken“, sagte der Vater. „Es ist das Gespenst von Whistlefield. Morgen fährst du hin.“

Das junge Gespenst ist voller Freude auf das, was es erwartet. Und als es Whistlefield mit dem Zug erreicht, scheint dies tatsächlich ein von Angst geprägter Ort zu sein. Denn alle Bewohner verstecken sich sogar tagsüber und leben im Geheimen.

„Da werde ich bestimmt lernen, wie man unheimlich ist“, meint das junge Gespenst.

Und plötzlich taucht es auf: das unheimlichste Gespenst Schottlands mit seinem langen, grünen Rauschebart und den großen Kulleraugen.

Aber was das junge Gespenst kurz darauf feststellt, hätte es nicht erwartet...

Das Buch wurde bereits 1979 erstmalig in einem anderen Verlag veröffentlicht und nun im NordSüd-Verlag neu aufgelegt.

Die Illustrationen werden durchweg in rechteckigen Panels und überwiegend in schwarzen und grünen Farbtönen dargestellt. Gruselig eben.

Mit Elementen aus der Comicszene und der Märchenwelt hat Franz Hohler seinerzeit eine Geschichte geschaffen, die nie altert und immer unterhält.

 

Anja Kuypers

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In einem Schloss in Schottland lebte einmal ein junges Gespenst

Franz Hohler

Illustrationen von Werner Maurer

NordSüd Verlag (2022)

Kinderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3-314-10616-3

18 €

Das Rübchen“ von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw, Baobab Verlag (2022)

 

Hier wird die Geschichte von der riesigen Rübe erzählt, für die es zahlreiche große und kleine Helferinnen und Helfer braucht, damit sie geerntet werden kann.

Das ukrainische Märchen wird seit Jahrhunderten mündlich überliefert.

Dies ist der Grund für die zahlreichen Variationen der Geschichte im Laufe der Zeit. Denn jeder erzählt es ein klein wenig anders. Und jeder lässt andere Menschen und Tiere an dem überreifen Gemüse ziehen, bis das Erdreich es endlich freigibt.

Diese nun vorliegende Adaption der Geschichte wird vom ukrainische Autorenpaar kreiert, und Baobab veröffentlicht den Titel erstmalig in deutsch und ukrainisch.

Es ist Opa Andruschka, der im Frühjahr das Beet im Garten bestellt und ein Samenkorn in die frisch vorbereitete Erde drückt.

Er hegt und pflegt den Garten sowie das Beet immer sehr gut.

So gut, dass aus dem kleinen Korn binnen kürzester Zeit eine riesige Rübe wird. So riesig, dass der Großvater zur Ernte des Gemüses alle Familienmitglieder in den Garten bittet.

Erst zieht er alleine, dann ruft er seine Frau hinzu. Danach die Enkelin. Aber auch das scheint nicht zu reichen. Selbst Hund und Katze des Hofes müssen mithelfen, damit die Rübe gezogen werden kann.

Um die stattliche Größe der Rübe besser darstellen zu können, wechselt das Autorenpaar zwischenzeitlich die Ansicht vom Hoch- in das Querformat.

Und um die wachsende Hilfsbereitschaft in der Familie zu verdeutlichen, arbeiten die beiden mit unterschiedlichen Blattgrößen. Das umzublätternde Seitenblatt wird von mal zu mal größer.

Denn nur gemeinsam sind sie stark und können Großes bewirken.

Eine illustratorische Mischung aus modern und alt, aus Collage und Druck mit leicht retrohaft wirkenden Bildern.

Die Geschichte weckt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten und bleibt trotzdem anhaltend aktuell.

 

Anja Kuypers

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Das Rübchen

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw

Baobab Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3907277140

20 €

Franziska und die Wölfe“ von Pija Lindenbaum, Moritz Verlag (2022)

 

Heute unternimmt die Kita mit Frau Köpke einen Ausflug in den Wald. Alle Kinder freuen sich und sind sehr aufgeregt. Nur die kleine Franziska hat wirklich überhaupt keine Lust dazu, denn sie hat vor so vielen Dingen Angst.

Sie streichelt keine Hunde, fasst keine Würmer an und springt erst recht nicht über Gräben. Viel zu gefährlich, viel zu schmutzig.

Franziska macht sich einfach immer zu viele Gedanken über all das, was passieren könnte.

Einem unglücklichen Zufall zur Folge, entfernt sich das Mädchen unfreiwillig von der Gruppe und bleibt alleine im Wald zurück.

Entgegen der Annahme, dass sie nun weinerlich zwischen den Bäumen umher irrt, sucht Franziska bestimmt und unbeirrbar nach einem Ausweg aus dem Wald und trifft dabei auf ein Rudel Wölfe.

„Und Franziska hört scharfe Zähne knirschen.“

Naiv bittet sie die Wölfe zunächst um Hilfe. Als diese ablehnen, schlägt sie vor, man könne ja zunächst ein wenig miteinander spielen. Auch danach steht den grauen Tieren nicht der Sinn.

Aber Franziska interessiert es herzlich wenig und legt los.

Die Wölfe könnten verdutzter nicht sein, als das Mädchen sie immer wieder animiert, mitzumachen. Sie hat so viele Ideen gemeinsam mit den Tieren Spaß zu haben.

Verkehrte Welt, verkehrtes Rollenverständnis. Aber vor allem entwickelt Franziska einen unglaublichen Mut.

Diese Form der Angstbewältigung ist einmalig. So ängstlich der Tag für die Kleine begonnen hat, so mutig endet er für sie. Und neue Freunde gewinnt sie obendrein.

Die Illustrationen sind ganz wunderbar gelungen und ermöglichen einen zusätzlichen Blick auf den Kern der Geschichte.

 

Anja Kuypers

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Franziska und die Wölfe

Pija Lindenbaum

Moritz Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3-89565-137-3

16 €

Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin“ von Tom Gauld, Moritz Verlag (2022)

 

Mit diesem Buch hat sich Tom Gauld einen Wunsch erfüllt.

„Ich habe versucht, ein Buch zu machen, das sich an drei unterschiedlichen Arten von Büchern orientiert: die Bücher, die mir als Kind gefallen haben, die Bücher, die meinen Töchter gefallen haben und die Bücher, die ich jetzt als Erwachsener mag.“

Am Ende entsteht eine Geschichte, die mit „Es war einmal...“ beginnt und ein modern inszeniertes Märchen ist. Gauld verwendet Elemente der Comicwelt und illustriert den zurecht prämierten Titel zudem sehr ansprechend.

Die Geschichte erzählt von einem sympathischen Königspaar, das leider bislang kinderlos geblieben ist. Sowohl die königliche Erfinderin, als auch die gute Hexe des Hofstaates können helfen, und plötzlich gibt es den hölzernen Roboter als Sohn und die Tochter, die kleine Baumstumpfprinzessin. Nun ist die Familie komplett und rundum glücklich.

Wäre da nicht der unglückliche Umstand, dass die Prinzessin nur am Tage ein Mensch sein kann und sich nachts wieder zurück in einen Baumstumpf verwandelt. Es braucht einen speziellen Zauber, um sie jeden Morgen wieder zum Menschen wecken zu können.

Einem unglücklichen Zufall zur Folge verschwindet der Baumstumpf eines Tages, noch bevor der Verwandlungszauber ausgesprochen werden kann. Der kleine Holzroboter zögert nicht lange und begibt sich auf die Suche nach seiner Schwester.

Gauld macht keinen Hehl daraus, das das Aufschreiben der vielen Abenteuer, die der Roboter auf seiner Reise erlebt, viel zu umfangreich gewesen wären. Also hinterlässt er lediglich kleine Illustrationen und dezente Hinweise für seine Leserinnen und Leser. Die tatsächlichen Geschichten hinter der Geschichte darf man sich selber überleben. Einfach genial! Und bestens für eine Schreibwerkstatt geeignet.

Das Buch, ein Märchencomic mit altertümlichen Wurzeln, begeistert rundum und wird wärmstens empfohlen.

 

Anja Kuypers

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Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin

Tom Gauld

Moritz Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3895654305

18 €

Der kleine Floh kann noch nicht so!“ von Sarah Kim Gries, 360 Grad Verlag (2022)

 

Der kleine Floh in der Geschichte ist ein junges Menschenkind mit schwarzer runder Brille und einer roten Wollmütze, dem einfach noch nicht so viel zugetraut wird.

Der kleine Floh kann noch nicht so!“, heißt es auf jeder Seite.

Themen, die im Alter des kleinen Flohs eine Rolle spielen könnten, werden häppchenweise vorgestellt: das Rutschen, der Besuch einer Kita oder das Musizieren.

Und immer muss sich der kleine Floh beweisen und sagt „Doch, kann ich!“ Gefolgt von einer kurzen Erläuterung dessen, wie er sich dem jeweiligen Thema annimmt und die Situation in seinem persönlichen Rahmen löst.

In Reimform fügen sich Vierzeiler in die ganzseitigen Illustrationen ein.

Die immer gleiche und für Kinder gut nachvollziehbare Struktur der Buchinhalte dient der kreativen Vermittlung.

Welche weiteren Dinge werden dem kleinen Floh womöglich auch nicht zugetraut?

Und welche Dinge kann er trotz seines jungen Alters und trotz seiner geringen Größe womöglich doch ganz gut bewältigen?

Der kleine Floh gilt als Vorbild für andere kleinen Kinder, denen durchaus mehr zugetraut werden darf, als angenommen.

Doch jeder Floh muss sich auch mal ausruhen, und so fällt er auf der letzten Doppelseite müde ins Bett. „Gute Nacht, kleiner Floh, du kannst das schon so!“

Hübscher Titel für die Großen zum Nachdenken und für die Kleinen zur Motivation.

 

Anja Kuypers

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Der kleine Floh kann noch nicht so!

Sarah Kim Gries

Illustrationen von Sophie Lucie Herken

360 Grad Verlag (2022)

Bilderbuch / Dickpappe

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3961856015

10 €

Diva allein im Wald“ von Martin Baltscheit, Beltz und Gelberg Verlag (2022)

 

Diva ist eine gebildete Pudeldame, die am liebsten das philosophische Programm im Radio an hört, sich Fleischpralinen servieren lässt und das Stadtleben genießt. Zu dumm, dass Herrchen und Frauchen eines Tages durch den Wald laufen wollen und sie auch noch mitnehmen.

Doch eine echte Diva macht sich nicht die Pfoten schmutzig.

Also wartet sie stattdessen im Auto, bis sie das Gefühl überkommt, ihre Notdurft verrichten zu müssen.

Auf der Suche nach einer geeigneten Toilette muss sie am Ende das Fahrzeug doch verlassen und trifft mehrere Tiere. Immer tiefer gerät sie in den Wald hinein und verläuft sich.

Jetzt bin ich richtig tief im Wald und treffe neue Waldis.“

Den Weg zurück zum Parkplatz, zum sicheren Auto, zurück in die Zivilisation hat sie sich leider nicht gemerkt.

Und Maus, Luchs, Marder, Wolf, Eichhörnchen und Co. sind nicht immer gewillt, ihr zu helfen.

Nach und nach entfernt sich Diva von ihrer anfänglichen Hochnäsigkeit. Aber ihr städtisches Benehmen gibt sie nicht so schnell auf.

Am Ende lernen alle von allen, und jeder darf genauso sein, wie er oder sie ist. Ohne Vorurteile und mit jede Menge Respekt.

Das Buch ist ein bunter Mix aus dialogischen Texten, Comicelementen und Fließtexten.

Die unterschiedlichen Farbkennzeichnungen der Texte sorgen für Abwechslung beim Lesen.

In der Ich-Perspektive Divas geschrieben birgt die Geschichte eine gelungene Gegenüberstellung des städtischen und ländlichen Lebens. Vielleicht sind sie doch nicht so unterschiedlich, wie immer angenommen.

Ein witziges, unterhaltsames Buch mit viel kreativem Vermittlungspotential im Gepäck.

 

Anja Kuypers

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Diva allein im Wald

Martin Baltscheit

Illustrationen von Barbara Jung

Beltz und Gelberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3407756732

14 €

Als Hund zu uns kam“ von David Macintosh, Prestel Verlag (2022)

 

Hund ist für uns so gut wie neu!“

Naiv und kindgerecht beschreibt die junge, namenlose Ich-Erzählerin den Moment, als die Familie ihren neuen Hund aus dem Tierheim abholt. Das Tier erhält in der gesamten Geschichte keinen Namen mehr. Vielmehr werden in dem Buch die ersten Wochen des Hundes in seinem neuen Zuhause vorgestellt und analysiert. Er frisst, er schläft und er zerknabbert alles. Sogar die Beine des guten Esstisches, an dem nur an Feiertagen gegessen werden darf. Jedes noch so haltbar angepriesenes Spielzeug versagt und fällt den jungen Welpenzähnen zum Opfer.

Zum Glück kann Oma helfen: „Oma hat alle zerkauten Spielsachen von Hund genommen und zu einem großen Spielzeug zusammen genäht. [...]“

Und das riesige Spielzeug hält, was es verspricht. Sogar so lange, bis der Hund erwachsen wird.

Immer wieder klingt in dieser eigentlichen Hundegeschichte das Thema Nachhaltigkeit an und wird gekonnt mit der Anschaffung eines Tieres verwoben.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Verbundenheit, der recht artfremden Themen in diesem Kontext und vor allem von der Zielgruppe verstanden wird oder wirksam sein kann.

Losgelöst vom Thema Nachhaltigkeit zeigt dieses Buch ungeschminkt auf, dass Hundehaltung mit viel Arbeit verbunden ist und nicht immer den Himmel auf Erden bedeutet.

Da braucht es unbedingtes Durchhaltevermögen, einen langen Atem und jede Menge Taschengeld. Macintosh gelingt mit den skizzenhaften Illustrationen eine gute Brücke zum Text, der überwiegend ohne wörtliche Rede auskommt und aus Kindersicht überwiegend einfach formuliert ist.

Ein Buch, das mehr im Gepäck hat als es ursprünglich vermuten lässt.

 

Anja Kuypers

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Als Hund zu uns kam

David Macintosh

Prestel Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3791375328

15 €

Es werde Wald!“ von Rina Singh, NordSüd Verlag (2022)

 

Die Geschichte spielt im indischen Staat Assam. Im Text ist die Rede von einem „mächtigen Fluss“, der von seinen Anwohnern nur „fließender Ozean“ genannt wird.

Der Fluss spielt eine wesentliche Rolle in dem Buch, wird aber nie mit einem Namen versehen. Es bleibt anzunehmen, dass von dem wasserreichen Strom Assams, dem Brahmaputra die Rede ist.

Singh beschreibt hier die wahre Geschichte des Jadar Payeng, der in einem kleinen Dorf unweit des Flusses lebt.

Gerade während der Monsunzeit tritt der Strom häufig über die Ufer, verwüstet die Insel-Sandbänke und hinterlässt traurige Spuren. Die Gefahr droht, dass die Inseln, auf denen die Dörfer beheimatet sind, nach und nach abgetragen und so eines Tages gänzlich verschwinden werden.

Dabei sind sie Lebensraum und Heimat von so vielen Menschen und Tieren.

Jadar Payeng verfolgt, entgegen der Dorfältesten den Plan, die kleinen Inseln durch das Flechtwerk von Baumwurzeln zusammen zu halten. Doch welcher Baum wächst schon auf einer bislang kargen Sandbank? Jadar recherchiert und setzt sich durch. Alleine, stets belächelt von den Ältesten. „Pflanz deine Bäume doch selbst!“ sagen sie. Und Jadar pflanzt...

„Jadar war 16 Jahre alt , als er seinen ersten Bambus pflanzte.“

Sein Plan geht auf, und die jungen Setzlinge schlagen schnell Wurzeln und halten die Inseln zusammen. Außerdem siedeln sich Tiere an, und es entsteht im Laufe der Jahre ein unglaublicher Wald.

Jadar ist zum Vorbild für alle Menschen geworden, die sich für die Natur und das Überleben aller Lebewesen einsetzen.

Nur zufällig wurde seine Geschichte bekannt und glücklicherweise von Rina Singh in diesem farbenprächtigen Bilderbuch mit künstlerischen Illustrationen verewigt. Sehr empfehlenswert.

 

Anja Kuypers

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Es werde Wald!

Rina Singh

Illustrationen von Ishita Jain

NordSüd Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314106132

18 €

Ein Blick durchs Schlüsselloch“ von Lisa Aisato, woow books Verlag (2022)

 

Norwegen ist bekannt für seine einzigartigen und zurecht prämierten Kinder- und Jugendbücher.

Auch dieses Bilderbuch ist auf bestem Wege bekannt und berühmt zu werden.

Die erste Doppelseite des außergewöhnlichen Titels zeigt 16 Personen, die in einem Aufzug stehen und scheinbar im selben Wohnhaus leben.

„Aufzug, Schiebetür, hier schleich` ich heimlich rein – famos! […], jetzt fährt der Fahrstuhl los.“

Der namenlose Ich-Protagonist begleitet die Nachbarschaft unbemerkt in ihre jeweiligen Wohnungen und beschreibt, war er sieht oder erlebt.

Mein neugieriger Blick sieht, wie sie im Geheimen sind.“

Denn ob der streng drein blickende junge Mann mit Bürstenhaarschnitt tatsächlich so garstig ist, wie er in der ersten Aufzugszene dargestellt wird, zeigt der Blick des Ich-Erzählers durch das Schlüsselloch der Wohnung des Mannes.

In der hinteren Reihe der Aufzuggilde steht ein adretter Herr, dessen haarige Tolle auffällig frisiert ist. Ob sie aber auch echt ist, werden die Leserinnen und Leser durch den Ich-Erzähler bald erfahren.

Aufgesetzt freundlich grinst sich die Dame in ihrer Stewardess-Uniform ins Bild. Aber macht sie es auch gerne? Ist ihr Lächeln echt? Auch in diesem Fall hilft der Ich-Erzähler bei der Auflösung.

Auf diese Weise werden alle 16 Personen nach und nach in ihrem Alltag vorgestellt und mit dem Anfangsbild aus dem Aufzug verglichen.

Am Ende des Buches wiederholt sich das Standbild aller Bewohner im Aufzug.

Allerdings sehen wir sie diesmal so, wie sie im wirklichen Leben sind oder sein möchten. Erstaunliches, Geheimnisvolles, Trauriges und Lustiges gibt es da zu sehen.

Der Ich-Erzähler enttarnt alle mit seinem Blick durch das Schlüsselloch.

Aber wer ist denn nun der Ich-Erzähler? Dessen Existenz wird erst ganz zum Schluss offenbart, und ein Schmunzeln ist garantiert.

Ein Buch, das Augen öffnet und dafür sensibilisiert, dass jeder Mensch ein Inneres und ein Äußeres hat. Trau` dich und sei du selbst, scheint das Buch seinen Lesern zuzurufen.

Es regt an, es macht wach, es zeigt auf, es erklärt.

Ein rundum gelungener Titel mit Texten in Reimform und wunderbaren Illustrationen.

 

Anja Kuypers

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Ein Blick durchs Schlüsselloch

Lisa Aisato

woow books Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3961771141

15 €

Ella spricht tausend Sprachen“ von Madlen Ottenschläger, Esslinger Verlag (2022)

 

Ein wunderbares Bilderbuch für Sprachverliebte und kreative Köpfe. Denn Englisch, Französisch, Spanisch oder Japanisch war gestern. Heute spricht man „müdisch“ „andersrum“ oder „gurkisch“.

Die kleine Ella ist eine Sprachkünsterlin und beherrscht all diese sonderbaren Sprachen.

„Ella hat kein Pferd, aber einen Bruder und eine Brille. Ella kickt und singt und lacht und spielt und pupst. Und manchmal hat Ella eine Unterhose auf dem Kopf. Und Ella spricht tausend Sprachen.“

Darunter auch „eimisch“ oder „tierisch“. Wer kann sich schon mit Tieren unterhalten?

Ellas Sprache „flüsterisch“ gefällt den Erwachsenen besonders gut. „Schreiisch“ mögen sie hingegen nicht so sehr. Sie spricht mit Händen und Füßen, mit Armen und Augen. Mal mit, mal ohne Worte. Und ihre Eltern verstehen sie immer, egal was sie gerade spricht.

Die Geschichte erzählt aus dem Alltag Ellas, und zwischendurch spricht die Autorin die Leserinnen und Leser direkt an, um sie über das Lesen hinaus zu motivieren.

Ella trägt mit ihrer Sprachvielfalt ein wahres Talent in sich. Und das Besondere daran? Jeder kann diese Sprachen sprechen. Man muss sie nur anwenden.

„Ella spricht tausend Sprachen. Aber es gibt noch vieles mehr. Was ist deine Lieblingssprache?“, fordert die Autorin zum Ende der Geschichte zum Miterzählen auf. Und diese Sprachen werden garantiert in keiner Schule gelehrt.

Großzügige, überwiegend doppelseitige Illustrationen stellen den Textinhalt perfekt kindgerecht dar.

Ein Bilderbuch über Sprachen, die man nicht lernen muss. Sehr gelungen und sprachanregend.

 

 

Anja Kuypers

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Ella spricht tausend Sprachen

Madlen Ottenschläger

Illustrationen von Sabine Rothmund

Esslinger Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3480237401

15 €

Wieder Zuhause“ von Colleen Rowan Kosinski, Mixtvision Verlag (2022)

 

Rot ist es, hat klappbare Fensterläden, eine überdachte Terrasse und steht jenseits einer großen Stadt auf einer grünen Wiese mit einem großen Baum.

Die Rede ist vom neuen Wohnhaus einer fünfköpfigen Familie mit Katze und Hund.

„Nachdem der letzte Stein meiner Mauer gesetzt und die letzte Blume in meinem Garten gepflanzt worden war, stand ich für den Einzug meiner Familie bereit. Meine Wände zitterten erwartungsvoll.“

Entgegen vieler Bücher mit tierischen oder menschlichen Protagonist:innen, wird hier die Geschichte aus der Sicht des Hauses erzählt.

Das Haus schildert die schöne Zeit mit den Menschen, und die Jahre vergehen. Aus den einst tapsigen Babyfüßen auf den Holzdielen sind längst Stampfgeräusche Jugendlicher geworden, und es kommt der Tag, an dem die Familie ihr Haus verlässt. Sie ziehen aus, und das Haus steht zum Verkauf. Doch das Haus wehrt alle potentiellen Interessenten ab. Es will partout seine Familie wieder haben....

Die Menschen kommen in dieser Geschichte nicht zu Wort. Sie wissen nicht einmal, dass ihre Unterkunft reden, denken und fühlen kann.

Es ist das Haus, das sich den Leserinnen und Lesern in wenigen, klaren Worten mitteilt.

Der Text, mal in schwarz, mal in weiß gehalten, fügt sich in die seitenumfassenden farbenprächtigen Illustrationen wunderbar ein.

Ähnlich wie die Menschen muss auch das Haus im Laufe seines Lebens lernen, loszulassen.

Ein wahrlich gelungener Vergleich zum menschlichen Leben in dieser einzigartigen Geschichte.

Aber wird es wieder die Kraft und den Mut aufbringen sich auf eine neue Familie einzulassen?

Ein wunderschönes Bilderbuch, das zu tieferen Gesprächen einlädt und dessen Botschaft sich besonders gut kreativ vermitteln lässt.

 

Anja Kuypers

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Wieder Zuhause

Colleen Rowan

Illustrationen von Valeria Docampo

Mixtvision Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3958541917

17 €

Die Vogelscheuche“ von Beth Ferry, Atrium Verlag (2022)

 

Die Geschichte beginnt im Herbst eines Jahres. Die Leserinnen und Leser sehen eine Vogelscheuche, die mitten auf einem Feld steht.

„Wenn warm im Herbst die Sonne lacht, wird bald die Ernte eingebracht. Die Vogelscheuche steht und wacht, gibt auf die goldenen Ballen acht.“

Da steht sie: in Jeanslatzhose und kariertem Hemd mit Strohhütchen. Und nur wer genau hinsieht, bemerkt den Holzpfahl, durch den die freundlich drein blickende Strohpuppe gehalten wird.

Gleich einem Landwirt, steht sie auf dem Feld und bewacht das Saatgut sowie die daraus wachsenden Pflanzen vor tierischen Eindringlingen. „So muss es sein, das macht sie gern.“

Über zwei Jahreszyklen wird die Vogelscheuche fast durchgängig in der gleichen Perspektive gezeigt und beschrieben.

Bis der Tag kommt, an dem ein Vogelbaby aus dem Nichts vor ihren Füßen landet. Weit und breit ist kein Elternteil in Sicht. Plötzlich senkt sie den Oberkörper, kippt ein Stück nach vorne und hilft der kleinen Krähe. Fortan kümmert sie sich um den Vogel. Sie erzählen, lachen, wachsen zusammen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Vogelscheuche immer gerade und unbeugsam ihr Feld bewacht.

Doch als der Vogel erwachsen ist und seiner Wege zieht, ist ihr Herz gebrochen. „Leere ist in ihr Herz gekrochen“.

Vornübergebeugt hängt sie nun am Pfahl und gibt sich leidlich den Schneestürmen hin. Die Jahreszeit hinterlässt Spuren, und als das Frühjahr anbricht, werden die Schäden deutlich.

Das Schicksal der Vogelscheuche scheint fast besiegelt, als aus dem Nichts der Vogel wieder erscheint. Er kehrt zurück und kümmert sich nun um seinen Freund. Die Tiere aus der Umgegend bemerken dies und kommen zusätzlich, um zu helfen.

Welch wunderbare Geschichte über die unscheinbaren Vertreter auf den Getreide-Feldern dieser Zeit. Eine herzliche Geschichte über Freundschaften grundsätzlich und das immer währende Thema des Älterwerdens und des umeinander Kümmerns.

Die seitenumfassenden Illustrationen passen sich farblich den jeweiligen Jahreszeiten an und rahmen den in Paarreimen dargestellten Text wunderbar ein.

 

Anja Kuypers

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Die Vogelscheuche

Beth Ferry

Illustrationen von Terry und Eric Fan

Atrium Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 44 Seiten

ISBN 978-3855356690

14 €

Die Erzählerin der Nacht“ von Carmen Oliver, NordSüd Verlag (2022)

 

„Kommt, kommt, meine Freunde, kommt, ich will euch eine Geschichte erzählen.“

Schauplatz der Geschichte ist eine bunte Blumenwiese, die von vielen, verschiedenen Tierarten bewohnt wird.

Allesamt folgen sie dem Ruf der Erzählerin, kommen herbei und schlüpfen durch einen mit Schilf ausgestalteten Höhleneingang: Raupen und Käfer Wühl- und Haselmäuse, Glühwürmchen Fledermäuse und Co..

Als alle Tiere versammelt sind, beginnt die Erzählerin mit der Geschichte, und ihr gelingt es, das Gelesene und Erzählte erlebbar zu gestalten.

Aus dem Buch strömen auf einmal Bilder, Gerüche und Geschmäcker.

„Eine wohlige Beghaglichkeit“ macht sich unter den zuhörenden Tieren breit.

Die Erzählerin macht ein Eintauchen in die Geschichte möglich.

„Atmet tief ein, meine Freunde, riecht ihr das? Tanne und Kiefer, Wildblumen und Lavendel [...]“ „Sie sind gefangen in dieser Magie [...]“

Die Geschichte endet mit einem Fest der Sinne, und zum Schluss kehren die Tiere beseelt in ihre Behausungen zurück und betten sich zur guten Nacht.

Ein poetisches Bilderbuch, dessen Szenen Ruhe ausstrahlen.

Warmweiche Illustrationen ummanteln den sanften Text, der mit vielen Verben und Adjektiven spielt und auf diese Weise das Buch zum Leben erweckt.

Und erst zum Ende erfahren die Leserinnen und Leser, welches Tier die Geschichte vorliest.

Eine Inspiration.

 

Anja Kuypers

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Die Erzählerin der Nacht

Carmen Oliver

Illustrationen von Miren Asiain Lora

NordSüd Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3314105937

16 €

Sascha zählt lieber Leuchttürme“ von Oksana Lushchevska und Dzmitry Bandarenka, Südpol Verlag (2022)

 

Das Autorenpaar aus der Ukraine gelingt mit diesem Bilderbuch eine wunderbare Einschlafgeschichte. Inspiriert durch deren eigene Leidenschaft, Leuchttürme zu sammeln.

Der junge Protagonist Sascha kann nicht schlafen, wenn sein Vater noch wach ist und im Nebenzimmer arbeitet.

Also beschließt der Junge ebenfalls wach zu bleiben und schaut aus dem Fenster.

Es ist fast schon Mitternacht und „nur in einem einzigen Fenster im Wohnblock gegenüber brennt ein Licht. Es erinnert Sascha an einen Leuchtturm.“

Außerdem stellt er sich vor, wie die ihm bekannten Menschen und Tiere jetzt wohl schon schlafen. Vielleicht rollt sich die Katze des Nachbarn wieder zusammen? Oder die Mama legt einen Arm unter ihr Kopfkissen während sie schläft?

Immer wieder erinnert sich Sascha an die Leuchttürme, die er gemeinsam mit seinem Vater besichtigt hat. Wenn sie doch alle wieder so schön leuchten würden...

Mit einer Taschenlampe simuliert er das Leuchtfeuer der Türme, als der Vater, erschöpft und müde, zu Sascha ins Zimmer kommt.

Er legt sich zu seinem Sohn ins Bett, und gemeinsam beginnen sie Leuchttürme, statt Schäfchen zum Einschlafen zu zählen.

Dezent und ruhig wurde dieses Buch überwiegend in den Farben blau und gelb gestaltet.

Welch wunderbare Verknüpfung der Farbbedeutungen. So symbolisieren sie nicht nur die Landesfarben der Ukraine, sondern stehen zugleich für das Dunkle der Nacht und die Helligkeit der Leuchtfeuer.

Vater und Sohn zählen so lange Leuchttürme, bis alle Lichter in den Wohnhäusern gegenüber erlischen.

Eine sensible Aufmachung und Auseinandersetzung mit dem Schlafen und dem Wachsein auf ukrainische Art. Wo ruhiges Nächtigen noch möglich ist.....

 

Anja Kuypers

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Sascha zählt lieber Leuchttürme

Oksana Lushchevska und Dzmitry Bandarenka

Illustrationen von Oksana Drachkovska

Südpol Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3965941779

16 €

Die tollpatschige Giraffe und der verlorene Traum“ von Julia Nüsch, Kindermann Verlag (2022)

 

„In einem winzigen Land, unter einem sehr hohen, knorrigen Baum, lebte eine Giraffe namens Annette. […] Eines schönen Mittwochs allerdings war alles anders. Annette saß den ganzen Morgen ungewöhnlich nachdenklich an den Baumstamm gelehnt, reckte nur selten ihren Kopf und schaute in die Ferne.“

Leider, leider hat Annette ihren Traum der vergangenen Nacht vergessen. Sie erinnert sich nur noch daran, dass er sehr schön gewesen war.....

Glücklicherweise trifft die Giraffe auf viele Tiere, die ihr zwar wertvolle, aber auch recht ungewöhnliche Tipps verraten, mittels derer sie sich bestimmt schnell wieder erinnern wird.

Frosch Heinrich rät ihr beispielsweise zum Singen. Singen befreit, und freie Köpfe denken eben besser.

Schaf William schlägt Stricken vor. Beste Konzentrationsübung.

Der Fuchs Rainer Maria hingegen ist sich sicher, dass der Sprung in ein tiefes Erdloch wahre Wunder bewirken kann, um sich zu erinnern.

Es wird gesungen, getanzt, gestrichen oder gesprungen. Dumm nur, dass Annette recht tolpatschig ist und sie bei jedem sportlichen Versuch nicht nur kläglich scheitert, sondern zudem noch einen ihrer hübschen Giraffenflecken verliert.

Ihre Freunde aber geben nicht auf, sammeln die abhanden gekommenen Flecken wieder ein und bringen sie ihr gebündelt zurück.

Und plötzlich passiert das Unverhoffte..... „Giraffenstark“ das Ganze.

Durch die Anwendung unterschiedlich großer Schriftgrößen werden die Dialoge der verschiedenen Handlungsteilnehmer:innen inmitten wunderhübscher Illustrationen dargestellt.

Fabelgleich inspiriert dieses Bilderbuch zu phantastischen Träumen, bevor sich die Autorin am Ende des Buches selber an die Leser:innen mit der Frage wendet: „Wovon träumst du?“

Auf behutsame Weise wird hier vom Wert der Freundschaft erzählt sowie den Mut, den es braucht, andere um Hilfe zu bitten.

Es ist nicht schlimm, wenn man sich verheddert oder stolpert. Es ist nur bitter liegen zu bleiben. Und Annette macht es richtig: sie steht immer wieder auf.

Und manchmal braucht es echte Freunde, um wahres Miteinander zu erleben und verloren gegangene Träume wiederzufinden.

 

Anja Kuypers

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Die tollpatschige Giraffe und der verlorene Traum

Julia Nüsch

Kindermann Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3949276040

18 €

 

Nil, Nil, ich komme!“ von Jutta Richter, Hanser Verlag (2022)

 

„Das Nilpferd wohnte schon lange im Zoo. Im Gehege gleich neben der Giraffe. Es gab dort einen Tümpel, drei Grasbüschel und viel Staub! Sonst gab es nichts. Außer dem Wärter Bratbüttel, der das Futter brachte. Einmal am Morgen und einmal am Abend.“

Kein Wunder, dass das Nilpferd unter diesen Umständen an Heimweh leidet.

„Heimweh nach einem großen, breiten Fluss.“

Seine Zoo-Nachbarin Giraffe ärgert ihn dazu permanent: „Ja, wenn du so groß wärst wie ich, dann könntest du den Nil sehen.“

Genervt von so viel Boshaftigkeit unter den ständigen Blicken der Zoobesucher, rammt das Nilpferd eines Tages das Gitter seines Geheges um und zieht von dannen. Richtung Nil...

„Über das Land. Über den Berg. […] Es rannte einen Tag und eine Nacht. […] Und dann kam das Meer. […] „

Beäugt und kommentiert von vielen verschiedenen Wild-Tieren, die seinen Weg säumen, wird es entweder belächelt oder zum Durchhalten animiert.

Dieses Buch, das von Heimweh, Mut und Beharrlichkeit erzählt, unterliegt einer immer gleichen Bild-Text-Struktur. Ein kleiner Anker für manche Kinder in der Bilderbuchbetrachtung.

Die künstlerischen Illustrationen geben reduziert und doch bestimmend den Text in Bildern wider.

Teilweise befinden sich ganzseitige, gänzlich textlose Illustrationen im Buch, die dem mutigen Nilpferd den bildnerischen Raum geben, dem es gebührt.

Das polarisierend schwierige Thema der Zoohaltung schwingt zu Beginn ein wenig mit, wird aber nicht weiter ausgebaut.

Vielmehr geht es darum, dass auch ein kleines, dickes Nilpferd alles schaffen kann, was es sich vornimmt. Warum nicht auch du?, scheint das Buch seine Leser:innen zu fragen.

Folge deinen Träumen und mache deine Wünsche wahr.

Die Farbwahl der Illustrationen passt sich der jeweiligen Naturszenerie an, durch die das Nilpferd auf seinem Weg zum Nil wandert.

Ein Titel, der mehrere Themen zu einem gelungenen, großen Ganzen bündelt.

 

Anja Kuypers

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Nil, Nil, ich komme!

Jutta Richter

Illustrationen von Petra Rappo

Hanser Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3446262195

15 €

Der Besuch vom kleinen Tod“ von Kitty Crowther, Aladin Verlag 

 

Dieses Buch erschien erstmalig 2011 und wird bereits in der sechsten Auflage im Aladin Verlag verlegt. Zurecht blickt der Titel, der mit dem Astrid-Lindgren-Memorial-Award ausgezeichnet wurde, auf eine lange Dauer auf dem Buchmarkt zurück. Denn hier gelingt die Darstellung eines schwierigen Themas mit viel Leichtigkeit und Frohsinn.

Die Geschichte, deren Text von großformatigen, feinfühligen Illustrationen unterbrochen wird, beginnt mit den Worten: „Der Tod ist eine reizende kleine Person. Doch das weiß niemand.“

Wie auch....

Auf den Bildern ist der Tod auf typische Weise dargestellt: schwarzer Umhang, Sense in der Hand, knöchrige Finger und bleiches, weißes Gesicht. Zunächst klopft er ungebeten an die Zimmertüre eines alten Mannes an, um ihn mit ins Totenreich zu nehmen. Der Mann weint und friert, denn eigentlich will er am Leben bleiben und nicht mit dem Tod mitgehen müssen. „So ist das nun mal.“

Ganz viel Tod. Ganz viel Trauer. Ganz viel Schwarz. Ganz viel Schweigen.

Bis der Kleine Tod eines Tages am Bett eines jungen Mädchens steht, die froh ist, ihn zu sehen. Der Kleine Tod könnte nicht erstaunter sein..... Das Kind ist so anders, als die vielen Erwachsenen. Es weckt Gefühle im Kleinen Tod, die er bislang noch nicht kannte.

Plötzlich nimmt sein Dasein eine markante Wendung, und ein Stück Leben macht sich in ihm breit.

Eine Geschichte, die nie an Wert verlieren wird. Ganz wunderbar!

 

Anja Kuypers

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Der Besuch vom kleinen Tod

Kitty Crowther

Aladin Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3848900190

12,95 €

Ein Käfig ging einen Vogel suchen“ von Andrea Hensgen, Knesebeck Verlag (2022)

 

„Alle Käfige hatten einen Vogel. Deshalb wollte der Käfig auch einen haben.“

Im Buch wird ein junger Käfig personalisiert dargestellt. Mit Gesicht und Beinen und einer offenen Käfigtür für alle Vögel, die gerne in ihm wohnen möchten.

Naiv wie er war ruft er: „Vögel, kommt mal her! Ich bin noch ganz leer.“

Dass die Vögel lieber frei herum fliegen, statt eingesperrt zu sein, ist dem Käfig nicht bewusst. Zeitgleich nehmen alle Vögel aus der Nähe hämisch grinsend und leise beobachtend auf einem Hausdach Platz, um den weiteren Verlauf der Geschichte zu verfolgen.

Wer würde wohl so dumm sein und freiwillig in den Käfig einziehen? Katze Agathe geht ebenfalls in Lauerstellung. Denn wo es Vögel gibt, gibt es auch schmackhaftes Essen.

Dieses Bilderbuch ist eine Adaption des Originals von Franz Kafka und wird illustratorisch neu interpretiert. Sehr gelungen!

Eines Tages kommt tatsächlich ein Vogel daher. Ein fremder Vogel aus einem fernem Land. Und da der Käfig so hübsch und sauber hergerichtet ist, hüpft der Vogel sofort hinein.

Alle anderen Vögel halten den Atem an. Auch Agathe, die sich leise anschleicht.

Aber just als die Katze zugreifen will, schlägt der Käfig schnell seine Türe zu und rettet auf diese Weise dem Vogel das Leben.

Entgegen aller Vorahnungen werden der Käfig und der Vogel zu wahren Freunden und erleben noch gemeinsam so manches Abenteuer.

Und die Moral von der Geschichte? Manchmal kommt es anders, als man denkt.

Eine hübsche, kleine Geschichte über den Mut anders zu sein und Dinge zuzulassen.

 

Anja Kuypers

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Ein Käfig ging einen Vogel suchen

Andrea Hensgen

Knesebeck Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3957284389

15 €

Tranquilla Trampeltreu“ von Michael Ende, Thienemann Verlag (2022)

 

Die Schildkröte Tranquilla Trampeltreu sitzt in ihrer „kleinen gemütlichen Höhle“, als sie von den erhabenen Tauben, die über ihr in den „Zweigen eines uralten Ölbaumes“ leben, von der Hochzeit des Löwen Leo dem Achtundzwanzigsten erfährt.

„Alle Tiere, groß und klein, alt und jung, dick und dünn, nass und trocken sind eingeladen.“

Also macht sich auch Tranquilla auf den Weg zum „schönsten Fest“.

„Schritt für Schritt“ können die LeserInnen ihren langen Weg auf den Umschlagseiten des Bilderbuches nachvollziehen.

„Über Stock und Stein“ geht es am Meer entlang, durch die Wüste und in den „Wald der blühenden Bäume“. Beharrlich aber stetig. Auf dem Weg trifft sie einige Tiere, die ihr Vorhaben belächeln. „Du langsamste der Langsamen“, muss sie sich anhören. Oder: „Du armes, unwissendes Krabbeltier […] mit deinem kurzen Verstand...“

ber Tranquilla verfolgt ihr Ziel. Ob sie rechtzeitig ankommen wird?

In typischer Michael Ende Erzähl-Manier wird die fabelgleiche Geschichte hier neu illustratorisch in Szene gesetzt. Wunderbare, größtenteils ganzseitige Bilder verpassen dem gehaltvollen, langen Text den passenden Rahmen. Es entsteht ein phantastisches Ganzes, und man fühlt sich an die vielen Geschichten Endes erinnert.

Tranquilla ist ein freundliches, ruhiges Wesen. Ihre Grundhaltung und die damit verbundene, gelassene Stimmung überträgt sich auf die LeserInnen.

Das schafft nur eine typische Ende-Geschichte.

 

Anja Kuypers

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Tranquilla Trampeltreu

Michael Ende

Illustrationen von Julia Nüsch

Thienemann Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3522459983

16 €

Der Mumpel“ von Jan Kaiser, 360 Grad Verlag (2022)

 

Gleich vier Seiten reserviert sich der Autor zu Beginn des Buches, um den Ort zu erläutern, an dem der sagenumwobene Mumpel lebt.

„Gleich hinter dem Mischuggischen Meer […] , am Fuße des Geburrgebirges, […], tief im Wormwald, […] am Fridolinschen Fluss.“

Der Mumpel ist ein Geheimtier. […]“.

Bislang wurde das freundliche Wesen einfach noch nicht entdeckt.

Dabei hat es solch wunderbare Fähigkeiten. Es kann „pusten“, „stampfen“, sich verstecken. Lediglich die Suche nach „Mumpel-Kumpeln“ scheiterte bislang kläglich.

Ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Mumpel wurden einfach noch nie von anderen gesehen. Aber ist es wirklich so schlimm, unsichtbar zu sein?

Im Verborgenen lassen sich doch manch witzige, hilfreiche oder vielleicht auch gemeine Dinge anstellen. Und man wird dabei nicht erkannt....

Mumpel zu sein, ist also doch nicht so schlimm, wie ursprünglich vermutet.

Sie sind kleine, haarige Wesen, Kartoffelähnlich mit zwei Augen und einer langen Nase. Stets freundlich und schelmig.

Der Autor teilt mit den LeserInnen das Geheimnis über die Existenz der Mumpel.

Und ganz am Ende stellen wir fest, warum es immer gut ist, einen Mumpel im Haus zu haben.

Dieses Buch kann Kindern Mut machen, die vielleicht nicht immer die angesagtesten Freunde haben oder selten im Rampenlicht stehen.

Sehr hübsche Illustrationen ergänzen den wortgewandten Text.

Entweder werden die Illustrationen oder der dazugehörige Text als Sprechblasen dargestellt. Ein schönes Spiel. Das Buch spricht eben jeden an...

Und alle LeserInnen werden in das Geheimnis über Mumpel einbezogen.

Der Autor geht mit den LeserInnen einen Geheimpakt ein.

 

Anja Kuypers

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Der Mumpel

Jan Kaiser

Illustrationen von Henning Löhlein

360 Grad Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3961855582

15 €

Welcher Po passt auf dieses Klo?“ von Nele Moost, Esslinger Verlag (2022)

 

Auch Tiere müssen ihren Darm entleeren, aber wie? Welche Toiletten nutzen sie?

Dieses Klipp-Klapp-Buch aus dicker Pappe gibt entsprechende Hinweise.

Zunächst werden die Klo-Gewohnheiten von Elefant, Pinguin, Schwein, Schlange, Bär und weiteren Tieren gezeigt.

Der Pinguin verrichtet sein Geschäft auf dem Eisblock, der Frosch auf dem Wasserklo und die Schlange auf dem Baumstammklo.

Auf der linken Buchseite ist ein jeweils passender Text in Großbuchstaben zum Tier als Paarreim abgebildet.

So heißt es: „Der Elefant mit Riesenpo macht Krach auf seinem Trommelklo.“

Die Illustrationen auf der rechten Seite hingegen sind klappbar, und somit sind die wildesten Kombinationen möglich.

Man sieht immer nur die Rückseite des jeweiligen Tieres, und die Klappe befindet sich unterhalb des Pos. Welcher Po passt auf dieses Klo?

Hinweise verraten die jeweiligen Farben, Fellarten oder Schwanzarten der Tiere. Was passt zusammen? Oder welche Tierkombi macht am meisten Spaß...

In diesem Buch ist alles möglich. Da kann die Kuh auch schon mal auf dem Eisblock sitzen oder die Maus auf dem Klo ein Bienenlied summen.

Phantastische Toilettengeschichten für die Kleinsten, die das Nutzen von Toilette, Klo und Co. erst noch üben müssen.

Ein tierischer Spaß mit den Tier-Toiletten-Paaren.

Und am Ende steht fest: Jeder muss irgendwann mal zur Toilette. Die einen so, die anderen so...

Anja Kuypers

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Welcher Po passt auf dieses Klo?

Nele Moost

Illustrationen von Michael Schober

Thienemann Verlag (2022)

Dickpappe Bilderbuch

gebunden, 24 Seiten

ISBN 978-3480237555

10 €

Such!“ von Saskia Halmouw, Esslinger Verlag (2022)

 

Ein tierischer Wimmelbuchspaß für alle Hundefreunde und Suchliebhaber.

Ein erneutes Buch-Highlight der 1968 in Den Haag geborenen Künstlerin Saskia Halmouw.

Die Protagonisten in diesem textlosen Suchbuch sind ein brauner Hund mit gelb/rot kariertem Leibchen und ein weißer Hund mit einem schwarzem Punkt im Fellrücken.

Gleich zu Beginn sieht man, wie die zwei jeweils einen Knochen in einem tiefen Loch im Park verbuddeln. Kurze Zeit später treibt der Appetit nach knöchernen Gebeinen die beiden Vierbeiner wieder zum Versteck. Aber, oh schreck... Die Knochen sind weg und das Loch ist leer!

Im Park herrscht derzeit lebhaftes Treiben. Jede Menge Hunde spazieren mit ihren Herrchen und Frauchen umher, tollen auf den Wiesen. Es macht einfach nur Spaß zuzusehen. Und mittendrin die enttäuschen Fellgesichter über den Verlust des Essens.

Prompt ziehen sie los, auf der Suche nach ihren Häppchen. Und wer genau hinsieht, wird feststellen, dass sich von einer Seite zur nächsten immer mehr Vierbeiner der Suche anschließen. Gemeinsam trotten sie durch die Stadt, vorbei an Marktplätzen, Geschäften, Wohnhäusern und Co..

Die Schlange der Schnüffelexperten wird immer länger. Die Nasen stets am Boden. Wo können die Knochen nur sein?

In der im Buch skizzierten Stadt leben Mensch und Hund friedlich miteinander und haben jede Menge Spaß. Sie können sich einfach „gut riechen“.

Ein Such-Bilderbuch mit vielen, warmherzigen Details zum Ansehen und Entdecken.

Gespräche rund um die Frage Wohin sind die Knochen verschwunden? und darüber hinaus sind vorprogrammiert.

 

Anja Kuypers

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Such!

Saskia Halmouw

Esslinger Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3480237210

14 €

Das große Schimpfen“ von Michael Escoffier, Mixtvision Verlag (2022)

 

Im Ort Schimpfhausen findet die beliebte Veranstaltung „Das große Schimpfen“ auf dem Marktplatz des Ortes statt.

Die Gänse Gustav und Gitta moderieren das Event, in der tierische ProtagonistInnen um die Gunst des Publikums ringen und ihre außergewöhnlichsten Schimpfwörter zum Besten geben dürfen.

Alles ist erlaubt: Witzige und skurrile Wörter oder ausgefallene Mehrwortsätze. Hauptsache originell.

Aber auf keinen Fall dürfen die Schimpfereien gemein, fies oder beleidigend sein!

Der Gewinner erhält einen großen Pokal und erringt die Ehre des ganzen Dorfes.

Das dreijährige Tapirjunge darf beginnen und begeistert mit seinem Schimpfwort „Puddingpups“ sofort alle Anwesenden. Die Menge tobt.

Der Vorjahressieger Hirsch ist als nächster dran und „schreitet siegessicher zur Bühne“.

„Er stolpert, fängt sich wieder, Achtung!“ und schimpft! Und zwar richtig gemein, fies und beleidigend. Das gefällt allen Anwesenden so gar nicht, und er muss die Konsequenzen für seinen verbalen Wutausbruch tragen.

Aber wer hat denn nun die kreativsten Schimpfwörter im Gepäck und gewinnt „Das große Schimpfen“?

Die Geschichte ist als Live-Sendung konzipiert. Und dazu gehört selbstverständlich auch eine Werbepause, die in dem Buch nicht ausgespart wird. Sehr schön umgesetzt!

Hier wird auf eine wunderbar leichte Art dargestellt, dass Mobbing und Gemeinheiten in der Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.

Die wichtigen Themen werden hier mit Schmunzelmomenten versehen und haben viele kreative Anregungen im Gepäck.

Ein gern empfohlenes Buch mit Wirkkraft.

 

Anja Kuypers

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Das große Schimpfen

Michael Escoffier

Illustrationen von Kris Di Giacomo

Mixtvision Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 38 Seiten

ISBN 978-3958541870

15 €

Wann gehen die wieder?“ von Ute Krause, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Das Bilderbuch erschien bereits 2010 und 2013 in anderen Verlagshäusern und wurde nun erneut im Hause Gerstenberg verlegt.

Eine Geschichte mit schrägen Figuren und einem kindlichen Ich-Erzähler. Dieser berichtet von seinem und dem Leben seiner sechs Geschwister nach der Trennung der gemeinsamen Eltern.

Es beginnt mit einer Rückblende, und wie der Streit zwischen Mutter und Vater nach und nach zunahm.

Schlussendlich war ein Ende der Beziehung unumgänglich, und die Kinder pendeln seitdem mit Köfferchen zwischen den Elternteilen hin und her. Alles gar nicht so schlimm.

Bis der Vater eines Tages eine neue Freundin hat und mit ihren vielen Kindern ins Haus einzieht.

Der Ich-Erzähler und seine Geschwister sabotieren die neue Zweisamkeit auf ziemlich gemeine Art. Die Geliebte und deren Nachwuchs nehmen Reißaus und verschwinden.

Da der Vater unter dem Verlust arg leidet, kommen die Kinder zur Besinnung und machen sich auf die Suche nach den „Vermissten“....

Ein sehr gelungenes Buch über die Gefühlsirritationen in Trennungssituationen aus Kindersicht. Aber es zeigt auch auf, wie eine große Patchworkfamilie am Ende eines beschwerlichen Weges doch noch funktionieren kann.

Es geht um die Nuancen zwischen Trauer und Wut, zwischen Enttäuschung und Verlust, bevor zum Schluss Zusammenhalt und Familiengefühl wieder wachsen können.

Eine wunderbare Darstellung eines immer aktuellen Themas mittels illustrierter Figuren, die allesamt Märchenfiguren gleichen und sich selbst als Prinzen und Prinzessinnen bezeichnen.

 

Anja Kuypers

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Wann gehen die wieder?

Ute Krause

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3836961554

13 €

Die Geschichte von Mo“ von Dorothee Schwab und Stefan Karch, Tyrolia Verlag (2022)

 

Das Mädchen mit Namen Mo lebt in einer Hütte und begibt sich täglich barfuß, mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidet auf den Weg ins Dorf.

„Jeden Tag, wenn die Sonne hinter dem Hügel hervorblitzt, geht Mo los.“

„Sie kennt den Weg genau.“ Die Mauern, die Pflanzen und das Gefühl an einem, an ihrem Ort zu sein.

Doch es kommt der Tag, an dem alles anders ist.... Denn Mo geht nicht nur stur ihres Weges, sondern schaut auf den Boden und sieht dort eine Muschel liegen. Diese lockt die Sehnsucht in ihr nach einem Besuch am Meer. Schon immer wollte sie die salzige Luft riechen und schmecken.

Also verlässt sie den ihr so wohl vertrauten Weg und geht neue Pfade, die manche besondere Begegnung für sie bereithalten.

Welchen Weg nimmst du jeden Tag, und was ist das Besondere daran?

Dieses sehr sinnliche und emotional sensible Buch lädt zum Philosophieren mit Kindern ein.

In der Geschichte sieht man Mo tatsächlich am Meer ankommen.

Aber gelangt sie wirklich dorthin oder träumt sie sich nur aus ihrem Alltag heraus?

Manchmal braucht es Kleinigkeiten, wie die Muschel auf dem Weg, um auszubrechen und die Richtung zu ändern.

Schau` genau hin, lautet die Botschaft und trau` dich! Und bleibe immer neugierig.

Mo ist die alleinige Protagonistin in diesem Buch, und erst zum Ende teilt sie sich einem anderen Menschen mit.

Das Autoren- und Illustratorenduo arbeitet mit unterschiedlichen Materialien: Buntstifte und Aquarell- oder Kreidezeichnungen. Durch die zusätzliche Verwendung von Naturmaterialien, wie Reis- und Linsenkörner sowie Äste, sind naturnahe Collagen entstanden, die einander nie gleichen.

Jedes Bild ein eigenes Werk.

 

Anja Kuypers

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Die Geschichte von Mo

Dorothee Schwab und Stefan Karch

Tyrolia Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3702240455

16,95 €

Das Pfannkuchenbuch“ von Eric Carle, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Der erst kürzlich verstorbene Eric Carle weiß, wovon Kinder träumen: Pfannkuchen zum Frühstück! Sie gehören einfach auf jeden kindgerechten Speiseplan. Nicht unbedingt am Morgen, aber immer wieder mal...

In der Geschichte wacht der junge Felix eines Morgens auf und bittet seine Mutter um einen schönen, goldgelben Pfannkuchen. Die Mutter würde ihm den Wunsch gerne erfüllen, benötigt aber noch einige Zutaten. So muss Felix zunächst selbstständig den Weizen ernten, diesen dreschen und die Körner vom Müller zu Mehl mahlen lassen. Danach ist er auf das eierlegende Wohlwollen der hofeigenen Hühner angewiesen und wartet geduldig auf das Oval. Nachdem er auch noch die bunte Kuh gemolken und die Milch vom Rahm getrennt hat, darf er noch Butter stampfen.

Erst jetzt kann Felix` Mutter den Pfannkuchen backen und mit einem süßen Belag garnieren.

Obwohl die Geschichte in einer längst vergangenen Zeit spielt, in der die Industrialisierung noch nicht Einzug gehalten hat, ist das Thema so aktuell wie nie. Wo kommt eigentlich mein Essen her? Und wie bereite ich meine Speisen zu?

Carle überzeugt mit seiner einzigartigen Darstellung und trifft auch hier wieder den besonderen Ton. Dieses Buch macht Appetit!

 

Anja Kuypers

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Das Pfannkuchenbuch

Eric Carle

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 36 Seiten

ISBN 978-3836961301

10 €

Das kleine Echo“ von Al Rodin, NordSüd Verlag (2022)

 

„Hast schon mal ein Echo gehört? Gut möglich. Sie leben in Seen und Tunneln und Höhlen. Aber hast schon mal ein Echo gesehen?“

Mit diesen Worten begrüßt der aus London stammende Künstler und Autor Al Rodin seine kleinen und großen LeserInnen gleich zu Beginn des farbgewaltigen Bilderbuches.

Dies ist sein erstes Kinderbuch, nachdem er seine Kunst aus Acryl- und Wasserfarben bereits international erfolgreich ausgestellt hat.

In der Geschichte erhält das kleine Echo erstmals eine Stimme und ein Gesicht. Im Text wird für das Echo das weibliche Pronomen verwendet, und illustratorisch wird sie mausähnlich mit riesigen, gelben Ohren dargestellt. Eine sympathische Figur, die „den ganzen Tag nach Tönen sucht“ und dessen kräftiges Gelb sich gut vom Dunkel der Höhle, in der es lebt, abhebt.

Echos Aufgabe ist es, unerkannt zu bleiben, aus dem Dunklen zu wirken. Sie muss die gefundenen Töne in Teilen zurück zu werfen, darf oder kann aber nie selbst sprechen.

Bis zu dem Tag, an dem es den Jungen Max in Echos Höhle verschlägt. Er hält eine Schatzkarte in Händen und sucht akribisch nach dem versteckten Juwel.

Konzentriert beschäftigt bemerkt er deshalb das Ankommen eines gefährlichen Bären in der Höhle nicht. Echo beobachtet Max und traut sich in dem Gefahrenmoment erstmalig ihre Stimme zu nutzen.

Sie warnt den kleinen Jungen und nimmt ihn in einen sicheren Teil des Baus zu sich. In der sich anschließenden, gemeinsamen Suche nach dem Schatz, freunden sich die beiden an. Für Echo eine neue Erfahrung, einfach nur Reden und Zuhören zu dürfen, ohne auf Töne-Jagd gehen zu müssen. Das sonst unsichtbare Echo wird hier personalisiert und greifbar dargestellt.

Im Rahmen gewaltiger Farben und prächtiger Illustrationen präsentiert sich der Text kurzweilig und unterhaltsam.

Ein hübsches, freundliches Buch.... ch...h.....

 

Anja Kuypers

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Das kleine Echo

Al Rodin

Nord Süd Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105982

16 €

Gaudi – Architekt der Fantasie“ von Susan B. Kratz, NordSüd Verlag (2022)

 

Gaudi – ein Künstler, bei dem sich die Professoren uneins waren, ob die bestandene Abschlussprüfung ein Fluch oder ein Segen für die Bewohner Barcelonas darstellen sollte. Denn Gaudi veränderte durch seine ausgefallenen, künstlerischen Mosaiken das einfache Erscheinungsbild der Stadt extrem. Allerdings sorgte er in Folge für viele neugierige Touristen, die diese einzigartigen Neu- und Umbauten in der Stadt sehen wollten und in Scharen anreisten.

Auffällige Illustrationen säumen den kurzweiligen, informativen Text über das Leben von Antoni Gaudi. Einem Jungen, der wegen einer Bewegungseinschränkung in den Beinen zunächst der Schule verwiesen wurde.

Die gewonnene Zeit verbrachte er in der freien Natur rund um den Hof seiner Eltern auf dem spanischen Festland. Schnell entdeckte er seine Liebe zur Umwelt, mit all ihren runden, ganz und gar nicht geometrischen Formen und Figuren.

Später, im Kunst- und Architekturstudium konnte er sein Können unter Beweis stellen und ließ die ihm lieb gewonnenen, kreisförmigen Formen in seine Arbeiten einfließen.

Und dank seiner finanziellen Gönner entstanden so zahlreiche Bauten, die noch immer zu den wichtigsten Denkmälern unserer Zeit gehören.

Das Leben und Werken Gaudis wird hier wunderbar bebildert und textreich dargestellt.

Ein Buch, dass sich zum literaturpädagogischen Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen hervorragend eignet.

 

Anja Kuypers

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Gaudi – Architekt der Fantasie

Susan B. Kratz

Illustrationen von Linda Schwalbe

Nord Süd Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105982

16 €

Marina“ von Nikolaus Heidelbach, Beltz und Gelberg Verlag (2022)

 

Der namenlose Ich-Erzähler und sein Bruder finden ein dunkelhäutiges Mädchen am Strand. Regungslos sitzt sie gedankenverloren dort, trägt ein Kleid, nur eine Sandale und eine dicke Daunenweste, die vielmehr nach einer Rettungsweste aussieht. Ihr emotionsloser Gesichtsausdruck verheißt nichts Gutes.

Die beiden Kinder nehmen das Mädchen mit nach Hause, wo sie sofort herzlich aufgenommen wird und sich zunächst einmal erholen darf.

Sie geben ihr den Namen Marina. In der ersten Zeit spricht sie noch nicht, isst aber liebend gerne Fischgerichte.

Die Brüder geben sich jede erdenkliche Mühe um ihr das Ankommen im neuen Leben zu erleichtern. So nehmen sie Marina mit zum Spielplatz und machen leider direkt eine schlimme Erfahrung.

„Als ich mit ihr auf dem Spielplatz war, sagte ein Vater zu mir: „Zu lang im Ofen deine Freundin. [] Das hat Marina verstanden. Sie biss dem Mann in den Oberschenkel. Da mussten wir schnell abhauen.“

Eines Tages beginnt Marina mit dem Sprechen und berichtet von ihren Eltern, einem Königspaar, dass tief im Meer lebt.

Plötzlich verändern sich die Illustrationen: sie zeigen sich rahmenlos und viel farbiger, als bisher. Marina blüht auf und erzählt alles von ihrem Zuhause, ihrem tatsächlichen Leben unter Wasser.

Aber ist Marina wirklich ein Meer-Mädchen? Der Bruder des Ich-Erzählers hat da so seine Zweifel...

Die vordere Umschlagseite zeigt eine große Welle, die auf der hinteren Umschlagseite bereits abgeebbt ist. Am Ende bleibt Marina zurück, das Mädchen, dessen Existenz Rätsel aufgibt.

Ein Bilderbuch, das seine LeserInnen zu anschließenden Gesprächen einlädt. Sind es die Themen Flucht und Fremdenfeindlichkeit, die den roten Faden mitbestimmen? Oder ist es doch das Phantastische, was das Buch ausmacht?

Am Ende ist es immer gut, wenn über Bücher gesprochen wird. Allerdings braucht es in diesem Kontext eine elterliche Begleitung und ein angeleitetes Gespräch.

 

Anja Kuypers

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Marina

Nikolaus Heidelbach

Beltz und Gelberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3407756329

15 €

Das Riesen-Wimmel-Ei“ von Barbara Korthues, Esslinger Verlag (2021)

 

Ein toller Ansatz, wenn sich die Form des Buches der Thematik anpasst.

Die LeserInnen erwartet ein sehr großformatiges Buch in Form eines Ei`s. Das perfekte, textlose Wimmel-Ereignis für alle Osterhasen-Fans und die, die es noch werden wollen.

Sie erfahren, wie sich der herkömmliche Osterhase für das Fest fit hält.

Und woher kommen die Eier eigentlich? Kann man Fische auch mit Eiern als Köder fangen?

Da, wo selbst die Straßenlaternen die Form von Eiern haben, leben die ProtagonistInnen dieses Buches. Die Hasen, ein buntes, freundliches Völkchen, das jede Menge Spaß und Freude im Berufsleben hat.

Sie stellen Schokoladenlutscher her, färben Eier und naschen gerne selber am liebsten.

In diesem wunderschönen, farbenprächtig illustrierten Wimmelbuch erfahren wir mehr über das Leben der possierlichen Nager. Hasen-News noch und nöcher...

Es gibt jede Menge zu entdecken, und darüber darf und soll gesprochen werden.

Manch häsische Ausnahmetalente werden auf der Buchrückseite in ausgewählten Szenen vorgestellt, die ebenfalls auf den Wimmelseiten gefunden werden wollen.

Weitere Suchaufträge sind dringend erwünscht.

Ein dickpappiges Wimmelbuch vom Allerfeinsten. Nicht nur zur Osterzeit....

Denn Wimmeln geht immer und eignet sich hervorragend für die kurzweilige, spielerische Sprachförderung.

 

Anja Kuypers

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Das Riesen-Wimmel-Ei

Barbara Korthues

Esslinger Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 16 Seiten

ISBN 978-3480236688

19 €

Eine Geschichte macht Geschichten“ von Tor Fretheim, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Was macht ein Schriftsteller, wenn er keine Schreib-Idee hat?

Er denkt und schaut und schaut und denkt. Und wenn ihm nach Tagen des Denkens und Schauens immer noch nichts Brauchbares einfällt, verlässt er sein Haus und spaziert in seiner Stadt umher.

„Er brauchte frische Luft!“ Nicht die schlechteste Idee, denn plötzlich lässt sich der namenlose Protagonist des Buches von den Leben seiner Mitmenschen inspirieren.

Von der mürrischen Frau, die einfach nur täglich am offenen Fenster steht und hinaus sieht. Von einer umher streunenden Katze und von einem Jungen, der hoch oben in den Baumkronen der Bäume im Park hockt. Oder von einem Mädchen, dem es auf dem Spielplatz wunderbarerweise gelingt, alleine zu wippen.

Plötzlich hat der Schriftsteller so viele Einfälle, dass er nach Hause läuft und dringend eine Geschichte schreiben muss. Seine anfänglichen Schreibversuche verwirft er, knüllt das Papier zusammen, beginnt von vorne.

Am Ende aber freut er sich über die finale Fassung.

„Er öffnete das Fenster.“ Und der Wind wirbelte alle Seiten durcheinander und „nahm alle Blätter mit.“.

Nun geht seine Geschichte auf Reisen und trifft alle vorherigen HandlungsteilnehmerInnen wieder...

Wie werden sie reagieren? Ob der Junge die Baumkrone verlässt und die Frau am Fenster plötzlich freundlich wird?

Das Leben schreibt seine Geschichten, wie es ihm gefällt. Meistens kommt es anders, als man denkt.

Mit versteckten Botschaften und treffenden Aussagen kratzt das Buch zwar nur an der Oberfläche, lässt sie aber im Nachgang tief wirken.

Dezent poetisch und hintergründig tiefsinnig, verläuft die Geschichte ruhig und klar.

Die fein gezeichneten Illustrationen passen sich dem zartfühlenden Grundton des Buches an.

 

Anja Kuypers

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Eine Geschichte macht Geschichten

Tor Freitheim

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3836961172

13 €

Die Erdmännchen sind los“ von Stefanie Jeschke, Gerstenberg Verlag (2022)

 

Ein wunderbares, dickpappiges Wimmelbuch über einen Ausflug in den Zoo für die Kleinsten.

Je Doppelseite müssen 10 Erdmännchen gesucht werden, die aus ihrem Gehege ausgebüxt sind und es sich nun in den Unterkünften ihrer tierischen Mitbewohner bequem gemacht haben.

Da kann es schon mal passieren, dass ein Erdmännchen unter dem mit Wasser gefüllten Rüssel eines Elefanten steht und duscht. Oder dass es Auge in Auge einem Schaf gegenüber steht.

Manche Artgenossen reiten auch im Wild-Western-Stil auf einem Strauß durch den Zoo und schwingen das Lasso. Viele Schmunzelmomente sind garantiert.

Der Zoo ist nach Kontinenten und deren jeweiligen Tieren eingeteilt.

Eine wunderbar ansprechende Aufmachung und zugleich illustratorische Umsetzung.

Einzig wäre eine Karte von allen Gehegen des Zoos schön gewesen, um den Überblick zu behalten und die Einzelansichten mit der Übersicht vergleichen und besprechen zu können.

Zum Ende des Buches gibt es noch gezielte Suchaufträge für die jungen BetrachterInnen.

Einzelne, mit Namen versehene Tiere wollen auf den Seiten gefunden werden: von Gisela Giraffe, über Philipp Pinguin bis zu Fritti Frosch.

Dank der alliterarischen Wortwahl wird aus dem bis dahin anonymen Tier ein greifbarer Freund.

Dieses Buch bietet einen wunderbaren Einstieg in die bunte Welt der Wimmelbücher, die für die Sprachförderung und Lesemotivation unerlässlich sind.

Mit den Erdmännchen als Sympathieträger und Alleinunterhalter wird die Lust auf das Buch und einen anschließenden Zoobesuch geschürt.

 

Anja Kuypers

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Die Erdmännchen sind los

Stefanie Jeschke

Gerstenberg Verlag (2022)

Bilderbuch

gebunden, 12 Seiten

ISBN 978-3836957915

18 €

Morgen Tiere, wird`s was geben!“ von Gerlis Zillgens, Esslinger Verlag (2021)

 

Dieses Buch enthält eine herzliche, lustige und sehr unterhaltsame Adaption der Weihnachtsgeschichte als tierisches Krippenspiel.

Mit den ersten, kühlen Dezembertagen hält auch die Langeweile im beschaulichen, fernab gelegenen und kaum bekannten Ort Tierlingen Einzug.

Esel, Katze, Gans, Ziege und Co. wissen einfach nichts mit sich und dieser ruhigen Zeit anzufangen. Das Wetter lädt auch noch kaum zum Spielen an der frischen Luft ein.

Nur gut, dass die Dorfchefin, Elefantendame Elfriede, eine Idee hat: sie erinnert sich an ihre Zeit im Zoo. Regelmäßig in der Winterzeit haben die Menschen dort „Krippe gespielt“. Das war stets ein kurzweiliges Vergnügen.

Elfriede schafft es, alle Tiere zu begeistern. Sie wollen nun auch unbedingt „Krippe spielen“.

Die Elefantendame mutiert kurzerhand zur Regisseurin und Theaterdirektorin.

Sehr zum Missfallen von der Kuh Nigunde, die ebenfalls gerne Verantwortung übernehmen würde.

Aber was braucht es eigentlich zum „Spielen von Krippen“?,

Auf jeden Fall drei „eilige Könige“. Und da diese im Morgengrauen, also zur Frühstückszeit an der Krippe erschienen sind, müssen sie natürlich die zum Essen Leberwurst, Äpfel und Heu mitbringen.

Tierisch interpretiert....

Es kommt der Tag, an dem Elfriede mächtig improvisieren muss, denn so richtig erinnert sie sich dann doch nicht mehr an den genauen Ablauf vom „Krippe spielen“.

Dies kommt Kuh Nigunde gerade recht. Von Beginn an hat sie Elfriedes Wissen infrage gestellt und nutzt nun die Gunst der Stunde, um sie vor allen anderen Tieren bloß zu stellen.

Trotz dieser kurzen Fehde zwischen den Tieren, erheitert diese Geschichte ungemein.

Mit einer äußerst passenden Portion Zusammenhalt und Freundschaft sowie Vertrauen ist weihnachtliche Unterhaltung garantiert. Sehr gerne empfohlen.

 

Anja Kuypers

 

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Morgen Tiere, wird`s was geben!

Gerlis Zillgens

Illustrationen von Katja Jäger

Esslinger Verlag, 2021

Kinderbuch

gebunden, 96 Seiten

ISBN 978-3480236732

12 €

Das Weihnachtskind“ von Rose Lagercrantz, Moritz Verlag (2015)

 

In diesem sehr wertig gestalteten Buch wird der Versuch unternommen, die Geschichte Jesus` neutral zu erzählen. So ist lediglich die Rede von „dem Kind“. Nur ab und an schleichen sich religiöse Details in die Erzählung.

Besonders gelungen ist die Darstellung aller Zusammenhänge der biblischen Geschichte.

Von Herodes, der Flucht nach Ägypten bis zur Ankunft des Kindes und sein Weg zum erwachsenen Mann.

Am Ende geht es vielmehr um den Frieden auf Erden. Frieden, der genau in der Nacht, als das Kind geboren wurde herrschte.

“Als das Kind eingeschlafen war, legte sie es in die Krippe des Ochsen. Und alles wurde ruhig und friedlich.“ Ein alternatives Buch zum Vorlesen in der Weihnachtszeit.

Doch so neutral die Ansätze im Buch auch sind, ein Hauch Christentum schwingt trotzdem mit.

Geschrieben und illustriert von den zurecht mehrfach prämierten Künstlerinnen Lagercrantz und Bauer.

Der Text, in Form von sehr präsenten, fett dargestellten Druckbuchstaben geht Seite an Seite mit den wunderbaren, dezenten Illustrationen.

Die Buchumschlagseiten bilden den harmonischen Umgang vieler verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ab. Es könnte doch so einfach sein... Zusammenhalt lautet das Stichwort.

 

Anja Kuypers

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Das Weihnachtskind

Rose Lagercrantz

Illustrationen von Jutta Bauer

Moritz Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3895653094

13,95 €

Doktor Popow“ von Dorothée de Monfreid, Reprodukt Verlag (2021)

 

Ein neuer Band aus der Reihe der sympathischen Hundebande aus der Feder der beliebten und kreativen Autorin und Illustratorin.

Dieses Mal verkleidet sich der größte Hund der Bande als Doktor. Ausgestattet mit Stethoskop sowie Arztkoffer und gekleidet in einen weißen Arztkittel überrascht er die Bande, die sich zu dem Zeitpunkt viel lieber in Ruhe einen Film ansehen möchte.

„Sei leise!“ oder „He, wir schauen hier einen Film an“ ist in Folge zu lesen...

Doch Popow stellt Ferndiagnosen und ist sich sicher, dass einer, dem der spannende Film „zu Kopf gestiegen ist“ bestimmt Fieber habe. „So ein Quatsch!“ kommentiert dieser.

Alle anderen, denen der „Arzt“ ein schlechtes Aussehen diagnostiziert, ziehen grimmige Gesichter. Niemand öffnet den Mund und zeigt freiwillig seine Mandeln. Die Bande will einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Nun ist Popow frustriert. Da sich partout keiner der Hunde von ihm untersuchen lassen möchte, sitzt er traurig in der Zimmerecke und genehmigt sich selbst ein Schlückchen seiner „Medizin“, die er in der Tasche seines Arztkittels bei sich trägt. In diesem ,Moment werden seine Freunde auf ihn und sein rotes, scheinbar schmackhaftes, süßes Gebräu aufmerksam. Vielleicht ist das Kranksein doch nicht so schlecht?

Eine wunderbare, neue Geschichte der Bande, die einem im Laufe der Jahre richtig ans Herz gewachsen ist. Erneut gelingt es der Autorin jedem einzelnen Tier einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen.

In diesen Büchern braucht es nicht viel Drumherum. Immer auf den Punkt textet de Monfreid mit pointierten Kommentaren.

So funktionieren Hundegeschichten im Comicstil!

 

Anja Kuypers

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Doktor Popow

Dorothée de Monfreid

Reprodukt Verlag, 2021

Comic

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3956402869

14 €

Amelie und die Entdecker“ von Barbara van den Speulhof, Mixtvision Verlag (2021)

 

Die sympathische, neugierige Amelie ist Pilotin und verreist gerne mit ihren zwei Hühnern in ihrem eigenen Flugzeug, auf dessen Dach sie jede Menge Koffer und Taschen verstaut.

Sie ist eine „Weltentdeckerin“, eine „Allesgenauwissenwollerin“ - stets freundlich und offen zu jedermann.

Ihre Propellermaschine landet sie in diesem Abenteuer auf einer abgelegenen Insel, die zunächst unbewohnt scheint. Dabei wird sie seit ihrer Landung von den dort heimischen Tieren unbemerkt beobachtet. Vertauschte Rollen – denn hier wird der Mensch genau untersucht, während Amelie sich die Natur näher ansieht.

„Dem Elefanten fällt gleich auf, dass sie keinen Rüssel hat.“ und „,Der Tiger findet merkwürdig, dass sie keine Pfoten hat.“ Was ist sie wohl und woher kommt sie?, fragen sich die Tiere. Wer Antworten haben möchte, muss den Kontakt suchen. Also sprechen die Tiere Amelie an.

„Ich komme von irgendwo“, lautet ihre Antwort.

Die Tiere helfen ihr eine Unterkunft zu bauen und beschreiben das Leben auf der Insel ganz genau. Amelie notiert fleißig das Erlernte. Auch sie versucht ihr Leben bestmöglich zu vermitteln. So lernt der Affe zum Beispiel das Zähneputzen.....

Mensch und Tier begegnen sich in diesem Buch sehr friedlich und freundlich, und beide lernen voneinander. Wunderbar! So sollte es immer sein.

Doch trotz allen Glücks muss Amelie irgendwann weiterziehen, denn die Welt hat noch so viel Unerforschtes zu bieten.

An der Seite sehr ansprechender Illustrationen, glänzt der Text mit vielen, wunderbaren Wortneuschöpfungen sowie mit einem Spiel aus Schriftgröße und -format.

Das Buch hat Potential zu einer Fortsetzung und lässt sich vielfältig in der Vermittlung von Kinderliteratur einsetzen.

 

Anja Kuypers

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Amelie und die Entdecker

Barbara van den Speulhof

Illustrationen von Mirjam Zels

Mixtvision Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3958541665

15 €

Die Arche Noah“ von Piotr Wilkon, NordSüd Verlag (2021)

 

Dieses Buch reiht sich zwar in die Menge zahlreicher Adaptionen der Geschichten um die biblische Arche Noah ein und fällt trotzdem durch seine Leichtigkeit auf. Die Version nimmt der Bibelversion die Schwere und mischt eine Prise Humor sowie kindgerechtes Verständnis unter. Religion und Glaube spielen nur am Rande eine Rolle.

Es beginnt mit dem Traum Noahs, in dem er das verheerende Ende der Welt voraussieht. Noah baut daraufhin eine Arche, um sich und seine Familie sowie zahlreiche Tiere vor den potentiellen, furchtbaren Überschwemmungen zu retten.

Als es bereits zu regnen beginnt, tummeln sich diverse Tiere vor dem Bau und bitten Noah um Einlass. Er hingegen mahnt etwas genervt, sich in Geduld zu üben.

Als der Regen stärker wird und das fertige Schiff bereits über die Meere segelt, beschweren sich die Tiere über die Zustände an Bord: es tropft durch die Decke, das Schiff ist viel zu niedrig.

„Ja, die Bedingungen sind wirklich nicht besonders.“

„Wenn es Euch hier nicht gefällt, könnt ihr ja aussteigen. Und zwar alle! Sofort!“, kontert Noah und fordert mehr Dankbarkeit von den Tieren ein.

Was zunächst fruchtet, ebbt nach weiteren Tagen auf See erneut ab, und die Tiere stellen Noahs ursprünglichen Traum in Frage. War alles umsonst?

Als sie aber endlich Land sehen und die Arche ankern kann, verlassen die Tiere das Schiff und verteilen sich auf die angrenzenden Berge und Täler in der neuen Heimat.

Gekonnt werden die Tiere in dieser Ausgabe personalisiert dargestellt, und Noah ist auf einmal nahbar.

Die jungen LeserInnen werden sich angesprochener fühlen und die Moral hinter der Geschichte einfacher verstehen lernen.

 

Anja Kuypers

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Die Arche Noah

Piotr Wilkon

Illustrationen von Jozef Wilkon

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3314105845

15 €

Der Clown sagte Nein“ von Mischa Damjan, NordSüd Verlag (2021)

 

Sei authentisch und gib Dich so, wie Du bist!

Verfolge Deine Träume und lass` Dich nie durch andere verbiegen!

Diese Aussagen bilden den Kern des Buches, das bereits 1961 erstmalig erschien.

Zum 60jährigen Jubiläum des NordSüd Verlages wird das Buch nun in vierter Auflage und Aufmachung verlegt und vom mehrfach, zurecht preisgekrönten Torben Kuhlmann illustriert.

Die Geschichte handelt vom Clown Petronius und verschiedenen Zirkustieren, die den Anordnungen des Zirkusdirektors nicht mehr gehorchen wollen. Eine Art Streik beginnt...

„Ich will nicht mehr lachen und nicht mehr weinen, sagte Petronius ruhig, „es hat mir noch nie Spaß gemacht, den Narren zu spielen.“

Auch das Pony verweigert die Dressur, der Löwe will nach Afrika zurück, die Giraffe will ihren Hals sinnvoll gebrauchen, und der Hund will sich nicht mehr verkleiden müssen.

Entgegen der Erwachsenen, die vielmehr der Meinung sind „Das war schon immer so!“ und die Verweigerung der Auftritte mit Buh-Rufen kommentieren, gefällt den Kindern im Publikum des Zirkus` das rebellische Verhalten, und sie beklatschen den Clown und seine Tiere.

Diese wollen nun viel lieber ihre eigenen Geschichten erzählen und sich nicht mehr dem Zirkusgeschehen unterwerfen müssen.

Sie kündigen ihre Anstellung und ziehen gemeinsam los, auf der Suche nach adäquater Arbeit.

Auch in dieser vierten Auflage der wunderbar illustrierten Geschichte ist die Quintessenz immer noch nicht antiquiert. Irgendwo gibt es immer einen Weg, die eigenen Träume und Wünsche zu verwirklichen. Jedes „Publikum“ der Arbeit spürt den Spaß und die notwendige Authentizität.

Am Ende des Buches bedanken sich die jungen ZuhörerInnen bei der Zirkus-Entourage für die schönen Geschichten.

60 Jahre NordSüd-Verlag – DANKE für die vielen, einzigartigen Bücher!

 

Anja Kuypers

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Der Clown sagte Nein

Mischa Damjan

Illustrationen von Torben Kuhlmann

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN  978-3314105838

15 €

Kleine Schneeflocke“ von Benji Davies, Aladin Verlag (2021)

 

Die feinfühlige Weihnachtsgeschichte beginnt mit einem Vorwort von Sir Francis Bacon:

„Wir haben nur diesen einen Augenblick, strahlend wie ein Stern in unserer Hand und dahinschmelzend wie eine Schneeflocke....“

In auktorialer Erzählweise lässt der Autor die LeserInnen an zwei parallel verlaufenden Geschichten teilhaben, die sich zum Ende des Buches begegnen.

Da gibt es die tanzende, kleine, junge Schneeflocke, die hoch oben in den Wolken wohnt und eigentlich gar nicht zu Boden fallen möchte. Vom Wind getragen, schwebt sie oberhalb einer Stadt und schaut sie sich von oben an.

Dort leben Noelle und ihr Opi, die sich gerade auf einem winterlichen Spaziergang befinden. „Vielleicht wird es heute Abend schneien, dachte sie.“

Das Mädchen liebt die vorweihnachtliche Stimmung und kann das Schmücken des Hauses gar nicht abwarten. So nimmt sie spontan einen Tannenzweig mit nach Hause, der achtlos am Straßenrand liegt. Gemeinsam mit ihrem Opi dekoriert sie den Zweig mit Selbstgebasteltem auf. Doch am Ende fehlt ein Stern auf der Spitze des Zweiges, den sie auf dem äußeren Fensterbrett ihres Zimmers platziert. Währenddessen fällt die Flocke weiter gen Erdboden.....

Das Buch vermittelt eine Vorfreude auf die kalte Jahreszeit, auf ein heimeliges, wohliges Miteinander, wenn es draußen stürmt und der Blick auf die vom Schnee bedeckten Landschaften fällt. Einfach hygge!

Die Geschichte lässt sich in der Literaturpädagogik hervorragend kreativ einsetzen und anwenden.

Winter-Weihnachtszeit - sehr fein und fühlig!

 

Anja Kuypers

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Kleine Schneeflocke

Benji Davies

Aladin Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3848901968

15 €

Elli, die Kleinste von allen“ von Lu Fraser, Thienemann Verlag (2021)

 

Die Geschichte handelt von einem jungen, kleinen Yak-Mädchen namens Elli. Sie ist das kleinste Tier einer Yak-Herde, die mitten in Tibet lebt. Alle Yaks sind sie mit tibetanischen Decken, bunten Mützen und ausladendem Kopfschmuck geschmückt. Ein sehr hübsches Bild!

Elli hat langes, weißes Fell und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich groß zu sein. Aber sie muss sich in Geduld üben..... Die Mutter verspricht ihr, dass der Tag irgendwann kommen wird.

Elli hingegen lässt nichts unversucht, das Wachstum aktiv zu unterstützen: sie treibt sehr viel Sport, isst jede Menge Gemüse und liest sich Wissen zum Erwachsenwerden an.

Inmitten ihrem bislang erfolglosen Bemühen um zügiges Wachstum benötigt die Herde plötzlich dringend ihre Hilfe.

Der kleine Yaki, ein Yak-Junge, ist in Gefahr.

„Schau! Yaki dort oben! Verirrt auf dem Gipfel! Da, wo`s ganz eng ist, am äußersten Zipfel!“

Wird Elli helfen können?

Eine Geschichte über Mut und Selbstvertrauen sowie die wichtige Botschaft, dass jeder eine individuelle Stärke in sich trägt.

An der Seite von hübschen, kindgerechten, seitenumfassenden Illustrationen, tritt der fett gedruckte Text in Versform auf.

Mit den Yaks als Protagonisten wird eine Tierart gewählt, die längst in Vergessenheit geraten ist und der hier, trotz ihrer Größe, eine bestimmte Feinfühligkeit zugeschrieben wird. Sehr gelungen.

 

Anja Kuypers

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Elli, die Kleinste von allen

Lu Fraser

Illustrationen von Kate Hindley

Thienemann Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN  978-3522459624

14 €

Ein Ort für meine Traurigkeit“ von Anne Both, Gabriel Verlag (2021)

 

Auch der dunkelste Wald kann mit Lichtern, bunten Fahnenketten und lustigen Fotos aufgehellt werden. So dargestellt auf der vorderen und hinteren Umschlagseite des prächtigen Bilderbuches.

Ein nicht näher beschriebener Mensch erhält eines Tages „Besuch“ von der Traurigkeit, in Form eines personalisierten „Wollknäuels“ mit Armen und Beinen in kühlen, eisblauen Farben. Es lächelt nie, trägt aber ein kleines, unscheinbares, rotes Herz in sich.

Die Traurigkeit schleicht sich zunächst von hinten an den Menschen heran und bittet um einen Ort, wo es sich niederlassen kann. Der Mensch heißt sie herzlich willkommen und bietet ihr einen Platz zum Wohnen bei sich an. Der Traurigkeit wird also Raum gegeben. Sie darf einfach sein.

Und das ist auch gut so. Vor allem gesund. Für alle.

Die Traurigkeit darf in ihrer Unterkunft selber entscheiden, ob die Vorhänge ihrer Behausung offen oder geschlossen sind. Je nach Stimmung und Lebenslage.

„Die Traurigkeit darf aber auch im Dunkeln sitzen, wenn sie mag. Einfach so, wie ihr gerade zumute ist.“

Die Inspiration für dieses Buch, das im Original aus England stammt, erhielt die Autorin von einer jüdische Niederländerin, die während des zweiten Weltkrieges 1943 im KZ verstarb. Vor ihrem Tod machte sie dneutlich, wie wichtig das Zulassen von Trauer ist. Nur auf diese Weise, kann sie nachhaltig verarbeitet werden.

Ein Buch über die Bedeutsamkeit der Trauerverarbeitung. Trauer gehört zum Leben dazu. Auch wenn sie noch so tragisch und schwer ist....

In der Geschichte wird diese Botschaft mittels vieler Vergleiche und Metaphern anschaulich illustriert und kindgerecht dargestellt.

 

Anja Kuypers

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Ein Ort für meine Traurigkeit

Anne Both

Illustrationen von David Litchfield

Gabriel Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3522305976

15 €

Mach`s gut, Eichhörnchen“ von Cee Neudert, Thienemann Verlag (2021)

 

Es sollte ein schöner, entspannter Waldspaziergang werden....

Die Großmutter und ihre Enkelin „spielen Verstecken und klettern ein bisschen auf die Bäume“.

Bis sie auf ihrem Weg ein totes Eichhörnchen finden.

Behutsam nehmen sich die beiden Zeit und Beobachten den toten Nager ganz genau. Das Tier sieht aus, als schliefe es friedlich. „Ich wundere mich, wie das Eichhörnchen nur so still liegen kann.“

Gemeinsam beschreiben sie die sichtbaren, äußeren Merkmale des Tieres und tauschen sich über die Besonderheiten von Eichhörnchen grundsätzlich aus.

Der doppelseitigen Illustration des toten Nagers folgt eine kleinere Bildserie, die den Verwesungsprozess skizziert. Stets mit Bedacht und ausschließlich biologisch chronologisch.

So wird irgendwann aus den Überresten des Hörnchens neues Leben entstehen.

Ein Buch über Leben und Tod, vom Kreislauf des Lebens.

Natürlich abgeklärt und anschaulich verpackt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des namenlosen Mädchens erzählt. Großmutter und Enkelin werden von der hinterbliebenen Familie des toten Eichhörnchens, die sich in den umliegenden Bäumen versteckt halten, permanent beobachtet. Eine wunderbar lebendige Ergänzung zur eher trüben Thematik.

Die Farbwahl der Illustrationen ist besonders gut gelungen und trifft den Ton der Geschichte ausgezeichnet.

Es sind die Feinheiten in den Bildern und der selbstverständliche Umgang mit dem Tod, die das Buch zu etwas Außergewöhnlichem werden lassen.

 

Anja Kuypers

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Mach`s gut Eichhörnchen

Cee Neudert

Illustrationen von Lena Winkel

Thienemann Verlag (2021)

gebunden, 32 Seiten

ISBN  978-3522459266

14 €

Argos – Die Geschichte von Odysseus` treuem Freund“ von Isabelle Wlodarczyk, Knesebeck Verlag (2021)

 

Durch dieses Buch können besonders jüngere LeserInnen bestens an die interessante, griechische Mythologie herangeführt werden, ohne das es langweilig oder angestaubt wirkt.

Erzählt aus der Ich-Perspektive des Hundes Argos, wird die Geschichte von Odysseus beschrieben und passend illustriert.

Der treue Weggefährte des griechischen, groß gewachsenen Helden lebt zufrieden und glücklich mit seiner Frau Penelopé sowie dem gemeinsamen, jungen Sohn Telemachos auf der Insel Ithala. Odysseus und Argos sind beste Freunde. Das Vertrauen zwischen Mensch und Tier könnte kaum größer sein. Als der Krieg ausbricht, wird Odysseus einberufen. Noch bevor er seine Familie zurücklassen muss, beauftragt er Argos, Telemachos zu beschützen.

Trotz der Sehnsucht nach seinem Herrchen, erfüllt er dessen Wunsch und nimmt sich des kleinen Jungen an. Wie wunderbar wäre es, wenn Odysseus zu seinem Sohn und Hund zurückkehren könnte. Telemachos und Argos sitzen täglich am Strand und schauen erwartungsvoll auf das offene Meer, verbunden mit der Hoffnung, sein Schiff möge am Horizont auftauchen.

Telemachos hält es eines Tages nicht mehr aus und macht sich selber auf die Suche nach seinem Vater. Der Hund bleibt, bereits altersgeschwächt zurück, kümmert sich um Penelopé und hält weiterhin täglich Ausschau nach den Kriegsrückkehrern.

Es rührt zu Tränen, wenn Odysseus nach zahlreichen Irrfahrten und nach über zehn Jahren zu seiner Insel und Familie zurückkehrt. Der alte Hund erwartet ihn und kann nun endlich loslassen...

Diese aufopfernde, grenzenlose Liebe zwischen Mensch und Tier wird hier bestens dargestellt und gekonnt in Szene gesetzt.

Eine geschickte Idee, die Vermittlung von geschichtlichem Wissen mit einer Geschichte, erzählt aus der Sicht eines Tieres zu verknüpfen.

Die verwendeten Illustrationen orientieren sich in weiten Teilen an damaligen Malereien.

Ein gelungenes Buch, das gerne empfohlen wird.

 

Anja Kuypers

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Argos – Die Geschichte von Odysseus` treuem Freund

Isabelle Wlodarczyk

Illustrationen von Alice Beniero

Knesebeck Verlag (2021)

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3957285270

14 €

Aus heiterem Himmel“ von Jon Klassen, NordSüd Verlag (2021)

 

Der zurecht mehrfach prämierte kanadische Autor Klassen brilliert erneut mit diesem neuen Bilderbuch.

Es erzählt die Geschichte von einer Schildkröte mit Hut, die ihren Lieblingsplatz an einer einzigen Blume ohne Blätter, dafür mit roter Blüte gefunden hat. Inmitten einer kargen Landschaft mit Wüstencharakter ist dieses Pflänzchen tatsächlich eine Ausnahme und verleiht der Umgegend etwas Farbe. Es wundert also nicht, dass die Kröte sich diesen Platz ausgesucht hat.

Unweit von ihr hat es sich ein Nager, ebenfalls mit Hut auf dem Kopf, an einem einzelnen Pflanzenstängel bequem gemacht und nennt diesen Platz seinen absoluten Lieblingsort.

Aber welches ist denn nun der bessere Ort? Die beiden tierischen Protagonisten tauschen sich über die Vor- und Nachteile aus und testen abwechselnd die jeweiligen ausgelobten Örtlichkeiten.

Der Nager kommentiert an Schildkrötes Blume: „Ich habe ein ungutes Gefühl, ehrlich gesagt.“

Und zwar zurecht. Denn der aufmerksame Leser ist schlauer, als die HandlungsteilnehmerInnen.

So stellt der Autor direkt zu Beginn der Geschichte den vom Himmel herabstürzenden Felsen dar.....

Eine Schlange mit Käppi ergänzt die Gruppe, und alle drei beginnen über die Zukunft zu philosophieren.

Klassen gelingt – wie immer – eine wunderbar, entspannte Darstellung der Szenerie mit jeder Menge Humor und einer unerwarteten Wendung.

In den fünf Kapiteln des kurzweiligen Bilderbuches sind die Redebeiträge der Handlungsteilnehmer in unterschiedlichen Farben dargestellt – dialogisches Lesen bietet sich an.

Zudem spielt der Autor mit Schriftgrößen und -arten, sodass der jeweilige Erzählton bestens abzulesen ist.

Hier ist der Himmel wirklich heiter!

 

Anja Kuypers

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Aus heiterem Himmel

Jon Klassen

NordSüd Verlag (2021)

gebunden, 96 Seiten

ISBN  978-3314105739

18 €

Der Nächste, bitte!“ von Michael Escoffier, Moritz Verlag (2021)

 

Die Geschichte spielt in einer Tierarztpraxis. Im Wartebereich sitzen Elefant Krokodil, Hase & Co und warten auf ihre Behandlung.

„Der Nächste, bitte!“, ist zu lesen, wenn der Arzt den Kopf durch die Tür steckt und die Patienten nacheinander, zu sich in das Sprechzimmer bittet.

Das Krokodil darf als erstes eintreten. Es klagt über Zahnweh, und prompt entdeckt der Arzt den Stängel eines Lutschers, der sich zwischen den mächtigen Zähnen verankert hat.

Beim Elefanten entfernt er professionell einen Kaugummi, der im Rüssel feststeckt.

Wer genau aufpasst und richtig durchzählt, wird schnell feststellen, dass die Patienten im Wartezimmer immer weniger werden. Obwohl sie noch nicht vom Arzt hereingebeten und untersucht wurden. Warum ist das so?

Als nächstes ist der Wolf dran. Er leidet angeblich unter Halsweh und lässt sich vom Arzt tief in den Mund und Rachen schauen. Viel zu tief......

Bis dahin ist die Geschichte für die Allerkleinsten, in Form eines Dicke-Pappe-Buches, wunderbar kindgerecht und kreativ gestaltet.

Jedem, zu behandelnden Tier, wird eine andere Hintergrundfarbe auf den Seiten gewidmet, und die comicartige Aufmachung des Textes, in Form von Sprechblasen, passt sich den überaus gelungenen Illustrationen bestens an.

Manche abgebildeten Geräuschwörter sowie die kurzen Dialogszenen regen zum Mitmachen, zum Nachahmen an.

Das offene Ende der Geschichte sollte in elterlicher Begleitung aufgefangen und final fortgeführt werden. Vielleicht bieten sich die Ideen weiterer, tierischer Patienten an, die das eigentlich vorhersehbare Ende der Geschichte ein wenig verharmlosen und weniger dramatisch erscheinen lassen. Ein Buch mit Potential.

 

Anja Kuypers

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Der Nächste, bitte!

Michael Escoffier

Illustrationen von Matthieu Maudet

Moritz Verlag (2021)

Dickpappe, 30 Seiten

ISBN 978-3895654039

9,95 €

Auf zum Markt – Eine Wimmelbilder-Geschichten“ von Doro Göbel und Peter Knorr, Beltz und Gelberg Verlag (2021)

 

Das textlose, großformatige Bilderbuch ist mehr als ein klassisches Wimmelbuch.

Es illustriert die Antworten auf Fragen, wie „Welche Stände gibt es auf einem Markt und woher kommen die Waren eigentlich?“

Der Verlauf der Nahrungskette wird am Beispiel der Hofgemeinschaft Wiesengrund dargestellt.

Dort wird so einiges produziert, abgefüllt oder angebaut. Vom Honig bis zum Käse, über die Obst-, Gemüse- und Heuernte sowie dem Einsammeln der Eier der hofeigenen Hühnerschar und die Woll-Manufaktur.

Auf dem Hof herrscht ein buntes Treiben. Da büxt auch schon mal ein Schaf aus, und Hunde laufen zwischen den spielenden Kindern umher, die sich auch mal ein Bad im hofeigenen Teich gönnen. Da möchte man auch Kind sein...

Zwischen den abgebildeten Werkstätten, Gewächshäusern und Feldern gibt es Vieles zum Entdecken.

Gut gelaunte Menschen bestücken die Lastwagen, um sich dann in einer Kolonne auf den Weg zum Markt zu machen. Von Seite zu Seite wächst die Anzahl der Transportmittel und Konsumgüter.

Auf dem Markt wartet bereits die hungrige und neugierige Kundschaft auf die neuen Waren.

Das Buch zeigt einmal mehr auf, wie wichtig gesunde, regionale Kost ist. Essen kann eben doch Spaß machen!

Die sehr ansprechenden Zeichnungen machen Lust auf mehr und bieten eine perfekte Bühne zur spielerischen Sprachförderung mit Kindern.

 

Anja Kuypers

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Auf zum Markt

Doro Göbel und Peter Knorr

Beltz und Gelberg Verlag (2021)

gebunden, 16 Seiten

ISBN 978-3-407-75494-3

14 €

Herr Grau und Frieda Fröhlich“ von Binette Schroeder, NordSüd Verlag (2021)

 

Professor Ernst Grau: stets adrett gekleidet, in feinem Zwirn mit Regenschirm und Ausgehhut.

Der innen und außen sehr aufgeräumt wirkende Mann mit hängendem Schnurrbart macht seinem Namen alle Ehre: er und seine Umgebung sind immer grau dargestellt. Jeder noch so kleine Farbtupfer fehlt. Selbst sein schwarzer Hund Tuffa wedelt nicht mehr mit dem Schwanz. Und der graue Kanarienvogel Pong hat das Singen eingestellt. Herr Grau fällt in seiner eigens geschaffenen Tristesse kaum mehr auf.

Ganz im Gegensatz zu seiner Nachbarin Frieda Fröhlich. Je bunter, desto besser! lautet ihr Motto. Sie liebt das Werkeln im farbenprächtigen Garten, gemeinsam mit ihrem Zwergschwein Rosa. Frieda malt gerne, und sie schafft es, dass ihre farbenfrohen Bilder auf magische Weise lebendig werden.

Bereits auf der zweiten Doppelseite teilt Schroeder den optischen Vergleich mit ihren LeserInnen und skizziert die beiden Häuser und Gärten im direkten Vergleich: deprimierende Grau-Schattierungen neben fröhlicher Farbenpracht.

Als sich eines Tages der von Frieda gemalte kleine, gelbe Vogel von der Leinwand auf den Weg zu Herrn Grau, in den benachbarten Betonbau macht, ändert sich plötzlich alles....

Und als der Professor auch noch in Friedas wunderschöne graublauen Augen blickt, ist es gänzlich um ihn geschehen. Eine innige Freundschaft entsteht, und Farbe hält Einzug in seinem tristen Leben.

Im Text spricht Binette Schroeder die kleinen LeserInnen direkt an und fordert durch geschicktes Fragen stellen zur Ausgestaltung der Geschichte auf.

Gib dem Leben mehr Farbe! So die Botschaft des Buches, dass eine simple Geschichte gut umsetzt und anschaulich gestaltet.

 

Anja Kuypers

 

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Herr Grau und Frieda Fröhlich

Binette Schroeder

NordSüd Verlag (2021)

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3314105715

15 €

Entenblau“ von Lilia, Mixtvision Verlag (2021)

 

Das Buch ist eine wahre Farbverschmelzung von Blau und Weiß.

Es beginnt mit der Darstellung einer Szene, in der ein großes Krokodil eine kleine Ente behutsam im Arm hält, und gemeinsam schauen sie in die Ferne.

„Vor vielen Jahren sind sich die Ente und das Krokodil hier zum ersten Mal begegnet. Der blaue Teich ist ein Ort der Erinnerung.“

In der nun folgenden Rückblende wird die Geschichte vom gemeinsamen Lebensweg der beiden erzählt. Es beginnt vor Jahren, als die Ente das kleine, allein gelassene Krokodil von einem Felsen im blauen Teich rettet. Sie kümmert sich fortan um das Tierbaby und bringt ihm alles bei, was es wissen muss.

Die Zeit vergeht, und beide werden älter. Das Krokodil wächst schnell herein, und die „Erinnerungen der blauen Ente verblassen.“ nach und nach.

Liebevoll kümmert sich nun das Krokodil um sie. Mit einer Selbstverständlichkeit übernimmt nun das Reptil die Pflege des Vogels.

So wie einst die Ente im blauen Teich auf dem Rücken schwimmend das Krokodil auf dem Bauch an das Wasser gewöhnte, trägt nun das Krokodil die Ente sanft durch den Teich und erinnert an vergangene Zeiten.

Ein schönes Bild, dass sich in anderem Kontext wiederholt.

Ein Sinnbild für bedingungslose Liebe und grenzenloses Vertrauen in einer Welt des Vergessens.

Mit ausdrucksstarken Zeichnungen in dieser Zwei-Farben-Welt gelingt der koreanischen Autorin und Illustratorin eine pointierte, liebevolle Hommage an den Verlauf des Lebens.

Sie spielt mit Gegensätzen und schreibt dem blauen Teich eine Verbinder-Rolle zu. Sehr gelungen.

 

 

Anja Kuypers

 

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Entenblau

Lilia

Mixtvision Verlag (2021)

gebunden, 46 Seiten

ISBN  978-3958541788

15 €

Ich bin wie der Fluss“ von Jordan Scott, Aladin Verlag (2021)

 

Flüsse fließen nicht immer ruhig oder gerade daher. Steine im Flussbett, umgeknickte Baumstämme vom Wegesrand oder kleinere Untiefen können die Laufgeschwindigkeit sowie die Fließrichtung beeinflussen.

Dieses wunderbaren Bildes bedient sich der Autor in diesem künstlerisch illustrierten Bilderbuch und thematisiert das Stottern.

Er war und ist selber von der Sprachbeeinträchtigung betroffen, worüber er in in einem persönlichen Wort zum Ende des Buches berichtet.

Die Kreation dieser Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.

In diesem Buch skizziert er einen kleinen Jungen und erzählt in der Ich-Perspektive desselben von den Erlebnissen eines einzigen Tages.

„Wenn ich aufwache, dann höre ich den Klang von Wörtern. Aber ich kann sie nicht sagen.“, Deshalb bleibt er lieber „stumm wie ein Stein“ und verkriecht sich in der Schule aus Angst, er müsse etwas sagen.

Teils poetische Texte begleiten die beeindruckenden Illustrationen und geben ihnen noch mehr Ausdruck. Der Text lebt von Vergleichen und Metaphern sowie Personalisierungen.

Die Sprache steckt in dem Jungen fest. Dabei würde er sie so gerne frei lassen und den Klang der Wörter nicht nur in sich spüren, sondern tatsächlich hören können.

Der einfühlsame Vater des Jungen kennt seinen Sohn ganz genau. Er weiß, wann es wieder Zeit ist, an den Fluss zu fahren. Mit Bedacht und Vorsicht nimmt er seinen Sohn in den Arm und beginnt zu erzählen....

Es ist nicht immer leicht, im Leben den passenden Ton und das richtige Wort zu finden.

Dem Autor gelingt eine äußerst sensible Auseinandersetzung rund um das Stottern und seinen Begleitsymptomen.

Ein Gesamtkunstwerk über Vertrauen und Mut und eine wunderbare Vater-Sohn-Beziehung.

 

Anja Kuypers

 

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Ich bin wie der Fluss

Jordan Scott

Illustrationen von Sydney Smith

Aladin Verlag (2021)

gebunden, 44 Seiten

ISBN 978-3-8489-0197-5

18 €

Balto und Togo – Dramatische Rettung in Eis und Schnee“ von Lena Zeise, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Die Geschichte ist wahr und handelt von einem außergewöhnlichen Hundeschlitten-Rennen, in dem jede Minute zählt.

Die im äußersten Westen Alaskas gelegene Kleinstadt Nome wurde eigens wegen der damaligen Goldgräberflut 1901 gegründet.

„Kaum einer wusste um die harten Bedingungen, die hier im Winter herrschten. Ohne den Goldrausch wäre wohl kein Mensch auf die Idee gekommen, eine Stadt an dieser entlegenen Küstenregion zu bauen. Ein Ort, der mehr als sieben Monate im Jahr vom Eis eingeschlossen war, mit tagelangen Schneestürmen und berechenbaren Gezeiten.“

Jedes Jahr, kurz vor dem Wintereinbruch gibt es „ein letztes Schiff“, das Nome mit wichtigen Waren für die kalte Jahreszeit versorgt. Danach sind die Einwohner bis zum darauffolgenden Frühjahr auf sich alleine gestellt.

Ohne die Schlittenhunde-Gespanne wäre damals ein Überleben vor Ort schier unmöglich gewesen.

„Fast jeder Einwohner der Stadt besaß ein eigenes Hundegespann.“

Anfang des Jahres 1925 bricht in Nome Diphterie aus. Um die Krankheit, die sich pandemieartig ausbreiten kann, in den Griff zu bekommen, braucht es ein Gegengift aus der Großstadt.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, und dort, wo die Technik an ihre Grenzen kommt, setzt man auf die Muskelkraft der Schlittenhunde. Sie vollbringen enorme Leistungen, wenn sie trotz unendlicher Eiswüsten und nicht enden wollender Schneestürme die zugewehte Wegstrecke erschnüffeln.

Dank der legendären Gespanne kann das nötige Gegengift in die entlegene Gegend Alaskas gebracht und somit hunderte Menschenleben gerettet werden.

Besonders eines der Gespanne für die letzte Etappe mit ihrem Leithund Balto machte Furore.

Ein überaus gelungener Ausflug in längst vergangene Zeiten in Form eines Sachbuches mit Romancharakter.

Die LeserInnen erhalten einen sehr guten Eindruck der damaligen Lebensumstände.

Auf den Umschlagseiten wird die zurückgelegte Strecke bis Nome abgebildet, und man gewinnt einen Eindruck von dem enormen Aufwand für Mensch und Tier.

Jede Illustration, sei es farbig oder schwarz/weiß, gleicht einem Kunstwerk und gibt dem Buch noch einmal mehr Wert auf dem Weg zum echten Schatz.

 

Anja Kuypers

 

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Balto und Togo

Lena Zeise

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN  978-3836960700

22 €

 

Drei Herren“ von Helga Bansch, Tyrolia Verlag (2021)

 

Drei Herren in Anzug und Krawatte sowie einem Regenschirm als Spazierstock, flanieren durch einen Park. Die scheinbar gut situierten Männer berichten einander von der letzten Ballonfahrt in Afrika, von der Arbeit des Gärtners im hauseigenen Grün sowie von der Installation einer neuen Alarmanlage in der eigenen Villa.

„Wer rastet, der rostet!“, stellen sie fest, als sie sich zu tieferen Gesprächen auf einer Bank niederlassen.

Durch denselben Park laufen zeitgleich drei weitere Männer. In einfacher Bekleidung und mit Basecaps, tief ins Gesicht gezogen. Auch sie unterhalten sich. Der eine berichtet von den kärglichen Einnahmen seines Jobs als Zeitungsverkäufer, der nächste vom Schlafen im Park und der Dritte von einem Luftballon als Highlight aller Geschenke zum Geburtstag seiner kleinen Tochter.

„Ja, so ist das!“, stellen die drei unisono fest, und es scheint, als ergeben sie sich ihren ärmlichen Umständen.

Die Leben aller Männer könnten nicht unterschiedlicher sein.

Auf einmal beginnt es zu regnen. Zunächst sind die Herren unter ihren Regenschirmen gut geschützt. Doch dann kommt ein Sturm auf, und der Wind weht alle wichtigen Accessoires fort.

Welch eine gelungene Szenerie in diesem Buch, um deutlich zu machen, dass am Ende alle Menschen gleich sind. Unabhängig von der sozialen, religiösen oder kulturellen Herkunft.

Der Autorin gelingt eine gute Gegenüberstellung von Gegensätzen und löst die Situation im Park, als einzigem Handlungsort, geschickt und kritikfrei auf.

Unaufgeregt und pointiert bringt sie die Wahrheit auf den Punkt.

Helga Bansch illustriert selber, und sie findet den passenden Strich zum Text. Sehr gelungen!

 

Anja Kuypers

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Drei Herren

Helga Bansch

Tyrolia Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3702238629

16,95 €

Kein Bett in der Nacht“ von Maria Inés Almeida, Knesebeck Verlag (2021)

 

Der Originaltitel des bereits 2019 erschienenen, portugiesischen Buches „Sem Abrigo“ bedeutet Obdachlose.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Erläuterung, was Obdachlose eigentlich sind:

„Obdachlose sind Menschen, die aus finanziellen und/oder sozialen Gründen keinen festen Wohnsitz haben und deshalb auf der Straße oder in einem improvisierten Unterschlupf leben.“

Gemeinsam mit ihrem Sohn verfasst die Autorin den Text in der Ich-Perspektive eines kleinen Jungen, der erstmalig Menschen ohne ein Zuhause wahrnimmt.

Die Obdachlosen tragen ihr Haus immer mit sich, immer in ihren Herzen.

Die Illustrationen greifen die Gegensätze der Lebensumstände unterschiedlicher Menschen wunderbar auf. Wenn es regnet, ist manch einer geschützt, andere nicht....

Über die Jahre erwächst aus der kindlichen Naivität des Jungen der Drang nach Wissen.

Warum leben die Menschen eigentlich auf der Straße? Nach und nach erfährt er die Gründe manch Betroffener, und es entstehen Beziehungen zu Obdachlosen in seiner Stadt.

Der Junge beginnt sich für die Menschen einzusetzen, spendet Kleidung und ist bemüht, deren Wünsche zu erfüllen. Jeder Mensch sollte ein Zuhause haben.

Die Umschlagseiten des Buches, das fast gänzlich ohne wörtliche Rede auskommt, zieren zahlreiche Abbildungen von Häusern.

Wie kann es sein, dass manche Menschen traurig sind, obwohl sie ein Haus haben?

Sein Unverständnis erdet die LeserInnen und regt zum Nachdenken an.

Ein Buch, das still aufzeigt, wie wertvoll eine Unterkunft sein kann.

ZUFRIEDENHEIT lautet eines der Motive, die das Bilderbuch wunderbar thematisiert.

 

Anja Kuypers

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Kein Bett in der Nacht

Maria Inés Almeida

Illustrationen von Cátia Vidinhas

Knesebeck Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3957284877

14 €

Interview mit einem Tiger und anderen wilden Tieren“ von Andy Seed, Knesebeck Verlag (2021)

 

In der Einleitung erklärt der Autor zunächst, wieso er überhaupt mit Tieren sprechen kann.

Aus diversen Haushaltsgegenständen hat er sich einen Übersetzer gebastelt und interviewt nun Tiere zu deren Lebensgewohnheiten und Wohnräumen.

Er trifft zehn, vornehmlich wilde Tiere. Darunter zum Beispiel ein Wolf, ein Ameisenbär, ein Honigdachs und natürlich ein Tiger.

Jedem Wildtier lässt der Autor in seinen Interviews gewisse Charaktereigenschaften zukommen.

So ist der Wolf sehr überheblich als er dem Reporter unmissverständlich zu verstehen gibt, dass dieser „keine Ahnung“ habe.

Der gechillte Ameisenbär hingegen antwortet auf die Frage, ob er Kinder habe, nur beiläufig und abwinkend: „Vielleicht, wahrscheinlich. Naja, wir Typen sind ziemliche Einzelgänger (…).“

Während dem Faultier bei der Befragung eher nach Scherzen zumute ist, gähnt der Eisbär beim Antworten mehrfach herzhaft, und die LeserInnen erfahren, was sich hinter dem „Fast Food“ eines Gürteltiers verbirgt.

Kein Wunder, dass das Lieblingslied des Tigers „Eye of the tiger“ ist. Außerdem verrät dieser ein paar Tricks zum erfolgreichen Anpirschen auf der Jagd.

Ein Sachbuch mit Erzählcharakter. Spielerisch und kindgerecht widmet der Autor jedem Tier vier Seiten und stellt sie dort auf unnachahmliche Weise vor.

Eine bunte Mischung von interessant bis witzig. Für jeden etwas dabei.

Wunderbar dargestellt und dringend zur Ergänzung eigener Interviews mit weiteren Tieren empfohlen. Die Phantasie kennt hier keine Grenzen...

Zum Ende des Buches werden manche, vom Aussterben bedrohte Tierarten vorgestellt.

Ein Quiz zu den Tieren aus dem Buch rundet das Ganze ab und verspricht in Summe ein abwechslungsreiches Buch.

 

Anja Kuypers

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Interview mit einem Tiger und anderen wilden Tieren

Andy Seed

Illustrationen von Nick East

Knesebeck Verlag (2021)

Kinderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN  978-3957284853

14 €

Armin, der Buchhändler“ von Rotraut Susanne Berner, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Die Kreateurin der Ortschaft Wimmlingen – Autorin und Illustratorin Rotraut Susanne Berner – nimmt die LeserInnen mit in den Buchladen des bekannten Dorfes, in dem es immer etwas zum Entdecken gibt.

Der Buchhändler Armin und kümmert sich mit Leib und Seele um die Kunden und seine Bücher.

„Für alle, die gern Bücher lesen, steht Armin hinter seinem Tresen.“

Groß und Klein erfahren etwas über Armins Arbeit, der gerne Bücher stapelt und sortiert, die Kundschaft berät, Belege kontrolliert und allabendlich das Geschäft aufgeräumt verlässt.

Aber wenn er morgens in seinen Laden zurückkehrt, fragt er sich: „Warum bleibt es nicht ordentlich?“ Die Bücher liegen verstreut am Boden und Regale wurden verrückt.

Nur ein Kind kennt die Antwort: „Nachts werden doch die Bücher wach!“

Dieses Buch ist kein klassisches Wimmelbuch. Es erzählt vielmehr die Geschichte von Armin und seinem Buchladen in Wimmlingen. Mit simplen, in Großbuchstaben abgebildeten Paarreimen erfahren die LeserInnen etwas aus dem beruflichen Alltag eines Buchhändlers.

Auffällig ist die Bandbreite der bekannten Kinderbücher, die in seinem Geschäft zu finden sind.

Die Buchrücken zeitloser Klassiker, wie Peterchens Mondfahrt, Das kleine Gespenst, Der Räuber Hotzenplotz oder Die kleine Raupe Nimmersatt sind auf den ersten Blick erkennbar.

Das sehr nett und liebevoll gemachte Dickpappe-Bilderbuch spricht vor allem jüngere Kinder an. Eine weitere Möglichkeit, sie frühestmöglich mit Büchern und deren HeldInnen vertraut zu machen.

Denn eins haben alle Bücher, gleich welchen Inhalts oder Herkunft, gemeinsam: sie wollen gelesen werden!

 

Anja Kuypers

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Armin der Buchhändler

Rotraut Susanne Berner

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch - Dickpappe

gebunden, 16 Seiten

ISBN 978-3836961455

12 €

Nur ein kleines bisschen“ von Olivier Tallec, Gerstenberg Verlag (2021)

 

„Ein Baum ist superempfindlich, man muss gut auf ihn aufpassen“, erkennt das Eichhörnchen, während es schlafend auf einem Ast liegt und diesen herzlichst umarmt. „Und man muss sich um ihn kümmern, wie um einen Freund.“

Kaum ist das hektische Hörnchen wach, wird es sich selber und seinen Vorsätzen untreu. Zunächst bedient es sich der Zapfen des Baumes, bevor es in Folge die Nadeln verwendet. „... er hat so viele davon....(...). Einen darf ich mir noch nehmen.“

Als nächstes nutzt es die Zweige, die Äste, am Ende sogar den Stamm.

Was sich erst wie eine Anleitung zur optimalen Pflege eines Baumes anliest, entpuppt sich als räuberische Meisterleistung eines Eichhörnchens. Vom Baumretter zum Selbstversorger.

In der Ich-Perspektive des Hörnchens und in direkter Ansprache der LeserInnen, entschuldigt es sich mit Ausreden für sein Tun und beruhigt sich selber, dass alles in Ordnung sei. „... gar kein Problem.“

Mit viel Ironie und einigen Doppeldeutungen im Gepäck, wird hier die Geschichte eines Tieres witzig erzählt, dass zwischen Gut und Böse pendelt.

Das Buch sollte mit den Kindern gemeinsam angesehen und besprochen werden, sodass das Leseverständnis garantiert ist.

Zum Ende der Geschichte findet der tierische Protagonist eine gute Lösung für sich und den Baum. Wären da nur nicht die neugierigen Menschen....

Aber: „Eichhörnchen sind ebenfalls sehr empfindlich, und man muss gut darauf aufpassen!“

 

Anja Kuypers

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Nur ein kleines bisschen

Olivier Tallec

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 36 Seiten

ISBN  978-3836961219

13 €

Die Mondblume“ von Einar Turkowski, Gerstenberg Verlag (2021)

 

„Die Mondblume“ erschien erstmalig bereits im Jahr 2009. Einar Turkowski gewann mit dem Titel bereits den Grand Prix des 45. Golden Pen of Belgrade, erhielt eine Auszeichnung in der Sparte Bilderbuch der Dt. Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. und wurde in die Auswahlliste des Rattenfänger-Literaturpreises aufgenommen.

Der vielfach prämierte Autor und Illustrator brilliert mit seinen schwarz/weiß Bleistiftzeichnungen und seinem besonderen Erzählton.

In diesem Buch schreibt er über Herrn Ribblestone, der auf einer kleinen Insel lebt und seinen Garten mit all seinen Facetten liebt.

„Jede Ecke roch anders. Wurde man im oberen Bereich des Gartens von leicht süßlichem Duft empfangen, empfand man in schattigeren Lagen eher eine herbe Frische.“

Jeder Winkel des Gartens hält etwas Besonderes vor und beherbergt zahlreiche Tiere sowie außergewöhnliche Pflanzen.

„Der Mann war also nie allein.“ Gäste hingegen kommen eher selten, was ihn nicht stört.

Während der täglichen Gartenarbeit entdeckt Ribbelstone einen neuen Sprössling. Der versierte Gärtner kann die Pflanze einfach keiner, ihm bekannten Gattung zuordnen. Aber sie verlangt seine ganze Aufmerksamkeit. Er spricht mit ihr, pflegt sie mühevoll und trinkt seine letzte Tasse Kräutertee vor dem Zubettgehen in ihrem Beisein. Es scheint eine besondere, seltene Pflanze zu sein, deren Blüte sich partout nicht öffnen will.

Bis eines Nachts der Vollmond in all seiner Pracht und Kraft am Himmel erscheint....

Ein Buch für die Sinne. Turkowski schafft es, dass man beim Lesen entspannt.

Die Geschichte strahlt eine außerordentliche Ruhe aus.

„Skizze zur Reinzeichnung“ - im Anhang sind drei Entwürfe abgebildet, aus denen im Laufe des Entstehungsprozesses der Geschichte die finalen Illustrationen wurden.

Das Buch enthält viele Ein- und Ausdrücke, die nicht nur GartenliebhaberInnen gefallen werden.

 

Anja Kuypers

 

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Die Mondblume

Einar Turkowski

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3836960724

15 €

Chick“ von Sebastian Meschenmoser, Thienemann Verlag (2021)

 

In Meschenmosers „beinahe wahrer“ Geschichte erzählt er von sechs Küken, die in einen Stadtgarten einziehen. Allen voran der kleine Chick, der davon träumt in der Schar einmal Bosshahn zu werden.

Gäb es da nicht Henriette, die ständig das Sagen hat und weiß, sich durchzusetzen...

Chick möchte DER Retter, DER Anführer und DER starke, mutige Held unter allen sein.

Tatsächlich ist er aber das kleinste aller Küken, dem viel zu häufig aus Versehen auf dem Kopf herumgetrampelt wird und das essen muss, was übrig bleibt.

Aber Chick lässt sich nicht entmutigen und träumt seine persönliche Helden-Karriere, die Meschenmoser im Buch als kurze Comic-Strips darstellt.

Zum Ende der Geschichte kommt es anders, als vermutet....

Es gilt nicht immer das Offensichtliche, sondern es sind die überraschenden Momente, die das Leben ausmachen. Und irgendwann erhält man doch noch seine große Chance.

Das Buch punktet mit seinen wunderbaren Bleistiftzeichnungen, die den Text über Diversität harmonisch begleiten. Hier werden keine Rollenklischees bedient. Und das ist auch gut so!

Chick - ein flauschiges Küken, das man einfach liebhaben muss.

 

Anja Kuypers

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Chick

Sebastian Meschenmoser

Thienemann Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 64 Seiten

ISBN 978-3522459693

16 €

Es tanzt ein MiMaMonsterchen“ von H. C. Artmann, Tyrolia Verlag (2021)

 

Dieses Pappbilderbuch für Kleinkinder erscheint im Rahmen der Reihe buchstart.at in Österreich und bildet eine Adaption des bekannten Kinderliedes „Es tanzt ein BiBaButzemann“ ab. Das Original stammt vermutlich in seiner Erstfassung von Jacob Grimm, der es Anfang des 19. Jahrhunderts aus seinen Erinnerungen niederschrieb.

H.C. Artmann verpasst diesem eingängigen Lied nun einen moderneren Schliff und lässt den Butzemann zum Monsterchen mutieren, der im Haus ein wenig Chaos veranstaltet.

Die bekannte Illustratorin Linda Wolfsgruber kreiert dazu passende, vorwiegend in blau und orange farbige Bilder.

Bis zum Ende der kurzen Lied-Geschichte ist das Monsterchen gar nicht zu sehen ist. Der Phantasie sind also keine Grenzen gesetzt, und so könnte sich nach dem gemeinsamen Ansehen, Lesen und Singen eine kleine Monster-Malwerkstatt anschließen.

Das Buch verbindet Sprache mit Musik und Bewegung. Fingerfertigkeit und Rhythmusgefühl sind gefragt und wollen spielerisch trainiert werden.

Denn ergänzend zum eigentlichen Liedtext sind im jeweils unteren Seitenbereich dezente Hinweise nachzulesen, wie „Tippe mit dem rechten Finger im Rhythmus auf die orangenen Punkte.“ oder „Fahre mit deinem Finger die Linie nach außen nach.“

Manche Figuren oder Begleithinweise setzen motorische Grundfertigkeiten voraus, so auch die Kenntnis der Farben.

Ein gutes, interaktives Buch, das sich vornehmlich für Kleinkinder ab drei Jahren eignet.

Eine schöne Idee zur Sprachförderung mittels musikalischen Stilmitteln.

 

Anja Kuypers

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Es tanzt ein MiMaMonsterchen

H.C. Artmann

Illustrationen von Linda Wolfsgruber

Tyrolia Verlag (2021)

Bilderbuch

broschiert, 26 Seiten

ISBN 978-3702239138

9,95 €

Der Wassermann hat Zeit“ von Leonie Schlager, Tyrolia Verlag (2021)

 

Der Wassermann hat wirklich viel zu tun. Mal muss er badende Kinder beschützen oder Tiere in den Schlaf singen. Fische ins Wasser weinen oder einen Streit zwischen den Unken schlichten.

Und manchmal „... lässt er sich Bäume auf den Kopf wachsen. Das kann oft Jahre dauern.“.

Nur gut, dass der Wassermann immer am rechten Ort ist und über genügend Zeit verfügt.

Er ist reicht an Zeit.

Welch schöner poetischer Ansatz in einer Welt voller Hektik und Schnelllebigkeit

Im Rahmen eines wundervollen, besonderen Mix` aus schwarz-weiß Zeichnungen, in dem mit bunten Items gespielt wird, lernen die LeserInnen den Wassermann in seinem Element kennen und lieben.

Er sieht genau hin und kann seine Zeit sinnvoll und vor allem priorisiert einsetzen.

Alles könnte so einfach sein. Der Wassermann macht es vor.

Ein kurzes Bilderbuch, das einen zweiten Blick einfordert und viel zu erzählen hat.

 

Anja Kuypers

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Der Wassermann hat Zeit

Text und Illustrationen von Leonie Schlager

Tyrolia Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 26 Seiten

ISBN 978-3702239152

14,95 €

Als die Schweine ins Weltall flogen“ von Susanne Straßer, Mixtvision Verlag (2021)

 

Susanne Straßer ist eine international gefeierte Künstlerin, die mit diesem ungewöhnlichen Buch erneut einen Meilenstein setzt. Ungewöhnlich für ein Bilderbuch teilt sie es in Kapitel ein und lässt die anregend bunten Illustrationen ohne Begleittext für sich wirken.

Die Bedeutsamkeit textlosen Lesens wird im Nachwort durch eine Kinderphilosophin fachmännisch erläutert.

„Welche Geschichten verbergen sich darin?“ Bei Erzählbildern gibt es kein Richtig oder Falsch. Es gibt lediglich die eigene Phantasie und Kreativität, welche die Illustrationen mit Leben füllen sollen.

Straßer nutzt klassische Kapitelbezeichnungen, wie „Auto“ oder „Haus“, aber auch außergewöhnliche wie „Quatsch“ oder „Gänsehaut“.

In „Auto“ kann das Hotdog plötzlich fahren, oder sechs Eier mit Sonnenbrille rollen mit offenem Verdeck im passenden Eierkarton über die Straße.

Und wer hinter dem Kapitel „Baum“ einen simplen Waldausflug vermutet, liegt garantiert verkehrt.

Das Unmögliche wird hier stets mit einer Prise Humor serviert.

Da mäht die Hexe den Rasen im Vorgarten des Lebkuchenhauses noch selber.

Und eine einzelne Nase trägt Badekappe und springt vom 10-Meter-Brett ins tiefe Nass.

Susanne Straßer liebt das Abstruse: Perspektiven werden vermischt, Skurriles wird lebendig.

In jedem Kapitel spielt sie mit einem anderen Farbschwerpunkt und setzt nicht nur Sprichwörter gekonnt in Szene.

Es ist kein klassisches Wimmelbuch, obwohl es jede Menge zu entdecken gibt.

Es ist anders, anders gut.

 

Anja Kuypers

 

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Als die Schweine ins Weltall flogen

Susanne Straßer

Mixtvision Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 32 Seiten

ISBN 978-3958541481

15 €

Die Tode meiner Mutter“ von Carla Haslbauer, NordSüd Verlag (2021)

 

Mit Blick auf den Titel des Buches, verheißt der Inhalt pure Dramatik. Tatsächlich entpuppt sich die Geschichte als harmloser, künstlerischer Spaß. Denn die Mutter der jungen, namenlosen Ich-Erzählerin ist Schauspielerin und Opernsängerin, die auf der Bühne des Öfteren die Sterbende mimen muss.

Auch zu Hause schlüpft die imposante, große Dame zuweilen in Rollen. Mal ist sie die liebe Mutter, die ihren Kindern das Verkleiden im elterlichen Schlafzimmer erlaubt, mal ist die böse Mutter, die auch Verbote ausspricht.

Eine Geschichte aus dem Leben einer Theaterfamilie. Aber wie in jedem anderen Beruf sind auch hier die Grenzen zwischen Beruf und Familie nicht immer klar trennbar, und es bleibt schwierig, beides miteinander zu kombinieren.

Es gibt Tage, an denen der besorgte Nachbar klingelt und wissen will, woher die kreischenden Töne stammen. „Geht es Ihnen gut? Sie haben so geschrien.“ Dabei war es nur die Mutter, die bei einem entspannten Bad die Tonleitern geübt hat.

Das Buch punktet mit einigen Schmunzel-Momenten. Diese hält die Tochter gerne malerisch fest.

Die Kinder dürfen ihren Vater ins Theater begleiten, und die Mutter überzeugt stets in ihren Rollen. “Es sieht auch immer sehr echt aus.“,

In Summe hat die Geschichte mehr zu bieten, als nur die Erzählung über eine Mutter als Opernsängerin aus Sicht ihrer kleinen Tochter. Es ist der Drahtseilakt in der Vereinbarung von Job und Familie. Der aufgeklappte Einband des Buches gibt es illustratorisch sehr gut wieder.

Eine wunderbar bebildertes Buch mit eingearbeiteten Ausflügen in die Comicwelt.

Dramatisch inszenierte Illustrationen, die auf der Folgeseite wieder herrlich normal aussehen können.

Die Tode meiner Mutter, die glücklicherweise gar keine sind, sondern nur gespielt werden.

 

Anja Kuypers

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Die Tode meiner Mutter

Carla Haslbauer

Illustrationen von Carla Haslbauer

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3314105616

15 €

Was wir bauen“ von Oliver Jeffers, NordSüd Verlag (2021)

 

Als eine Art Fortsetzung von „Hier sind wir“ widmet Jeffers dieses Buch nun seiner älteren Tochter und gestaltet mit ihr gemeinsam die Zukunft.

„Was wollen wir bauen, du und ich?“, fragt er sie und bietet seine Hilfe an. Zu sehen sind zwei Paar Hände, die nebeneinander liegen. Die Hand eines Erwachsenen und die eines Kindes.

Der Akt des Bauens ist vielmehr metaphorisch zu sehen: der Vater unterstützt sein Kind dabei, sich seinen Platz im Leben zu erschaffen. Und dabei braucht es mehr, als nur Werkzeug.

Ganz nach Jefferson Art darf man wieder auf wunderbare, großformatige Illustrationen gespannt sein, die untereinander einen Bezug aufbauen. Der rote Faden ist schnell erkennbar: was braucht es eigentlich für ein sorgenfreies Leben?

Nachdem der erste Hausbau abgeschlossen ist, folgt eine Mauer um das Haus. Sie soll vor dem Bösen schützen. Aber braucht es wirklich eine Mauer? Wenn man genau hinschaut, ist das Böse meist gar nicht so schlimm, und es braucht nur ein wenig Mut. Auch diese Botschaften gibt der Autor und Illustrator seinen Leser*innen mit auf den Weg.

Das Buch macht stark und bereitet auf das Leben zu Lande, zu Wasser und in der Luft vor. Sogar bis zum Mond: „Hier ruhen wir uns aus, mein Kind, wenn wir vom Bauen müde sind.“,

Ein schönes Sinnbild vom Bau eines Hauses, das im Laufe des Lebens immer größer wird, bevor es am Ende wieder kleiner endet. Dafür aber mit vielen Schätzen und Bauanleitungen für den Weg durch das Leben.

Das Buch unterliegt einer schönen Struktur. So greifen die Hände, die anfänglich noch brav nebeneinander lagen am Ende ineinander.

Gemeinsam können wir so einiges schaffen und bauen.

Wunderbar, wie Jeffers seine eigenen Kinder in die berufliche Kreativität miteinbezieht.

Das Bauen als Synonym für die Ausgestaltung des eigenen Lebens.

 

Anja Kuypers

 

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Was wir bauen

Oliver Jeffers

Illustrationen von Oliver Jeffers

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3314105630

16 €

Frieden“ von Baptiste und Miranda Paul, NordSüd Verlag (2021)

 

Die Leser*innen empfängt auf der vorderen Umschlagseite ein Baum mit vielen Blättern, und auf jedem einzelnen steht das Wort Frieden in einer anderen Sprache.

Der Wunsch nach Frieden schlummert in allen Menschen – weltweit.

Aber was ist Frieden überhaupt? Wie ist Frieden? Was kann ich tun, damit Frieden herrscht? Und kann ich Frieden anfassen?

Frieden ist mehr als das Ende eines Krieges. Frieden beginnt im Kleinen, im Umgang miteinander, im Einklang mit der Natur. Am Ende ist es zwar nur ein Wort..... Aber eines, das so viel bedeutet.

Diese Botschaft will das Autorenehepaar vermitteln und skizziert auf jeder Doppelseite fröhliche Kinder und Tiere. Das Friedenssymbol schlechthin, die Friedenstaube, findet man ebenfalls auf jeder Seite.

Das Buch überrascht mit zwei Seiten zum Ausklappen zu einem großen Ganzen am Ende der Geschichte, die eigentlich keine ist. Vielmehr eine Sammlung von Ideen zu dem, was Frieden bedeuten kann.

Die großflächigen Illustrationen kommen mit wenig Text aus. Die Paarreime reichen manchmal über zwei Doppelseiten.

Es wird ein großes Fest des Friedens gefeiert, das hin und wieder zu rund, zu plakativ, zu schön ist.

 

Anja Kuypers

 

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Frieden

Baptiste und Miranda Paul

Illustrationen von Carla HaslbauerEsteli Meza

NordSüd Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 40 Seiten

ISBN 978-3314105654

15 €

Julian feiert die Liebe“ von Jessica Love, Knesebeck Verlag (2021)

 

Im vergangenen Jahr feierte die Autorin mit „Julian ist eine Meerjungfrau“ Premiere. Dieses herzerwärmende Bilderbuch über bedingungslose Akzeptanz war ein großer Erfolg.

Mittlerweile ist Julian älter geworden, und wieder ist er mit seiner Großmutter unterwegs.

In diesem Anschlussband sind die beiden zu einer Hochzeit mit zwei Bräuten eingeladen und treffen vor Ort auf Omas Freundin mit ihrer Enkelin Marisol. Die beiden Kinder streuen Blumen auf dem Weg zum Altar und kreieren im Laufe des Tages ihr eigenes „Feenschloss“.

Denn: „Eine Hochzeit ist ein Fest für die Liebe.“

Wieder einmal werden sämtliche Stereotype verworfen. Es gibt keine klassische Rollenverteilung. So tobt Marisol mit Hund Gloria gerne im Matsch, während Julian kreativ ist und sich um die Kleidung für die nachgestellte Hochzeitsszenerie kümmert. Alles ist gut, so wie es ist.

Und wieder einmal sind es die Großmütter, die ihre Enkel so annehmen, wie sie sind. Sie tolerieren ihr Tun und unterstützen sie sogar dabei.

Die ausnahmslos dunkelhäutigen Handlungsteilnehmer*innen sind nur ein Indiz von vielen für die ausgeprägte Vielfalt in diesem Bilderbuch.

Die Umschlagseiten des Buches werden wunderbar in die Geschichte integriert, die sehr bunt und im besten karibischen Style illustriert ist.

Individualität as its best!

 

Anja Kuypers

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Julian feiert die Liebe

Jessica Love

Knesebeck Verlag (2021)

Bilderbuch

broschiert, 32 Seiten

ISBN 978-3957284716

13 €

Tief im Ozean“ von John Hare, Moritz Verlag (2021)

 

Mit dem wunderbaren, textlosen Buch „Ausflug zum Mond“ hat John Hare bereits im letzten Jahr eine Benchmark gesetzt.

Mit diesem neuen Titel knüpft er, wenn auch bedingt an die erste Geschichte an.

Wieder einmal unternimmt ein engagierter Lehrer mit seiner Schülerschar einen besonderen Ausflug. Statt zum Mond bringt es die Kinder diesmal auf den Boden des Meeres.

Zunächst landet die Gruppe mit dem bekannten Raumgleiter vom Mondausflug auf einer futuristischen Plattform, bevor sie von dort in ein quietschgelbes U-Boot steigen und abtauchen.

Wer genau hinsieht, erkennt beim Einsteigen den Jungen aus der Klasse, der den Ausflug zum Mond unvergesslich gemacht hat. Er trägt wieder seine Malutensilien mit sich.

Die Gruppe ankert und geht auf dem Meeresboden spazieren.

Während die meisten Kinder den begleitenden Worten des Lehrers lauschen, kommt erneut ein Schüler abhanden. Es ist ein kleiner, neugieriger und mit einer Unterwasserkamera ausgestatteter Junge, der auf der Suche nach dem richtigen Motiv ist. Dabei stößt er auf eine geheimnisvolle, versunkene Stadt, die Atlantis nicht ähnlicher sehen könnte und in der er sich verläuft.

Erfolglos versucht er mit einer wasserfesten Taschenlampe Lichtsignale zum Rest der Gruppe zu senden. Vergeblich. Riesenasseln nehmen sich seiner an und kuscheln mit ihm, spenden ihm Trost. Plötzlich wird die tristgrau dargestellte Unterwasserwelt von einem orangefarbenenen Meeresungetüm eingenommen, das am Ende gar nicht ungeheuerlich ist.

Das Abenteuer nimmt seinen Lauf... Ob sich auch in dieser Geschichte der Lehrer an den vermissten Schüler erinnern und ihn wieder einsammeln wird?

Aus den Ähnlichkeiten der beiden Bücher wird kein Geheimnis gemacht. Die Rahmenhandlungen sind durchaus vergleichbar.

Die englischen Titel „Field Trip to the Moon“ (Ausflug zum Mond) und „Field Trip to the ocean deep“ (Tief im Ozean) sind von Beginn konkreter und weisen gezielt darauf hin.

Aber dank der erneut vielen Erzählanlässe zu den wunderbaren Illustrationen des nahezu textlosen Buches, wird es einfach nie langweilig werden.

Es darf gerne mehr Schulausflüge dieser Art geben.

 

Anja Kuypers

 

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Tief im Ozean

John Hare

Moritz Verlag (2021)

Kinderbuch

gebunden, 48 Seiten

ISBN 978-3895654053

14 €

Die Wette“ von Antje Damm, Moritz Verlag (2021)

 

Lilo liebt Pflanzen und besucht deshalb auch häufig ihren älteren Freund Hein in seinem Gewächshaus. Zwei Generationen fachsimpeln über die bestmöglichen Bedingungen für Pflanzen.

Aber was brauchen sie wirklich zum Wachsen?

„Hauptsache sie kriegen genug Sonne und Wasser!“, meint Hein.

Lilo kontert mit dem Hinweis, dass Liebe und gute Behandlung der Pflanzen mindestens genauso wichtig sind.

Kurzerhand nimmt jeder eine junge Topfpflanze, und die Wette, wessen Pflänzchen innerhalb der vereinbarten Zeit schneller wächst und gedeiht, steht. „Abgemacht!“

Über den Preis für den Gewinner wird gar nicht gesprochen. Dies ist absolute Nebensache.

Es geht nicht ums Gewinnen, sondern um die Ehre.

Welche Art der Aufzucht wird wohl vielversprechender sein?

Behutsam transportiert Lilo ihre Pflanze im Puppenwagen nach Hause und stellt sie am Abend zur Schlafenszeit neben ihr Bett. Tagsüber macht sie sie mit anderen Pflanzen im Haus bekannt und spielt ihr auf der Flöte etwas vor.

„Hein gießt sein Pflänzchen regelmäßig.“

Am Ende ist es viel wichtiger, sich in Geduld zu üben und allen Lebewesen mit Respekt zu begegnen. Gibt es womöglich gar keinen Gewinner?

In typischer Antje Damm Manier werden die Texte im Buch wunderbar illustriert und mit verschiedenen Kartonagen und Papieren kreativ in Szene gesetzt.

Mit jeder Menge Liebe zum Detail.

In ihrer Einfachheit enthält die Geschichte wichtige Botschaften und vermittelt sie auf einzigartige, zurückhaltende Weise.

Diese Geschichten gehören zur Königsklasse lohnenswerter Kinderbücher.

 

Anja Kuypers

 

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Die Wette

Antje Damm

Moritz Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 36 Seiten

ISBN 978-3895654046

12,95 €

Alle zählen“ von Kristin Roskifte, Gerstenberg Verlag (2021)

 

Ein Buch, über das man spricht.

Mit seinen Wimmelelementen und Zahlenspielen liefert es jede Menge Erzählanlässe und punktet darüber hinaus mit dem Thema Vielfalt.

Von Seite zu Seite tauchen immer mehr bunt gekleidete Menschen auf. Sie sind groß und klein, dick und dünn, scheinen gut oder schlecht gelaunt, tragen langes oder kurzes Haar... Kurzum: viele, individuelle Typen vor skizzenhaften, hellblau gefärbten, unterschiedlichen Alltagsszenen. Das können lustige Ausflüge in den Freizeitpark, traurige Beerdigungen, literarisches Leben in der Bibliothek, der langweilige Vormittag in der Schule oder ein teurer Einkauf im Supermarkt sein.

Die Summe der Menschen einer jeden Seite wird als Zahl im unteren, rechten Seitenrand abgebildet. Des Weiteren gibt es kurze Hinweise zu den einzelnen Szenen. „2 Menschen bei einem Ausflug in den Wald. Einer von ihnen sagt etwas, an das sich der andere für den Rest seines Lebens erinnern wird.“ Nun sind die LeserInnen gefordert, über den Hinweis zu sprechen. Wer erteilt den guten Ratschlag? Welche Tipps gibt er seinem Mitmenschen auf den Weg? Der Phantasie werden keine Grenzen gesetzt.

Das Ende des Buches hält eine Art Auflösung zu den Aussagen der Seiten vor. Dabei hätte es diese gar nicht gebraucht. Ein Richtig oder Falsch gibt es eigentlich nicht...

Mit zunehmender Menschenanzahl werden die Hinweise umfangreicher und das Reden darüber dürfte vermutlich noch interessanter und bunter ausfallen.

Jeder Einzelne trägt zum großen Ganzen bei.

Das Buch überzeugt und gewinnt auf der ganzen Linie. Ein gern empfohlener Titel in der Welt der Bücher zum Thema Vielfalt.

 

Anja Kuypers

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Alle zählen

Kristin Roskifte

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 64 Seiten

ISBN 978-3836960366

18 €

Schnell, schnell, schnell“ von Clotilde Perrin, Gerstenberg Verlag (2021)

 

„Ich war mal wieder nicht schnell genug....“, stellt die kleine Protagonistin fest, die kurz nach dem zügigen Aufstehen durch den Tag hetzt. Dabei springt sie frühmorgens aus dem Bett, flitzt zum Schulbus, eilt durch Landschaften, rast mit einem Ultraschallflugzeug durch die Welt.

Immer höher, immer schneller, immer weiter.

Aus der Ich-Perspektive des kleinen, rothaarigen Mädchens wird die Schnelligkeit, die Kurzatmigkeit mittels eines nicht enden wollenden Satzes im jeweils unteren Bildrand auf jeder Seite dargestellt.

Die Illustrationen zeigen das Mädchen inmitten weiterer Menschen, die allesamt durch die Szenerie hasten.

Clotilde Perrin verwendet viele Synonyme für das Wörtchen „schnell“. In Windeseile und temporeich wird alles im Galopp erlebt.

Nach der Hälfte des Buches nimmt die Autorin plötzlich die Geschwindigkeit heraus, und die Stimmung kippt. Als träte sie auf die Bremse.

Fortan ist das Mädchen nur noch alleine zu sehen. Sie gönnt sich die Zeit, sich auch mal umzusehen, stehen zu bleiben, in Ruhe zu atmen.

Die Anordnung der Schrift verändert sich, löst sich von der Fußzeile und fügt sich in der entspannten Naturszene ein. Sie integriert sich, schwingt mit, formt sich individuell.

Das schmale Buchformat eignet sich hervorragend, um Strecken abzubilden, Wege aufzuzeigen. Es erdet und stellt Fragen: Wo ist die Stille hin? Wo die Muße, auch mal abzuwarten?

Wieder einmal ein Buch, das sich bestens für Groß und Klein eignet. So richtet sich die Autorin zu Beginn des Buches gleich mit zwei Zitaten an die LeserInnen.

Für die Kleineren zitiert sie ihre Tochter: „Sag nicht dauernd, ich soll mich beeilen. Ich bin noch nicht fertig mit Spielen!“

Die Großen erinnert sie an die Wichtigkeit des Innehaltens.

Ein wunderbares für ALLE!

 

Anja Kuypers

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Schnell, schnell, schnell

Clotilde Perrin

Gerstenberg Verlag (2021)

Bilderbuch

gebunden, 24 Seiten

ISBN 978-3836961011

12 €

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© Anja Kuypers